Simon Phillips Interview (Rick Beato)

  • Die Phasendrehung beim Snaremikro war ein guter Tipp! Aber auch sonst sehr viele schöne Details!

    Ist aber auch nur eine Möglichkeit, kann man auch anders angehen. Bei den üblichen Abständen ist das obere Snare-Mikro fast immer mit den Overheads "out of phase".

    Für mich klingen aber auch die Toms mit gedrehter Phase der Overheads besser. Und mir ist es auch lieber, wenn zuerst eine negative Halbwelle im Mix kommt - man die Schlagfelle also "von oben" hört, wo ja auch die Mikrofone sind. Obwohl es sicher kaum hörbar ist.


    Die Alternative wäre, die Schlagzeugspuren zu alignen (wobei man da u.U. auch noch Phasendreher braucht). Finde aber sehr cool, dass Simon das nicht macht. Das zeigt einfach, dass es nicht unbedingt nötig ist und auch anders geht. Wird leider an manchen Stellen anders propagiert - sei es in Mixing-Lehrbüchern oder in Internetforen.

  • Die Phasendrehung beim Snaremikro war ein guter Tipp! Aber auch sonst sehr viele schöne Details!

    Dass man mit der Phasendrehung was erreichen kann, ist klar, aber es ist eine sehr ungenaue Methode, da geht nämlich noch mehr. Man hat zwar wegen der Laufzeitdifferenz zwischen den Signalen ein Phasenproblem, ABER die Phasendifferenz beträgt in der Regel nicht genau die 180 Grad, die man aber mit der Drehung auf die Snarespur bringt.

    Meine Empfehlung ist eher, zuerst die Laufzeitdifferenz zwischen den Overhead-Spuren und der Snarespur auszugleichen. Dafür muss man nur die Snarespur um etwa 3 ms nach vorne ziehen. Wenn man weit genug aufzoomt, kann man auch erkennen, ob der Anschlag dann in Phase oder gegenphasig ist. Wenn sie gleichphasig liegen, ist man hier schon fertig. Sollte er gegenphasig sein, ist die Phasendrehung natürlich der Weg.

    Die Alternative wäre, die Schlagzeugspuren zu alignen (wobei man da u.U. auch noch Phasendreher braucht).

    Meine Rede.


    Finde aber sehr cool, dass Simon das nicht macht. Das zeigt einfach, dass es nicht unbedingt nötig ist und auch anders geht.

    Anders heißt in dem Fall, dass er zwar die korrekte Diagnose stellt, aber bei der Behandlung unscharf vorgeht. Aus meiner Sicht ist das ohne Not am Optimum vorbei. Ich verstehe, dass er aus der Zeit der analogen Musikproduktion kommt, wo man den Laufzeitausgleich nicht machen konnte und die Phasendrehung schon das Ende der Möglichkeiten darstellte. Aber die Welt hat sich weiterentwickelt.

  • Meine Empfehlung ist eher, zuerst die Laufzeitdifferenz zwischen den Overhead-Spuren und der Snarespur auszugleichen. Dafür muss man nur die Snarespur um etwa 3 ms nach vorne ziehen.

    Ja, Aligning halt. Das bleibt aber auch ungenau, weil die Overheads auch nicht den selben Abstand zur Snare haben müssen - zu den Toms sowieso nicht.


    Ich hatte mich mit dem Thema viel beschäftigt und mir hat der Klang von alignten Schlagzeugspuren nie gefallen. Ohne klingt's einfach besser, find ich. Und spart auch die lästige Arbeit.


    Zu dem Thema hatte ich auch mal einen Thread im Recording-Forum hier erstellt:


  • weil die Overheads auch nicht den selben Abstand zur Snare haben müssen

    Das sehe ich anders. Eines der Hauptziele bei der Platzierung der Overheads ist der identische Abstand beider Mikros zur Mitte der Snare. So gut wie alle Tonleute, mit denen ich gearbeitet habe, messen das aus, alleine schon, um die Snare im Mix nachher wirklich in der Mitte zu haben. Hab ich im Studio nur einmal anders gesehen und die Produktion war dann auch nicht gut.

  • Anders heißt in dem Fall, dass er zwar die korrekte Diagnose stellt, aber bei der Behandlung unscharf vorgeht. Aus meiner Sicht ist das ohne Not am Optimum vorbei. Ich verstehe, dass er aus der Zeit der analogen Musikproduktion kommt, wo man den Laufzeitausgleich nicht machen konnte und die Phasendrehung schon das Ende der Möglichkeiten darstellte. Aber die Welt hat sich weiterentwickelt.

    Ich finde diese Darstellung viel zu einseitig, theoretisch und dogmatisch. Praktisch habe ich da ganz andere Erfahrungen gemacht. Live geht das sowieso nicht und Laufzeitdifferenzen sind auch Grundvoraussetzung für die meisten Stereofonie-Verfahren und gehören auch bei Raummikros zum natürlichen Klang dazu.


    Man wird auch mit Aligning nie das Optimum erreichen können. Das fängt bei einem unterschiedlichen Abstand der Overheads zur Snare an und geht weiter mit unterschiedlichen Abständen zu den Toms.

  • weil die Overheads auch nicht den selben Abstand zur Snare haben müssen

    Das sehe ich anders. Eines der Hauptziele bei der Platzierung der Overheads ist der identische Abstand beider Mikros zur Mitte der Snare. So gut wie alle Tonleute, mit denen ich gearbeitet habe, messen das aus, alleine schon, um die Snare im Mix nachher wirklich in der Mitte zu haben. Hab ich im Studio nur einmal anders gesehen und die Produktion war dann auch nicht gut.

    Da habe ich andere Erfahrungen gemacht, auch im Gespräch mit studierten Tonleuten. Man sieht auch in Videos von z.B. CLA zur Schlagzeugmikrofonierung, dass die OHs keinen gleichen Abstand zur Snare haben.


    Die Snare muss auch nicht zu 100% mittig im Mix sein. Wer sagt das? Mit mittig gepannten Snare-Mikros wird die Snare sogar räumlicher, wenn sie auf den OHs nicht ganz mittig ist.


    Meine Erfahrung ist, dass das Gesamtstereobild des Schlagzeugs oft leidet, wenn die Snare auf den Overheads auf Biegen und Brechen mittig ist. Irgend einen Tod muss man dabei nämlich immer sterben und alle Entscheidungen sind Kompromissbehaftet.

  • Ich finde das Video total super - und es stimmt: Simon Phillips ist ein überaus sympathischer Zeitgenosse. Mir als nicht-Fan war gar nicht bewusst, dass er schon als Kind die Welt der Studios kennengelernt hat und dort auch schon in jungen Jahren regelmäßig Jobs getrommelt hat.


    Das mit dem Farbeimer muss ich nochmal probieren - ich hatte das schonmal mit einem fetten Stein in der Bassdrum gemacht, aber das war nicht so eindeutig besser mit oder ohne. Er sprach hier ja von einem One-Gallon Eimer - das wäre in unserem System wohl ein 5l-Eimer. Mal sehen, ob mir so einer mal über den Weg läuft.


    Interessant fand ich auch seine Aussage zu den Toms - vor allem, dass er sie höher stimmt als andere Drummer, dafür aber offen klingen lässt und auch Schlag- und Resofell auf den gleichen Ton stimmt. Ich hatte bei der Vorbereitung der Jazz-Challenge auch so eine Stimmung mit Ambassador-Fellen gemacht und fand das Ergebnis sehr ansprechend. So ein Set spielt sich völlig anders als die übliche mitteltiefe Stimmung. Mal sehen, ob ich das nochmal auf mein MMP übertrage.


    Zur Phasenlage und Ausrichtung der Overheads gibt es unterschiedliche Herangehensweisen - ich denke, jeder arbeitet da einfach so, wie es sich für einen persönlich besser anhört. Bei Simon würde mich mal interessieren, wie er da mit den vielen Tom-Mikros umgeht - erwähnte er, dass er die Tomspuren freischneidet? Er sagte aber auch, dass er die Schwingungen der Felle der Toms beim Snareanschlag mit als Klang nutzt - war das über die Overheads?


    Phasenprobleme zwischen Snare- und Overheadmikros kann man umgehen, wenn man sich den Abstand ausrechnet, wo entweder die Phase des Grundtons genau um 180° gedreht ist oder eben wieder phasengleich vorliegt. Bei einer auf 200 Hz gestimmten Snare wären das für 180° ca. 86 cm und für die gleiche Phase dann das doppelt davon, also ca. 172 cm. Hält man diese Abstände für den hier gewählten fiktiven Grundton von 200 Hz ein, dann kann man mit einer Phasendrehung beim 86er Abstand wieder den vollen Grundton bekommen, bei 172 cm ist er automatisch da. Ich muss aber zugeben, dass ich das auch nicht immer konsequent beachte, weil es ja auch noch andere Sachzwänge bei der Aufstellung der Mikrofone gibt (z.B. Deckenhöhe, Raumklang auf den Mikros usw.).


    Ach, driftet schon wieder ins nerdige ab - nochmal: Simon rocks! :thumbup:

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    Ich kann auch dieses Interview mit ihm empfehlen. Da geht er noch mehr auf seine Kindheit ein und auch auf die Phase, wie er dann (immer noch als Teenager!) in die Londoner Studioszene reingerutscht ist.

  • Noch mal zum Thema Sound bzw. speziell Simons Sound ...


    Ich hatte ja als Kind schon mal ein paar Jahre gespielt (dann leider erstmal wieder aufgehört) und hatte Ende der 90er auch dieses Lehrvideo (damals noch auf VHS) von ihm gesehen. Also das, wo er auch auf das Bassdrumfell steigt, um es zu zentrieren. Das Video ist von 1992 und wurde ganz sicher auf Tape aufgenommen.


    Mir ist davon noch ein Solo in Erinnerung, das mich auch während meiner Anfangszeit mit Recording und Mixing nochmals umgehauen hat. Dieses mal vom Sound. Denn das gehört beim Thema Schlagzeugsound so mit zu dem besten, das ich kenne. Er hat damals schon in vielen Hinsichten wirklich Maßstäbe gesetzt.


    Leider gibts das auf Youtube nur in sehr schlechter Qualität, aber der Sound kommt trotzdem ganz gut durch. Ich weiß nicht, inwieweit er selbst da an der Produktion bzw. Recording und Mixing beteiligt war. Aber da wurde ganz sicher nichts aligned, weil eben auf Tape aufgenommen. Wenn dann wurde vielleicht mit Delays gearbeitet, um Laufzeitdifferenzen auszugleichen.


    Wenn er damals Einfluss auf die Mikrofonierung hatte, ist wahrscheinlich nicht mal ein Snare-Teppich Mikro dabei.


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    Ich überlege, just for fun mal einen Vergleich zu machen zwischen meiner aktuellen Herangehensweise zu alignten Overheads, auf der die Snare mittig ist. Nicht für Youtube, nur hier.

  • Wieso beißt Du Dich denn daran so fest? Es ist doch ok, wenn Du ohne Alignment arbeitest und ebenso ok ist es, wenn andere das machen…

    Ich beiße mich daran gar nicht fest. Mich nervt nur wenn Aligning als die einzig richtige Vorgehensweise beschrieben wird. Das kenne ich aus Lehrbüchern, von recording.de und halt hier auch gerade wieder von Nils.


    Da suggeriert dann nämlich, dass die jenigen, die das nicht machen, nicht wissen würden was sie tun oder Pfusch am Bau betreiben würden.

  • Kannst Du doch drüber stehen - Dein Sound funktioniert doch. Es gibt halt immer viele Wege, die nach Rom führen.

    Simon Phillips hat es ja in dem Video auch beschrieben: die Engineers damals haben durch ihre Vorarbeit (= mit bedacht aufgestellte Mikrofone) dafür gesorgt, dass man mit dem Phasenschalter zu vernünftigen Ergebnissen kam. Wer heute die Overheads so hinstellt, dass die Phase um 90 oder 270 Grad gedreht ist, der muss halt alignen.

  • Es gibt halt immer viele Wege, die nach Rom führen.

    Ja. Gibt aber halt auch Leute, die das Gegenteil behaupten und sagen, dass es da nur einen richtigen Weg gäbe, weil es die Digitaltechnik heute möglich macht.

    Nur weil etwas technisch möglich ist, klingt es aber nicht unbedingt besser. Wie z.B. fast komplett sterile Aufnahmen und Mixdowns ohne Rauschen und Sättigung und sterile Kompressoren und EQs ganz ohne "Charakter" - braucht und will keiner. Deswegen gibts ja auch so viele Plugins, die Hardware-Effekte simulieren und sogar Tonbandsimulationen. Oder Multibandkompression und dynamische EQs - die muss man auch nicht immer benutzen, nur weil es möglich ist.


    Wenn man sich mal die Wellenformen anschaut, dann weiß man auch, dass das mit den Grundtönen und durch Abstände errechneten Laufzeiten nicht in der Praxis funktioniert. Trust your ears ... das hat auch schon Bonzos Drum Tech (Jeff Ocheltree) gesagt.

  • Deswegen gibts ja auch so viele Plugins, die Hardware-Effekte simulieren und sogar Tonbandsimulationen.

    Ich hatte neulich einen ganzen Tag Spaß damit, mehrere verschiedene Mehrspuraufnahmen durch einen (!) Hardwarepreamp mit Übertragern zu re-ampen (schreibt man das so?). Und es war interessant, wo sich was veränderte und wo eher nicht - zumal der Aufwand auch nicht unerheblich ist, wenn man wie ich nur einen Kanal davon hat.

    Wenn man sich mal die Wellenformen anschaut, dann weiß man auch, dass das mit den Grundtönen und durch Abstände errechneten Laufzeiten nicht in der Praxis funktioniert.

    Echt? Ich konnte hier am Beispiel der Jazz-Challenge Aufnahme aus der Wellenform meiner Snare ganz sicher den Grundton errechnen (stimmte exakt mit dem gemessenen Wert überein). Und wenn man gedanklich erstmal nur Overheads und Snare betrachtet, kann man damit auch gute und eher ungünstige Abstände berechnen. Komplex wird es dann, wenn noch die ganzen anderen Mikros dazu kommen - dann kann es sein, dass ein Tom absäuft, weil der für die Snare optimierte Abstand beim Tom genau falsch ist. Dann sind - wie Du schon oben geschrieben hast - die Ohren gefragt, um die Phase beim Tom zu entscheiden.


    Ich werde mir mal ein Excel-Sheet basteln, wo man die Grundtöne der Trommeln eingeben kann und daraus die günstigen und ungünstigen Entfernungen berechnet werden. Den Rechner habe ich beim Aufnehmen eh immer dabei und ein Maßband packe ich mit in den Koffer. Interessiert mich, ob das auf die Praxis übertragbar ist - Versuch macht klug!

  • Über die Grundtöne der Trommeln funktioniert es wegen den Transienten bzw. Einschwingvorgängen nicht. Ich habe eben mal eine Aufnahme von mir rausgesucht, bei der der Grundton der Snare ziemlich genau bei 200 Hz liegt. Auf der Frequenz hat eine komplette Schwingung (360°) die Dauer von 5 Millisekunden. Und auf die weitere Wellenform bezogen stimmt das so auch - die Time-Selection hat hier die Dauer von 5 ms. Zu sehen ist die Wellenform des oberen Snare-Mikros (SM57):



    Schaut man sich dann aber den Einschwingvorgang an, stellt man fest, dass dieser insgesamt viel kürzer ist. Hier etwa nur halb so lang.

    Auf den Overheads sieht die Wellenform ähnlich aus.


    Daher sind die Grundtöne der Trommeln für den Ausgleich der Laufzeitdifferenz über die Phasen unerheblich bzw. sogar unbrauchbar.

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