Cooles Gerät - sieht auch recht wertig aus! Das es besser als MP3 klingt wundert mich jetzt nicht unbedingt... Ich nehme mit dem Handyrecorder immer als Wave-Datei auf mit 24 Bit Auflösung und mache die Nachbearbeitung dann in der DAW. Erst ganz am Ende geht es ins MP3-Format.
Geht es bei den Bändern, die Du digitalisieren willst, um Stereo oder Mehrspurbänder? Generell ist die analoge Seite dabei heutzutage die wichtigere (weil qualitätsentscheidend). Es kommt darauf an, dass bei dem analogen Abspielgerät die Köpfe sauber sind, die Capstan-Rollen gut in Schuss sind und die Spurlage und Azimuth korrekt eingestellt sind. Sofern die Bänder mit einer Rauschunterdrückung aufgenommen wurden, sollte diese auch beim Abspielen aktiviert sein. Am besten ist es eigentlich immer, dass ursprünglich zur Aufnahme benutzte Gerät zum Abspielen beim Digitalisieren zu verwenden - jedenfalls wenn es noch vorhanden und gut in Schuss ist.
An der Schnittstelle in die digitale Umgebung kommt ein Audiointerface zum Einsatz. Da alle Bandgeräte Line-Pegel liefern, sind die Vorverstärker des Interfaces eher unkritisch - Linepegel digitalisieren können alle modernen Interfaces auf sehr hohem Niveau. Bei Mehrspurbändern ist es notwendig, alle Spuren möglichst in einem Rutsch zu übertragen, damit hinterher alles 100% synchron ist. Natürlich kann man auch tricksen und ein 16-Spur Band in zwei 8er Blöcken übertragen, aber man muss gerade bei längeren Laufzeiten mit einem "Auseinanderlaufen" der Spuren rechnen.
Das Interface sollte auf alle Fälle in 24 bit Auflösung wandeln. Der Pegel sollte so eingestellt werden, dass die Aufnahme auch bei den lautesten Stellen des Bandes mindestens 12 dB Headroom hat (also am besten die Peaks irgendwo zwischen -18 und -12 dBFS einpegeln). Rauschen ist bei 24 Bit Wandlern kein Thema mehr - vor allem im Vergleich zum analogen Bandrauschen, dass man ja zwangsweise mit digitalisiert. Es geht also bei der Aussteuerung in erster Linie darum, Übersteuerungen des AD-Wandlers ganz sicher auszuschließen, denn die sind nicht mehr zu reparieren nachträglich. Es empfiehlt sich, nach der Aufnahme zur Sicherheit nochmal den Maximalpegel in der digitalen Aufnahme zu prüfen - wenn irgendwo 0 dBFS erreicht werden, dann muss man von einer ungewollten Übersteuerung ausgehen - in dem Fall nochmal nachpegeln und neu aufnehmen.
Die Sample-Frequenz hängt in ersten Linie von der gewünschten Nutzung der Dateien ab - alles in Richtung Video sollte 48 kHz haben, alles in Richtung CD (oder auch MP3) eher 44.1 kHz. Die HD Samplefrequenzen 88,2 und 96 kHz machen aus meiner Sicht für Material vom Band keinen Sinn - wer sich die großen Datenmengen trotzdem antun will, macht aber auch nichts kaputt.
Nach der Aufnahme kann man sich dann in Ruhe überlegen, was man mit dem Material machen möchte - ob man es nun aufwändig restaurieren oder einfach nur vor dem Verfall der analogen Medien sichern möchte: alles ist möglich mit den modernen DAWs. Eine Wandlung ins MP3-Format sollte man erst ganz am Ende vornehmen, wenn sicher ist, dass keine weitere Berarbeitung mehr erfolgen soll. Diese Wandlung macht auch nur für Stereodaten Sinn - einzelne Spuren einer Mehrspuraufnahme sollten immer als WAV erhalten bleiben (denn sie werden immer nachbearbeitet in der Mischung).