Retro Sounds mit veralteter Aufnahmetechnik

  • Wie ist der Workflow nach der Übertragung der analogen Aufnahme?

    ok mal etwas zusammengerafft:
    du kommt aus deinem Tonband in das Inteface und achtest darauf das der Pegel etwa bei -18dBfs steht. Den Kanalfader fasst du nicht an, der steht auf Null.

    Dann kommt gegebenenfalls erst ein low-cut wo du zb. alles unter 60Hz abschneidest (abhängig vom Signal, Gesang gerne auch bei 120Hz, Bass bei 40Hz)

    In der DAW hast du noch einen Eingangsregler, den PRE-Gain, damit stellt du das den Pegel so ein das er sich etwa bei -18dBfs tummelt.
    Dann kommt der EQ wo du störende Signale absenkst, das kannst du mit schmalbandigem "sweepen" ermitteln indem du erst stark anhebst, dann wirst du störendes sofort

    ermitteln.

    Danach geht das ganze durch einen Kompressor, der aber auch erst einmal verstanden werden will. Dazu gibt es gute Tutorials.
    Mit Raum meinst du einen Hall? Wenn dies erwünscht ist, kommt der zum Schluss. Auch der ist nicht leicht einzustellen. Benötigt in der Reglel ebenfalls einen EQ.
    In der DAW macht man sowas indem man einen Teil des Signals zum Hall schickt und sich das ganze im Stereoausgang wieder trifft.

    don´t panic

  • Vielleicht willst du später mal mit 3 oder mehr Mikrofonen aufnehmen und weisst schon wie es geht und worauf du achten musst.

    Oh nein! Ich habe schon bei diesen modernen Stereo-Geräten ein schlechtes Gewissen der Effekthascherei.


    Aber jetzt ernst: Das ganze scheint so komplex zu sein, dass ich bei immer mehr Aufwand einfach nicht mehr unbefangen Aufnehmen mag. Ich bastle jetzt schon Wochen an zwei beinahe schrottreifen Stinkekisten aus angebilchen Haushaltsauflösungen mit rein zufälligen Kellerfunden von "nahezu unbenutzten" Geräten rum.


    Werde auch langsam arm auf Grund der Beschaffung von Ersatzteilen, die scheinbar von Uher-Tonbandkanibalen auf ebay in Gold aufgewogen werden. Und mich beschäftigt das Aufnehmen jetzt schon mehr als das Trommeln. Ich hoffe, das gibt sich wieder.


    Mit Hall meine ich eine Simulation von Raumhall. Mein Aufnahmeraum ist eine (ehemalige) Radiosprecherkabine in der gerade ein Tisch mit zwei Stühlen Platz hatte. Da ist es unnatürlich trocken.


    Ziel für das (online) stompology Projekt ist es, dass alles möglichst so klingt, wie es auch aus einem reparierten und eingemessenen Tonband kommt. Gerne Mono! So wie früher eben. Als einziegen digitalen Effekt würde ich gerne den Hall eines Raumes mitnehmen wollen.


    Ich bleibe dran und bedanke mich bei Euch sehr für die zahlreichen nützlichen Hinweise. Da habe ich jetzt schon einiges gefunden, was ich mit begrenzten Mitteln und neueren Kenntnissen besser machen kann.


    Viele Grüße


    Christian

  • Ja cool das du den Weg gehst.
    Habe ich Respekt vor und vollstes Verständniss.
    Auch wenn ich das selbe Ergebniss einfacher und unstressiger ohne Tonband umsetzen könnte.


    Damit es richtig vintage bleibt, würde ich dir zu einen kostenlosen Plate Reverb , erfunden 1957, raten.
    Grafische Equalizer sind ja nicht gerade vinatge, deswegen nimm doch noch den legendären Pultec EQ aus dem Jahr 1951.

    Ein Röhrenkompressor aus den frühen 60er rundet das Paket ab. Alles for free.
    So arbeitest du rein analog wie die Jungs in den 60er , auch wenns nur modelliert ist. :)


    Edit meint, du könntest mir ja mal eine rohe unbearbeitete Aufnahme geben, die dann ganz vintage bearbeitet wird.

    don´t panic

    Einmal editiert, zuletzt von Beeble ()

  • Beeble "Edit meint, du könntest mir ja mal eine rohe unbearbeitete Aufnahme geben, die dann ganz vintage bearbeitet wird."


    Das ist ja eine tolle Idee und Hilfe! Ich nehme am Sonntag nochmals den "Bo Diddley Beat" auf dem Standtom auf. Der ist jetzt wirklich nicht so schön im Klang und ärgert mich. Berühmte Grooves – Der Bo Diddley Beat – famous drum grooves


    Sofortmaßnahmen bei mir wäre die bessere Aussteuerung (keine Angst vor der Farbe Rot) und das Ausprobieren des Electro Voice RN 20 als Overhead. Es klingt sehr warm und lebendig, finde ich. Wenn ich alles richtig mache, müsste die getretene Hi-Hat leise durchgehend auf der 2 und der 4 zu hören sein und nicht ganz so leise die Bassdrum auf 1 und 3.


    Da ich mich noch nicht mit einer anderern Software auskenne; würdest Du auch eine Audacity-Datei als Rohdatei annehmen können?


    Ich melde mich und hoffe, dass ich Sonntag die Möglichkeit finde (geht immer nur, wenn auf dem Flur keiner Sonntagsarbeit erledigt wird. Der kleine Raum befindet sich in einem Bürohaus.


    Dank auch für die interessanten Links zu den Vintage-Tools!

  • Habe den Bo Diddley Beat mit nur einem Mikrofon (Uher) und einer Mono-Halbspur-Kiste (Uher Report 4000 IC) manuell ausgesteuert aufgenommen. An der Datei (Download-Link folgt per DM in einer halben Stunde) habe ich nichts geändert. Ist also roh. Bin gespannt!!!!!

  • So weit habe ich wohl den "analogen Lo-Fi Schmutz" eingefangen. Der Bo Diddley Beat



    • die Bearbeitung der rohen Aufnahme mit Audacity hier als MP3 ohne viel Ahnung von Ton-Bearbeitung; nur nach Gehör
    • Bo-Diddley-Beat-24-1021.mp3

    Bin gespannt, wie es mit den Retro-Tools klingt!


    Viele Grüße


    Christian

  • Hier eine Statistik zu deiner rohen Aufnahme

    Die Aufnahme hat einen recht geringen Dynamikumfang und sollte für genügend Headroom zur Nachbearbeitung etwas niedriger ausgesteuert werden, also bei der Wandlung vom Tonband in den Rechner.
    Geht aber gerade noch so. Wahrscheinlich bist du auch gut in die Bandsättigung gefahren wie du versprochen hattest
    Ich habe versucht den Mulm etwas zu entfernen und die HH und allgemein die Hochmitten und Höhen etwas rauszuarbeiten.
    Leider ist wahrscheinlich durch die Position des Mikros die BD etwas untergegangen. Aus dieser Monoaufnahme ist sie so gut wie nicht herauszuarbeiten.


    Die Bearbeitungskette sieht wie folgt aus:


    Das Signal wurde über einen send zu einem IR Plate Reverbgeschickt, so richtig Vintage


    Das ist zwar ziemlich gefährlich und ein Kompromiss auf Kosten der Klangqualität zugunsten von etwas Raum.

    Der Reverb bekommt noch einen EQ mit low-und high cut um das ganze nicht zu sehr zu vermüllen (jaja, nicht vintage, aber das konnte man damals auch schon)


    und der Hall wurde dann auch noch mit einem LA2A komprimiert ( mein lieglings-Röhrenkompressor)



    Dann gings in die Masterig Kette von Ozone:

    Zuerst durch einen Pulteq ähnlichen EQ
    - da kommt dann schon die HH etwas noch oben



    Weiter gehts durch einen Vintage Kompressor

    - fängt etwas die Transienten ab und tut der HH und den Becken gut.
    der arbeitet aber nur ganz minimal.


    dann ein Limiter um die Spitzen abzufangen und ein Stereo Imager, welcher das Frequenzband (leicht) aufteilt und auf einen Stereokanal verteilt.
    Der ist jetzt nicht Vintage, aber gibt dem ganzen ein wenig Glitter und Klarheit. pasted-from-clipboard.gif
    Der Maximizer am Ende hat so gut wie keinen Einfluss auf den Klang und dient einzig dazu das nichts clippt.




    Bo-Diddley-Beat. vintage stereomaster_wide.mp3

    don´t panic

  • Jetzt, wo ich das hier lese --- ich hab' doch neulich von meinem Nachbarn ("...du machst doch Musik...") auch ein altes Uher-Mikrofon (M 516) geschenkt bekommen. 8|

    Ich habe es vom Schaumstoff-Brösel befreit und einmal kurz - dank des zugehörigen Sennheiser-Adapters MZA 12 - getestet. Es scheint zu funktionieren, hat sogar einen Stereo/Mono-Umschalter. Die Kapsel erinnert mich stark an ein altes Wählscheiben-Telefon aus der Kinderzeit. :)

    Aber vielleicht sollte ich mich auch mal mit Vintage-Sounds gefassen? :/

  • Hallo Mai -Carsten,


    das Ding ist nicht schlecht: M516 Microphone/PU Uher Werke; München, build 1969/1970, 12 pictures


    Die Monoversion des "Reporter-Mikros" Uher M517 habe ich aus Spaß als Bassdrum Mikro ausprobiert. Klingt erstaunlich gut ca. 35 cm direkt vor der Bassdrum. Kostenpunkt: ca. 35 Euro für sehr gut erhaltene Exemplare. Sind in riesiger Stückzahl von einem Fremdhersteller für Uher gebaut worden. Viel Spaß mit dem Ding!


    Viele Grüße


    Christian

  • Hey danke für den Link! :S

    Ich weiß zwar nicht, was am M516 stereo sein soll... Aber vielleicht ist es nur ein Unterschied in der berüchtigten DIN-Stecker Pinbelegung. Es ist jedenfalls nur eine große Kapsel verbaut.

    Auf den Bildern des Radiomuseums mit dem braunem Hintergrund (Holz und/oder Teppich) ist der Brösel-Schaumstoff der Mikrofone auch schon nicht mehr da. ^^

    Ich werde meins dann doch mal etwas genauer unter die Lupe nehmen. Danke für die Anregung! =)

  • Ich glaube, die Beziehung Stereo war Marketing. Das Mikrofon sollte zu den damals sensationell neuen Uher Report Stereo passend sein. -) Man baute 2 Mikros dieses Typs bei Interviews auf.


    m517_manual.pdf


    Ja, der „integrierte Windschutz“ rieselt so nach und nach heraus. Das passiert auch leider bei sehr hochwertigen Mikros über die vielen Jahre. Einfach alle losen Rückstände manuell vorsichtig entfernen oder einen kräftigen Staubsauger an den Korb pressen. -)

  • Kurzer Nachtrag zum Mikrofon: Der Schalter S = Sprache und M = Musik. Nicht Stereo oder Mono.

    Also eine eingebaute Klangregelung. Der Unterschied im Frequenzgang ist nach der Bedienungsanleitung ein Low-Cut in der Spracheinstellung. Aber auch in Stellung "M" ist nach unten hin ziemlich früh Schluss, nach oben ist es auch nicht so sensibel. In der Konsequenz bedingt diese Kurve wohl den eher mittigen Vintage-Klang.

  • In der Konsequenz bedingt diese Kurve wohl den eher mittigen Vintage-Klang.

    Hi Nils!


    Ja, das Mikro ist nicht "state of the art" und es ist das Uher Einsteiger-Mikro gewesen. Nicht zu vergleichen mit den Uher M634 und höherern Nummern dieser Produkte.


    Habe das olle Ding dennoch vor die Bassdrum gestellt und dazu ein Overhead-Mikro aufgebaut; tatsächlich klingt Bassdrum-Mikro so, wie ich mir das vorgestellt habe. :-)


    i-am-walking-main-groove


    Viele Grüße

    Christian

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