Zitat
Solche redaktionellen Beiträge wie im Link darf man ruhigen Gewissens als unterhaltsame, leicht verdauliche Denkanregung verstehen.
Nicht weniger... aber auch nicht mehr.
"In den 50er-Jahren hatte Musik noch einen prallen Klang..." Zitat
Vielleicht richtet sich der Beitrag ironisierend-augenzwinkernd und etwas nostalgisch verklärt an alte Knochen die sich gerne mit dem lauten Ausruf "Genau, früher in den fünfzigern und sechzigern waren die Musikanlagen eine pralle Sache, dann kam das Transistorradio und die Welt wurde schlechter" auf die Schenkel klopfen.
Vieles ist (wie bei redaktionellen, dem Zeilenumfang unterworfenen Beiträgen oftmals üblich) eben nur angedeutet. Manches liest sich nett, anderes eher etwas Mißverständlich und manches wie so oft etwas oberflächlich-angerissen bzw. unreflektiert.
Anyway... weit ab vor Luddies Einwand mit den Bandkosten würde ich das Dilemma der Spurlagen (Azimuthwinkelproblematik, Höhenverluste, Phasing, Echoeeffekte im Zuge der Lagerung etc.) und des Kopfabriebs anführen. So wahnsinnig viele gute Aufnahmen ließen nämlich diverse analoge Systeme garnicht zu. Der Wartungsaufwand mag noch in den Achtzigern und teilweise Neunzigern als die ganze analoge Infrastruktur noch lückenlos bestand für ambitionierte Recordingfreaks und natürlich die großen Studios noch Peanuts gewesen sein...
... aber heute? Die Recherche, Kauf, Einbau und Justierung eines neuen Tonkopfes nebst folgenden Wartungen für eine 16-Spur oder gar 24-Spurbandmaschine wären mir zu viel Aufwand. Die Sorge um den ganzen anderen mechanischen Verschleiß der beweglichen Bauteile von Bandmaschinen (so genial! und anmutig diese aussehen) erstrecht.
Einem guten Radio/Fernsehtechniker traue ich es natürlich zu. Ich persönlich könnte es nicht.
Die Klangverschlechterung bzw. mehr Streß beim Hören per se oder gar nur den digitalen Mp3- etc. Formaten anzulasten ist natürlich nicht nur etwas naiv und einseitig sondern auch inhaltlich "irgendwie" Quatsch.
Jeder der mal einen durchschnittlichen Consumer-Plattenspieler mit seinem Consumer-Hifirack in einem Raum mit Parkettboden (öder ähnliches) platziert hatte und beim Musikhören sich jemand im Raum mittels Schritten/Schuhen bewegt, spürte wie unschön sich eine innere Unruhe entwickelte. Bei mir durchzog sich das durch viele Lebensphasen/Wohnumgebungen. Irgendwann bemerkte man dass die Ursache nicht das schlechte Mittagessen war, sondern der Boden welcher über den Plattenspieler den Trittschall bzw. tieffrequente Frequenzanteile über die Nadel an die Boxen gibt. Dies ist auch an den Tieftönern sichtbar. Derartige Dinge konnte man zuweilen mit einem "Bass Filter" am Verstärker ein klein wenig limitieren. Aber auch nicht ganz. Und selbst da ging des ja schon zu Lasten des Frequenzganges. Aber nochmals: selbst wenn man diesen unbeschnitten ließ, gab es diverse! weitere Phänomene die durchaus auch "(Hör)Streß" erzeugten bzw. einem wirklichen Musikgenuß im Wege standen. Manche ließen sich durch Entkopplung lösen - andere nicht!
Auch die Wechselwirkungen die bei "etwas" höheren Abhör-Pegeln
zwischen Lautsprecher und Nadel des Plattenspielers auftreten konnten und taten! waren faktisch unerwünschte Artefakte die im Widerspruch zur authentischen Wiedergabe des originalen Musiksignals standen.
Und immer schon ging schlechtere Audiotechnik/Audiowiedergabe mit einem höheren Aufwand an Aufmerkskeitsfocussierung des hörenden bzw mehr Streß einher. Genau deswegen kauft doch jeder der Musik schätzt Anlagen die besseren Klang bieten. u.a. um schöner und unangestrengter Musik zu hören/genießen.
Wenn ich Lieblingsplatten nicht 40 mal sondern tausende Male Mal lauschte wurde ihr Sound auch nicht besser. Immer mehr Staub und auch immer mehr Kratzer minderten über die Jahre die Wiedergabequalität und den Audiogenuß diverser meiner Platten hörbar. Von Bändern bzw. generell bandgestützten Systemen und deren Abrieb un die Auswirkung auf diverse klangbestimnmende Parameter könnte man viele Seiten füllen..
Kleiner Einwurf: vermutlich fast jeder der sich mal Aufnahmen auf Draht auf damals teuren Musikanlagen (aus den Fünzigern) angehört hat wird selbst 128 Mp´s 3 (die ich hasse) höchstwahrscheinlich vorziehen
.
Wenn ich gewisse (re-Issue) Schallplatten kaufte (geschah bei mir beim Kauf diverser Sabbath-LP´s) war durch die Lagerung bzw. "Kopiereffekte" der alten Masterbänder auf den Schallplatten! ein Pre-Echo zu hören. Will heißen jeder Ton war schon leise vor dem Ton hörbar. Und das über ganze Schallplatten hinweg. Will heißen: obwohl ich Vinyl kaufte hatte ich die negativen Effekte von Bandsystemen zu tragen.
Da könnte man seitenweise nervige, "stressige" Dinge aufzählen.
Das auch eine Entwicklung wie "compressed to fuck" bei der immer mehr die Musik bis oben an die Grenze des Clippings und darüber hinaus gepegelt wird ebenso ein großes Stück weit eine fragwürdige bis radikale Fehlentwicklung ist, dafür könnte man sachlich viele Faktoren anführen. Vieles finde ich fürchterlich und auch ich kenne diverse alte Röhrenradios deren Klang besser war als manches optisch-schicke PC, I-Pod etc. Lautsprecher-Accessoire. Vielleicht (das ist meine naive Theorie) sind die Ursachen für diesen Lauststärke- und Kompressionswahn aber irgendwie auch letztlich logisch und nachvollziehbar zu verstehen. Ich kenne immer weniger Menschen mit passabel klingenden Hifianlagen. Diverse Menschen nehmen Musik am PC oder dem Mobilphone oder ganz kleinen Gimmickanlagen nebenher "mit". Auf jenen "Anlagen", auch bei den von mir genutzten MP3-Playern beim Joggen fällt mir auf, dass deren Klang WESENTLICH besser ist, wenn das MP3-Format laut ist und die internen kleinen Kopfhörerverstärker das Ursprungssignal nur geringfügig verstärken müssen. Je mehr ich hingegen die Pegel am Regler des Kopfhörerausgangs anhebe (bei günstigen Consumergeräten) umso mehr verfärbt/verschlechtert sich deutlich hörbar der Klang. Somit spiele ich dort lieber Formate mit hohem Pegel ab.
Die Datenreduktion hingegen (also das Thema des Links) hatte in der Anfangszeit des Wandels auf digitale Technik auch ganz logische/pragmatische Gründe. U.a. Speicher oder Datenträger waren recht teuer und es sollten viele Songs ´draufpassen. Also lag der Wunsch nach Reduktion der Datenmengen nahe.
Zurück zum Thema.
Ich glaube ein analoges Heimstudio kann eine tolle Sache sein... wenn man das nötige Geduld und das Geschick mitbringt die Technik am Leben zu erhalten und sich der Arbeitsweise die diese Medien erfordern anpaßt... und Anachronismus schätzt ;).