Was Dynamikkompression betrifft geht's, wie so oft, um das Maß. Komplett unkomprimierte Musik will sicher keiner hören. Nicht mal Klassikkonzerte mit hoher Verlaufsdynamik und wenig bis keiner Nahmikrofonierung werden komplett unkomprimiert gelassen.
Das gilt auch für rein digitale und "sterile" Aufnahmen. Ohne ein bisschen Sättigung und ggf. auch Rauschen klingts einfach dünn und steril. Tonbandaufnahmen werden immer noch eine besondere "Musikalität" nachgesagt. Das hängt auch mit der Sättigung und der damit zusammenhängenden leichten Kompression zusammen, aber auch der Eigenschaft, unschöne Details zu verdecken (z.B. sehr scharfe Transienten).
Der springende Punkt ist halt, dass lauter immer "besser" klingt. Da reicht schon ein halbes Dezibel eines ansonsten 100% gleichen Mix/Masters, dass man die lautere Version als besser empfindet. Dadurch ist der loudness war ja überhaupt erst aufgekommen.
Was Datenkompression betrifft, muss man noch zwischen verlustfreier und verlustbehafteteter Komprimierung unterscheiden. Verlustfrei ist z.B. FLAC. Verlustbehaftet ist z.B. MP3 und dessen Nachfolger AAC. Verlustbehaftete Codecs nutzen Psychoakustik und lassen Anteile weg, die das menschliche Gehör kaum noch wahrnehmen kann. Z.B. sich verdeckende Frequenzen. Bei niedrigen Bitraten werden die Höhen zusätzlich steilflankig beschnitten.
Bei 128 kbps MP3 vs. Audio-CD kann man schon noch einen sehr deutlichen Unterschied hören (mit ordentlichen Kopfhörern und nicht ganz ungeschultem Gehör). Schwierig wird's dann so ab 192 kbps. Dazu sollte man anmerken, dass MP3 sowieso veraltet ist und neuere Codecs wie AAC (Youtube z.B. nutzt AAC) eine höhere Klangqualität bei gleicher Bitrate haben.
Es stellt sich im Zeitalter von Terabyte-Festplatten und schnellem Internet sowieso die Frage, wozu man noch knauserig bei Audiobitraten sein sollte. Zumal Videos deutlich höhere Datenmengen mit sich bringen.
Solange diese Codecs auch so genutzt werden, wie sie gedacht sind, ist das alles auch noch kein größeres Problem. Aber es kommt leider sehr häufig vor, dass verlustbehaftete Codecs, teilweise mehrfach, noch mal verlustbehaftet encodiert werden. Und das klingt dann einfach sch...
Es geht bei den verlustbehafteten Codecs übrigens nicht nur darum, was man noch bewusst als Unterschied wahrnehmen kann. Andrew Scheps hatte mal in einem Vortrag erläutert, dass verlustbehaftete Codecs tendenziell anstrengend klingen. Weil das Gehirn auch bei höheren Bitraten immer dazu angehalten ist, die noch fehlenden Anteile wieder rein zu interpretieren.
Also ich setze mittlerweile nur noch auf FLAC, wo es geht. Mich ärgert schon, dass ich für meine Videos noch keine vernünftige Lösung gefunden habe, eine lossless Audio-Spur für den Upload zu implementieren. So, wie es Youtube bzw. Google für Musikvideos empfiehlt.
Und was Streaming betrifft ...
Wer sagt denn, dass man das nur mit dem Smartphone machen kann? Ich nutze Deezer auch am PC mit einer ordentlichen Soundkarte und bei Bedarf meiner Hifi-Anlage. Streaming als FLAC in CD-Qualität.
Deutlich Höhere Auflösungen (z.B. 96 kHz und 24 bit) sind für fertige Masters ziemlich sinnfrei. Zumal es absoluter Quatsch ist, im Nachhinein die Auflösung zu erhöhen (was einmal weg ist, ist weg).
Also von der Klangqualität her muss Streaming nicht schlechter sein.