Wenn das Mikro in der Bassdrum ist und du halbwegs reinlangst, ist nach meiner Erfahrung eine leichte Übung die Bassdrum zu gaten. Nirgendwo fiel mir die Gate Anwendung so leicht wie bei der Bassdrum.
Ist das Kick Mikro drinnen, ist es nach meiner Erfahrung auch nicht problematisch hart zu gaten, also weder Dry-Mix / Floorfunktion noch Expander. Denn der Sound in der Bassdrum plus der bereits gut gefärbte Frequenzgang gebräuchlicher BD Mikros gibt sowieso keinen natürlichen Klang des Sets.
Toms sollte man m.E. auch komplett von Schmutz befreien. Die müllen sonst nur alles zu. Werden selten und ggf. sehr leise Toms gespielt, kann man die Schläge auch einfach freischneiden. Geht manchmal schneller als das Gate sauber einzustellen, insbesondere bei größerem Dynamikumfang.
Die Snare würde ich hingegen nur dann hart gaten, wenn ein 80s-ähnlicher Sound mit viel Reverb erreicht werden soll. Oder wenns nicht auf Natürlichkeit ankommt.
Gerade wenn Ghostnotes gespielt werden, ist gaten so eine Sache. Ich hatte zwar schon ein paar Songs gemixt, in denen ich die Ghostnotes mit Sidechaining, Duck Gates etc. separat rausgearbeitet hatte, aber damit wird die Sache immer unnatürlicher und es kann immer mal vorkommen, dass eine Ghostnote verschluckt wird. Gerade dann, wenn verhältnismäßig viel Schmutz auf der Snarespur ist (großer Abstand, flache Ausrichtung im schlimmsten Fall in Richtung Set).
Die Snare mit Drymix zu gaten halte ich aber generell für sinnvoll, weil durch die zig Kompressionsstufen der Schmutz unverhältnismäßig angehoben wird.
Den Snare Reverb würde ich generell über nen Send laufen lassen und vor dem Hall Plugin hart gaten. Verschmutzter Hall ist ne üble Sache.
Bei der Aufnahme schon drauf achten, Übersprechung zu vermeiden. Bei der Bassdrum geht das recht einfach durch die Positionierung im Kessel. Tom Mikros sollten off-axis zu Becken ausgerichtet werden. Das gleiche gilt fürs Snare Mikro. Das Hi-Hat Mikro sollte wiederrum off-axis zur Snare ausgerichtet werden.
Die Overheads würde ich, wenn A/B gefahren wird, im gleichen Abstand zur Snare ausrichten. So ist die Snare im Stereobild von vorn herein mittig. Und nicht zu breit! 50cm reichen in den meisten Fällen schon. Viel mehr führt nur dazu, dass das Stereobild auseinanderfällt. Da hilft dann auch schmaler pannen nicht mehr viel.
Sollten die Übersprecher trotzdem noch zu krass sein, kann man auch mit Sidechaining arbeiten. Habe das schon öfters bei auf der Hi-Hat (Snare) und auf der Snare (Bassdrum) gemacht.
Ansonsten genau auf die Phasenbeziehungen achten, die durch die Laufzeitdifferenzen entstehen. Wird die Snare zusätzlich von unten abgenommen, kann man obligatorisch die Phase des unteren Mikros drehen (da dieses, im Gegensatz zum oberen Mikro, erst positiv ausgelenkt wird). Ansonsten wirds aber schon komplizierter. Gerade die Snare kann sich über die Overheads teilweise übel auslöschen, sodass der Druck und Körper flöten geht. Manche "alignen" dann die Spuren, in dem die Overheads an die Snare angeglichen wird, der Rest dann an die Overheads. Ich bin da aber kein Freund von und arbeite lieber mit exakt auf 1/10 ms eingestellten Delays (die Snare lasse ich hiervon unberührt).
Noch ein paar Tipps zur Nachbearbeitung:
- Low-Cuts auf jeder Spur, auch auf der Bassdrum. Je nach dem, wo das Nutzsignal anfängt
- Schmutz rausnehmen statt erwünschtes reindrehen. Klingt besser. Generell können bei Drums meistens die Mitten etwas zurückgenommen werden - wo und wie genau muss aber speziell entschieden werden.
- Snare und in geringerem Maße Bassdrum können schon einzeln etwas geclipt werden, das macht die Summenbearbeitung einfacher
- Snare und Bassdrum sollten auch schon einzeln etwas komprimiert werden, weil sie so wichtig sind
- ein Summenkompressor mit Release Zeiten um die Dauer von einer Viertel auf den Drums "klebt" alles zusammen ... hierzu mit Bussen / Gruppen arbeiten. Ich komprimiere oft noch zusätzlich parallel IN der Gruppe