Jaki Liebezeit – Zeit als Struktur

  • Ich möchte euch mein Buch „Jaki Liebezeit – Zeit als Struktur“ vorstellen.

    Im Mittelpunkt steht weniger Jaki Liebezeit als „legendärer CAN-Schlagzeuger“ als vielmehr die Frage, welches musikalische Denken hinter seiner Spielweise stand: Wie organisierte er rhythmische Zeit? Welche Rolle spielten Wiederholung, Bewegung, Reduktion und Präzision? Und warum ist seine oft beschriebene „Maschinenhaftigkeit“ eigentlich ein ziemlich irreführendes Bild?

    Mich interessiert besonders der Austausch mit Schlagzeugerinnen und Schlagzeugern: Wie nehmt ihr Jakis Spiel wahr – eher als extreme Präzision, als Groove oder als eine ganz eigene Organisation von Zeit?


    Jaki Liebezeit – Zeit als Struktur. Zur Organisation rhythmischer Zeit


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  • Uff! Mich hat an Jakis Drumming immer das "Trance-artige" gepackt - und damit die Abwesenheit von Kopf und Denken.

    Da ich ihn persönlich nicht kannte, bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn damit "verkenne", aber Musik - ganz im Allgemeinen - ist für mich zu einem großen Teil genau das Umgehen von Denken/Zerdenken/Analyse, bzw. Organisation und Struktur im fast mathematischen Sinne. DEN Teil habe ich in seinem Spiel tatsächlich eher weniger gehört bzw. empfunden.

    Und wenn ich - im positiven Sinne - in einen ekstatischen Zustand gerate, dann liegt ein großer Teil des Empfundenen Glücks in der Abwesenheit eines jeden Gedankens...


    Entsprechend fühle ich mich überfordert, einen theoretischen Diskurs über mein Empfinden seines Spiels zu führen, das für mich gerade eben auf DER Ebene wirkt, auf der bei mir jegliches Denken aussetzt und bitte auch nicht einsetzen möge... ;)

  • Ohne ein Can-Experte zu sein scheint mir Jaki Liebezeit's Spiel in heutigen Licht lediglich moderner als der damalige Zeitgeist zu sein. Er spielt schlicht gerader durch und deutlich weniger Fills als viele seiner Zeitgenossen, wie etwa Noske bei Birth Control. Ihm Maschinenhaftigkeit vorzuwerfen oder ihn ideologisch zu überhöhen schient mir fehl am Platz zu sein. Ist halt eine Spielart des Krautrock. Noch moderner und vielleicht wirklich etwas maschinenhaft ist für mich das Spiel von Brad Howell bei Supermax, die allerdings erst ein paar Jahre später bekannt geworden sind als Can, mitten in der Disco-Welle.

  • Das Büchlein von Jono Podmore fand ich ganz interessant. Liebezeits Spiel in einer Art "wissenschaftlichem Korsett od. nicht so böse, in einem wissenschaftlichen Konzext zu sehen od. zu beurteien", läge mir fern. Ich spiele immer wieder gerne ein paar Grooves von ihm, die helfen mich fit zu halten. Wenn das Hirn dabei abschaltet ist das wunderbar. Manchmal auch mit Klick, da hilft es mir vorzustellen, dass der Klick von einer Person gespielt wird und nicht von einer Maschine kommt. So fällt es mir lustigerweise leichter mit dem Klick zu syncronisieren :)


    jm2c

  • Das Büchlein von Jono Podmore fand ich ganz interessant. Liebezeits Spiel in einer Art "wissenschaftlichem Korsett od. nicht so böse, in einem wissenschaftlichen Konzext zu sehen od. zu beurteien", läge mir fern. Ich spiele immer wieder gerne ein paar Grooves von ihm, die helfen mich fit zu halten. Wenn das Hirn dabei abschaltet ist das wunderbar. Manchmal auch mit Klick, da hilft es mir vorzustellen, dass der Klick von einer Person gespielt wird und nicht von einer Maschine kommt. So fällt es mir lustigerweise leichter mit dem Klick zu syncronisieren :)


    jm2c

  • Danke für deine Rückmeldung – gerade dein Beispiel mit dem Klick finde ich sehr interessant. Dass es leichter wird, wenn du ihn dir als von einer Person gespielt vorstellst, trifft tatsächlich einen wichtigen Punkt: Rhythmus nicht nur als messbares Raster zu verstehen, sondern als Bewegung und zeitliche Orientierung.


    Mir geht es dabei auch gar nicht darum, Jakis Spiel in ein wissenschaftliches Korsett zu zwängen oder es von außen zu beurteilen. Im Gegenteil: Ausgangspunkt ist seine konkrete Spielpraxis – und die Frage, was sich aus ihr über Rhythmus, Bewegung und Zeit ableiten lässt.


    Dass beim Spielen irgendwann die bewusste Kontrolle zurücktritt und der Körper übernimmt, gehört für mich ganz wesentlich dazu. Gerade darin liegt etwas, das sich theoretisch beschreiben lässt, ohne die unmittelbare Erfahrung des Spielens kleinzureden.

  • Ohne ein Can-Experte zu sein scheint mir Jaki Liebezeit's Spiel in heutigen Licht lediglich moderner als der damalige Zeitgeist zu sein. Er spielt schlicht gerader durch und deutlich weniger Fills als viele seiner Zeitgenossen, wie etwa Noske bei Birth Control. Ihm Maschinenhaftigkeit vorzuwerfen oder ihn ideologisch zu überhöhen schient mir fehl am Platz zu sein. Ist halt eine Spielart des Krautrock. Noch moderner und vielleicht wirklich etwas maschinenhaft ist für mich das Spiel von Brad Howell bei Supermax, die allerdings erst ein paar Jahre später bekannt geworden sind als Can, mitten in der Disco-Welle.

  • Danke für deinen Kommentar. Ich würde Jakis Spiel allerdings nicht nur als eine im Rückblick „modernere“ Variante des damaligen Zeitgeists beschreiben. Weniger Fills und ein geraderes Spiel gehören sicher dazu, erklären aber noch nicht, was daran so eigenständig war.


    Entscheidend ist für mich vor allem die Art, wie er Wiederholung, körperliche Bewegung und zeitliche Stabilität organisiert hat. Das unterscheidet sich deutlich von einem bloßen „Durchspielen“. Auch der oft verwendete Vergleich mit einer Maschine greift deshalb zu kurz: Die Präzision ist da, aber sie entsteht nicht aus Starrheit, sondern aus einer sehr kontrollierten, kontinuierlichen Bewegung.


    Auch die Einordnung als „eine Spielart des Krautrock“ wäre mir etwas zu eng. Der Begriff fasst sehr unterschiedliche musikalische Ansätze zusammen, und Jakis rhythmisches Denken lässt sich meines Erachtens nicht allein daraus erklären.


    Gerade diese Unterschiede sind ein wesentlicher Grund dafür, warum ich mich in meinen Büchern so ausführlich mit seinem Spiel beschäftige.

  • Uff! Mich hat an Jakis Drumming immer das "Trance-artige" gepackt - und damit die Abwesenheit von Kopf und Denken.

    Da ich ihn persönlich nicht kannte, bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn damit "verkenne", aber Musik - ganz im Allgemeinen - ist für mich zu einem großen Teil genau das Umgehen von Denken/Zerdenken/Analyse, bzw. Organisation und Struktur im fast mathematischen Sinne. DEN Teil habe ich in seinem Spiel tatsächlich eher weniger gehört bzw. empfunden.

    Und wenn ich - im positiven Sinne - in einen ekstatischen Zustand gerate, dann liegt ein großer Teil des Empfundenen Glücks in der Abwesenheit eines jeden Gedankens...


    Entsprechend fühle ich mich überfordert, einen theoretischen Diskurs über mein Empfinden seines Spiels zu führen, das für mich gerade eben auf DER Ebene wirkt, auf der bei mir jegliches Denken aussetzt und bitte auch nicht einsetzen möge... ;)

  • Danke für deinen Kommentar.

    Das finde ich überhaupt nicht widersprüchlich – im Gegenteil. Gerade dieses „Tranceartige“ und das Zurücktreten des bewussten Denkens gehören für mich ganz wesentlich zu Jakis Spiel.


    Wenn ich von Struktur, Organisation oder zeitlicher Stabilität spreche, meine ich damit nicht, dass man beim Hören analytisch denken soll. Mich interessiert vielmehr die Frage, wodurch überhaupt ein Zustand entstehen kann, in dem das Denken zurücktritt.


    Struktur ist dabei nicht unbedingt etwas, das man bewusst wahrnimmt. Sie kann vielmehr die Voraussetzung dafür sein, dass sich Bewegung stabilisiert, Wiederholung trägt und genau dieser fast körperliche, tranceartige Zustand entsteht, den du beschreibst.


    Insofern finde ich deine Wahrnehmung sehr spannend. Vielleicht liegt gerade darin ein wichtiger Punkt: dass ein hochorganisiertes Spiel vollkommen unangestrengt wirken kann – und gerade nicht „verkopft“.

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