Two: Dann wird dir mein Versuch sicher gefallen 😀:
Ontologie in 11/4tel
Zeit fließt und nur das Vergangene schwindet; was aber gewesen ist, bleibt nicht zurück: es bleibt vielmehr als das, was die Gegenwart braucht, um das Dasein zum Sosein zu entwerfen, um eben gegenwärtig zu sein.
Zeit sodenn als Gefäss und Form, nicht als blosse Abfolge der Dinge nebst ihrer Sekundanten, der Uhr und dem Takt als bloße Zählung von Abständen:
Der Takt teilt und zählt, wo es für das sich selbst in Raum und Zeit erfahrende, geschichtlich-biographische Ich nichts zu zählen gibt. Gezählt wird nämlich nur die Wiederkehr als solche in ihrer immanenten Logik der Abfolge.
Rhythmus vielmehr ist Ordnung der Bewegung dieser Abfolge — beharrlich, kreisend, hypnotisch — entstehend im Schlag.
Im Geschlagenen Schlag des Rhythmus und dem ausgelassenen Nicht-Schlag berühren sich dabei Gewesenheit und Zukunft und Gegenwart als Durchgang im Modus der Bewegung.
Jeder Schlag trägt den vergangenen als Erinnerung, den kommenden als Erwartung in sich; Bindung und Brücke zwischen eben-noch, schon-jetzt, gleich und demnächst:
Der Schlag fällt in den Puls, treibt den nächsten vor sich her, die Gegenwart blitzt dabei kurz flackernd auf und entgleitet zugleich; kaum ist sie da, zieht sie schon weiter. Und der nächste Schlag und auch dieser schon wieder im Verschwinden. Nichts kommt unverändert zurück. Und immer wieder dieses "Dazwischen" — dieses kaum hörbare Weiter.
Nicht der einzelne Schlag bleibt; nur, dass einer dem anderen folgt: der Rhythmus. In jedem Schlag liegt der vorige, in jedem kommenden der gegenwärtige, und keiner ist, was er ist, ohne der andere gewesen zu sein. So organisiert sich der Fluss des Rhythmus' zum Entwurf.
Das Entwerfen der Zukunft schon in der Gegenwart des Gewesenen, welches das Vergangene in sich trägt und das Kommende in seiner Vorahnung bereits modelliert, selbst dann, wenn dieses ausbleibt.
Das Entwerfen des Noch-Nicht im Lichte des bereits Gewesenen, das Jetzt als hörbar-sinnlich erfahrbares Scharnier zwischen Gewesenem und Möglichkeit. Jeder Schlag trägt den vergangenen als Erinnerung in sich und eröffnet ihn als Traum hin zum Kommenden.
Bewegung wird dabei Struktur. Struktur nicht als Gefüge, nicht starr, sondern als spürbare Spur der Bewegung, nachdem die Bewegung selbst vorüber ist.
Geschwindigkeit dabei als Verdichtung des "Dazwischen“, welches schrumpft. Der taktgegebene Abstand verliert seine Ausdehnung und gewinnt dadurch an Intensität. Die Entfernung zwischen den Schlägen als Gradmesser der Intensität. Die Spur wird tiefer.
Das Nacheinander gerät in Gleichzeitigkeit und wird zur Trance und Wiederkehr, die sich immer wieder in der Zeitlichkeit neu definiert.
Zeit sodann als Bewusstheit einer Wiederholung, die niemals dieselbe war und ist. Und eben Rhythmus als ihr Modus der Bewegung, in der die Zeit zu sich selbst kommt. Nicht die Zeit macht den Rhythmus möglich: Im Rhythmus wird Zeit als Bewegung überhaupt erst erfahrbar.
Rhythmus ist Bewegung zwischen dem, was gewesen ist, und dem, was niemals gegenwärtig werden wird, weil bereits vergangen im Moment der Gewahrwerdung. Rhythmus als der Augenblick, in dem dieser Widerspruch hörbar wird, als Ordnung der Zeit, als eine Ordnung, in der Zeit sich verliert und trotzdem gerade darin erscheint.
Das Dasein insgesamt somit als Unmöglichkeit des Bleibens: Sosein ohne Ort, Gewesenheit als Gegenwart ohne Anwesenheit, Zukunft ohne endgültige Ankunft. Und zwischen ihnen die Zeit in ihrer Bewegung, dem Rhythmus: Sosein im Entwurf.
Und unser Bewußtsein als brechendes Prisma, das unser Leben in ein Nacheinander zerlegt; und der Traum - und der Tanz - als Linse, die es wieder in sein Urganzes sammelt.