Möchte nochmal auf die Prägung zu sprechen kommen, weil ich daran glaube.
Ich glaube, dass man die Musik, mit der man als Kind beschallt wurde, nie wirklich ablehnt, auch wenn man sich später anderen Genres zuwendet.
Während der Schwangerschaft habe ich ständig Iron Maiden gehört. Warum weiß ich nicht. Das war wie mit den Dosenpfirsichen in der Zeit - einfach unerklärlich dieser Konsum. 
Meine Tochter liebt Iron Maiden…
Meine Mutter hat ausschließlich klassische Musik gehört. Immerzu liefen bei uns zu Hause Opern, Operetten, Arien, Konzerte usw. Noch heute kriege ich feuchte Augen, wenn ich im Fernsehen durch Zufall rein schalte.
Mein Papa stand auf Männer-Quartette. Auch das ist irgendwie hängen geblieben. Ich liebe Elvis' Backgrounder wie "The Stamps", "The Imperials" oder "The Blackwood Brothers".
Die Prägephase geht aber darüber hinaus bis hin ins junge Erwachsenenalter:
Als Teenager (diese blöde Zeit der Selbst- und Sinnsuche) geht das Ganze weiter und gipfelt als junger Erwachsener in einer gewissen Festlegung.
Es beginnt schon mit dem Klima in der Schule. Da gab es Schulen, in denen die Lehrer eher konservativ eingestellt waren, immer Busy Style trugen und sich klar abgrenzten von der zu unterrichtenden Horde.
Und dann gab es Schulen, wo sich Lehrer versammelten, die glatt als Klassenkameraden durchgehen konnten. Eine solche (weiterführende) Schule habe ich 9 Jahre lang besucht. Es macht was mit einem, wenn der Lehrer sich einen Pulli strickt während er die Klausur beaufsichtigt, und bei der Klassenfahrt ne Tüte bastelt.
Zu einem solchen Klima gehört viel Musik, und die bleibt haften. Wenn auch nur irgendwo in Hirn und Herz. Auch diese szenetypischen Dinge bleiben haften.
Welche Schubladen gab es damals? Popper, Punker, Ökos, Hippies, Rocker, Teddys…Hab ich wen vergessen?
Ich denke, dass man diese Schublade, in die man zwangsläufig geraten ist, nie ganz verlässt. Selbst der, der später z.B. Manager wird, ein kostspieliges Leben führt und kaum noch mit demjenigen vergleichbar ist, der er mal war, wird sich in der ursprünglichen Szene wohlfühlen und entsprechende Musik authentisch transportieren können.
Und derjenige, der die Szene nie hinter sich lässt, hat sowieso kein Problem mit seiner Authentizität.