Wie so oft ist bei dem Thema ein gewisser Grad der Vernunft und Moral auf allen 3 Seiten angebracht:
- Tut sich die Band und damit selbst und langfristig anderen Bands einen Gefallen, auf Hut zu spielen? Man sollte wissen, wo man steht und sich nicht unter Wert verkaufen.
- Kann der Veranstalter in den Spiegel schauen, wenn er (Live-)Musik so billig wie möglich bekommt?
- Was ist das für Publikum, dem die Kunst nichts wert ist? Will man für solche Menschen überhaupt spielen bzw. Gastgeber sein?
Gerade die Frage, wer sich dann um das Eintreiben des Geldes kümmert:
Am Ende wohl wie so vieles multifaktoriell, das fängt an bei der Art der Musik und der Zielgruppe, geht über die entsprechende sympathisch-einfordernde Moderation und die sammelnden Personen bis hin zur Quote solventer "Bandfamilienmitglieder".
Wir haben über viele Jahre die Erfahrung gemacht, daß es wichtig ist, wer in den Pausen mit dem Hut rumgeht.
Frauen haben eine grössere Erfolgsquote als Jungs.
Manchmal geht meine Lieblingsfrau mit dem Hut rum, von Haus aus Buchhalterin, Typ "Lehrerin", da kommt immer ganz schön was zusammen !! Danke dafür Schatzel !!!
...ist doch entscheidend.
Als Band hat man doch wahrlich genug zu tun an so einem Abend. Wenn man die Pause wirklich als solche nutzen möchte oder gar keine Pause einplant, dann muss man eigene Leute organisieren, die sammeln und auch der Typ dazu sind. Was sind die Beweggründe des Ladenbetreibers, eine Band spielen zu lassen - ist es nur Gutmütigkeit, oder hat der Laden mindestens langfristigen Imagegewinn, ggf. auch mehr Umsatz an diesem Abend? Es gibt Läden, die haben eigene Band-Ansager, und die gehen dann auch proaktiv mit dem Hut rum. Dann ist das Risiko für den Veranstalter gering, aber er kümmert sich wenigstens darum, dass was hängen bleiben kann. Dann ist das Argument in Ordnung, Eintritt kassieren/Festgage zahlen wäre zu riskant, weil vielleicht keiner kommt. Wir spielen auch an Orten, wo uns niemand kennt, der Varanstalter aber selbst auf Eintritt besteht und von sich aus einen Haufen Werbung macht! Die typischen "auf den Hut"-ler sind ja die, die sich am Ende um gar nichts kümmern und nur den Reibach vom harten Alkohol mitnehmen - wo dann um halb 11 die ersten Betrunkenen kommen und sagen "spiel mal was von ACDC".
Als Band selbst sollte man meiner Meinung nach immer schauen, die Gage so fix wie möglich zu halten. Wenn der Kalender gut gefüllt ist mit Eintritts-/Festgagen-Gigs, dann muss man keine Hut-Gigs spielen. Wenn mal eine Flaute ist und es u. U. die Bekanntheit steigert, mal hier und da auch für wenig bis umme zu spielen, kann das klargehen. Da sollte man dynamisch sein, solange einem die Leute nicht die Bude einrennen. Auf 2 mal im Jahr spielen, nur weil man bei anderen potentiellen Terminen "zu wenig" bekommt, hätte ich keine Lust.