Vorbilder zu haben halte ich für wichtig. Und auch die "Großen" hatten Vorbilder, als sie noch jünger waren. Ein Vorbild von Gavin Harrison war z.B. Jeff Porcaro.
Besonders in der Anfangszeit am Instrument ist das m.E. die beste Quelle für die nötige Begeisterung, die "Aha"-Erlebnisse ("so macht man's also richtig") und auch die Motivation, sich zu verbessern.
Der springende Punkt ist halt einfach das Maß, wie bei so vielen anderen Dingen auch. Schafft man es, das Vorbild nur Quelle für Inspiration sein zu lassen und sich auch selbst am Instrument zu verwirklichen?
Ich persönlich hab nach wie vor mehrere Vorbilder. Hatte mich aber auch nie davor gescheut, eigene Wege zu gehen und es an bestimmten Stellen einfach laufen zu lassen. Letztendlich ist Schlagzeugspielen ein künstlerisches Handwerk und damit auch ein Mittel des persönlichen Ausdrucks. Fängt man an ein Vorbild zu "kopieren", verbaut man sich diese Möglichkeit und kastriert seine eigene Authentizität am Instrument.
Mich persönlich beschäftigt z.Z. auch immer wieder, dass ich als Schlagzeuger nicht nur noch Dienstleister sein will. Klar ist vieles im Allgemeinen schon beinahe standardisiertes Machwerk und ich halte es auch für wichtig, auf dem Teppich zu bleiben. Es gibt m.E. aber Grenzen, die da aufhören, wo man selbst den Spaß verliert.
Auf der anderen Seite ist es aber auch immer schwieriger, mit der eigenen Authentizität aus der Masse rauszustechen. Weil einerseits die Skill Levels in der heutigen Zeit von einigen Leuten sehr auf die Spitze getrieben werden und es andererseits halt mittlerweile auch schon sehr viel Musik gibt, die Akustik-Schlagzeug in den verschiedensten Formen beinhaltet.
Wenn jemand versucht, ein bekanntes Vorbild möglichst gut zu kopieren, sieht er das möglicherweise als einzigen Weg für Aufmerksamkeit und Erfolg. Was im Kern eigentlich ziemlich traurig ist.