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Frankieboy, da ich bin bei Dir:
Mich hat es vor ca 20 Jahren bei einem Konzert von Karizma inkl. Vinnie C. erwischt: Statt Begeisterung erfasste mich spontan ein seltsamer entfremdelnder Kältestrom, der mich zur Pause sogar gehen liess.
Seither ist mir klar, dass es - für mich - zwei Arten von Musik gibt: Eine, die dem Zuhörer etwas mitteilt, sich an ihn wendet, ihm Fragen stellt, kurz: kommunizieren will, wenn auch nur fiktiv.
Und eine andere, die zufrieden ist mit sich selbst, eine, die sich selbst genügt; Musik, die dem Zuhörer bei jeder Note klarmacht: "Ich brauch dich nicht, hör zu oder nicht, ist mir egal, ich bin hier und ich bin verdammt gut".
Musik gewissermassen als Selbstgespräch, ein Witz, den sich die Musiker selber erzählen, um dann verschroben in sich reinzukichern wie ein betrunkener Clochard unter einer Brücke.
Mag diese Musik auch noch so virtuos sein: sie will nichts mitteilen, sie will nicht helfen, sie will nicht trösten, sie will keinen aufrütteln, mitreissen, will niemanden beleidigen, ja, sie will noch einmal begeistern: Denn die Musiker würden den Kram sogar spielen, wenn ihn sich kein Mensch jemals anhören würde. Vielleicht schwingt schon irgendwo ein wenig Wunsch nach Bewunderung mit (denn wieso sollte man sonst auf die Bühne gehen), aber das wars auch schon, ansonsten gilt: "Wenn Du's nicht checkst, verzieh dich!".
Fast notwendige Folge dieses rüden Affronts: es stellt sich noch nicht einmal das Gefühl ein, Zeuge von etwas Ausserordentlichem zu sein, bei dem man glücklich ist, zumindest dabei gewesen zu sein - auch wenn man es nicht verstanden hat.
Dabei sei die absolute und einmalige Virtuosität der Musiker natürlich in keiner Weise geleugnet. Und es auch nicht so, das Virtuosität schlechthin abschreckt: die eines Gavin Harrison beispielweise hat mich immer erreicht, bei ihm erscheint mir die Virtuosität stets nur als Vehikel, als Mittel zum Zweck und eben nicht als Selbstzweck. Und auch Vinnie C. hat mich - in anderem Kontext - schon dergestalt "erreicht".
Alles in allem jedenfalls eine seltsamer Vorgang, nicht ganz zu erklären und zu durchschauen.
Aber auch ich bin sicher: es liegt an mir. Und wenn einer dieser Virtuosen unser Geschreibsel sehen würde, würde er wohl ohnehin das sagen, was ein berühmter Drummer (dessen Name mir entfallen ist) einst erklärte: " Hey, no mystery: don't overthink it: its just the music i love to play."
Das bringt es m.E. sehr gut auf den Punkt.
Mich holt sowas aus den o.g. Gründen auch überhaupt gar nicht ab, auch wenn ich den Musikern ihr Genie bzw. ihre Virtuosität selbstverständlich auf keinen Fall absprechen wollen würde. Das ging mir z.B. auch immer schon bei Dream Theater, Meshuggah und ähnlichen Dingern so.
Grüße vom Johnny