Mit Spielgefühl meinte Moe sicher nicht, dass sich der Rebound oder ähnliches Messbares ändert, sondern dass sich für einen selbst das Gefühl beim Spielen ändert.
Das geht mir genauso. Weniger durch das Kesselmaterial, schon aber abhängig von der Kesselhardware und vielleicht auch Dicke. Wenn ich vor einem Set mit fetter, klobiger Trommelhardware, 2cm dicken Kesseln und runden Gratungen sitze, dann gehe ich da anders ran als an ein Set mit hauchdünnen Kesseln, filigraner Hardware und spitzen Gratungen. Auch wenn beide Sets in der Umgebung oder über die PA nahezu identisch klingen sollten. Es fühlt sich rein subjektiv anders an. Beim Probespielen würde ich bei beiden Sets wohl mit komplett unterschiedlichen Grooves anfangen.
Unterschiedliches Material verhält sich natürlich anders und klingt damit unterschiedlich. Das ist schlichtweg Physik. Unter guten Bedingungen und mit gutem Ohr, hört man auch sicher den Unterschied. Problematisch ist halt, dass es in der Realität sehr viele Einflußgrößen gibt. Am Kessel alleine wären das ja schon Tiefe, Dicke, Anzahl der Lagen, Verstärkungsringe, Material(mix), Kleber, Bauweise (Fass?), Gratung, Kesselhardware, Tomhalterung, Luftausgleichsloch ... Da übersteigt es definitiv meine Möglichkeiten, einen rausgehörten Unterschied zwischen zwei Trommeln, einer Kesseleigenschaft zuzuordnen. Tatsächlich vergleichbare Messungen von Trommeln, die sich lediglich in jeweils einem Details unterscheiden, sind extrem schwer, weil über allem dann eben noch das Fell und die Stimmung steht. Abgesehen davon, dass dessen Einfluss noch viel größer ist, ist da auch eine wirkliche Gleichheit der Bedingungen auf unterschiedlichen Trommeln sehr schwierig.
Und dann kommt die Frage, was besser klingt. Wenn nach einer Messung (oder einem gut gemachten Youtube Video...) ein Kesseldesign besser klingt, stellt sich die Frage, ob nicht einfach nur die Stimmung oder die Fellwahl gut dazu gepasst hat. Vielleicht resoniert die andere Konstruktion ganz hervorragend bei einem Halbton höher? Ich fürchte, dass man da niemals wirklich allgemeingültige Aussagen machen kann.
Wie auch immer, unterschiedlich klingt es sicher. Ich persönlich höre aber sehr Vieles nicht raus. Extreme Unterschiede der Kessel oder deutliche Unterschiede der Gratungen sicher, aber Material nicht. Zumindest nicht bewusst. Ich versuche Schlagzeuge zu stimmen und freue mich, wenn es nachher gut klingt. Ich behaupte mal einfach, dass es den meisten Hobby-Schlagzeugern ähnlich geht.
Für mich macht also objektiv zumindest das Kesselmaterial kaum einen Unterschied. Und da ich in den seltensten Fällen wirklich alleine in ruhiger Umgebung spiele, sondern meistens andere Instrumente dabei sind oder mein Set mikrofoniert wird, gehen die kleinen Unterschiede einfach unter. Dazu kommt natürlich, dass man im richtigen Leben auch nicht den Vergleich nebendran hat. Das Birkeset hat ein bisschen präsentere Mitten, das klingt viel schöner als das Ahorn daneben...
Objektiv klingt es unterschiedlich, der Unterschied ist für mich subjektiv aber vernachlässigbar, weil ich den Unterschied objektiv im Kontext nicht mehr raushören würde. Deshalb finde ich das Ford Video schon nicht ganz unsinnig. Der Aussage, dass alles gleich klingt, ist falsch. Die Aussage, dass es in den meisten Fällen am Ende aber egal ist, stimme ich zu.
Trotzdem spielt das Alles natürlich auch für mich eine Rolle. Erstens machen extreme Unterschiede natürlich schon was aus. Freischwingend aufgehängt, runde Gratung, 5kg Metall an der Trommel, 2mm dünner Kessel, ... Spätestens ab der "Mittelklasse" würde ich aber davon ausgehen, dass alle Sets "gut" klingen können. Entscheidend ist dann, dass ich mich wohl daran fühle. Nur dann kann ich meinen Beitrag an dem guten Klang leisten. Und damit ich mich wohl fühle, können natürlich auch Nuancen entscheidend sein. Real oder eingebildet spielt da keine Rolle. 