alle Becken"köche" kochen letztendlich mit dem gleichen "Wasser".
Der entscheidende Punkt ist die Verarbeitung
Genau DAS ist der Unterschied von Paiste zu anderen Herstellern - da klingt ein Becken wie das andere.
Hallo,
es gibt in der Tat Gründe, warum manche Becken teurer sind und das hat mit dem Material eher wenig zu tun, alle verwenden Bronze (von Messing, Nickelsilber und Konsorten reden wir jetzt mal nicht).
Hier wird viel zu sehr Materialfetischismus betrieben, im Bereich Bronze von Sabian werbetaktisch optimal geschürt: die haben eine Serie für Anfänger, die gruselig klingt und stolz "B8" heißt. Alle anderen (brauchbaren) Becken von Sabian sind dann aus B 20. Und schon ist das Gerücht da. Dass die 2002er von Paiste sogar wiederaufgelegt werden mussten (ja, sie mussten) und sich eines riesigen Erfolges freuen dürfen, liegt bestimmt nicht am Material. Das sieht man auch und man hört es auch.
Bei 602 ist das genauso.
Es gibt im Wesentlichen zwei Konsumenten: der eine sucht den heiligen Gral und holt sich jedes Überraschungsei, der andere bestellt gerne das, was im Prospekt (es gibt doch tatsächlich (jedenfalls einen) Hersteller, der/die seit Jahrzehnten aussagekräftige Prospekte herstellen) steht und so ungefähr genau klingt es dann auch. Das ist die Genauigkeit in der Bearbeitung und die Endkontrolle, die ihren Namen verdient. Man bekommt, was man bestellt. Das ist Schweizer Beckenmanufaktur. Dass die überirdisch mit Tageslicht und zu zivilen Bedingungen erfolgt, ist ein weiterer angenehmer Nebeneffekt.
Diese neue Mode, Becken nach Gewicht zu bestellen, ist eine armselige Krücke.
Ein echter traditioneller Hersteller hat eine Speisekarte, wo darauf steht, wie das Becken klingt und wofür es gut ist. Das schafft natürlich der einsame Handwerker in seiner Schmiede mit seinen Cousins im Morgenland nicht. Und deshalb fertigt er auch Überraschungseier. Er weiß vielleicht, wie die klingen, der Kunde weiß es, nachdem er sie gekauft hat.
Bei Paiste war und ist das umgekehrt. Das ist für manche Leute langweilig, für andere verlässlich und beruhigend.
Wenn ich morgen im Lotto gewänne, dann könnte ich mir meinen Beckensatz praktisch doppeln lassen. Wenn ich das beim Handwerker weit weg haben wollte, müsste ich meinen Park dort hin bringen, damit er sie nachdengelt. Die Gewichtsangabe wird nicht reichen, in einem 20g-Brief kann eine Liebeserklärung oder auch die Wohnungskündigung versteckt sein.
Dass Fremdarbeit nicht unbedingt dauerhaft erfolgreich ist, mussten Paiste und Meinl bei ihrem (Wieder-) einstieg in die B-20-Produktion lernen. Ich glaube nicht, dass man aus den Fehlern nicht gelernt hat.
Da bei Paiste die Becken so klingen, wie es auf dem Papier steht, ist es bei der Wiederauflage auch gar nicht möglich, da etwas anderes zu basteln, als das, mit dem man berühmt und begehrt geworden ist.
Dass neue Becken anders klingen als alte, sollte man nachvollziehen können, über die Gründe gibt es verschiedene Spekulationen, die Wahrheit ist, dass wir alle altern, auch unsere Becken, selbst wenn sie aus dem gleichen Material und der gleichen Mutter sind.
Grüße
Jürgen
PS
Ganz identisch klingen Paiste Becken aber auch nicht.