Hallo,
"Kerb" ist der südhessische Begriff für "Kirchweih".
Das ist eine Festveranstaltung, welche heutzutage mit der Kirche oder gar ihrer Weihe recht wenig zu tun hat und eher so eine Art Oktoberfest, Dippemess etc. im Kleinen darstellt, also Karussell, Autoscooter, Plastiktulpen schießen, Teddybär gewinnen, Watte essen, Bratwurst essen, Currywurst essen, Schiff schaukeln, Bier trinken, Schnaps trinken, hochwertig konversieren, Bier trinken, im Festzelt Musik hören von zweit- oder dritt- oder viertklassiger Kapelle, Bier trinken, urinieren, Bier trinken, übergeben, vom Sani wiederbeleben lassen, mit der Schubkarre heim zu Mama fahren lassen, dort in der Badewanne übernachten, ... mittags dann wieder los ...
Es gibt dann noch die Kerweborsch, das sind dauerbesoffene frühe Adoleszente in Uniform, die einen gefällten Baum ans Wirtshaus binden und ganz lustige Lieder singen und dann gibt es noch einen Umzug (so eine Art Karawane), wo jeder Verein des Dorfes seine Mitglieder zur Schau stellt. Dieser kulminiert dann in einer Ansprache, welche die wichtigsten Ereignisse der letzten Zeit erhellt (beim Schreiner Müller ist ein Sack mit Sägespänen umgefallen und dahinter lag der Bürgermeister Schmidt mit der Schreinersgattin Müllerin, welche gerade über die neue Ortsumgehung anschaulich diskutiert hatten, bis dann eben der Sack ...). Nun ja, auf dem Dorf, das ist eben ein bisschen urbaner als in so einem internationalen Fachforum, wo gepflegt und elaboriert über Schrauben und Muttern sowie diverse Schmiermittel und ihren Klang disputiert wird.
Grüße
Jürgen