Alles anzeigenDer Vergleich von Noten mit Schriftsprache / Text hinkt meiner Meinung nach übrigens gewaltig.
Das sehe ich anders.
Der Unterschied liegt darin, dass wir von kleinauf den ganzen Tag sprechen und idR als Kind bereits schreiben lernen (notierte Sprache) und das auch ständig nutzen. Unsere Fähigkeiten sind deshalb sehr viel grösser, als es bei Musik normalerweise der Fall ist.
ZitatLiest man ein Buch, braucht man es nicht laut vorzulesen, um die Information aufzunehmen, zu verstehen und zu verarbeiten.
Musikalisch sehr fähige Menschen können das. Beethoven wird diese Fähigkeit zB zugeschrieben.
Der Durchschnittsmensch, ja nicht einmal die Mehrheit der Musizierenden, kann das nicht, das ist richtig. Weil unsere Fähigkeiten mittels Musik zu kommunizieren eben sehr viel geringer sind als es bei Sprache der Fall ist.
Text hat häufig zum Ziel, vorgetragen zu werden ZB bei vorbereiteten Reden oder auch Vorlesebüchern.
ZitatBei Noten sieht das etwas anders aus. Noten verstehen nur Musiker und nicht mal alle Musiker können gut Noten lesen.
Die Zuhörer hören nur das Gespielte, aber sehen die Noten nicht. Die verstehen sie sowieso nicht.
Text verstehen nur Menschen die lesen können, und das auch nur in einer Sprache die beherrscht wird. Analphabeten gibt es auch in Ländern mit hohem Bildungsniveau.
Im Normalfall sieht man auch beim Hören von Sprache keinen Text.
ZitatMusikmachen kann man auch ohne Noten.
So wie man sprechen kann ohne Schrift zu beherrschen.
ZitatAber Noten allein sind nicht viel Wert, wenn niemand sie spielt.
Das ist so, für die Mehrheit von uns. Und träfe mE auch für Sprache/Schrift zu, wenn unsere diesbezüglichen Fähigkeiten ebenso eingeschränkt wären wie bei Musik und ihrer Schrift, den Noten.
ZitatNoten garantieren auch keine gute Performance, die die Zuhörer anspricht.
Was bei Sprache auch so ist. Hört man bei Reden von Politikern 😀 und noch öfter wenn ungeübte Menschen zB Geschichten vorlesen.
Ich finde, das ist ein interessantes Thema, nur etwas OT.
Ich denke das Sprache und Musik schon sehr ähnlich ticken, Sprache aber dennoch eine sehr viel höhere alltägliche Bedeutsamkeit hat. Spätestens da hängt das Bild dann etwas schief...
Das Thema ist in der Tat super spannend, weil es auch weit über die nackte Fähigkeit Musik zu schreiben/lesen weit hinausgeht.
Es gibt viele Drummer/Musiker deren rhythmische Ausdrucksweise auf klaren und damit auch niedergelegten Strukturen basiert.
Ich denke auch das geschriebene Musik, eben auch anders gedacht ist als "einfach gemachte" und damit auch zu anderen Ergebnissen führt (nicht besser oder schlechter...anders). Wenn ich mir Jemanden wie Virgil Donati anhöre, hab ich nicht den Eindruck, dass der aus einem emotionalen Impuls metrisch moduliert oder polyrhythmische Strukturen einfach mal so aus dem Gefühl heraus spielt, sondern der sich das sehr strukturiert zurechtgelegt (um nicht zu sagen zurechtnotiert) hat.
Hinzu kommt, dass auch viele Komponisten schon im Ausdruck was anderes sagen wollen wenn sie eine Viertelnote oder eine Achtelnote mit Achtelpause hinschreiben...denke Leute, die mit Zappa (denn dafür brauch es keinen alten Meister) Musik machen durften/mussten könnten davon ein paar schöne Geschichten erzählen.