Mal ne Frage vom eingefleischten A-Drummer. Kurz vorausgeschickt, beides gibt es, und beides hat gleichermaßen seine Daseinsberechtigung. Nun kommt mir aber noch ein weiterer Gedanke, anknüpfend an Jürgens "warum sollte man was imitieren wollen?". Und zwar, worin liegt die Erfüllung des begeisterten E-Drummers? Ich rede nicht vom Beherrschen des Spiels, dass müssen wir ja alle üben.
Den Drumsound eines akustischen Sets gestalten zu lernen, ist meiner Erfahrung nach ein lebenslanger Prozess. Ein Schlagzeug live oder im Studio klanglich abzubilden, gilt zu Recht als Königsdisziplin der Instrumentalabnahme. Beginnend von der Fellwahl über die Stimmung/Dämpfung, Auswahl und Positionierung der Mikros bis hin zum Processing in der DAW oder der Signalbearbeitung in der analogen Kette entsteht alles durch meine Kreativität (wobei ich Tontechniker hier mit einbeziehe!). Am Ende jeder Aufnahme steht das Ergebnis aus Prozessen eigener Entscheidungen, Versuche, Fehlern usw. Als Newbie mag das häufig ernüchternd sein, je länger man dran bleibt, umso besser gelingt es, qualitativ hochwertige Resultate zu erzielen. Der Mehrwert für mich ist ganz klar die Freude am Kreieren, manchmal auch ein gewisser Stolz, immer aber das Wissen, dass die nächste Herausforderung (anderer Raum, anderes Set, andere Technik) darauf wartet, gemeistert zu werden.
Ich zitiere mal die Signatur unseres allseits geschätzten Kollegen Bruzzi: "Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür bekommen, sondern das, was wir dadurch werden."
Wenn ich mir nun vorstelle, ein E-Drumset zu besitzen und Stunden, Tage, Wochen und vielleicht Monate damit zu verbringen, die idealen Komponenten einiger Hersteller mit den idealen Sounds anderer Hersteller so zu verknüpfen, dass mein Set beinahe klingt wie ein echtes Set, mag mich das eine Weile lang fesseln. Vielleicht macht es mir sogar Spaß. Gleichzeitig ist mir aber bewusst, dass ich mich unweigerlich auf den Endpunkt, nämlich das Erreichen und jederzeit Reproduzieren des "perfekten Drumsounds", zubewege. Ok, nicht ganz, denn die Hoffnung auf noch bessere Simulationen hält mich bei der Stange 
Aber ehrlich gesagt verliere ich bei der Erkenntnis schlagartig jeden Antrieb, Tausende von Euro in ein Hobby zu investieren, dessen Faszination aus kreativer Sicht nach kurzer Zeit aufgebraucht ist. Das mich nicht über die nächsten Jahrzehnte immer weiter wachsen lässt. Was also ist eure Motivation, euch mit E-Drums zu befassen, wo euch im Grunde nur Kreativität Dritter für teures Geld anvertraut ist?
Ich weiß, ich polemisiere ein wenig, aber für mich hat, bei allem Fun, E-Drumming nichts mit der Kreativität musikalischen Schaffens zu tun. Freizeitgestaltung ala Technik-Nerds eben
Oder sind E-Drummer einfach Drummer, die sich nicht mit den Unzulänglichkeiten akustischer Sets aufhalten wollen und stattdessen viel lieber jede Minute konzentriert üben?