Hi,
meine Vorredner haben schon viel wichtigen Input gegeben. Ich glaube es stechen 2 Punkte heraus, die dir das Leben schwer machen.
1. Live-"Schiss"
das kennt fast jeder und ist völlig normal, da man mit einer unvorhersehbaren Situation konfrontiert wird. Ich kenne Profis, die wie Kleinkinder vor dem Auftritt rumhampeln und sich fast in die Hose machen. Das ist sehr individuell und egal auf welchem Level vorhanden. Ich mag bei sowas Rituale um die Zeit totzuschlagen. Ich nehme meine Sticks, ein Pad bzw. mein Knie und fange eine ca. 15 Minuten lange Überroutine an. Das bringt mich runter, ist fast meditativ, da mir egal ist, was um mich rum passiert. Zudem bereite ich mich gedanklich vor für das, was dann kommt.... Denn es passieren die komischsten Sachen, Gitarren fallen aus, Das Mikro ist nicht an oder der Sänger verpasst den Einsatz, eine Hose rutscht vorne runter, das Licht geht aus, der Ton ist weg, der Stick fliegt sonstwohin, die Bassdrum rutscht.... Alles erlebt und noch viel skurrilere Sachen. War mir egal... Ich habe den Beat weitergespielt, im Zweifel auch mit umgefallenem Crash-Ständer oder mit dem Stick auf die Berta gehauen. Das bringt mich zu dem Kern der Sache. Spiel das was du kannst und versuche souverän zu wirken. Auf den Rest hast du keinen Einfluss. Ich glaube, dass es auch eine Sache des Alters ist. Man macht sich einfach mehr Gedanken. Ich bin mit 20 auf die Bühne mit einem verranzten Set und Sabian B8 Becken an irgendwelchen Ständern und einer abgeklebten Snare mit Pinstripe-Fell. Es war geil, einfach nur geil auf der Bühne zu sein und für 10-200 Leute das zu spielen, was man kann. Und genau das hat das Publikum gespürt.. Mit dem Alter sieht das schon anders aus. Wie ist meine Außendarstellung, passt die Snare zum Set, was sagen die Muskier zum Sound... Für mich alles an dem schon oben erwähnten Kern vorbei... Bringt mich aber auch ein wenig zum nächsten Punkt:
2. Konstanz
hier ist üben angesagt. Nicht nur am Set, bei Proben, sondern auch Mental. Ich habe mir für alles Spickzettel gemacht (modern "sheets"). Vorteil: am Anfang hilft es ungemein sich zurechtzufinden und am Ende schaust du gar nicht mehr drauf. Du kannst praktisch 1:1 das wiedergeben, was dort steht. Bedeutet aber auch das zu üben und dann beim Konzert genau das abzuliefern. Je besser du das verinnerlicht hast umso einfacher kannst du die Band durch die Songs führen. Für Covergeschichten habe ich mir Playlists mit den Songs erstellt, so dass ich mit denen eingeschlafen und aufgewacht bin. Tempo rausschreiben und einfach den bi- oder ternären Grundbeat bis zum Erbrechen spielen. Mal eine Hand weg, dann den BD-Fuß, da gibt es so viele Spielereien um die Konstanz zu trainieren. Zudem ist das Metronom nicht der Feind. Auch hier Tempo halbieren und spielen, vielleicht auch mal eine 16-tel versetzt anfangen und versuchen wieder gerade auf die eins zu gelangen ohne, dass es rumpelt.
Mir haben so ein paar Dinge die Augen geöffnet. Ich habe oft in größeren Veranstaltungen mit wechselnden Besetzungen gespielt, mit vielen Drummern, die mir technisch weit überlegen waren. Ich kam mir da oft wie der kleine Junge vor, der mal mit den großen spielen durfte. Lustigerweise wurde ich sehr oft eingesetzt und Dirigenten und musikalischen Leiter haben sehr häufig mit den "Profis" gestritten. Ich habe einfach mehr oder weniger souverän das gespielt, was nötig war und auch die Exzentriker (meist Solo-Sänger und Gitarristen) einfangen können. Das war notwendig in der Situation. Und so sehe ich das auch bei allen anderen Gigs. Lern dein Zeugs, sei souverän und vorbereitet und spiel keinen Scheiß. Auf den Rest hast du keinen Einfluss!