Ich finde die Diskussion über so und so viele Übungsstunden insofern fragwürdig, weil ich Üben für mich - rückblickend - irgendwie nicht als Üben angesehen hatte. Habe einfach gerne gespielt. Und wenn das der Fall ist, stellen sich solche Fragen auch nicht mehr. Dann spielt man halt einfach.
Ansonsten geht's auch beim Üben um Qualität vs. Quantität. WAS übt man und vor allem mit welcher Leidenschaft, Motivation und Genauigkeit ...? Und in welchem Zustand? Letztendlich ist besonders Üben auch einfach Arbeit.
Und mal von den bekannten "Göttern" abgesehen, die technisch und spielerisch Maßstäbe setzen, geht's bei der ganzen Sache ja auch noch um sowas wie Kunst. D.h. Freude beim Spielen, Selbstausdruck der eigenen Emotionen und künstlerischer Vermittlung dieser durch sein Instrument. Wenn man damit anderen eine Freude bereitet, hat man seine Rolle als Künstler schon mal verstanden.
Ich denke, wenn man die intrinsische Motivation dabei mit dem Wissen, dass man bei weitem nicht alles können und wissen kann, kombiniert, hat man schon mal eine ganz gute Grundlage.
Und als Lehrer jemandem ein Bild von sich auf großen Bühnen und in schampusgefüllten Badewannen in den Kopf zu setzen und zu sagen, dass dafür 1h Üben am Tag reicht, halte ich für fahrlässig (gelinde gesagt). Man trägt da ja auch Verantwortung.
Ich gehe grundsätzlich ohne Wertung an die Sache. Rede mit Kindern wie mit Kollegen, ohne mich drüber zu stellen.