Hallo,
ich glaube ich sehe das Thema "Schlagzeug-lernen auf elektronischer Kiste "prinzipiell anders als die meisten hier. 
Ja, mit oder ohne Elektronik ist definitiv nicht das Gleiche. Man kann die schon als zwei unterschiedliche Instrumente ansehen.
Aber ich bin fest davon überzeugt, dass das Lernen auf dem einen auch wunderbar das Spielen auf dem anderen ermöglicht.
Ich finde den Tasteninstrument-Vergleich super.
Ein "normales" oder "akustisches" Schlagzeug entspricht einem Klavier.
Ein E-Set einem Keyboard oder einem Synthi. Die Hersteller behaupten zwar, dass sie E-Pianos anbieten, das Pendent zur Hammermechanik und zu schönen gewichteten Tasten gibt es so meiner Meinung nach aber noch nicht. Gummipads und Meshheads fühlen sich nicht wie Felle und Becken an. Nicht besser oder schlechter, aber definitiv anders. (Wenn ich auf einem Pad doppelt so schnell und sauber bin als auf einer 16" Trommel, kann man schon über die Definition von gut und schlecht diskutieren, deshalb hier jetzt wertfrei.)
Beim Sound ist es ähnlich: E-Sets haben ähnlich viele Vorteile wie Keyboards. An dem einen, für so viele so wichtige Sound, nämlich dem Pendent zum Grand Piano, scheitern sie meiner Meinung nach aber alle. VSTs kommen der Sache allerdings schon deutlich näher.
Jetzt kommt aber der entscheidende Unterschied zwischen Tasteninstrumenten und Schlagzeugen: Bei ersterem gibt es eigentlich genau eine Referenz: Alle wollen klingen und sich spielen lassen wie der große Konzertflügel. Bei Schlagzeugen ist das doch viel heterogener: Eine bis zum Anschlag angeknallte Piccolo Snare klingt und spielt sich doch vollkommen anders als ein 14" Balladeneimer. Und alle erwarten von einem E-Set, dass es so natürlich wie das Set im Proberaum klingt. 95% der Schlagzeuger wollen aber auch, dass das Set im Proberaum lieber wie das Bearbeitete auf Platte xy klingt. Ähnlich über PA: Das Klavier soll ganz natürlich übertragen werden. Schlagzeuge werden (in den meisten Fällen...) wild nachbearbeitet, um eben anders, fetter zu klingen. Im Mix und mit Gates und vor Allem Kompressoren geht das Filigrane, was so ein akustisches Set von einem E-Set unterscheidet, ja sowieso oft verloren. Das Fazit kann natürlich nicht sein, dass man eben erst gar keine Ghostnotes spielen lernt oder das Instrument Schläge nur noch als "an" und "aus" wiedergibt.
Aber mein Eindruck ist eben, dass (Achtung, wieder fiktive Prozentzahl) 70% aller Schlagzeuge ohne Verstärkung "kacke" klingen. Sind wir doch mal ehrlich: Wenn wir in die Proberäume gehen, klingt es doch oft eher krauselig. Zu laut, nicht sauber gestimmt, schlechte Raumeigenschaften, dazu hat man vielleicht noch einen günstigen Gehörschutz an,... Und wenn wir jetzt in die Gruppe gehen, um die es hier geht, nämlich Anfänger, die das Instrument lernen wollen: Da klingen 98% der Schlagzeuge scheiße, weil total verstimmt und mit Messing-Becken bestückt. Wie viele Nuancen kann man denn aus so einem Set holen? Und auf was haben denn die alten Hasen alle gelernt? Wie sahen denn die Proberaumschlagzeuge in den 80ern aus? Das waren doch sehr häufig im Wesentlichen zuerst mal Krachmacher. Da kann ein elektronisches Schlagzeug doch tatsächlich eine motivierende Alternative sein.
Es ist natürlich richtig, dass man aus einem Schlagzeug und richtigen Becken viele Nuancen rausholen kann. Das ist dann genau das, was nachher aus "Schlagzeug spielen" "Musik machen" macht. (Wobei man fairerweise auch sagen muss, dass das in sehr vielen Fällen live oder auf Platte derart untergeht, dass es mehr für das eigene Gefühl ist. das ist aber natürlich nicht weniger wichtig.). Aber jemand, der mit einem Instrument anfängt, hat doch erstmal ganz andere Baustellen: Rhythmusgefühl, Koordination, Makrotiming, Mikrotiming, Bewegungsabläufe automatisieren, musikalische Schemata erkennen, selektives Musikhören (was spielt das Schlagzeug da eigentlich und warum), musikalische Konzepte, Notenlesen,... All das geht auch auf Pads, macht halt nur nicht so viel Spaß. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass man das alles und damit das Schlagzeugspielen auch sehr gut mit einem E-Set lernen kann.
Setzt man sich dann an ein richtiges Schlagzeug, ist natürlich alles vollkommen anders und man muss sich da echt nochmal einarbeiten. Man kann da nicht alles 1:1 übertragen, das ist klar. Aber das geht doch einem erfahrenen Keyboardspieler, der sich das erste Mal an einen Flügel setzt, genauso. Der wird auch erstmal vergleichsweise stümperhaft klingen. Aber deshalb kann man doch nicht sagen, dass der kein Klavierspielen kann. Er hat doch alles an der Hand, was er zum Spielen braucht. Ein E-Drummer muss zuerst lernen, mit den neuen Möglichkeiten Musik zu machen. Das fehlt. Aber alles andere hat er schon drauf.
Ja, normalerweise kommt das Musik machen auf einem Schlagzeug als Begleiterscheinung im Laufe der Zeit mit der Übung und der Erfahrung. Das geht bei reinem E-Lernen vermutlich verloren und muss dann mehr oder weniger mühsam hinten dran gelernt werden. Aber da viele Schlagzeuger bis dahin sowieso erst gar nicht kommen, wäre das für mich jetzt kein Hindernis. 
Vielleicht noch ein anderes, extremeres Beispiel: Jemand, der E-Bass gelernt hat, kann nicht automatisch Kontrabass spielen. Aber er hat die besten Voraussetzungen, es sich in kurzer Zeit drauf zu schaffen. Jemanden, der Kontrabass spielen will, rät man nicht, stattdessen E-Bass zu lernen. Aber jemanden, der "einfach Bass spielen will", aber keine sinnvolle Möglichkeit hat, Kontrabass zu spielen, kann man schon empfehlen, doch mit E-Bass anzufangen, um viele wichtige Basics zu lernen und dann später bei Bedarf und Möglichkeit zu wechseln.
Was ich sagen will / wollte:
- E-Sets sind anders (und klingen für mich persönlich meistens beeindruckend scheiße).
- Ich würde aber niemandem von einem E-Set zum Spielen und Üben abraten. Die können Spaß machen und man kann viel damit lernen.
- Ansprüche sind unterschiedlich: Nicht jeder will ein Niveau erreichen, bei dem es auf die Nuancen ankommt. Viele wollen auch einfach trommeln. Und da sind E-Sets Plug&Play Lösungen. Dann zu raten, sich einen Proberaum zu mieten und ein teures Schlagzeug zu kaufen, ist oft absoluter Overkill.
- Man kann ein E-Set als eigenständiges Instrument sehen. Aber auch als Practice-Pads mit Motivationsbooster. Und die Möglichkeiten der Timingkontrolle, Aufnahme des Gespielten usw. sind zum Lernen ja auch nette Funktionen.
- Der Wechsel zwischen E und A ist für Anfänger vermutlich schwierig. Kinder, die zweisprachig aufwachsen, fangen auch oft erst später mit dem Sprechen an. Wenn jemand also zuhause ein E-Set hat, wäre es vermutlich auch effektiver, im Unterricht auf einem E-Set zu üben. Wenn dann mal ein Grundlevel erreicht ist, fällt der Wechsel sicher viel leichter.
Ich bin kein E-Drum-Fan. Nachdem wir aber selbst mit 80er Equipment zu sowas wie Musikern geworden sind, verstehe ich die Panik bei E-Drums nicht. 