Nick74: Danke Dir für den sehr ausführlichen und differenzierten Beitrag, da steckt viel Wissen und persönliches Engagement drin!
Allan ist aus meiner Sicht in erster Linie Journalist und Vermittler, kein Entwickler oder „Tech-Deep-Diver“. Sein Fokus liegt stark darauf, Entwicklungen sichtbar zu machen, massenkompatibel zu erklären und eine breite Community abzuholen. Das hat zwangsläufig zur Folge, dass Dinge vereinfachter oder weniger tief technisch dargestellt werden, als es für jemanden mit sehr spezialisiertem Know-how wünschenswert wäre. Du hast natürlich recht: Wenn manche Punkte erst gar nicht in Erscheinung treten, entsteht womöglich ein zu positives Gesamtbild.
Du sprichst einen weiteren zentralen Punkt an: E-Drums werden oft immer noch (leider) primär als Ersatz für A-Drums gedacht, getreu dem Motto leiser, praktischer, recordingfreundlicher. Die spannendere Ebene, und da bin ich komplett bei Dir, sind aber diese „Creative Engines“: Also Systeme, die Dinge ermöglichen, die akustisch schlicht nicht gehen. Diese Ebene ist deutlich komplexer, weniger zugänglich und für viele Drummer im Alltag nicht relevant genug. Deshalb dominieren aktuell weiterhin die klassischen Themen. Allans Ansatz ist eher Breite statt Tiefe, während Du klar aus einer Perspektive argumentierst, die stärker in Richtung Spezialisierung und Innovation im Detail geht. Beides hat seine Berechtigung, bedient aber unterschiedliche Zielgruppen. Allan bildet einen Teil der Szene ab, aber eben nicht alle Nischen. Gerade die Themen, die Du ansprichst, sind noch nicht im Mainstream angekommen.
Zur Frage von Dirk und E-Drums allgemein: Ich glaube, der entscheidende Punkt ist vom "E" als Ersatz hin zu "E" als eigenständiges Instrument mit eigenen Möglichkeiten. Und da stehen wir, ehrlich gesagt, immer noch erst am Anfang. Das ist weiterhin Pionierarbeit, und das nach all diesen vielen Jahren!
Bei dem Thema Latenz halte ich mich bewusst zurück. Das kann ich aus meiner Perspektive nicht fundiert bewerten.
Ich möchte aber nichts gegeneinander ausspielen, sondern eher zwei Entwicklungsrichtungen zeigen. Das Problem ist dennoch: Diese beiden Welten sprechen noch zu wenig miteinander, bzw. interessieren sich zu wenig füreinander!
Mein grobes Fazit: Allan steht eher für die Breite, während Stimmen wie Deine wichtig sind, um die Tiefe und zukünftige Richtung zu pushen. Beides braucht es!