Mit unreflektiert meine ich, dass ich die verschienden Aspekte meines Trommelns nicht alle während des Spielens bewusst kontrolliere. Das kann ich auch garnicht. Es würde bedeuten, die emotionale Komponente weitgehend zu eliminieren und bewusste Kontrolle an die Stelle zu setzen.
Ich glaube, das kann keiner so ganz - wobei die Grenzen sicher fließend sind. Das baut ja auch alles aufeinander auf. Man braucht einfach Automatismen, die sich aus der Übung und Spielerfahrung entwickeln, um über den Tellerrand - also bspw. die (emotionale) Begleitung einer Band - zu schauen.
Ich habe auch noch keinen "normalsterblichen" Drummer (also nicht gerade Vinnie Colaiuta) gesehen, der auf der Bühne so vom Blatt spielt, dass er gleichzeitig immer noch wirklich zusammen mit der Band spielt und dabei auch noch groovt.
Es kommt auf das Ziel an. Wenn ich als Freelancer ein möglichst großes Spektrum bedienen will, damit ich möglichst viele Jobs bekomme, sind verschiedene Fähigkeiten von Vorteil, wie Vom-Blatt-Spielen, ausgefeilte Technik und eben die bewusste Kontrolle über alle Aspekte des Grooves.
Man lernt natürlich nie aus. Aber nach meiner bisherigen Erfahrung werde ich als "Freelancer" - zumindest bis zu einem gewissen Punkt - keine Probleme damit haben, an Jobs zu kommen, wenn ich Noten nur rudimentär nutze (nicht vom Blatt spiele) und lieber auf mein Gefühl vertraue statt bewusst mein Timing zu verbiegen.