Interessant ist vielleicht auch, ob der Song auch funktioniert, wenn er komplett anders arrangiert ist. Als Beispiel soll das ganze Album 1989 von Taylor Swift dienen, dass Ryan Adams komplett anders interpretiert hat, die Songs für sich aber auf beiden Alben toll sind.
Danke für diesen Hinweis! Da werde ich nachher definitiv reinhören, das interessiert mich! Denn ich finde die Songs von Taylor Swift ohnehin genial, obwohl ich vorher nicht auf Elektro-Pop stand. Ich habe generell Probleme mit so (scheinbar) dahinplätschernden Songs, wenn es keine Rockballaden sind. Aber bei Taylor Swift geht es mir wie bei Bruce Springsteen: Das Zeug macht süchtig und immer wenn du gerade weiter skippen willst, kommt irgendeine Wendung, die dich weiterhören lässt! Und das sind dann gute Songs.
Alles anzeigenDeutlich leichter fällt mir hingegen die Einschätzung, weshalb ein Song in meinen Augen nicht gut geschrieben ist, also weshalb ich häufig bei Bands von eher schwachen Songwriting-Skills spreche. Das erste Indiz für dieses Problem ist bei mir meist schon das bloße Nachdenken darüber. Bei gut komponierter Musik genieße ich nämlich und gebe mich den Emotionen hin, da bleibt wenig Raum für analytische Gedanken.
Hier ein paar Faktoren bzw. Eindrücke, die mich regelmäßig abtörnen:
- es fehlen den Songs gute Melodien mit Mitsummqualität und dazu stimmige Texte. Gerade Amateure finden häufig nix anderes als auf- und wieder absteigende Pentatonik-Lines.- als Grundlage dienen nicht selten griffige Riffs, um die herum dann irgendwelche Parts in immer wiederkehrender Abfolge gruppiert werden. Um einen Song zu tragen, muss ein Riff aber wirklich herausragend sein. (Beispiel: Back in Black)
- Es gibt keinen schlüssig durchkomponierten Aufbau mit Spannungsbogen, lediglich zueinander irgendwie passende sich wiederholende Teile, die ohne Übergänge wie Eisenbahnwagons eines Güterzuges aneinander gehängt werden
- häufig werden rhythmisch synkopierte Parts erfunden (einfach ist ja langweilig
), statt durch geschickte Kombination unterschiedlicher rhythmischer Phrasen und Ebenen setzen sich dann alle Instrumentalisten einfach drauf. Im Grunde spielen aber alle das gleiche, nur halt jede/r auf seinem Instrument. Komplett eindimensional und langweilig.
- es spielen IMMER alle, und immer ALLE gleich laut.
(Die Aufzählung ließe sich vermutlich noch erweitern)
Danke! Ich hätte es nicht besser auf den Punkt bringen können. Und das beobachte ich immer bei "Bands", die einen Gitarristen als Frontmann oder zumindest Leader haben. Dann werden Riffs und Licks aneinander geschustert, die natürlich harmonisch/rhythmisch alle irgendwie zueiander passen, aber halt wie du schreibst keine "guten Songs" ausmachen, auch wenn sie zum Mitgröhlen/-wippen animieren.
Wenn ich einen Song schreibe, dann gehe ich selten von einem Riff aus, sondern habe ituitiv eine Melodie/Rhythmik/Spannungsbogen und sogar Instrumentierung im Kopf, die ich dann versuche umzusetzen. So entstehen zwar auch mal scheinbare Plagiatschnipsel, aber es ist Musik, die aus dem Bauch kommt - selbstverständlich geprägt von meinem persönliche Musikgeschmack und Hörerfahrung.
Ob es nun die "klassische" Struktur aus Verse -Bridge - Chorus sein muss, dazu kann man unterschiedlich stehen, es gibt definitiv gerade aktuell Beispiele, die davon abweichen und trotzdem funktionieren.
Da möchte ich mal "(You want to) Make a memory" von Bon Jovi in den Ring werfen, wozu mir ein Zitat von Dieter Bohlen bei Wetten, dass...?? 2007 einfällt: "Bei Bon Jovi habe ich immer so nach dem Refrain gesucht." Für mich einer der besten Bon Jovi Songs seit "It's my life" !
Und nochmal ein aktuelles Beispiel: Vergangenen Freitag war ich zum ersten mal live bei Silbermond. Ich hatte die Band generationsbedingt schon immer auf dem Schirm, aber nie so richtig. War aber immer schon begeistert von ihrem Song "Zeit für Optimisten" und wie die das (wenigstens anfangs) mit einer Gitarre, Bass und Drums live runterrocken. Das fällt nun in die Kategorie "gut gespielt", denn das was ich am Freitag da live erlebt habe, war richtig geil. Und dann merkt man auch bei für einen unbekannten Songs, wie gut die doch eigentlich sind, wenn man sie zum ersten Mal und dann noch live hört! Der entscheidende Faktor ist dann die Mischung aus Hookline und vor allem Energie. Hatte dann auch so Gänsehautmomente bei einigen Passagen, wie das eben so ist bei geiler Live-Musik.