ZitatDa muss man JB fragen ob ein 1973 gekauftes 2002er frisch genauso klang wie ein heutiges Neues. Die 1000/2000/3000 gab es zu kurz um darüber Aussagen zu treffen. Bei den 505 würde ich auch geringe Schwankungen erwarten.
Das ist genau das Kernproblem. Wahrscheinlich kann kein Mensch (auch nicht der von mir sehr! geschätzte JB) einen differenzierten Klangeindruck jahrzehntelang im Gehirn konservieren. Jetzt wird mancher einwenden "klar kann ich, die tolle Melodie XY habe ich vor 30 Jahren auch nur einmal im Radio gehört, trotzdem kann ich sie noch pfeifen". Dat is´ allerdings was völlig anderes. Differenzierte, komplexe Soundgefüge bzw. Höreindrücke sind in aller Regel ganz schnell verblaßt (traumatische Erlebnisse Autocrash & sonstige Katastrophen mal ausgeklammert) und etwas völlig anderes als Melodien.
Insofern ist das mit dem Vergleich aus der Erinnerung sehr schwer. Dazu kommt, dass unser Gehör im Laufe der Jahre in bezug auf die Wahrnehmung hoher Frequenzen permanent nachläßt. Als Baby werden quasi viele von uns mit 20 Hz bis 20 Khz Wahrnehmungsfähigkeit geboren, quasi voll Hifi-tauglich... mit meinen 39 bin ich mittlerweile meilenweit davon entfernt. Somit selbst wenn wir jahrzehntelang unseren Höreindruck konservieren könnten, würde HEUTE das selbe Becken in unserem Kopf anders klingen bzw. ankommen ![]()
Noch wichtiger ist die unter Musikern lebenswichtige Hörerfahrung oder Gehörschulung... wie auch immer man es nennen mag. Im Laufe der Jahre werden wir in aller Regel (skurrilerweise trotz obengenannter Frequenzeinbußen) immer differenzierter Musik wahrnehmen. Die Proberaumaufnahme, die man als 16-jähriger noch als super-tight empfand gerät jahrzehnte später beim nostalgischen wiederhören mit gereifter, differenzierterer Musikwahrnehmung zum "Timing-Lacher No.1". Ähnliches natürlich auch in Bezug zur Diskriminanzleistung bei Sounds. Ich stelle immer wieder fest wie viele sehr junge leute sich sehr schwer tun Soundunterschiede zwischen Becken herauszuhören. Einzelne können mitunter schwer feststellen, welches Ihnen als "besser" oder "wertiger", "klangvoller" oder sonstwas erscheint. Mit zunehmender Hörerfahrung gelingt es aber vielen Musikern tatsächlich nicht nur differenzierter Sounds wahrzunehmen, sondern sie auch viel exakter in Worte zu fassen. Nicht nur banales ala "ist lauter", sondern wesentlich genauer: "ist höhenreicher, spricht schneller an, klingt etwas kürzer aus" und viele, viele andere Attribute so zu formulieren, dass wir gemeinsam den Eindruck haben, vom selben Objekt zu reden ![]()
Natürlich haben viele verschiedene Klangeinschätzungen auch immer wieder mit Geschmack zu tun. Aber (ob wir wollen oder nicht) auch sehr viel mit obengenannter Hörerfahrung. Beides ist natürlich auch oftmals eng verwoben. Schon allein daraus resultieren dann immer wieder ganz viele Mißverständnisse... man möchte ja auch keinem Entgegenschmettern "warte 10 Jahre, dann kannst du differenzierter hören"
Das wäre vermessen und arrogant.
Diese Diskriminanzleistungen bzw. differenzierte(re) Wahrnehmungsfähigkeiten gibt es allerdings in fast allen Lebensumwelten und ist keinesfalls auf uns Cymbal-Freaks beschränkt. Mich hat früher schon immer sehr beeindruckt, dass angeblich Eskimos für die Kältezustände "Eis" zwischen 10 und 20 verschiedene Wörter zur Unterscheidung der Stadien haben. Bei mir sind es nur 4: Schnee, Eis, Wasser, Schneematsch ![]()
Zurück von den Eskimos zu uns Drummern: eine weitere große Wirkung auf unser Hörempfinden und dessen Veränderungen im LAufe der Zeit haben natürlich auch die Medien und die uns umgebende Hörkultur. Ob wir wollen oder nicht: die prägt uns ja quasi permanent: Autoradio, Kaufhausgedudel, Werbejingles im TV etc. Was vor 20 Jahren als druckvoller state-of-the-art Drumsound galt, kann mitunter heute (klar, es gibt auch Ausnahmen) viele nicht mehr begeistern und gilt nicht selten als "flach und matt". Wenn man einige "Compressed to fuck"-Aufnahmen der letzten Jahre ala Aerosmith oder Bon Jovi mit Aufnahmen mancher Surf- oder Beatbands der frühen 6o ´er vergleicht (wo manches Studio nicht einmal von der Existenz eines Compressors wußte)... merkt man wie massiv die audiotechnischen Veränderungen und demzufolge Hörgewohnheiten sich in wenigen Jahrzehnten gewandelt haben.