Beeble hat das meiste schon geschrieben, hier nur noch ein paar Ergänzungen:
Zur Überwachung des Pegels bei der initialen AD-Wandlung eignet sich nur ein Peakmeter. Ein VU-Meter erfasst keine sehr kurzen Peaks und ist deshalb hier ungeeignet. Das wichtigste Ziel ist es, an dieser Stelle keine Übersteuerung des AD-Wandlers zu bekommen, denn diese lässt sich nachträglich nicht mehr korrigieren.
Einmal in der digitalen Ebene angekommen rechnen viele DAWs mit so hohen Auflösungen, dass theoretisch bis zum Masterausgang keine internen Verzerrungen mehr auftreten sollten. So macht das z.B. auch das von mir benutzte Samplitude (interne Verarbeitung im 32bit Floating Modus).
Es gibt aber trotzdem Gelegenheiten, sich auch schon innerhalb der DAW Verzerrungen einzufangen: viele Plugins von Drittanbietern übernehmen die Daten intern mit 24 Bit, fahrt man diese zu heiß an, dann zerren sie. Außerdem haben alle Plugins in Richtung Limiter/Compressor das Potential, dem Signal Verzerrungen hinzuzufügen, insbesondere wenn man sie völlig überfährt.
Am Ausgang der DAW musst Du Deine Pegel spätestens wieder einfangen, denn dort findet ein Übergang vom Floating Format zurück nach 24 oder sogar 16 Bit statt. Es empfiehlt sich, im Masterausgang einen Limiter mitzufahren, nach Möglichkeit einen TruePeak Limiter, der auch intersample Peaks erkennt und abfängt. Auch diese Limiter kann man ins Zerren fahren und sich damit denMix gehörig versauen. Es ist daher gute Praxis, dieses und andere Kompressor/Limiter Tools im Masterweg stetig auf ihre Pegelreduktion zu überwachen und ggf. den Pegel abzusenken, wenn z.B. der TruePeak-Limiter ständig im Eingriff ist.
Bei Deinem Pult musst Du mal versuchen, in der Dokumentation herauszufinden, wie die interne Signalverarbeitung erfolgt. Ältere digitale Pulte waren da z.T. ziegig, weil sie auch intern fix mit 24bit gerechnet haben. Da reichte dann manchmal schon eine kleine Anhebung im EQ, um ein Zerren zu produzieren. Neuere Designs (z.B. das sehr verbreitete X32) sind da robuster und dürfen nur am physikalischen Ausgang, also am DA-Wandler nicht übersteuert werden.
Als Faustregel kannst Du folgendes verwenden: wenn Du Deinen Master- oder einen Busregler auf -20 dB stellen musst, um am Ausgang keine Verzerrungen zu bekommen, ist der interne Pegel zu hoch. Musst Du den Master auf +10 ziehen und hast immer noch keine Vollaussteuerung, dann sind die internen Pegel zu niedrig. Diese Faustregel gilt sowohl für Mischpulte als auch DAWs.