Beiträge von Luddie

    Hallo,


    es ist eigentlich recht einfach: aufnehmen kann man mit ziemlich günstiger und alter Hardware, solange es sich um Audiospuren handelt. Ein Kollege von mir nimmt mit Windows 98 und einer uralten Soundkarte auf. Solche Dinge werden in Foren natürlich nicht als beste Lösung empfohlen, aber sie können funktionieren.


    Die Schnelligkeit eines Rechners wird in erster LInie durch RAM und die Art der Festplatte bestimmt. Ab 4 GB RAM geht schon einiges, je mehr Sound innerhalb des Rechners von Programmen generiert wird (Plugins, Softsynths etc.) und je mehr Spuren parallel mit Plugins versehen werden, desto wichtiger werden diese beiden Faktoren. In professionellen Systemen ist auch Zeit ein Faktor, auch da kommt einem dann natürlich ein potenterer Rechner entgegen.


    Ich würde kaufen: ein preislich im Rahmen liegendes Notebook (um 600 Euro?) mit mindestens 4 GB RAM und einer Festplatte (toll und schnell natürlich SSD, muss aber nicht) mit 250 GB aufwärts. Als Schnittstelle zum Interface (bei welchem ich mich im Netz drüber schlau machen würde, ob es gut mit Windowstreibern harmoniert) würde ich USB wählen. Für die Verwendung mit MIDI-fähigen Synthies wären MIDI Buchsen natürlich hilfreich, die haben die meisten Interfaces aber.


    DAW: die, an welche du dich irgendwann gewöhnt haben wirst. Ich würde vielleicht die Presonus ausprobieren, davon habe ich Gutes gehört. Von Reaper aber auch und von Cubase auch. Wenn es professionell wird, unterscheiden sich die DAWs deutlicher, da mag der eine die Editiermöglichkeiten von Pro Tools lieber, dem anderen gefällt die Arbeit mit MIDI in Logic besser usw. Für den Einsteiger alles unerheblich, genauso wie die Samplingraten.


    Die eine, beste Lösung gibt es nicht. Die beste Lösung ist die, an die man sich gewöhnt hat und die entsprechend zuverlässig für das funktioniert, was man selbst machen möchte. Welche Anforderungen sich bei jedem individuell entwickeln, weiß man leider erst nach einiger Zeit. Der eine kauft sich ein kleines Interface, steigt voll ein, entdeckt drei Monate später ein UA Apollo Interface für 3000 Euro und kauft sich dann das. Der nächste benutzt die günstigen Einstiegssachen 10 Jahre lang und macht trotzdem tolle Musik. Der nächste rüstet mit Plugins auf und stellt irgendwann fest, daß mehr RAM nötig wird und kauft das nach, usw.


    Noch ein Tipp: viele Musikgeschäfte haben recht kompetente Studiomitarbeiter, die beim Kauf eines Interfaces auch zur Wahl des Rechners noch was sagen können.


    lg


    max

    Es gibt bei yt etliche Vergleiche. Ich muss allerdings sagen, dass ich Entscheidungen, die mit Sound zu tun haben, nur nach persönlicher Erfahrung mit Equipment treffe. Es gibt bei Studioequipment den - eigentlich durchaus richtigen - Spruch, dass man das bekommt, wofür man bezahlt. Das stimmt vor allem dann, wenn man als berufsmässiger Tonmensch unterwegs ist und dann Dinge kauft, die stabil sind, neutral klingen und in viele Richtungen vielseitig verwendbar.


    Für den persönlichen Sound stimmt das oft nicht, da kann es sein, dass das billige T.-Mikro "besser" am Tom klingt als das teure Kondensatormic. Vielleicht, weil es einen sehr welligen Frequenzgang hat und zufällig die Frequenzanteile vernachlässigt, die man sowieso nicht so gerne im eigenen Sound hören mag.


    An den Toms hatte ich bisher Beyer M201, Beyer MC930, Beyer Opus 87/88, Beyer Opus 67, Mojave MA201fet, SM 57, SM58, Audix D2, Audix D4, Audix i5, EV ND 468, Telefunken M80 und etliche weitere, die ich vergessen habe.


    Grandios finde ich die M201, aber auch das EV 468 ist super, weil sehr flexibel. Gerne mag ich auch das Audix i5, das ist ein klasse Gerät.


    Die gute Nachricht: an Toms klingen nur wenige Mics wirklich schlecht. Der Rest wird durch die schon überall fleissig diskutierte restlichen Faktoren beigesteuert. Oder anders: klingen Toms auf einer Aufnahme im Gesamtkontext schlecht, ist es praktisch nie das Mic.


    Vielleicht noch ein kleiner Tipp zum Thema Bleed (also Übersprechen): wer ein Mikro mit Nierencharakteristik zu nah an einer lauten Quelle positioniert, kann enorme Übersprechungen bekommen, weil das Gerät irgendwann eine Kugelcharakteristik annimmt. Das wissen sehr viele Anwender nicht und wundern sich über blechigen Gesamtsound (insbesondere dann, wenn der Raum oder das Restset nicht gut klingen).


    lg


    max

    Der Jost Nickel war gerade bei uns und fand das DC (wo er studiert hat) sehr empfehlenswert.


    Unter Gospeldrumming würde ich das den Gottesdiensten der schwarzen Gemeinden entsprungene, sehr backbeat- und gruppierungsbetonte Getrommel bezeichnen. Somit ist es in der Tat stark verbunden mit der Geschichte der Schwarzen in Amerika. Gospel, Soul, RnB usw. sind direkte "Nachfahren" der Spirituals, der spirituellen Lieder der afrikanisch-stämmigen Sklaven. Übrigens sind aus dieser kulturellen Strömung auch viele Jazzdrummer wie z.B. Eric Harland hervorgegangen. Die absurde Geschwindigkeit und technische Raffinesse kommt übrigens oft durch den Wettbewerb vieler junger Trommler in den Gemeinden, verbunden mit dem Glauben, die von Gott gegebenen Fähigkeiten optimal nutzen und entwickeln zu müssen.


    Diesem Getrommel stehen übrigens etliche "etablierte" amerikanische Drummer sehr kritisch gegenüber: zuviel, zu wenig songdienlich, zu aggressiv, zu wenig Raum für die restliche Musik. Einer der ganz Großen hat es mir gegenüber mal als "shit" bezeichnet. Das ist allerdings schon etwas her und mittlerweile hat sich diese Art zu spielen ja sehr etabliert. Wer u.a. diese Stilistik mit Finesse beherrscht und in der gesamten Drummerszene sehr angesehen ist, ist Chris Coleman, auch er unterrichtet am drummers collective.


    Ich würde diese Art zu spielen erstmal auf eigene Faust versuchen zu lernen. Das ist gar nicht so schwer, sofern man nicht Leute wie Aaron Spears wirklich 1:1 kopieren möchte. Der Kern der Sache sind Gruppierungskonzepte und Dynamik.


    lg


    max

    Es ist eigentlich egal, wie die Aufnahmen klingen, wenn die Band sie unhörbar findet, dann ist das die Grundlage. Mir wäre daher noch wichtig, zu unterstreichen, dass ich weder die Band kritisiere noch den Tonmann, denn ich kenne ja beide nicht.


    lg
    max

    Wenn es keinen Vertrag gibt und die zweite Häfte noch nicht gezahlt wurde, seid ihr ja in einer guten Verhandlungsposition. Dann kommt es darauf an, was besprochen wurde. Das ist als Argumentationshilfe wichtig. Beispiel: ihr macht Stonerrock, habt zur Studiosession ein paar Referenzaufnahmen mitgebracht und euch darauf geeinigt, einen erdigen, großen und natürlichen Sound zu erreichen. Zeitrahmen zum Mixing (kann ja sein, dass ihr bestimmte Deadlines einhalten musstet): 4 Wochen.


    Nun, Monate später, kommt das künstlich-dünn klingende Ergebnis. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Neben einem unwissenden/unerfahrenen/ tauben (kommt oft vor!) Tonmenschen ist ein Grund die schlechte Performance der Band: Drummer, der die Snare nicht konstant spielt, schlecht gestimmtes Kit, usw. Sänger, der nicht weiß, wie man die Dynamik kontrolliert, schlecht klingende Amps, usw. Eine Band, die zudem davon ausgegangen ist, dass das alles per Technik im nachhinein fixbar ist ("das ist doch die Aufgabe des Tonmenschen?").


    Für Bandprobleme kann der Tonmann nichts. ABER er muss darauf hinweisen, was mit den gegebenen Voraussetzungen machbar ist. Tut er das nicht und gaukelt der Band vor, er könne großartigen Sound machen, dann wäre das tatsächlich ein guter Grund, über die Höhe der zweiten Tranche nochmal zu verhandeln. Hat er zudem eingeräumt, das Projekt nicht mehr zu haben, ist das ein weiterer Grund. Ebenso die extrem lange Wartezeit.


    Vielleicht noch was Allgemeines. Meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt, dass solche Probleme oft auftreten. Das Hauptproblem sind die Erwartungen und mangelnde Kommunikation. Tonleute, die irgendwie versuchen, sich über Wasser zu halten gegen die Interface + Plugin Kultur. Musiker, die in anbetracht der eigenen Fähigkeiten und der paar hundert Euro Studiogeld viel zu hohe Erwartungen an den Mischer haben. Apropos: ich höre wahnsinnig oft folgende Frage: "wir wollen Aufnahmen machen, sollen wir uns ein Interface kaufen oder das Geld für ein Studio ausgeben?". Die Frage impliziert bereits, dass falsche Vorstellungen über den Job eines "richtigen" Tonmannes bestehen.


    Ein Tag in einem guten Studio mit einem Tonmenschen, der Erfahrung und Geschmack hat und der weiß, was er tut, beginnt bei ca. 400 Euro/Tag. Ist die Band gut, weiß, was sie will und hat sich eingehend mit dem Tontechniker vorher hingesetzt, Demoaufnahmen ausgetauscht und das Prozedere diskutiert, dann wird das Ergebnis meilenweit besser klingen als die Proberaum-Interfaceaufnahme.


    Fazit: den Tonmann anrufen, und ihm sagen, dass der Sound nicht den Erwartungen entspricht und ggf. eben auch den Absprachen zuwiderläuft. Verständnis dafür äußern, dass er eben auch von was leben muss und die Halbierung der zweiten Hälfte anbieten. Durchblicken lassen, dass von seiner Kompromissbereitschaft auch eine eventuelle Weiterempfehlung abhängt. Deutlich machen, dass die Aufnahme ja auch ein negatives Licht auf ihn wirft.


    Als schlechte Erfahrung abbuchen und beim nächsten mal die Sätze oben berücksichtigen. (Womit ich euch keinesfalls schlechtes Spiel unterstellen möchte, ich kenne eure Band ja nicht)


    lg


    max

    Aufgenommener Drumsound setzt sich aus folgenden Faktoren zusammen, die Reihenfolge beschreibt dabei auch schon grundlegend die Relevanz:


    Spielweise des Drummers: das Verhältnis aus Attack zu Kesselton wird fast ausschließlich durch den Drummer geformt. Deswegen sind Soundleute auch oft so traurig, wenn Schlagzeuger nicht wissen, welche innere Dynamik die jeweilige Musikrichtung erfordert. Oder anders: wer nicht gut spielen kann, wird es sehr schwer haben, einen tollen Drumsound aufzunehmen. Gilt übrigens für alle akustischen Instrumente.


    Der Raum: 60% des natürlich gehörten (also direkt im Raum) Drumsounds besteht aus Raumanteilen, also Reflektionen. Räume unterscheiden sich drastisch, weshalb auch professionelle Tonleute gar nicht erst versuchen, bestimmte -akustische - Sounds 1:1 zu kopieren.


    Equipment Instrument: Setstimmung und Größen. Holzsorten sind nebensächlich. Im Verhältnis zu allen anderen Punkten sind die Unterschiede hier gering bis kaum hörbar.


    Das Thema Aufnahmeequipment und Bearbeitung fällt etwas raus, es steht hier zwar am Ende, kann aber in professionellen Szenarien extrem wichtig zur Unterstützung der oben genannten Punkte sein. In dem Video hier meine ich als Overheads AKG 414 zu sehen. Da kostet eines 1000 Euro. Das sind eher neutral-präsent klingende, sehr fein auflösende Mikrofone. Oder anders: verwendet jemand, der noch nicht so gut spielen kann und wenig Plan von Recording hat, so ein Mikro, wird es womöglich noch schlimmer klingen als das Behringer C2 für 59 Euro. Teure, neutrale Mikros bewirken nämlich keine "Soundverbesserung" im musikalischen Sinne, sondern sie sorgen dafür, dass eine schon akustisch passend klingende Quelle detailliert aufgenommen wird. Z.B., damit bei der anschließenden Bearbeitung alle Informationen vorhanden sind und insbesondere die Anwendung von EQs natürlich klingt.


    Einen drastischen Einfluss auf den (Drum-) sound haben die Vorverstärker. Da gibt es auch nichts zu beschönigen: würde ein Topdrummer in einem Topraum am Topdrumset mit Topmikros aufgenommen, die per Splitter einerseits in ein 500 Euro 8 Kanalinterface laufen und andererseits in eine Sammlung Qualitätspreamps (Preisbereich 300-1000 Euro pro Kanal) würde selbst Laien der Unterschied auffallen.


    Fazit: es ist super, sich von gut gemachten Tracks und Videos sound- und spielmässig inspirieren zu lassen. Manche Ergebnisse setzen aber großes Können am Instrument und bei der nachträglichen Bearbeitung und große Ausgaben beim Equipment voraus. Was auch normal ist. Ein Fotograf kann mit einer Handykamera schon gute Bilder machen. Aber eine andere (professionelle) Dimension bekommt die Sache erst mit dem entsprechenden Equipment.


    Also geduldig sein, üben, spielen und sparen. ;-)


    lg
    Max


    PS: die Anzahl der Mikrofone hat wenig mit der Klangqualität zu tun.

    Also wenn du schon so direkt fragst: Das Solo finde ich a) mittelmäßig, b) spielt er nicht beständig Rimshots, aber mit zunehmender Zeit immer mehr, und spätestens ab der dritten Minute geht mir das gehörig auf den Sack. Bei 4.45 hab' ich ausgeschaltet, es war mir zu doof und monoton. Wir haben da wohl - und ich insbesondere als Jazzer - ganz andere Soundvorstellungen. Wenn ich an kreative Nutzung einer Snare denke, dann kommen mir eher Leute wie Jo Jones oder Alexej Gerassimez in den Sinn. Letzeren sieht man z.B. hier: http://concert.arte.tv/de/alexej-gerassimez-der-arte-lounge Und der weiß, wie und wann man einen Rimshot gezielt als Akzent einsetzt.



    Nunja, der Keith ist ja eigentlich auch Jazzer. Wobei man heutzutage ja auch fragen muss, was eigentlich ein "Jazzer" ist. Der Keith ist einer von vielen tollen Trommlern, genauso wie Jo Jones. Ich habe übrigens ja auch mit Grund auf die Verwendung des Rimshots als Backbeat hingewiesen. Dass ein Backbeat nicht in allen Musikrichtungen vorkommt, ist mir durchaus auch bewusst. ;)


    Aber davon abgesehen, ist es doch schade, das Spiel von Keith Carlock als doof und monoton zu bezeichnen. Ich verstehe immer nicht recht, was diese Lagerbildung soll. Die meisten guten Jazzer, die ich kenne, sind offene Leute, die viele Musikrichtungen mögen...was auch einer der Gründe dafür ist, warum sie so gut geworden sind.


    lg
    max

    Praktisch alle Backbeats sind hier Rimshots. Wie auch bei Simon Philips, Steve Smith und unzähligen anderen Trommlern.


    https://www.youtube.com/watch?v=X0m68cGcfnY


    Ich finde, dass das kein uninspiriertes Geknüppel ist.


    In den meisten Studio- und Livesituationen, wo backbeat-orientierte Musik gemacht wird, ist ein konstanter Rimshot eine schöne Sache, denn er verleiht der Musik einen konkreten Puls, grenzt die Dynamik nach oben hin ab und liefert sowohl Kontrast zu den Ghostnotes als auch zur Bassdrum. Soundleute mögen definierte Transienten, welche der (kontrolliert gespielte) Rimshot meistens erzeugt.


    Wenn Rocktrommler davon sprechen, dass sie Rimshots "ab und zu für Akzente" einsetzen, sollten bei Mitmusikern und Tonleuten die Alarmglocken schrillen. Mir fallen nämlich kaum moderne Rock/Pop/Funk usw.-Tracks ein, bei denen es eine Dynamikebene oberhalb des Backbeats gibt.


    Ansonsten hängt alles vom Umfeld und der Musikrichtung ab.


    lg
    max

    Ich finde, dass die Brady Ply Snares wirklich super sind, wenn man aufpasst, dass man keine aus den problematischen Äras erwischt. Sie haben durch den dünnen und harten Kessel einen schönen Bauch und sind präsent, ohne zu nerven. Erstaunlich metallisch, dabei aber "tief" im Sound und mit relativ breitem Attack, der aber nicht matschig klingt. Straff und fett, würde ich sagen. Schön finde ich auch die dynamische Abgrenzung zwischen Backbeat und Ghostnotes. Durch die Präsenz gehen die Ghostnotes nicht unter und wenn man sie aufnimmt, muss man wirklich nicht viel machen, weil die Tonanteile sich gut einfügen und man wenig bis gar keinen EQ verwenden muss. Meine Erfahrung bezieht sich auf die 7 Bradys, die ich bisher hatte (14x5,5 Jarrah Ply (3x), 12x7 Jarrah Ply, 12x7 Wandoo Block, 14x6,5 Tasmanian Blackwood Block und meine jetzige 14x4,5 Jarrah Ply). Ich habe irgendwann vor zwei Jahren aufgehört, Snares zu kaufen, als mir klar wurde, dass ich mit meiner Wahan 14x4 Stainless und der Brady 14x4,5 Ply die Sounds gefunden habe, die mir einfach am besten gefallen. Und das ist auch so geblieben. :)


    lg
    max

    Wie immer bei dem Thema gibt es DIE Antwort ja sowieso nicht.


    Und natürlich wurden in den 70ern keine Mikrofone eingesetzt, die es noch nicht gab. Die GAP sind auch nicht von Thomann, sondern von Golden Age Project und sie sind auch nicht Mäh. Und Royer habe ich als Beispiel für teure Bändchenmics genannt, nicht als Beispiel für damals verwendete Mics. Ich selber besitze und verwende sowohl sehr günstige als auch schon recht teure Bändchenmikros, kann also die Unterschiede ganz gut einschätzen.


    Klar, wer das Geld hat, kann natürlich Neumann- und RCA Mics von damals kaufen. Das liegt dann zwischen 10 000 und 20 000 pro Paar.


    Wer sich für das Thema wirklich interessiert, der sollte sich einfach auf die Spuren der Stücke begeben und checken, was verwendet wurde. Da findet man dann auch raus, dass es unterschiedliche Studios gab in unterschiedlichen Dekaden gab, die ganz unterschiedliche Räume besaßen, welche sich entsprechend auf die jeweiligen Sounds ausgewirkt haben.


    Und meine Aussage mit den Raumgrößen als falsch zu bezeichnen, weil es ein Studio (zugegeben: ein bekanntes) gab, welches einen "relativ" kleinen Raum mit Lehmboden hatte, ist vielleicht etwas kurios. Ich drücke es anders aus: der Raum ist wichtig, wenn man einen natürlichen Klangeindruck haben möchte. Und die damaligen Aufnahmeräume waren durchweg deutlich größer als der reguläre Proberaum. Vor allem meist deutlich höher, was wichtig ist, gerade für den Drumsound.


    Ansonsten würde ich auch raten: testen, was da ist und experimentieren.


    lg
    max

    Ja, die GAP R1 sind wirklich gut, insbesondere für Drums. Es gibt natürlich deutlich teurere (AEA, Shinybox, Royer...), die lohnen sich aber erst, wenn man weiß, was man möchte. Vor allem klingen die straffer, mit erweitertem Hochtonsprektrum. Und das möchte man ja gar nicht unbedingt, zumal auch billige Bändchen gut zu boosten sind, was man von billigen Kondensatoren nicht behaupten kann. Das GAP ist wirklich prima, ich benutze das sogar als kick out mic.


    http://www.thomann.de/de/golden_age_project_r1_mk2.htm


    Kracher als Overheads sind übrigens die Beyer M160. Super auch an der Gitarre: http://www.thomann.de/de/beyerdynamic_m160.htm


    Zwei davon, ein D12 an der BD, alte Vintagekiste und guter Drummer und fertig ist der 70er Drumsound für alle Musiksorten!


    Noch ein kleiner Tipp: alte Felle verwenden, die reduzieren die Brillianzen etwas.


    lg
    max

    Besten Dank!


    Ja, rotzig/schmutzig passt sicherlich, wobei es natürlich auch als Provokation gemeint ist, gerichtet an die "möglichst clean-Aufnehmer". Die bezeichnen nämlich ihrerseits unsauber (oder einfach schlecht) klingendes Equipment als shitty und damit als unbrauchbar für "professionelle" Anwendungen. Wobei auch da die Grenzen natürlich fliessend sind.


    Jedenfalls ist diese Art "vintage-mässig" zu produzieren, sehr teuer, zumindest gemessen an heutigen - meist plugin-basierten - Varianten.


    lg
    max

    Wenn es authentisch klingen soll, dann empfiehlt es sich tatsächlich, die Aufnahmekette von damals zumindest ansatzweise nachzubauen. Das beginnt mit einem entsprechenden Kit (kurze BD, runde Gratungen, alte Aveden), der entsprechenden Spielweise (BD nicht zu laut), einem halbwegs guten Raum (möglichst nicht zu flache Decken), wenigen dynamischen Mics (also eher keine Kondensatormics, die klingen meistens zu "genau").


    Wie Xian bereits sagte, sollte man sich ansehen, wie damals gearbeitet wurde. Die Trommler waren durchweg Swing-beeinflusst, die Studios hatten oft relativ große Räume (damit auch größere Bands reinpassten, welche natürlich oft am Stück aufgenommen wurden), also konnten die Drums atmen, ohne ewig viel Hall draufzutun.


    Schlagzeuge wurden spärlich mikrofoniert, denn damalige Stereoanlagen waren gar nicht in der Lage, so dynamisch und impulsschnell zu übertragen, wie es heute ein iphone-Lautsprecher...äh...hm...vielleicht ist deswegen retro wieder in? ;-)


    Immer empfehlen tue ich Bändchenmics für solche Anwendungen, die können auch ein eher modern klingendes Kit etwas retro-mässiger klingen lassen (dabei die 8er Charakteristik im Kopf behalten und auf einen Preamp achten, der genug Gain besitzt. Instant Vintage fand ich die Kombi aus GAP R1 Ribbon und GAP Pre73 (Neve 1073 Kopie, klingt wirklich klasse für Monodrums, sollte man unbedingt ausprobiert haben). Und wenig closemiking, Luft ist ein guter Kompressor und erzeugt mehr Raum.


    Als Plugins würde ich Nachbauten der alten Kompressoren verwenden (Teletronix LA2A zB oder Fairchilds). Diese dann nicht auf allen Spuren einsetzen, sondern eher gemäßigt auf dem Drumbuss. Wie die Teile funkionieren, muss man selbst ausprobieren, es gibt dazu ja auch schöne Netzvideos.


    Der heutige Separierungs- und Bereinigungsansatz ist - je nach Aufnahme - nicht gut geeignet, den alten Sound zu reproduzieren. Beim EQ also auch eher global vorgehen und eher eine gute Stimmung/Mikrofonierung erzeugen. Wenig boosten, eher cutten.


    Die Leute damals wollten schließlich nicht "Vintage" klingen, sie wollten so sauber und genau klingen wie möglich, mit den vorhandenen Mitteln: gutes Spiel und saubere Vorbereitung. Bandmaterial und Studiozeit war teuer, gespielt wurde im Bewusstsein, dass nachträglich nur wenig verändert werden konnte. Keine Plugins, kein total recall, keine unbegrenzten Spuren.


    Zum Mastering: das Mastering hatte damals die Funktion, Aufnahmen dynamisch zu begrenzen (besonders im Bassbereich) und sie so tauglich zu machen für die Pressung auf Platte (welche nur einen bestimmten Dynamikumfang ermöglichte). Es ist schwierig, allgemeingültige Masteringtipps zu geben, außer, dass es jemand machen sollte, der die Musik kennt und versteht und mastern kann. Am besten jemand, der nicht gespielt und gemischt hat.


    Man muss an sowas Spaß haben, die schnelle Lösung via Plugin befriedigt den echten Klangfreund meistens nicht wirklich.


    Zu dem Daptones pdf: super Teil, bezieht sich allerdings in erster Linie auf die Arbeit mit Hardware und Outboard. Shitty heisst hier nicht billig, im Gegenteil. Es heisst eher das Gegenteil von Highend. Und ich weiß auch nicht, was Gabriel Roth mit einem machen würde, wenn man das Wort "Plugins" in seiner Gegenwart fallen liesse :-)


    lg
    max