Beiträge von Oliver_Stein

    Danke euch allen nochmal für eure Tipps und Hinweise. Wir haben gestern eine erschreckend gute Generalprobe gehabt und ich bin just dabei, das Set fertig zu machen. Morgen der Gig im Biergarten ist eher auch so eine Art Testlauf für den nächsten Gig, der neun Tage später im Innenhof eines Schlosses stattfinden wird. Dort ist aber ein Techniker-Team am Start und kümmert sich um alles andere als Musikmachen, so dass ich mich dort dann nur ums Trommeln kümmern kann.

    Vielen Dank für eure guten Tipps und Hinweise! Ich werde mein Set vorher draußen testen und ggf. vor Ort noch nachstimmen. Das die Location mit dem verfügbaren technischen Aufwand ein Kompromiss bleiben wird, ist mir klar. Ich seh zu, das beste draus zu machen.

    Ich berichte dann, wie es gelaufen ist!

    Ok, der nächste Dienstag rückt näher und damit mein tatsächlich erster Gig nach vielen Monaten - und tatsächlich auch mein erster Gig draußen auf einer Pavillon-Bühne ohne Verstärkung (des Schlagzeugs). Und damit kommen die Fragen, wo ich gerne mal die Erfahrung anderer hier abgreifen würde, die sowas schon gemacht haben.


    So wird das Setting sein:


    Bühne ist ein freistehender Pavillon 3x3 m², der mit Gestellen etwa vierzig Zentimeter erhöht wurde. Rückseitig davon steht ein Gebäude in ca. 1,50 m Entfernung vom Pavillon. Nach vorne raus und zu den Seiten ist alles frei. Das Gelände ist ein sehr weitläufiger Biergarten, wo einzelne Tisch-Inseln inmitten eines schön angelegten Gartens mit Rasen und auch Bewuchs in Form von Büschen und Hecken liegen. Alles in allem sind die nächsten Tische ein paar Meter, die weitest entferntesten bestimmt 70 m entfernt, vornehmlich nach vorne und seitlich links von der Bühne aus positioniert. So sieht das da aus:


    Wir (2x Git, Bass, Drums, Vocals, 4 Musiker) spielen mit einer Gesangsanlage (12/2er Topteile mit gut überdimensionierter Endstufe) - die kann laut, aber keinen Bass. Subwoofer werden nicht vorhanden sein (sind auch seitens des Wirtes nicht erwünscht). Die Gitarristen spielen (um den Aufwand klein zu halten) mit ihren NUX Multieffektgeräten direkt ins Pult und hören sich über zwei Floormonitore ab, die auch für Gesang benutzt werden. Ich muss mit dem Leben, was davon bei mir hinten ankommt (könnte aber zur Not noch mein IEM anschließen). Der Bassist spielt mit seinem Fender Rumble 500 plus Zusatzbox. Nach vorne über die Anlage geht der Gesang, die Gitarren und eine Harp, wenn sie bei einigen Stücken gespielt wird. Wir mischen uns von der Bühne selber, Mischpult ist mein X32 Compact. Musikalisch geht es bei uns in Richtung Rock/Blues, gerne auch mal etwas heftiger, aber auch ruhigere oder funkige Nummern.


    So, jetzt aber zur eigentlichen Frage: Wie richte ich mein Set her, um in diesem Umfeld einen halbwegs passablen Sound abzusetzen? Für die Bassdrums stehen entweder 20x14 oder 22x16 zur Verfügung, beide entweder mit oder auch ohne Loch im Reso. Mein erster Ansatz war, so leise wie möglich und daher 20x14 ohne Loch mit Muffkopf. Beim neuen düber nachdenken dämmert es mir, dass diese Bassdrum wahrscheinlich sehr schnell an Kraft verliert und ein paar Meter weg nach nichts mehr klingt. Daher werde ich jetzt die 22x16 ebenfalls mit einem Reso ohne Loch herrichten, damit vielleicht ein wenig Druck entsteht (zumindest direkt vor der Bühne). Als Snare wird es wohl die 14x6.5 Maple werden, die klingt druckvoll, aber auch warm.


    Wer hat mit solchen Gigs Erfahrung? Funktioniert sowas mit der geschlossenen BD? Sollte ich die Toms ebenfalls offener als sonst stimmen (auf Resonanz), damit sie mehr Ton haben und tragen? Auf was muss ich mich noch einstellen bei solchen Outdoor-Gigs?

    Meine Zweitset-Strategie geht nur bedingt auf: zunächst habe ich in beiden Bandproberäumen je ein komplettes Set incl. aller Hardware und Becken stehen. Soweit so gut. Dann habe ich mein drittes Set zu Hause in Cases stehen, um es für Gigs zu nutzen. Dieses ditte Set ist von den Größen her flexibel (22, 20, 10,12,14,16), jedoch ist es erstens beim besten Willen kein Beaterset und zweitens fehlt mir etliche Hardware dazu, so dass ich doch immer bei einem der Übungsraumsets wildern muss. Ich werde also noch Hardware anschaffen müssen, wenn das Konzept rund sein soll (zumindest 2 stabile Galgenbeckenständer mit ein paar Multiclamps und Beckenarmen).

    Dieses Projekt schlummert jetzt schon länger auf meiner Festplatte, aber da ich in absehbarer Zeit nicht dazu kommen werde, die Videodateien zu schneiden, gibt es hier jetzt eine Audio-Only Version für das DF:


    Für diesen Vergleich von Stereo-Aufnahmetechniken kamen zwei Mikrofonpaare zum Einsatz: einmal meine beiden AKG C414 B-ULS von 1995, zum anderen ein matched Pair Oktava MK012 mit Nierenkapseln. Ich wollte für mich verschiedene Stereotechniken erproben, die mit diesen Mikrofonen möglich sind. Es ist kein AB dabei, aber folgende Verfahren ließen sich einfach am gleichen Ort über dem Drumset umsetzen:

    • XY
    • Blumlein
    • MS mit Niere/Kugel/Acht als Mittensignal
    • ORTF mit NIere/Kugel/Acht

    Die Mikrofonposition (bzw. die des Arrays) lag zwei Vater Super Jazz Sticklängen vom Mittelpunkt des Snarefells entfernt auf einer Achse, die durch Mitte Snare und Mitte Bassdrum gebildet wurde und leicht zur Snare gewinkelt, damit diese mittig abgebildet wird. Es handelt sich um die Position, die ich auch immer dann mit dem Zoom H5 nutze, wenn ich damit Overheads aufnehme (ohne Tom-Mikros). Durch die Nähe zu den Toms kommen diese auch noch gut rüber, was bei einem weiteren Abstand nicht mehr immer der Fall ist. Um etwaigen Diskussionen über die Aufstellung der Mics zuvorzukommen - es gibt hundert andere Orte für die Mikrofone, die alle ihre Vor- und Nachteile haben, aber darum ging es hier primär nicht. Vielmehr sollten alle Aufnahmen mit einer konstanten Mikrofonposition durchgeführt werden, damit die Ergebnisse vergleichbar sind. Im Fall der ORTF-Anordnungen befand sich das imaginäre Zentrum zwischen den Kapseln am der Stelle, wo sonst die Membranen der Koinzidenz-Techniken lagen.


    Die Aufnahmen erfolgten mit einem Focusrite Clarett 4Pre USB Interface mit 48 kHz und 24 Bit in Samplitude. Die Aufnahmen wurden nachträglich in der Lautheit angepasst (zumindest so gut es bei unterschiedlichem Spiel ging), damit man nicht durch höhere Lautstärke bei einem der Files geblendet wird. Ansonsten sind die Aufnahmen völlig roh, also kein EQ, keine Kompression, kein Voodoo. ^^


    Mit dem Paar Oktavas gingen natürlich nur ORTF und XY, mit dem C414-Paar gingen durch die verstellbaren Richtcharakteristiken deutlich mehr Stereotechniken. Es sind ein paar Kombinationen dabei, die ich nur aus reiner Neugier mitgemacht habe (so z.B. ORTF mit Achten oder Kugeln oder auch M/S mit einer Acht als Mittensignal). Manches davon klingt erstaunlich gut/anders als der Rest, manches (z.B. ORTF mit Achten) klingt bescheiden. Einige der Ergebnisse sind auch durch die verwendeten Mikrofone nur bedingt übertragbar - so klingt z.B. die Acht bei den C414 B-ULS ganz hervorragend direkt und tight, so dass damit erstellte Stereoaufnahmen manchmal auch so klingen (M/S mit Acht als Mitte). Das heißt wahrscheinlich nicht, dass jedes 8er-Mic sich genauso auswirkt in der Mittenposition eines M/S-Arrays...


    Genug der Theorie - hier die Files für euch zum Hören und Vergleichen. Über Kommentare jeder Art freue ich ich natürlich, außer sie beziehen sich auf mein teilweise schlampiges Spielen ;)


    C414 Niere XY - Groove

    C414 Niere XY - Toms


    C414 M/S Mitte Niere - Groove

    C414 M/S Mitte Niere - Toms


    C414 M/S Mitte Kugel - Groove

    C414 M/S Mitte Kugel - Toms


    C414 M/S Mitte Acht - Groove

    C414 M/S Mitte Acht - Toms


    C414 Blumlein Achten - Groove

    C414 Blumlein Achten - Toms


    C414 ORTF Nieren - Groove

    C414 ORTF Nieren - Toms


    C414 ORTF Kugeln - Groove

    C414 ORTF Kugeln - Toms


    C414 ORTF Achten - Groove

    C414 ORTF Achten - Toms


    Oktava MK012 XY Niere - Groove

    Oktava MK012 XY Niere - Toms


    Oktava MK012 ORTF Niere - Groove

    Oktava MK012 ORTF Niere - Toms


    Wer alle MP3 (320 kbit/s) auf einmal runterladen möchte, kann das hier tun: Alle MP3-Dateien

    Wer alle Soundfiles als Wave-Datei mit 48 kHz und 24 Bit herunterladen möchte, kann das hier tun: Alle Wave-Dateien


    So, ich wünsche euch viel Spaß beim Hören und Vergleichen und freue mich auf euer Feedback! 8)

    Also Stainless steel (Ödelstahl) tension Rods, gibts schon auch 7/32

    […]

    Edith die Gewindehülsen sollten entsprechend evtl. aus gleichem oder verträglichen Material bestehen.

    Edelstahl in Edelstahl geht schief, das frisst. Die Gewinde-Inserts sind bei Pearl aus Messing - das funktioniert hervorragend.

    Ich habe grade den Zoom H4n Pro bestellt.

    Hast alles richtig gemacht! Das Ding wird Dir über Jahre gute Dienste leisten! Ich empfehle Dir diese Teil dazu, denn damit kann man den Recorder hervorragend frei vom Winkel her über oder am Set ausrichten: K&M 19695 Kugelgelenk – Musikhaus Thomann

    Später irgendwann nochmal ein Beta52a (D6; D12;…) und ein SM57 (i5; M201TG;…) dazu mit zwei Stativen und Kabeln und fertig ist die Vierspurversion!

    Nun konnte ich mir eure Aufnahmen, m_tree und Oliver_Stein , anhören. Interessant wie unterschiedlich die doch sind. Von allem was ich bisher ausprobiert habe, gefiel mir ORTF bisher immer am besten.

    Man muss immer im Hinterkopf haben: zwei verschiedene Sets in zwei verschiedenen Räumen von zwei verschiedenen Drummern bedient - das alles macht für sich schon mal einen sehr großen Unterschied für den Klangeindruck.

    Die Mikrofonierung mit den Oktava MK012 verfolgt letztlich auch komplett andere Ziele: bei m_tree ging es um ein gutes Overhead-Signal für eine Mehrspuraufnahme, bei mir um die Abbildung des gesamten Sets (also in erster Linie Becken und Toms/Snare). Es zeigt aber eben auch, wie wichtig die zielgerichtete und gute Aufstellung der Mikrofone ist.

    PS dazu: ich nehme bei Mehrspuraufnahmen meistens auch eine AB-Aufstellung der Overheads, die viel weiter von dem Set entfernt ist als in meinem ORTF-Beispiel oben.

    Es sind nur die beiden Overheads CM4 zu hören, hart gepannt (100%) und keinerlei Bearbeitung.

    ...

    Meinungen?

    Ich finde das File klingt gut! Die Balance der Instrumente musst Du noch etwas feintunen durch Dein Spiel - das ist ein sehr wichtiger Punkt bei Minimalmikrofonierungen, weil man eben nichts durch Nahmikrofone korrigieren kann. Die innere Balance des Sets muss schon so im Raum stimmen.

    Ansonsten technisch sauber gearbeitet: Kick und Snare kommen bis auf wenige Samples synchron rechts und links, da hast Du Dir sehr viel Mühe mit dem Recorderman-Konzept gegeben bei der Aufstellung der Mics! Da noch ein Mikro vor die Bassdrum (für mich dürfte es eins vor dem Reso sein - nicht in der Trommel oder im Resoloch) - dann könnte man damit doch schon gut leben, wenn diese Art von Vintage-Sound gewollt ist! In einem Bandkontext musst Du halt sehen, wieviel Übersprechen der anderen Lärmerzeuger Du auf den Overheads hast und ob man damit im Mix der Band noch leben kann. Gitarren und Vocals auf den Overheads schränken die Möglichkeiten bei der Nachbearteitung ein, vor allem im Hinblick auf Kompression.

    Dein Rohsignal dagegen lässt sich durch einen Vintage-Kompressor und Bandsättigung jedoch sehr schön nachbearbeiten - dann klingt es richtig gut!

    Erschwerend in dem ganzen Zusammenhang finde ich ja auch, dass ich nicht weiss wie sich gute, aber auch schlechte Rohaufnahmen anhören.

    Zwei weitere Beispiele mit anderer Mikrofonaufstellung als bei m_tree - hier ORTF mit Abstand 82 cm über der Snare. Einmal ebenfalls Oktava MK012 mit Nierenkapseln, das andere Paar in gleicher Aufstellung waren C414B-ULS in Niereneinstellung. Die nahe Aufstellung zum Set verändert die Balance etwas zugunsten der Toms - mit einem zusätzlichen BD-Mikro kann man so schon runde Aufnahmen machen.


    Die Aufnahmen sind völlig roh und unbearbeitet:


    Oktava MK012 Niere ORTF nah am Set

    AKG C414B-ULS Niere ORTF nah am Set

    Mal von M/S-Aufnahmen abgesehen trifft das durchaus zu. Die Overheads ausgewogen aufzustellen und auch einzupegeln macht u.a. eine gute Aufnahme aus. Von Live/Bühne war ja nicht die Rede.

    Ich wollte nur aufzeigen, dass die Realität nicht immer so schwarz/weiß ist, wie Deine "Ansage" es vermuten ließ. Es gibt z.B. auch Live-Aufnahmen - sehr gute sogar oft. Und es gibt auch verschiedene Workflows - dort aus der Ferne ein Richtig oder Falsch festzulegen ist aus meiner Sicht nicht möglich.

    Wo ich bei Dir bin, ist, dass es Sinn macht, Mikrofone von Anfang an so aufzustellen, dass sie für einen selber richtig klingen und es macht auch keinen großen Sinn, die Spuren eines Stereosignals (auch das matrizierte Signal eines M/S-Systems) unterschiedlich zu filtern.

    Immer als Stereospur, sonst kannst Du ja gar keine Dynamikbearbeitung sinnvoll anwenden. Ich bin noch nie auf den Gedanken gekommen, unterschiedliche EQs für die beiden Seiten zu verwenden, aber zur Not kann man ja immer noch Dual-Mono-Instanzen des Plugins verwenden.

    Für "normale" Stereosysteme würde ich das unterschreiben, aber z.B. bei M/S Aufnahmen mit getrennt aufgenommenem Mitten- und Seitensignal kann man hervorragend mit verschiedenen EQ-Einstellungen auf den beiden Spuren arbeiten (vor der MS-Matrix). Es ist faszinierend, die beiden Spuren mal komplementär zu filtern, vor allem im Bass- bis Tiefmittenbereich.

    Abgesehen davon erzeuge ich meine Matrix für M/S Aufnahmen sehr oft dadurch, dass ich die Spur mit dem Mittensignal in der Mitte lasse, die Spur mit dem Seitensignal auch, dabei aber eine Seite in der Phase drehe. Bei Samplitude geht das im Pan-Menü mit einem Klick und erspart einem eine separate Matrix oder das Duplizieren des Seitensignals auf zwei Spuren.

    Das einzige, was für eine getrennte Nachbearbeitung der Overheads spricht, sind m.E. schlechte Aufnahmen.

    Sicher nicht, siehe oben z.B. bei M/S-Stereofonie. Auch das Overheadsignale mal einen unterschiedlichen Pegel haben, kommt bei Liveaufnahmen öfter vor - so etwas vor dem Zusammenfassen auf einen Stereobus zu korrigieren hat ebenfalls nichts mit schlechten Aufnahmen zu tun. Eine weitere sinnvolle Anwendung ist das Schieben einer der Spuren auf der Zeitachse, wenn die Mikros mal nicht exakt gleich weit entfernt zur Snare standen, aber dieser Eingriff korrigiert tatsächlich schon einen Fehler bei der Aufnahme.