Beiträge von ohne titel

    Es gibt immer wieder mal Hersteller, die Mischpulte mit fertigen Wunderpresets ausliefern. Aus gutem Grund verschwindet das aber immer wieder schnell…

    Daher kann ich nur einige gutgemeinte Ratschläge loswerden:

    - Hinhören! Klingt es so wie du willst? Perfekt! Finger weg.

    - Klingt es nicht so wie du willst? Mach die PA aus und lausche dem Instrument. Klingt immer noch nicht geil? Das Problem steht vor dem Mikrofon, arbeite daran.

    - Nach mehrfachem Hinhören und nachdenken bist du der Meinung, dass es an der Übertragungskette liegt? Dann nichts wie ran: Stehen die Lautsprecher richtig zum Publikum und zu den Mikros? Stehen die Mikros richtig zu den Schallquellen und den Lautsprechern? Nein? Dann korrigiere das. Immer noch nicht mit Pult anfassen.

    - Gut, bis hierhin stimmt jetzt alles. Noch mal hinhören: Klingt es jetzt vielleicht so schon gut? Ja? Gönne dir ein Bier.

    - Nein? Na gut, du darfst das Pult anfassen.

    Alle Pegel sind in einem irgendwie sinnvollen Bereich? Sehr gut. Praktisch ist es, wenn die Fader normalerweise auf 0dB stehen, das fördert die Übersicht und du kannst zwischen den Songs schnell zurück auf Los.

    Maßnahme Nr. 1 für alle nicht rein elektronischen Quellen: Low Cuts setzen. Da hat natürlich jeder seine Standardstartwerte, aber das braucht man nicht, wenn man auch hinhören kann.

    Maßnahme Nr. 2: Sehr undisziplinierte Quellen, die unangenehm im Pegel schwanken, bekommen einen Kompressor verpasst (Sänger, nimm ruhig für den Anfang diesen easy Mode in dem Pult) oder werden gefesselt (Gitarristen, die dicken schwarzen Kabelbinder aus dem Baumarkt gehen gut).

    Maßnahme Nr. 3: Wenn irgendwas dazu neigt, sich aufzuschwingen, setze behutsam ein Gate. Achte darauf, was du hörst und nicht auf die bunten Bildchen im Display. Setze möglichst wenig Gain Reduction ein, dann hört man unsaubere Trigger nicht.

    Maßnahme Nr. 4: Hinhören! Und dann erst vorsichtig am EQ schrauben, dabei weiter hinhören und die bunten Bildchen ignorieren. Und hier kann man endgültig keine konkreten Tipps mehr geben, nur so viel: Wenn du nicht ganz genau weißt, was du tust, arbeite lieber mit Absenkungen statt mit Anhebungen. Wenn du irgendwann auf Erfahrungswerte zurückgreifen kannst, setze Frequenzen und Güte der Filter schon in der Vorbereitung, lass die Gains aber bei 0, bis du hörst, was du tust. Lasse immer mindestens einen Filter unbenutzt, damit du noch einen hast, wenn du während der Show noch einen brauchst.

    Und immer wieder: Hören. Hat das die Wirkung, die du wolltest? Stimmt die Lautstärke?

    So. Jetzt klingt es schon richtig geil. Ein bisschen Würze fehlt vielleicht noch: Du wolltest Effekte.

    Bau dir erst mal einen Hall für alles mögliche, z.B. einen kurzen Plate, spiele mit der Decay Time, dem Predelay und dem Low& Hicut.

    Immer noch nicht genug? Ein dezenter Chorus und ein Monodelay sollten für Rock’n’Roll reichen, alles andere ist bisweilen lustig, aber bis dahin gibt es noch einige andere Lektionen umzusetzen.

    Im Livebetrieb setze ich für das Publikum sehr wenig Panning ein, weil kaum ein Zuhörer beide Seiten einer Standard PA hört. Die Overheads drehe ich meistens auseinander, allein, um Kammfilter zu vermeiden, bei den Toms kann man sich bei Langeweile mit Haas Pannings beschäftigen. Das ganze aus Publikumssicht. Für Stereo Inear für den Trommler andersherum, für den Rest Mono.

    Weil es so wenig gibt, was man überhaupt Stereo machen kann in üblichen Beschallungssituationen, nutze ich für den Stereoeffekt oft Congas und Bongos, das geht natürlich für die meisten Zuhörer auf Kosten der Ausgewogenheit, aber das leiste ich mir dann. Aber das sind so gesehen reine Effekte, die nichts mit der tatsächlichen Anordnung auf der Bühne zu tun haben, sowohl Bongos als auch Toms sind in der Praxis aus Sicht des Zuschauers in 20m Entfernung ziemlich nah aneinander.

    Es wird spannend, was sich da einbürgert, wenn immersive Audio Ansätze im Rock‘n‘Roll Einzug halten.

    Sehr oft denken die englischen Produktionen alles aus Künstlersicht, die deutschen alles aus Publikumssicht. Vielleicht ist das britisch Künstlerego einfach etwas größer…

    Tip Nummer eins für solche Situationen: Sei ein Messie. Eine gemütliche Raumakustik entsteht nicht durch einen schalltoten Raum, sondern durch eine hinreichend komplexe Geometrie. Stell Kram in den Raum, bis es gut ist. Das können weiche, schallschluckende Dinge wie oben angesprochenes Sofa sein, aber auch schallharte, die für komplexe Reflexionen sorgen. Einige Hirschgeweihe an der Wand, lebensgroße Plüschelefanten, eine Sammlung salziger und süßer Snacks, Pizzakartons voll und leer, etc… Eine Klavierlackschrankwand entlang der Wand bringt wenig, ein Regal mit 30 Laufmetern Noten dagegen viel.

    Klar, AKG C414 als Overhead ist auf vielen Ridern zu finden, Neumann TLM103, AKG C3000 (alt) hat auch schon gut funktioniert, Billiggroßmembranen eher nicht, auch meine Beyerdynamic Bändchen, die alten Röhrenschöpse und der ein oder andere Sonderling funktionieren je nach Anwendung gut. Nur hilft das dem Threadstarter nicht weiter, weil das nicht so universell funktioniert. Ohne Alternativen zu haben, wäre mir das zu speziell.

    Wie gesagt liegt mein Fokus dabei auch nicht auf bestmöglichem, sondern auf praxistauglichem Sound.

    Da stimme ich zu - alleine aus dem Grund, da man im typischen Klein-Rock'n'Roll-Betrieb an tausend anderen Sachen besser scheitern kann als am Beckenklang. Für den interessieren sich alle außer dem Beckeninhaber eigentlich erst dann, wenn es weh tut im Ohr. Es lohnt sich aber schon, da passendee Werkzeug zu verwenden. In meinen Schülerbandmischer - AKG C1000 - Zeiten hatte ich gar keine Freude, Overheads mehr als irgendwie nötig aufzuziehen. Bis ich dann mal beim öffentlich-rechtlichen Ü-Wagen in die Mikroschublade greifen durfte und da Schöpse drüber hingen. Da beginnt das Spaß zu machen. Diese Erfahrung kostet mich seither viel Geld...

    Ich gebe euch recht, dass es sehr, sehr viele benutzbare Kombinationen gibt, und wenn fürs Snaremikro nur ein Zehner übrig ist, funktioniert auch ein Uher M534. Ich persönlich bin der Meinung, dass es sich lohnt, einen Großteil des Budgets für die Overheads zu verbraten, und vom Rest dann das zu kaufen, was im Budget zu haben ist. Es gilt, genannte China - Höhen zu vermeiden und, anders als wenn alles einzeln mikrofoniert wird, ein bisschen Tiefgang zu haben.

    Das Behringer Ding fällt übrigens im Blindtest nicht auf zwischen den üblichen Grenzflächen, das ist völlig ok, wenn man Grenzflächensound will. Die geforderten Musikgenres sind aber mit einem etwas universelleren dynamischen Mikro besser zu bedienen. Welches genau, da spielt im Zweifel dann die Vefügbarkeit eine große Rolle.

    Ich kaufe sehr viele Mikrofone gebraucht, anders könnte ich mir meinen Spleen gar nicht leisten. Das heißt aber auch: Ich habe schon einiges an Lehrgeld bezahlen müssen. Defekte Mikros, gefälschte Mikros und welche die nie ankamen und wahrscheinlich auch nie existiert haben. Das bringt mich zu folgenden Empfehlungen:

    - keine Vorkasse, niemals.

    - bei noch neu erhältlichen Mikrofonen: Max. 50% vom Neupreis.

    - Vintage ist ja schön und gut und manchmal auch berechtigt, hat aber Grenzen. Wer schon mal schmierigen Filterschaum von einer teuren Membran gepult hat, weiß wovon ich spreche.

    - Es gibt Typen, die fast immer ok sind und welche, die sind fast immer kaputt. Ein heiles AKG D12 oder Beyer M201 sind die Ausnahme, Beta52 ist irgendwo in der Mitte, SM58 sind meistens ok.

    - Geduld! Für manche Mikros habe ich drei Jahre gelauert, bis irgendwo eins aufgetaucht ist. Und auf manche lauere ich immer noch.

    Um ohne Tommikros auszukommen, sind die Lewitt sicher nicht die erste Wahl, der Frequenzschrieb zeigt den Preisklassentypischen Verlauf mit ausgeprägtem Präsenzbuckel und frühem und starken Bass-Rolloff. Das ist für Becken sicher ok, aber eher nicht toll fürs ganze Set.

    Nachdem jetzt auch das Budget und die Musik bekannt sind, hier eine konkrete Empfehlung:

    2x Line Audio CM4, die sind kaum gebraucht zu bekommen, daher 2x155,-

    Kick z.B. Audio Technica Pro25, gebraucht ca. 90,-, die verbleibenden 100,- wahlweise in ein Snaremikro investieren, z.B ein gebrauchtes Beta 57, oder in ein paar vernünftige Stative (2xK&M 210/9, 1x 259/1).

    Vor konkreten Empfehlungen steht erst mal die Frage, was überhaupt nötig und sinnvoll ist. Für 30 - 50 Leute braucht man unter normalen Umständen ja nicht wahnsinnig viel Beschallung, einzig ein Kick Mikrofon ist da oft förderlich. Welches konkret, hängt von der Soundvorstellung ab. Es gibt Mikros, die einen eindeutigen Eigenklang mitbringen, der es erleichtert, bestimmte Klanggewohnheiten abzubilden. Typische Anwendung wäre eine Rock/Pop Kapelle. Und es gibt eher neutralere Varianten, die erst mal ziemlich unspektakulär bis langweilig klingen, sich dann aber in alle Richtungen bearbeiten lassen. Wenn vielfältige Sounds gewünscht sind, ist das die bessere Wahl.

    Für Aufnahmen wirst du zu aller erst mal Overheads brauchen, wenn die etwas taugen und der Raum nicht unterirdisch klingt, lassen sich damit schon sehr anständige Aufnahmen machen. Damit Snare und Toms auch ohne eigenes Mikrofon gut klingen, sollten die Overheads nicht allzu billig sein und auch untenrum vernünftig abbilden. Die billigsten Varianten, die ich guten Gewissens empfehlen würde, sind Line Audio CM4 oder Rode NT5.

    Wenn später einzelmikrofonierung gefragt ist, gibt es je nach Geschmack und Budget 1000 Möglichkeiten.

    Es ist schon erstaunlich, welch eine Vielfalt an Spezialteppichen für alle erdenklichen Genres es da so gibt, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass das am häufigsten aus den Tourbussen fallende Modell dieses hier sein dürfte - dicht gefolgt von der Lösung „Habt ihr vielleicht einen Teppich hier, ich habe meinen nämlich gestern in Bielefeld auf der Bühne liegen lassen?“

    Jetz will ich auch noch mal schnell, ich versuche mich dabei auf die Sicht des Livetechnikers zu beschränken...

    - Am Mischpult unterscheide ich zwei Typen Drummer. Typ 1 will so klingen, wie ein Rock/Pop - Set halt so klingt. Das umfasst eigentlich fast alles von Cover bis hin zu 90% des Festivalgeschehens. Hier gilt für mich: einen disziplinierten Fuß vorausgesetzt, komme ich mit allen Größen gut klar. ein sauberer Attack ist viel wichtiger als die Frage nach viel oder tiefem Low End. Bei Bedarf verstümmle ich das im Pult sowieso in einem Maß, dass ich dir nie erzählen darf. Aber mit einem der üblichen Mikros, zeitgemäßem Processing und zeitgemäßer PA lasse ich jede beliebige Trommel nach 26" klingen.

    - Typ 2 weiß, welches Werkzeug er braucht, um die Musik zu machen, die er machen will. Dem brauche ich dann aber auch nichts zu erzählen.

    - Wenn du mit der Drumforce One anreist und genug Roadies hast, nimm mit, was dir gefällt.

    - Wenn du willst, dass dein Eimer im Truck/Nightlineranhänger/etc. keinen Ärger macht, sieh zu, dass er samt Bag in eine Standard 120x60x60 Packkiste passt. Das geht so bis 20".

    - Wenn du samt Set selber anreist: Das muss in deinen Polo passen. Der Bassist hat gerade keinen Führerschein und der Gitarrist hatte noch nie einen. Die müssen auch noch mit rein. Mit Instrumenten und Backline. Du hast gar keinen Polo? Ok, dann muss das in deine A-Klasse passen.