Bei mir ist das so:
Wir kommen im Proberaum an, Begrüßung, allgemeines Gequatsche, alle haben Bock, jetzt gemeinsam Musik zu machen. Instrumente bereit machen, wir einigen uns auf den ersten Song, nochmal ein bisschen Gefummel, der Sänger brummt ins Mikro, findet seinen Einstieg, Blickkontakt, ich frage "Fertig"?, und dann warten alle auf den Einzähler. Nach dem Auftakt wippt der Rhythmus-Gitarrist, der Lead-Gitarrist schwingt vor und zurück, der Bassist tippt den Rhythmus mit dem linken Fuß mit, der Sänger bewegt sich im Rhythmus… und wenn ich das sehe, bin ich drin. Dann schließe ich manchmal meine Augen beim Spielen und bin voll in dem Song und höre uns zu. Ich denke nicht über Feel, Fills oder Groove-Wechsel nach, denn das kommt von alleine. In dem Moment kann ich nichts falsch machen, obwohl ich nun wirklich keine gute Schlagzeugerin bin. Wenn wir gut durchgekommen sind und alle richtig Freude hatten, rufe ich nach dem Abschlag oft Wow! Oder Jawoll! - und alle strahlen.
Wenn sich allerdings jemand verspielt und wir mittendrin abbrechen müssen, muss ich erst wieder aus meinem Tunnel auftauchen und mich neu sortieren.
Das ist das, was es ausmacht. Das ist für mich das (Glücks-) Gefühl beim gemeinsamen Musizieren. Ich könnte nicht in den Song eintauchen, wenn etwas nicht stimmt.
Okay, bisken schwammig das alles - aber so ist das halt.
Aber ich kann auch allein an meinem Set zuhause glücklich sein. Wenn ich etwas schwieriges übe und zigmal und immer wieder von vorne wiederhole, nur zum Metronom, entsteht in meinem Kopf auch eine Melodie. Die höre ich dann manchmal noch Stunden später. Wie ein Ohrwurm. Oder halt das Spielen zu Playbacks. Da ist dann keine Interaktion, aber letztendlich spiele ich auch hier mit anderen Musikern zusammen. Dabei ist die Herausforderung, mich einzufügen und den Song anhörbar oder auch wirklich gut! zu bedienen. Macht auch Spaß.