Hallo,
es gibt entweder E-Drums-Unterricht oder Schlagzeugunterricht.
Früher gab es eine Keyboard-Invasion, plötzlich wollten alle "Keyboard" lernen,
zuvor war es die Heimorgel.
Man muss von Anfang an wissen, wohin man will.
Solange es um ein Home-Instrument für die moderne Hausmusik (heutzutage
oft allein) gehen soll, ist das das Eine, wenn es um Musik mit Außenwirkung
auf einem gewissen Niveau gehen soll, ist es das Andere.
Es gibt für alles eine Anwendung, man sollte aber von der eigenen Zielvorstellung
ausgehend die Anwendung wählen und keine faulen Kompromisse machen.
Für mich wären E-Drums tödlich.
Gestern Vorstellung bei Jazz-Big-Band: das wäre ein Spaß gewesen, wenn ich da
mit einem Roland angerückt wäre.
Vorvorgestern Pop/Funk/Soul: auch da wäre der Abend ganz anders verlaufen,
wenn ich statt dem Anfänger-Set, was dort stand (einschließlich leckerer gelber
Becken), einen Roland mitgebracht hätte.
Wenn ich dann erst ans Akkordeon-Orchester denke, wo eben nicht Ufftata, sondern
Klassik, Filmmusik, Musical, Pop, Rock, Jazz auf dem Programm steht nebst lustigen
Dynamikvorschriften in den Vorschriften auf dem Zettel, wo "Drums" oder "Percussion"
drauf steht, dann hätte mich der Dirigent wahrscheinlich standrechtlich viergeteilt,
wenn ich einen Roland angeschleppt hätte.
Wenn man also die großen Werke der Weltliteratur bespielen möchte, kann man das
Elektrozeug vergessen.
Die einzige Ausnahme ist die Boulevard-Veranstaltung Nokia-Nacht der Prom(i)s, wobei
die eben nur einen Roland haben, drumherum dann aber merkwürdigerweise das volle
Akustikbesteck. Die Interpretationen sind da aber immer ein bisschen rustikalisiert,
alles ein buntes Potpourri für die nicht ganz so Audiophilen.
Tatsächlich begegnen mir bei der Musikersuche auch immer wieder Freunde der
E-Drums, eine Band sucht aktuell immer noch, von einer habe ich nichts mehr gehört,
obwohl die schon im Herbst groß raus wollten, eine andere war in Gründung und ist
wohl wieder aufgelöst.
Das Lautstärke-Argument zählt für mich nicht, es ist ein Irrtum, wenn man meint, nur
weilt man daheim keine Kirchenorgel hinstellen kann, dass man auf der Bontempi lernen
sollte.
Genauso würde ich niemandem empfehlen, der Flamenco-Gitarre lernen will, das daheim
und im Unterricht dann mit einer leisen Elektrogitarre mit Kopfhörer zelebrieren möchte.
Wenn es dagegen um Pop ohne Schnörkel gehen soll und die eigenen Ambitionen von vornherein
auf "Hobby" festgezimmert sind, dazu die Hörgewohnheiten eine gewisse Toleranz aufweisen,
dann kann man auch mit E-Drums glücklich werden, insbesondere dann, wenn man sich viele
Lernprozesse, die Zeit, Geduld und Nerven kosten, sparen will.
Grüße
Jürgen