ich habe zu einer Zeit mit dem Spielen angefangen, als die meisten hier (mit Verlaub) wohl noch nicht mal im Entferntesten an ein Erdendasein dachten.
Damals gab's nur zwei Fraktionen: die, die Zildjians spielten, und die mit den Paistes.
Zu dieser Fraktion gehöre ich auch, wenn auch ein paar Jährchen jünger als Ralf... Es gab Paiste 2002 oder A.Zildjian und die Felle waren immer PinStripes - auf allen Trommeln außer der Snare.
Zildjian hat damals behauptet, dass die Sheet-Bronze Becken nicht haltbar seien, weil nicht in viele Richtungen aus dem gegossenen Rohling gewalzt. Ich denke, die Zeit hat das Gegenteil bewiesen - bei mir konkret sind bisher zwei Becken kaputt gegangen: ein 14er Zildjian A. Thin Crash und ein 24er 2002 China - letzteres aber nur deshalb, weil es mit seinem massiven Gewicht (> 3 kg) in einem statisch sehr ungünstigen Winkel am Stativ hing.
Es gab in der Zeit, wo ich als Schlagzeuger sozialisiert wurde, auch richtig schlechte B8 Becken (von Meinl, oder waren das Messinghülsen?), aber eben keine "schlechten" Zildjians, sondern nur die Aveden und später Sabian ebenfalls aus B20. Vielleicht hat das alles zusammen den Mythos vom B20 als überlegenen Material geprägt...
Ich persönlich finde es großartig, dass es solch eine Vielfalt gibt: ich liebe meine B8er 2002 SE Hihat, die ich dieses Jahr seit 30 Jahren besitze und spiele. Sie klingt recht hell (das liegt aber an der Sound Edge), aber im Vergleich zu heutigen neuen Versionen geradezu ofenwarm. Die lange Spielzeit hat sie reifen lassen.
Ich liebe den Hifi-Sound der Paiste Signatures aus B15, aber auch den etwas rauchigeren Charakter der Dark Energy Serie (ebenfalls B15). Und neuerdings stehe ich auch auf die dunkleren B20-Klänge von Zildjians K-Serie. Ich kann zumindest in der Cymbal-Oberklasse keinen prinzipiellen materialbedingten Qualitätsunterschied bezüglich des Sounds feststellen. Sie klingen halt anders, aber nicht im Sinne von schlechter oder besser. In der Einsteiger- und Mittelklasse gibt es aus allen Materialien Becken, die mich nicht besonders ansprechen (z.B. Alpha und PST-8, B8 pro, aber auch B20 Becken wie z.B. günstige von Stagg).
Fazit: Der Mythos stammt aus einer Zeit, als schlechte Becken noch z.B. den Namen Meinl trugen. Die Welt dreht sich weiter und ich glaube, heute weiß jeder, dass das Material selber nur einen untergeordneten Einfluss hat. Viel wichtiger ist die Verarbeitung und das Beckendesign selber (Wölbung, Hämmerung etc.).
Edith muss noch ein PS ranhängen: ich habe jetzt den Namen Meinl mehrfach in Verbindung mit schlechten Becken verwandt - das gilt explizit aber nur für die frühen 80er Jahre - da waren das echte Ohrenquäler. Ich finde heute macht Meinl ganz hervorragende Becken wie z.B. die Byzance Serie - um die bin ich im Laden schon öfter drum herum geschlichen...