Ich glaube, solche Gedankengänge erklären, weshalb sich Menschen für eine Karriere als Profimusiker entscheiden und nach einiger Zeit erfahren müssen, dass sie eine Existenz nahe am Präkariat führen. Ein Flialleiter einer Supermarktkette managed auch ein Geschäft, aber seine Einkünfte unterscheiden sich nicht unwesentlich vom Konzernmanager.
Die hier diskutierten Profidrummer sind die Spitze des Eisberges und ABSOLUT NICHT repräsentativ für den durchschnittlichen Berufsmusiker, auf den nicht selten der bekannte Spruch zutrifft: "Blöd, dass am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist".
Die meisten freiberuflichen Profimusiker, die ich so kenne, wären übertragen auf Festanstellung vermutlich unter Mindestlohn beschäftigt, weil wie bei allen Selbstständigen viele Stunden auf notwendige Tätigkeiten entfallen, die in keiner Abrechnung auftauchen. Für uns Hobbymusiker gilt ganz selbstverständlich die Erwartung "Geübt wird zuhause, die Proben dienen dem Zusammenführen". Bei Profimusikern ist das nur leider nicht anders. Du wirst für ein Konzert für ein paar Hundert Euro Gage engagiert, häufig ohne extra Vergütung der Proben, und natürlich bereitest du dich zuhause gewissenhaft darauf vor. Mit An-und Abreise kommen schon am Veranstaltungstag 10 bis 12 Stunden zusammen, wenn nicht gleich aufgrund der Distanz eine Übernachtung fällig wird. Und dann bist du schnell bei 16 oder mehr Stunden. Rechnen wir mal noch eine entspannte Probe von 5 h dazu, und du überschreitest die 20 h. Bei 400 Euro Abendgage bleiben dir schon nur noch 20 Euro brutto Stundenlohn. Ich kenne reichlich Musiker, die regelmäßig auch für deutlich weniger Gage auftreten, teilweise für nen 50er Hutgeld.
Viele finanzieren einen Grundstock über Unterricht, aber auch Instrumentallehrer sind ganz weit davon entfernt, Spitzenverdiener zu sein. Profimusiker wird man aus Leidenschaft, nicht aus Gewinnstreben. Wohlstand erreicht man als Musiker nur, wenn Fleiß, Persönlichkeit, Talent und Glück in perfekter Mischung hinzukommen.