oder die Fähigkeit diese "geschickter" umgehen/vertuschen zu können
Das finde ich nen entscheidenden Punkt. Wir sind - in meinen Augen - als Drummer in der Popularmusik in der recht vorteilhaften Situation, dass es viele Stile gibt, die uns als Drummer eher unter- als überfordern. Nen stabilen Rockbeat bekommen selbst Nicht- Schlagzeuger relativ bald hin, und bei vielen anderen Styles ist es ebenfalls nicht die technische Herausforderung, die uns vor Probleme stellt, sondern das Entwickeln des richtigen Feelings.
Wenn man weiß, was Topdrummer als Money-Beats und -Fills bezeichnen, schöpfen wir in vielen Fällen nur einen winzigen Bruchteil dessen aus, was am Schlagzeug möglich wäre. Ein durchschnittlicher Amateur entlarvt sich typischerweise nicht aufgrund seiner Grooves, sondern weil die Fills unsicher wirken. Drumsoli kommen beim Publikum an, aber kaum ein Gast wird sich beschweren oder überhaupt bemerken, dass das Drumsolo gefehlt hat. Wir sind also in der fast schon beneidenswerten Lage, beim überwiegenden Teil der Musik mit bescheidensten Mitteln bestehen zu können. Die Fähigkeit zur Reduktion aufs Wesentliche schützt uns also zuverlässig vor peinlichen Momenten.
Vergleichbar dazu wäre vielleicht der Pianist oder Gitarrist, der zu 90 % Four Chord Songs in C-Dur spielen müsste. Diese Erkenntnis nimmt mir mittlerweile ordentlich Druck vom Kessel, weil ich mein Üben an den tatsächlichen Erfordernissen ausrichte. Die Wahrscheinlichkeit, in meinem Alter noch nen Schwenk zu Prog/Metal machen zu müssen, ist gering, also kann ich mir das Üben von Doublebass-Eskapaden und hochakademischen konstruierten Grooves oder auch so Quintolenzeug sparen. Dafür lohnt sich für mich, meine Single- und Doublestrokes auf ein besseres Level zu bekommen, weil sie für meine musikalischen Aktivitäten sitzen sollten.
Geübt werden überwiegend Dinge, die mir bei Proben oder auf der Bühne auffallen, weil sie sich für mich nicht sicher genug anfühlen, selbst wenn Mitmusiker das nicht mal immer bemerken. Oder ich höre bei irgendwem ne coole Idee, die mich so beeindruckt, dass ich sie in mein Arsenal aufnehmen will. Also quasi ohne jedes Konzept, punktuell und rein aus der Laune heraus.
Generell war mein bester "Übeplan" immer, viel zusammen mit anderen Musik zu machen, dabei auch vor ungewohnten Stilen nicht zurückzuschrecken, und dabei die Aspekte zu Etappenzielen zu machen, die mir jeweils die größten Steine in den Weg legten. Stilübergreifend waren das in den letzten 10 Jahren vor allem die wichtigsten Rudiments und Hand-Fuß-Koordination sowie Verbesserung meines dynamischen Spiels über alle Dynamikstufen.