...eine kleine subjektive Ergänzung...
der Vintage-Boom (wenn es den überhaupt gibt) ist aus meinem Blickwinkel heraus fest mit einer Fehl-??? Entwicklung der späten siebziger und frühen achtziger Jahre zu erklären. Diese Zeitspanne gehört zwar heute auch zu Vintage aber ich berufe mich der Einfachheit halber auf Sets der Zeitspanne vorher!!! bzw. Firmen wie Slingerland, Gretsch und Ludwig die dem Trend der späten Siebziger bzw. frühen Achzigern weitestgehend NICHT folgten.
Die Drum-Kessel nahmen damals in der Anzahl der verwendeten Holzschichten und somit ihrer Wandstärke zu. So gab es viele Kessel (auch bei hochwertigen Serien!) mit 9 - 12 Millimeter Wandstärke. Die Gründe und Argumentationen der Hersteller wieso und weshalb das "dicker sein" klanglich besser ist, spare ich mir gerne. Nur soviel sei gesagt, dass viele Argumente von damals heute genau um 180 Grad gedreht den dünnwandigen Kesseln zugeschrieben werden ![]()
Viele Drummer die ich kenne spielten damals diese Boliden mit zig Kessellagen bzw. dicker Wandstärke, im Glauben "State of the Art Drums" erworben zu haben. Auch mir ging es einige Jahre so. Woimmer ich mich hin verirrte bzw. Kollegen besuchte, standen meist diese massigen Kessel ´rum.
Dann kamen im Erlebnishorizont meiner Jugendjahre
"plötzlich" dicht gefolgt 2 Ausreißer. Ein Drumlehrer hatte ein Ludwig der frühen Sechziger und ein Drumkumpel ein Slingerland der frühen Siebziger. Beide hatten offensichtlich eine wesentlich schlechtere Kesselverarbeitung als viele der damaligen modernen Hochpreis-Sets der späten Siebziger und Achtziger die mich und Drumkumpels umgaben.... nur komischerweise klang in meinen Ohren jenes Ludwig und erstrecht das Slingerland deutlich freier, luftiger, resonanter und wie ich schon damals fand "besser". Das war für mich damals ein schwer erklärbarer Widerspruch. Schlechtere, oder durch alterseffekte ramponierte Kessel (teilweise sogar mit massiven Schäden an der Gratung) klangen runder als die teuer bezahlten State of the Art "Mühlen".
Dann erwarb ich das Artstar 1 (zwar nicht richtig dünn... von den Kessellagen aber schon mal ein Schritt in die richtige Richtung) und viel später erfolgte dann auch mit Starclassic und Pearl Masters und vielen anderen die offizielle Rückbesinnung der Industrie im Hochpreisbereich, dass dünne Kessel einen richtig geilen Sound machen (können). Ich weiß natürlich das viele Gretsch-, Ludwig- und Slingerland-User das auch durch die späten siebziger und Achtziger immer gewußt haben... nur die Mainstream-Haltung und die Auflagenstarken Drumbroschüren hatten damals eben eine andere Stoßrichtung vorgegeben.
Anway... damals begann zumindest für mich (und nicht wenige Kollegen) die Suche nach jenen alten Sounds, da einigen Drummern genau dieser "alte" Sound besser gefiel und der aktuelle Markt bzw. die Industrie diese Vorlieben weitestgehend ignorierte. Da nahmen manche gerne die oftmals miesere Verarbeitung bzw. zu hohe Preise in Kauf.... für mich der wirkliche Beginn des Vintage-Gedankens. Gleichwohl hat es natürlich schon immer Sammler von alten Sachen gegeben, auch früher schon (da stand natürlich nicht immer der Sound im Mittelpunkt, sondern die Sammelleidenschaft bzw. die Freude am Erwerben seltener Stücke).
Aus heutiger Sicht gibt es für mich (und all jene die ohne Mythos leben wollen und nur nach Sound streben) keinen Anlaß mehr für astronomische Preise Altsets der sechziger und frühen siebziger zu kaufen, da heute genug dünnwandige, toll klingende Drumsets von allen Marken angeboten werden... noch dazu mit perfekter Verarbeitung (das Drum-Kessel wirklich rund sind... und die entsprechenden Felle ´drauf passen ist von unzähligen anderen Unzulänglichkeiten der Uraltsets mal abgesehen, nämlich auch nicht immer so gewesen ![]()