Ich denke, dass Roland aus Marktwirtschaftlicher Sicht vieles richtigmacht: Die ermöglichen das Trommeln zu Hause im Kinderzimmer für wenig Geld und bieten auch für besser betuchte Kunden absolut bühnentaugliche Plug&Play-Geräte.
Trotzdem sieht man die E-Schlagzeuge im Wesentlichen nur bei Tanzbands und sehr selten im professionellen Bühnenalltag oder bei Bands mit eigenen Liedern, trotz der vielen Vorteile. Woran liegt das? Neben sicher einigen Vorurteilen wohl hauptsächlich am Klang, der eben professionellen Ansprüchen dann doch nicht genügt. Professionell und Geschmack sind natürlich relativ und wenn uns der Sound nicht ausreicht, dann heißt das noch lange nicht, dass es dem Publikum nicht gefallen (oder negativ auffallen) würde. In kleinen Locations wären den Besuchern sicher oft ein wenig synthetische Sounds lieber als eine Snare und ein durchgecrashtes Becken, die Kopfschmerzen und den Bandsound kaputt machen.
Nichtsdestotrotz ist meiner Meinung nach der Markt mit Roland, Yamaha und den Hausmarken sehr gut abgedeckt. Lediglich ein Modul, das Durchschnittsschlagzeuger, aber auch Profis gerne mit auf die Bühne nehmen, fehlt. Die Flagschiffe werden zwar entsprechend beworben, setzen sich meiner Meinung nach aber auch nur im Hausgebrauch durch.
Und ich dachte, dass DW und GEWA genau da ansetzen und die Lücke schließen. Für mich klang es so, dass sie ein Highend-Gerät entwickeln, das im Wesentlichen für die Bühne gedacht ist und auch so klingt. In diesem Fall würde ich dem Produkt eine sehr hohe Erfolgswahrscheinlichkeit zusprechen. Da schreckt auch der Preis nicht ab. Zielgruppe sind eben die Leute, die was Funktionierendes für die Bühne brauchen, sich das Leben erleichtern wollen und mit der Band Geld verdienen. Für ein gutes Schlagzeug, Becken und Mikros hat man am Ende auch schnell 4-5000€ ausgegeben. Und Semiprofis sind Enthusiasten, die das Geld gerne investieren, wenn die Gegenleistung stimmt.
Ich hätte also erwartet, dass GEWA und DW diese Zielgruppe im Auge haben und das Modul und auch die Vermarktung darauf ausrichten. Deshalb hat mich das Video so enttäuscht. Es klingt für mich wie eine durchschnittliche Roland-Kiste, unnatürlich und für mich einfach nicht schön. So möchte ich nicht auf der Bühne klingen und ich weiß, dass sich unser Tontechniker über ein solches Signal nicht freuen würde. Dazu gefällt mir die ganze Präsentation nicht. Natürlich ist Eric Moore ein begnadeter Schlagzeuger. Aber das klingt für mich alles so uninspiriert. Als hätte man ihn an das Schlagzeug gesetzt, ein Kit ausgewählt und gesagt, "daddel mal was". Abgesehen davon, dass man bei dem Gespiele die Qualitäten des Sets überhaupt nicht beurteilen / sehen kann, finde ich es ansonsten auch überhaupt nicht verkaufsfördernd.
Das Teil kommt gerade erst in den Verkauf, viele Videos werden noch folgen und erst nach eigenem Antesten kann man sich dann ein richtiges Bild machen. Aber mit diesem Video ist meine optimistische Grundhaltung und meine Neugierde dem teil gegenüber vollkommen verflogen. Es klingt für mich Out of the Box nach Roland-Mittelklasse, da sind alle anderen Features für mich persönlich vollkommen irrelevant. Und so bedient das Ding auch nicht die von mir ausgemachte Zielgruppe, die auf einen großen Wurf wartet. In allen anderen Bereichen sehe ich die Absatzchancen sehr pessimistisch, da braucht es kein weiteres Highend-Set für zuhause.
Vielleicht hauen mich andere Presets ja noch um, mal sehen. Ich habe auf jeden Fall nochmal in Pearl Mimic Pro Videos reingeschaut und muss sagen, dass da Welten dazwischen liegen. Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass genau das das Gerät ist, das man problemlos mit auf die Bühne nehmen könnte.