Beiträge von Moe Jorello

    Also, die, die ich kenne und mit denen in in Workshops und auch abseits davon zusammen über die Jahre hinweg werkelte, ob Piano, Bass, Sax, Trompete oder Gesang, fanden den Film alle zwar unterhaltsam, aber weitgehend fern der zumindest hiesigen Realität. Soweit aber auch nur meine persönlichen Erfahrungen bzw. Rückmeldungen. In der Bigband der Hamburger Polizei und bei der NDR Bigband z.B. sei sowas jedenfalls nicht präsent, und auch nicht denkbar, was im Film kolportiert wird. Wenn du da andere Erfahrungen gemacht haben solltest, so be it. In meinem Umfeld ist jedenfalls der Film als stark überzeichnet eingeordnet/abgetan worden.

    Na klar, ist halt Hollywood, da muss es dramatisch zugehen... 😉

    #102

    Eben. Und wenn ein realistischer, dokumentarischer Film geschaffen worden wäre, wäre keiner ins Kino gegangen, keiner würde einen Oscar bekommen, keiner würde Millionen verdienen.


    Für die Amis ist Show das A und O, egal, ob Musik, Sport, Film. Das darf man einfach nicht vergessen und in diesem kulturellen Kontext muss man solche Filme sehen und analysieren.


    Wie sehr dort alles dem Faktor Show untergeordnet wird ist mir auch erst bewusst geworden, als ich mehrfach die Staaten bereist hatte. Und da war es egal, ob du in Kalifornien, New York, Florida oder sonstwo bist. Selbst die Elite Unis, wie Stanford, Columbia, Berkeley usw. waren und sind durchtränkt von "Greatest show on earth"-Psychologie und Kommerz. Und auch die Jazzclubs in News York ordnen inzwischen alles dem Show und Kommerz-Faktor unter. Blue Note und Village Vanguard leben von Mythenbildung, Verherrlichung, Marketing und austarierten Shows zwecks Gewinnmaximierung. Zwei Sets pro Abend, strikte Zeitvorgaben, genaue Showvorgaben, was wann gesagt wird, geschieht, strikte "Verzehrregeln" für Besucher, strikte Zeiten für Ein- und Auslass. Das ist reine UnterhaltungsINDUSTRIE inzwischen.

    Konkurrenzkampf ist in der Branche da, klaro. Wo denn nicht? Nur das Bild im Film wirkt doch extrem überzeichnet. Finde ich jedenfalls. Es zeigt wirklich nirgends, warum jemand Musik machen will, warum es ihm wichtig ist, was er daran liebt. Es zeigt nur, "ich lasse mich gerne foltern".

    . Bei klassischen Orchestern ist es zumindest so wie in dem Film

    Wage ich zu bezweifeln. Pardon, ich glaube da einem Peter Erskine mehr als dir. Der spielt ja nun seit Jahrzehnten in allen möglichen Orchestern und schult auch junge Drummer.


    Ich habe auch in allen Jazz-Workshops (auch mit Big Band) nie erlebt, dass ein Musik-Prof dermaßen Scheisse agiert. Ganz im Gegenteil. Da wurde positiv motiviert und Konkurrenz gefördert und nicht drangsaliert. Und wenn jemand was nicht gepackt hat, wurde ihm eine andere Rolle zugeteilt, wo er sicher war und sich wohl fühlte und weiterentwickeln konnte und eben nicht gequält wurde. "Du musst das jetzt aber hinkriegen!!!!"


    Sicher, es gibt harte Konkurrenz aber der Film ist überzeichnet. Hollywood eben.


    Zitat

    Was in dem Film abgeht, erinnert mich mehr an die gute alte russische Schule im klassischen Bereich.

    Mich erinnert es an Full Metal Jacket. Private Schneewittchen....

    Ööh, das sind doch alles verschiedene Modelle, oder? Der Erkenntnisgewinn ist in meine Augen daher eher klein.

    Sind verschiedene Modelle, ja, dennoch merkt man, wie sehr der Pitch nach unten geht, das ancrashen kompliziert und träge wird. Also für eine ganz grobe erste Einschätzung/Orientierung für "unbedarfte" ist das m.e. völlig okay. Das Video will ja auch keine akademische Abhandlung sein.

    Für mich ist Jazz jedenfalls ein lebenslanger Prozess des Hörens, Lernens, Verstehens und Suchens.

    Das unterschreibe ich komplett. Im Jazz gibt es eigentlich keinen Stillstand. Es gibt immer eine Weiterentwicklung von Stilistiken, von Arrangements, von Interpretationen aufgrund sich ändernder emotionaler Zustände, menschlicher Weiterentwicklungen, neuer technischer Möglichkeiten.


    Jazz ist dauernd in Bewegung , transformiert sich, verschmilzt, und teilt sich wieder auf. Wer meint er kenne DEN Jazz, der entwickelt sich vermutlich gar nicht weiter, sondern bleibt in einem kleinen Fragment des großen Ganzen verhaftet. Und weil Jazz sich beständig verändert, anpasst neue Wege geht, ist es natürlich schwer das Wesen des Jazz zu fassen. Und das macht das auch sicherlich vielen so schwer, den Jazz für sich zu begreifen und sich darin zu Hause zu fühlen. Dabei gibt es sicher für jeden einen Punkt, wo er den Einstieg in den Jazz schaffen kann. Zum Beispiel über Funk-Jazz.


    Aber wie soll man Jazz anpacken, wenn man nicht weiß wo man anfangen muss? Im Endeffekt braucht man eben irgendeinen Ausgangspunkt, ob Swing, Be-Bob, Dixie, Cool Jazz oder Free Jazz (such es dir nach Gusto aus), mit dem man sich beschäftigt, um dann für diesen Punkt das Wesen des Jazz, das Gefühl, die Emotionalität zu begreifen und für sich zu adaptieren und zu verstehen, weshalb dieses Lebensgefühl entstehen kann, dass man sagt: ich liebe dieses Lied, diesen Jazz, ich verstehe was die Musiker dort machen wollen, ich weiß wie ich interagieren muss am Schlagzeug.


    Von diesem Punkt aus, wenn ich den wirklich erreicht habe, kann ich die weiteren Schritte machen und mir neue Bereiche des Jazz Stück für Stück erschließen, die im besten Fall von diesem Urkern, von dem ich komme, sich heraus entwickelt haben. Denn dann habe ich halt schon ein Grundverständnis dessen, was gewesen ist und was daraus geworden ist und wie es sich weiterentwickeln kann. Es öffnet die Tür.


    Und dieses ständige "im Fluss sein" beim Jazz, die ganzen vielen verschiedenen Annäherungsarten aufgrund der Weite der Stilistiken, macht es wahrscheinlich auch sehr viel komplizierter beim Jazz als bei manch anderen Musikarten, "Fuß zu fassen", da man bei anderen Genres doch einen vergleichsweise weniger "lebenden Organismus" hat sondern musikalische Strukturen die viel gefestigter sind. Wer Rockdrumming Anno 2026 kann, wird beim Rockdrumming Anno 1970 weniger Probleme haben, das Wesen, den Vibe zu erfassen, als jemand der aus dem Dixie kommt und plötzlich Fusion Jazz mit Weckl und Corea spielen soll. Das sind zwei ganz weit voneinander entfernte Sachen, obwohl beides Jazz ist.


    Ich kann für mich nur sagen, ich kenne Fragmente des Jazz und werde ihn nie in Gänze kennenlernen, begreifen, verstehen, verinnerlichen. Ich habe von Klein auf einiges mit der Muttermilch aufgesogen. Ja, das macht den Einstieg und die Weiterentwicklung leichter. Ich werde aber Zeitlebens immer auf Teilbereiche des Jazz beschränkt bleiben, auch weil sich Jazz ständig erweitert, verändert. Aber das ist normal, das ist nicht schlimm. Finde deinen Sweet Spot und schaue, was dann noch darüber hinaus geht. Ich lerne ich auch beständig weiter. Und wenn man dann z.B. feststellt, mit Free Jazz kann man gar nichts anfangen, was man dazu spielt klingt 100% kagge, dann ist das absolut okay. Man ist deswegen nicht schlechter als Musiker.


    In diesem Sinne nicht vergessen, auch ein renommierter "Jazzer" kann fehl am Platz sein, wenn er im falschen Jazzbereich mitspielen soll. Buddy Rich bei Chick Corea? Brötzmann in einer New Orleans-Combo? Louie Bellsson bei Snarkey Puppey? Wird spannend. 😂

    Oh mist - da ist mein Post ja in die Hose gegangen...

    Nein, ist er nicht, er ist nur von manchen falsch interpretiert worden. Die Tücken der nur-verbalen-Kommunikation.


    Mattmatt: Klar, Jazz kann auch viele Noten haben, sehr oft hat er es auch - aber es ist halt kein Gesetz, dass es viel Noten sein müssen. Schönes Beispiel, dass mir da spontan einfällt: Moonlight Serenade von Glenn Miller oder It never entered my mind von Miles Davis. Es kommt halt immer drauf an, was man spielen möchte, was man bewirken möchte.


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    (Übrigens auch interessant, wie hier das Tempo mal angezogen und mal verschleppt wird, Nix da auf click).


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    Absoluter Schnapper. Glückwunsch! Alleine das Shellset ist schon mehr als 1.200 wert.

    Aaaalso, diesen "Seitenhieb" an die Jazzer, die nicht geliefert haben, damit hatte ich lustigerweise eher two, trommla, mich und einige andere als Adressaten gesehen und man kann und sollte das nicht so bierernst nehmen. Seht es entspannt. Bitte. Das der eine oder andere sehr viel Expertise in dem Bereich Jazz hat ist doch normal und das zweifelt auch keiner an, genausowenig, wie angezweifelt wird, dass hier der eine oder andere sehr gut im Bereich Recording, Metaldrumming, Trommeln stimmen, Instrumentenbau, Punkdrumming oder was anderem qualifiziert ist.


    Studium hin oder her: Es geht um Musik, die liebe zum Schlagzeugspiel, das ein Lied bereichert, nicht um akademische Leistungen, mit denen wir hier brillieren wollen. Ich habe auch meine akademischen Titel, dennoch können andere, die nicht das studiert haben, was ich studiert habe, sicher genausogut die Materie verstehen und beurteilen. Wenn nicht gar besser. Es ist nichts verkehrt daran, autodidakt zu sein. Es ist sogar sehr gut, weil es eben von großer Neugierde, Wissensdurst und Hingabe, Leidenschaft zur Materie zeugt. Sicher sind nicht ohne Grund einige der interssantesten Musiker Autodidakten bzw. nicht-akademischen Ursprungs. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass der Akdemiker langweiliger wäre. Es sind einfach zwei unterschiedliche Annäherungsarten an ein Sujet. Und das ist doch toll, wenn es mehr als nur eine Spur auf der Musik-Autobahn gibt.


    Und "authentisch". Können wir diesen Begriff bitte auch mal über Bord werfen? Es gibt keine "authentischen" Jazzer. Es gibt Musiker, die gut in einem oder mehreren Genres die musikalischen Herausforderungen umsetzen. Menschen, die einfach gut Jazz spielen können aus bereits dargelegten Gründen, so wie jemand anderes einfach verdammt gut Metal mit Doppelhuf spielen kann. Das müssen wir sicher nicht nochmal durchkauen, oder? Entweder ich spiele gut in einem Genre, weil ich das Genre kenne, damit "aufgewachsen bin", es lebe, genieße, liebe - oder ich wage mich erstmals oder nur selten dran, dann ist es natürlich "weniger relaxed"bis vieleicht auch verkrampft weil das Wesen des Genres noch nicht vertraut ist. Ich kann sicher auch Reggae spielen - ob das aber souverän klingt, ist eine andere Frage, denn ich spiele eigentlich nie Reggae - obwohl ich Bob Marley oder Jimmy Cliff super finde. Ist das schlimm? Nö. Wie schon mal gesagt: Es ist gut, sich an etwas zu versuchen, dazuzulernen, sich weiterzuentwickeln. Niemand verlangt hier Höchstleistungen und die Challenge hat ja nun keinen wirklich ernsten Charakter sondern ist doch eine schöne, spielerische Art, sich mit einem Genre zu befassen, dass man sonst vielleicht nicht so auf dem Schirm hat und die Chance bietet, sich weiterzuentwickeln, Ideen zu sammeln, schauen, wie andere eine Aufgabe angehen und zu erkennen, was am Ende überzeugend klingt oder was eben nicht so gut funktioniert.


    Und Marius, meine Signatur hat ja einen gewissen Hintergrund, weiß nicht, ob du den kennst. Peter Erskine bezog sich in einem Interview damit auf das Spiel des Schlagzeugers im musikalischen Kontext. Man spiele für die Musik, für das Lied, nicht um den anderen Mitmusikern oder dem Publikum zu beweisen, was man technisch alles drauf hat. Wenn ein Lied ganz "simpel" gespielt schön klingt, klingt es schön und braucht nicht mehr. "You don't have to show off". Lass die Licks, Fills, Doppebass weg, wenn sie das Lied eher zerstören. ;)


    PS: Mit Bezug auf druffnix möchte ich anmerken, dass auch die Liebhaber des Jazz nicht alles im Jazz toll finden. Es gibt sehr viele Jazzmusiker, mit denen ich z.B. nichts anfangen kann. Brötzmann .. oder Ornette Coleman. Und auch der hochgelobte Miles Davis, was er in späteren Jahren gemacht hat, fand ich persönlich total uninspirierend, langweilig. Jack DeJohnette haut mich ebenfalls überhaupt nicht vom Hocker. So what? SIe mögen bzw. mochten ihre Musik und hatten ihre Fans. Alles gut. Mehr muss nicht.

    Oliver, das ist jetzt aber wirklich gemein. :D Dann müssen vermutlich alle Jazzer bei der nächsten Death-Metal-Challenge antreten, damit wieder Gleichstand herrscht.


    Und da nun auch die Diskussion um Studium und so aufkreuzt: Jazzer zu sein, (wie gesagt, ich tue mich mit der Kategoriesierung, dem Schubladendenken etwas schwer) hängt doch nicht essentiell davon ab, ob jemand Jazzmusik studiert hat. Klar, gewissen Harmonien, Akkordstrukturen und so weiter lernt man da intensiv kennen und vieles andere mehr, aber ich wage mal keck in den Raum zu werfen: Louis Armtstrong hat nicht Jazz studiert. Auch kein Glenn Miller oder Louie Bellsson, Tony Williams oder Gerry Mulligan, Und auch Joe Morello hatte klassische Violine ursprünglich studiert. Nix da mit Jazz.


    Jazz ist ja auch unter anderem ganz viel Einstellung, Lebensgefühl. So wie man den Blues lebt, lebt man auch den Jazz. Die Wege, die dahin führen, können, wie immer, sehr unterschiedlich sein.

    Schau mer mal. :) Ich werde die Tage das Playalong nehmen und wenn ich Zeit habe undauch wieder fit bin mein krudes Gedaddel mit dem EAD10 quick&dirty aufnehmen und dann ebenso quick & dirty zusammenbasteln. Für Beispielaufnahmen reicht das ja allemal und es geht ja nur drum, was man machen könnte, also Ideen aufzeigen.

    Den Wechsel Besen-Sticks-Besen kann man machen, völlig legitim. Wenn man den "Rutsch zurück" zum Besen aber nur schwer hinbekommt, dann würde ich sagen: Bleib bei Sticks oder aber Besen. Weder mit dem einen noch dem anderen macht man erstmal grundlegend etwas falsch. Der Wechsel zwischen Besen und Sticks sollte natürlich geübt werden - auch ich überlege immer dreimal, ob das Stück einen sauberen Wechsel für mich innerhalb meiner Fähigkeiten ermöglicht oder nicht. Wenn nein, dann entscheide ich mich für eins davon, meist die unaufringlichere Variante, Besen. Lieber dezent als zu dominant.


    Übrigens: Auch die Kombination aus 1 (cross)Stick und 1 Besen ist eine mögliche Option, wenn man in RIchtung Bossa bei einem Jazzstück gehen will. Und auch nur mit Mallets (und abgelegten Strainer) könnte man sicher etwas hübsches kreieren - in dem Fall würde man die Melodie eher auf Toms, Snare und Becken sanft "malen". Das wäre dann eine ganz perkussive untermalung.

    Ich kann mir schon vorstellen, dass jemand, der nicht regelmäßig in der Big Band oder Jazz Ensemble spielt, sich dabei trotzdem "wohlfühlt" - vielleicht auch jemand, der sogar regelmäßig solche Sachen spielt, aber dennoch weit von Moe Jorello entfernt ist.

    Oh, danke für die Blumen! 8) ^^


    So, jetzt habe ich mir doch schon alles angehört und viel hier gelesen und möchte einiges hier gerne beitragen. Es ist nicht einfach, alles in Worte zu fassen, denn es ist ja nun ein gaaaanz weites Feld, das wir hier betreten haben, aber ich hoffe, meine Audführungen sind irgendwie nachvollziehbar - wenn auch nicht der Weisheit letzter Schluss.


    Erstmal Hut ab, dass sich so viele, die wohl bislang wenig mit Jazz vertraut sind, sich der Challenge gestellt haben. Als "Nicht-Jazzer" ein Jazz-Stück einspielen und hier präsentieren, das macht sicher nicht jeder mit, das erfordert gewissen Mut. Daher: Mein aufrichtiger Respekt an alle.


    Was mir aufgefallen ist:


    Fast alle probieren ein Swing-Pattern. Der ein oderer andere wandert in einen Backbeat-Modus. Niemand hat probiert, das Stück mit Bossa zu unterlegen, keiner versuchte sich darin, das Stück NUR mit Besen zu begleiten. Bedeutet: Alle haben relativ identische Vorstellungen, wie dazu gespielt werden "sollte". Das ist schon mal Spannend, denn jeder scheint also ein recht festes Bild von "Jazz" bereits vor Augen zu haben. Dass keiner es ausscließlich mit Besen probiert hat (es gab nur einen Teilansatz dazu) ist etwas schade, denn dieses Stück wäre dafür ein sehr guter Kandidat m.E. Ich hatte beim Anhören der Vorgabe übrigens sofort instinktiv zum Besen gegriffen.


    Was noch aufgefallen ist - ja, das Timing hat hier und da bei dem einen oder anderen nicht ganz gepasst, aber das ist jetzt nicht soooo wicktig für mich. Wichtiger ist mir, dass die Leichtigkeit und Zurückhaltung teils fehlt. Einiges klingt - Pardon - etwas zu steif (Und damit meine ich nicht die Stickhaltung). Die Ursache dahinter vermute ich in : Es herrschte vielfach zu wenig Relaxtheit am Set, aber dafür war zu viel Konzentration auf "bloß alles richtig spielen" gelegt worden. Manche haben sich also wohl zu viel Stress gemacht. Wer gestresst spielt, verliert meist den leichten, sanften Flow, der gerade solchen Liedern wohltut.


    Dann: Viel zu viele Noten, Leute. Die Kunst, weniger zu spielen, diese stärker zu beachten, das hätte dem einen oder anderen gut getan. Jazz, das bedeutet viel compen, viele Noten, tausend Ghostnotes, schnelle Swinpattern auf dem Ride, Hihat-gefrickel. Quatsch mit Soße! Gerade einem solchen Stück muss sich das Schlagzeug mächtig zurüchalten. Der Schlagzeuger ist nur dezente Begleitung (die Side-Percussion) für die beiden tragenden Instrumente, Sax+ Piano. Wenn das Schlagzeug dominant auffällt, sind es zu viele Noten. Un sehr oft wurde der Fokus von den Protagonisten weg zum Schalgzeug glenkt. Macht weniger, Leute. Hat Mut dazu. Gebt der Melodie Luft zum atmen. Lasst es einfach "schön klingen".


    Und ... Dynamik - ein viel zu selten beachteter Part des Spiels. Welcher Teil wird lauter gespielt, wo hingegen leiser, welches Instrument, Snare, Bassdrum, Ride, Hihat, Tom, darf wie laut sein im Kontext, um das harmonische Miteinander aller Instrumente in der Band nicht zu stören und im richtigen Moment eine Akzentuierung zu schaffen und die anderen Musiker musikalsich emporzuheben? Man spielt für den Song - für nix anderes. Dessen "Gefühl" muss erfahren, verinnerlicht und harmonisch transportiert werden, zum Leben erweckt. Das ist etwas, woran man arbeiten kann, Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung hilft. Stück für Stück. Und viel Jazz hören, in allen Varianten. Und im besten Fall: Disktuieren/beraten mit den Mitmusikern, Feilen, bis es passt.


    mattmatt und hebbe haben ja schon einiges geschrieben, was ich so unterschreibe. Aber mal ganz grundsätzlich: Es gibt eigentlich keine Jazzer, Rocker, whatever. Nur Musiker. Das sind wir alle. Der Zufall hat es lediglich ergeben, dass der eine einfach mehr Jazz oder Pop oder Rock oder Metal spielt. Man ist also Musiker mit Schwerpunkt Jazz oder... Jede Stilistik hat natürlich ihre Besonderheiten und ich bin sicher, dass jede/r hier im Forum rein theoretisch genauso ein "Jazzer" sein kann, wie ein Punkdrummer. Es ist halt lediglich eine Frage, wie intensiv man sich mit der Materie beschäftigt, wie beflissen man lernt, experimentiert, weiter dazulernt und Erfahrung sammelt. Was in der Sozialisation prägenden Einfluss hatte macht den nächsten Schritt natürlich einfacher, weil bereits ein Grundverständnis für eine Stilistik da ist. Wer als Kind z.B. Elvis Presley mit der Muttermilch serviert bekommt, versteht eher worum es beim Rock&Roll geht, als jemand, der Vivaldi zu trinken bekam; der muss sich den Elvis eben noch zusätzlich erarbeiten.


    Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine. Versteift euch nicht zu sehr auf "der ist Jazzer", der das ist "Rocker", der da ist "Metaller". Ich spiele viel Jazz, habe auch sehr viel damit in all den Jahren auf der Bühne gestanden, an Jazzz-Workshops mit renommmierten Jazz-Musikern teilgenommen. Dennoch sehe ich mich primär als Musiker, denn auch im Bereich Blues, Soul, Pop, Funk, Rock und Latin fühle ich mich musikalisch wohl und spiele diese Stile regelmäßig. Ich habe das alles und noch viel mehr als Kind/Teenager regelrecht aufgesogen und davon langfristig profitiert. Und daher sehe ich auch vieles nicht in solchen "Grenzen", sondern denke da oft Genreübergreifend. Wenn Herbie Hanckock Pop Songs verjazzt, und dazu Pop-Musiker wie Pink und Enrique Iglesias dazustellt, warum nicht? Entdecke die Möglichkeiten - nutze die Möglichkeiten.


    Was ist Jazz?

    Alles ist Jazz. Nichts ist Jazz.


    Jazz ist sehr viel Swing. Ja. Aber irre viel Jazz gibt es eben auch mit ganz anderen Rhythmen, auch der 4/4 Backbeat kann da vorkommen.


    Jazz ist vor allem eins: Vielseitig.


    Und was aus dem immensen Werkzeugkasten der Rhythmen und Spielarten passt, und das oft innerhalb eines Stückes in sehr variierender Form, das diktiert letztlich die Kompostion, dessen Melodie, die Sprache des Stückes also und dann auch was die Musiker in der jeweiligen Konstellation draus machen wollen. Eine Funk-Jazz-Interpretation erfordert eher eine andere Spielweise, Dynamik, Phrasierung als eine Big-Band- als eine Bossa-Interpretation. Ein Trio wird ein Stück gänzlich anders interpretieren und arrangieren, als eine Big-Band oder 10-köpfige Latin-Jazz-Combo.


    Lasst die Schubladen mal lieber weg. Denkt weit, entdeckt die Möglichkeiten. Und lasst euch nicht entmutigen, wenn etwas nicht gleich "perfekt" für euch klingt. Erfahrung,, v.a. auch durch das Mitspielen mit anderen, ist das A und O und bringt ans Ziel. Jeder kann jazzen. Ob das aber jeder will, bleibt jedem selbst überlassen. Und ich finde es toll, wenn sich jeder an Jazz versucht - oder Reggae oder was weiß ich was. Hauptsache wir lernen dazu und werden dadurch insgesamt sicherer, relaxter, vielseitiger und damit: interessanter.

    Haha, ich habe sowohl die Challenge als auch das Voting gar nicht mitbekommen, erst als alles vorbei war. Angesichts der Diskussionen hier muss ich mir nun doch mal alles anhören, alleine um zu hören, ob da jemand "authentisch" oder "weniger authentisch gespielt hat. Und mir dann meine Meinung zu bilden. Schöne Aufgabe für die kommenden Tage...