Bestimmte Dinge analysieren, verstehen, reproduzieren, klar, das hat alles seinen Sinn, seine Berechtigung und mich als jungen Menschen hat es eine gute Weile auch technisch und musikalisch erstmal vorangebracht. Es kann aber auch irgendwann limitieren. Und genau wenn es zur Limitation führt und nicht mehr bereichert, sollte man, finde ich, ernsthaft anfangen zu reflektieren, was man da macht und warum und wieso es vielleicht gut wäre, jetzt einen anderen, freieren Weg einzuschlagen. Seine eigene Persönlichkeit einzubringen und den eigenen "Sound" zu finden. Und dieser Punkt kam bei mir dann irgendwann, als ich mich mit Jazz ernsthaft zu beschäftigen begann (und nicht als Hintergrundmusik es im Radio dahin plätscherte). Bei manchen kommt der Punkt sehr früh, bei anderen später, bei manchen nie. Jeder ist da anders. Wichtig ist am Ende nur, dass man -wie auch immer - Spaß am Musizieren hat und behält. Das Niveau auf dem man Musik macht, der Grad der Perfektion, das ist da dann doch ein wenig zweitrangig, wenn wir ehrlich sind. Oder?
Und wie bereits gesagt, manches kann ich nicht spielen wie andere. Ist so und das ist ja auch gar nicht schlimm. Dafür kann ich wieder anderes, was andere nicht oder nicht so gut können. Das ist bei allen Musikern so und es wäre ja doch sehr traurig, wenn wir alle dasselbe und noch dazu immer gleich gut könnten. Dann müsste ich nicht zu Wolfgang Haffner, oder Dave Weckl ins Konzert gehen. Weil... Kann ich ja selbst genau so spielen. Puh, wäre das uninspirierend. Das Ende aller Kreativität. Es lebe die Vielfalt.
PS: Zitat aus Leben des Brian, weil es so schön ist...
- Kinder, ihr seid alle verschieden....
- ...Ich nicht!
PPS: Unterricht nehmen ist übrigens nie verkehrt. Denn genau da bekommt man manchmal diesen Wink mit dem Zaunpfahl: Löse dich jetzt einmal von der Vorlage und sei du selbst.