Alle Summen täuschen ohnehin über den realen Verdienst: selbst wenn ich einmal von einer Gage von 4000 € für einen durchschnittlichen Gig ausgehe, bleibt bei einer 5köpfigen Band bei ebenfalls durchschnittlichen Kosten im Regelfall schnell mal lediglich ein Nettoverdienst von rund 40 € pro Stunde pro Musiker übrig, wenn ich alle Kosten inklusive Steuern und Sozialabgaben mit einrechne.
Da die Anzahl der Gigs pro Jahr nunmal begrenzt sind, steht damit fest, dass ein Musiker hiervon nicht leben kann. Das ist ein alter Hut. Auch die Möglichkeiten, sein Salär entsprechend mit Schwarzgeld aufzubessern, haben stark nachgelassen: während dies früher noch gangundgäbe war, sind heute die Veranstalter sehr zurückhaltend geworden, da die Kontrollen zu stark und die Geldströme zu kontrollierbar geworden sind.
Im übrigen muss ich bei allen vergleichen Gegenwart/Vergangenheit im übrigen immer auch noch den Kaufkraftschwund drauf rechnen: wenn ich in den 90iger Jahren 500 DM pro Gig verdient habe, ist das relativ viel gewesen. Wenn ich heute 250 € dafür stattdessen bekomme, sieht die Sache schon anders aus.
Im übrigen muss man auch immer wieder betonen, dass Musik heutzutage schlichtweg eine andere gesellschaftliche Bedeutung hat, als in den Wohlstandsjahrzehnten. Musik, wie wir sie kennen, also als Kunst – und Ausdrucksform des Künstlers, ist ein Symptom unserer Überfluss-Gesellschaft, die sich derzeit ebenfalls rapide ändert und mit ihr viele Grundparameter, so auch im Bereich Kunst im Allgemeinen Musik im speziellen.