Mein Konzert mit GROOVIN' HEART in der JVA in Stuttgart Stammheim am 29.08.2008

  • So nach einiger Zeit mal wieder ein HALLO in die Runde!!


    Am Freitag den 29.08.2008 habe ich einen meiner "Drummerwünsche" erfüllt und habe mit meiner Band GROOVIN' HEART ein Benefizkonzert in der JVA in Stuttgart Stammheim gespielt. Es war für mich und die Band ein unglaubliches Erlebnis!!


    Anbei ein kleiner Eindruck:


    GROOVIN’ HEART ROCKT IN DER JVA STUTTGART – STAMMHEIM


    Am 29.08.2008 war es so weit – GROOVIN’ HEART spielen Ihr Benefizkonzert in der JVA Stuttgart – Stammheim.


    Als die Band gegen 10:00 Uhr am Morgen vor der JVA eintraf, wurde sie vom Bereichsleiter der Gefangenenbetreung Klaus Boshart empfangen. Klaus Boshart ist Initiator der Aktion „ Rock im Knast „ und verantwortlich für die Organisation der Konzerte sowie für den Kontakt zur Band. Da sich langsam aber sicher bei den Musikern und dem mitgereisten Bandfotograf Dirk Mann das eh schon mulmige Gefühl weiter verstärkte, waren alle sehr froh über den lockeren und gelösten Empfang durch Klaus Boshart.


    Nachdem sich die ca. 5 Meter hohen Stahltore öffneten und die Band mehrere Sicherheitsschleusen mit insgesamt 6 Toren passiert hatte, war der Innenhof der JVA erreicht. Hier warteten, wie vorab angekündigt 4 Häftlinge, welche das Equipment der Band in den Konzertsaal brachten. Nach Aufbau und Soundcheck gab es reichlich kleine Häppchen und Getränke zur Stärkung.


    Nachdem der Ablauf des Konzertes mit Klaus Boshart genauestens abgesprochen wurde, öffneten sich pünktlich um 13:00 Uhr die Türen. Aus verschiedenen Gebäudetrakten strömten die Häftlinge in den Konzertsaal. Dieser war mit über 130 Personen sehr gut gefüllt.


    Das Konzert begann pünktlich um 13:15 mit dem Intro des Actionreißer „TERMINATOR II„. Nebelschwaden füllten die Bühne und mit den ersten Takten des Openers „MIGHTY QUINN„ ging das Licht an. Rechtzeitig in diesem Moment, war das Publikum auf der Seite der Band und quittierte dies mit einem Jubelsturm, welchen niemand erwartet hatte!!


    Zitat Klaus Boshart: „Stellt Euch darauf ein, dass die Jungs am Anfang sehr verhalten sind – aber dies ändert sich hoffentlich im Laufe des Konzerts“. Jeder der nun folgenden Songs wurde von frenetischen Rufen, Pfiffen und Jubel des Publikums begleitet. Tanzende, bangende Zuhörer mussten teilweise von den Vollzugsbeamten gebeten werden, wieder auf den Stühlen Platz zu nehmen um die Sicherheit im Saal zu gewährleisten! Sängerin Ilka Schuch und Gitarrist Andy „J.“ Golob sorgten in den unzähligen Melodicparts in den Songs für reichlich Abwechslung. Während David Adam am Bass und Marcus Schuch an den Drums für eine mächtig solide Grundlage sorgten. Die Resonanz des Publikums, auf teilweise direkte Fragen zwischen den Songs, war absolut großartig und gelöst. Titel wie „HUSH“ von Gotthard, „HERE I GO AGAIN“ von Whitesnake und “WHISKY IN THE JAR” von Metallica wurden begeistert mitgesungen und die so genannten „PUBLICPARTS“ trugen zu Recht ihren Namen!!


    Als plötzlich Klaus Boshart wild gestikulierend vor die Bühne trat, musste die Band feststellen, dass sie die Setlist zu lange gewählt hatte. Einen letzten Song sollte es noch geben, welcher von Schlagzeuger Marcus Schuch gesungen wurde. Nach “WHISKY IN THE JAR” von Metallica sollte Schluss sein, da der Zeitplan eingehalten werden musste. Um jedoch eine mögliche Gefängnisrevolte zu vermeiden, setzte die Band mit einem Hardrockcover von Bryan Adams „Summer of 69“ noch einen letzten Kracher in den Saal! Danach erloschen die Lichter.


    Total durchgeschwitzt und mit nassen Klamotten verlies die Band ausgepowert und überglücklich die Bühne. Am Bühnenrand wurde jeder einzelne Musiker umgehend von mehreren Häftlingen umarmt und beglückwünscht. Aussagen wie: „danke für die tolle Zeit“, „ihr wart der absolute Wahnsinn“, „kommt bitte, bitte wieder“ und sogar ein „ich liebe Dich“ zeigten der Band, dass es das wohl wichtigste Konzert in der Bandgeschichte war!!


    Nachdem im Innenhof sowie vor der JVA noch einige Erinnerungsfotos gemacht wurden, versprachen GROOVIN’ HEART im nächsten Sommer wieder zu kommen.




    Mehr Infos inkl. eines Zeitungsartikel aus der Stuttgarter Zeitung, sowie mal einigen Bildern vorab gibts noch auf der Homepage: http://www.groovinheart.de/


    Viele Grüße und Spaß beim Stöbern


    Marcus

  • Klasse Bericht von einem nicht so üblichen Gig!


    PS.1: Ihr habt unsere Setliste geklaut!


    PS.2: "Whiskey in the jar" ist von den Dubliners, bestenfalls noch von Thin Lizzy!


    Also was "Whiskey" angeht so hab ich da die Info von unserem EX - Klampfer, dass das Ding angeblich 1962 ein Joe South geschrieben hat!? Jetzt bin ich total verwirrt. Wat is denn nu Phase?? Und die Setlist lag bei Dir nur so rum :whistling: :thumbsup: !!


    Viele Grüße


    Marcus

  • Das coolste ist aber das unten bei den Links zu "Ähnlichen Themen" folgendes steht:
    Beklaut auf Konzerten


    Genau daran musste ich denken, als wir vor - sagen wir mal - gut 10 Jahren in der JVA Burgebrach spielten. Als die (bewachten) Häftlinge das Material schleppten wurde mir ein wenig anders - aber wir haben alles heil rausgebracht :thumbsup:


    @Topic:


    Geiler Bericht, egnever! Da kann man richtig das Gefühl der Häftlinge herauslesen :thumbup:

  • Hi Marcus,


    super Sache, ich denke es war am Anfang ein mulmiges Gefühl vorallem wenn man nicht weiß was einen da drin erwartet...
    Diese Erfahrung darf ich zum Glück aber nächstes Jahr auch machen, nein nicht als Häftling, sondern weil ich mit meiner Band ebenfalls in Stammheim auftreten werde. Wir spielen am 23.01.2009 und ich hoffe, dass es bei uns auch so erfolgreich sein wird...


    Gruss hondsgschicht

  • Ich finde das Klasse das ihr dort gespielt habt.So merken die Gefangenen das Sie doch noch eine gewisse Akzeptanz haben.Klar haben alle größere Scheiße gebaut,und vielen ist diese auch nicht zu entschuldigen,aber trotzdem sind es Menschen.Und dieses muss man akzeptieren, wenn es auch manchmal sehr schwer fallen kann wenn man weis was der ein oder andere für eine Straftat begangen hat.Und vielleicht hilft es ja auch manch Gefangenen auf dem richtigen Weg zurück zu finden.Ich kann mir gut vorstellen das manch einer denkt ich möchte auch Musik machen wenn ich wieder Frei bin.Und alleine dadurch haben Sie eine Aufgabe in Freiheit und kommen nicht wieder auf kriminelle Gedanken.

  • Ich wollte mit meiner Combo auch mal im Knast spielen, aber die lassen die anderen Bandkollegen nicht zu mir rein.... :D


    Aber im Ernst.....


    Ich finde es toll, das Ihr dort gespielt habt. Man glaubt garnicht, wie dankbar die Knackis sind, das mal jemand an Sie denkt.

    Brian: Ihr seid lauter Individuen.


    Menge: Ja, wir sind lauter Individuen.


    Brian: Ihr seid alle verschieden.


    Menge: Ja, wir sind alle verschieden.


    Dennis: Ich nicht.


    ALLES NEU, Guckst DU!

  • Hallo in die Runde!


    Vielen Dank für die netten Zeilen. Ja, das kann ich nur bestätigen - es war eine meiner größten Erfahrungen dort zu spielen. Man bekommt so viel von den Jungs zurück und das ist wirklich ehrlich! Ich kann Euch nur darin bekräftigen - schaut mal ob Ihr es irgendwo bei Euch mal hin bekommt und macht die Erfahrung selbst. Keine Gage und keine Kohle kann Dir das geben.


    Und wenn Ihr wollt nehmt einfach mal mit Klaus Kontakt auf - der hat sicher Kontakte.


    Bei uns hat es sich jetzt so ergeben, dass wir unbedingt im Sommer 2009 wieder kommen sollen und ebenso sollen wir in nächster Zeit im Frauenknast in Schwäbisch Gmünd spielen!


    GREETS Marcus

  • Schöner Bericht eines tollen Events!


    Klasse.



    Gruß,


    Simon2.

    P.S.:

    ...Actionreißer „TERMINATOR II„...


    8| Den Begriff "Actionreißer" finde ich einerseits nicht besonders zutreffend und nach einer langen und traurigen "Gewaltvideo"-Diskussion auch eher unglücklich. Ist vielleicht mein persönliches Problem, aber micht regt der Begriff total auf.

  • Hgmpf, ich liebe diesen Effekt:
    Man liest etwas (in diesem Fall den Spiegel-Leitartikel über den RAF-Film) und dann verfolgt einen das über Tage (Stammheim-Gig...)
    :(:) ;)


    (sorry für off-topic)

  • entschuldigt meine Skepsis:
    aber gibts irgendwelche Daten, aus denen hervorgeht, inwiefern solche Konzerte zur Resozialisierung (sprich: Rückfälligkeitsquote der Insassen) beitragen?


    Ich bin da irgendwie nicht ganz so euphorisch... wahrscheinlich würde jeder von uns dem Dealer an die Gurgel, der seinem Sohn den goldenen Schuss verkauft hat, und dem Vergewaltiger ans Glied, der seine Tochter... und plötzlich bekommen sie Gratiskonzerte? Die Einöde im Gefängnis hat doch ihren erzieherischen Charakter. Das ist kein Ferienlager für Erwachsene. Da werden Täter zu Opfern! Lieber mal ein Benefizkonzert in einer Entziehungsklinik, einem Frauenhaus oder zur Sammlung von Geld für echte Opfer.


    ein Verständnisloser...


    chop

  • @chop:


    Verständlich, deine Skepsis. Benefizkonzerte gibt es auch zu hauf (wobei ich doch immer wieder wundere, wie sich bei diesen Konzerten die Bands sich für Umme den Hintern aufreißen, während der PA-Verleiher satt abkassiert - aber das ist ein anderes Thema :rolleyes: ) . Soll heißen, auch in der Richtung wird viel gemacht. Jedoch sitzen in diesen Anstalten nicht nur die Schwerstverbrecher und Mörder ein, sondern ebenso Kleinkriminelle, bei denen es eventuell noch einen Sinn hat zu zeigen, was sie in Freiheit jederzeit haben könnten.

  • Kurz noch einige kleine Anmerkungen zur Info.


    @enso:


    Wir haben uns natürlich bei der ganzen Sache auch wenig mit den Leuten unterhalten können ( ich sag mal zu 90% eben mit Klaus Boshart und anderen Vollzugsbeamten ). Aber auch mit Gefangenen. Zum Thema wieder raus können => die Jungs sitzen 23 Std. am Tag in einer 2,2m x 3m Zelle ( bei einer Stunde Hofgang am Tag ). Einschneidend war ein Erlebnis, als wir die Autos wieder bepackt hatten und einer aus der Zelle rief: "Vielen Dank, bitte kommt wieder, machts gut". Und Ilka blickte in den ca. 3 Stock hoch und sagte: "Ja klar machen wir - tschau"! Und dann sagte die Stimme nein halt weiter unten => wir blickten runter => und die Stimme sagte wieder nein halt weiter runter. Und da sahen wir ebenerdig ein Fenster ca. 60 x 40cm mit Gitterstäben und darüber noch ein Wabengitter an denen man nur die Fingerspitzen erkennen konnte!! Das war hart!!!!


    Das Gefühl zu beschreiben als wir wieder raus waren ist sehr schwer.


    @chop:


    Natürlich kann man es auch so sehen, wie Du es beschrieben hast. Und ich habe selbst eine Tochter mit 5 Jahren. Was die Häftlinge angeht so sind aber auch z. B. ca. 40% Untersuchungshäftlinge. Des Weiteren einige in Abschiebehaft und Kriminelle, welche nicht unbedingt einen Mord begangen haben ( also Diebe, Dealer usw. ). Natürlich aber auch absolute Schwerverbrechen wie Vergewaltiger und Mörder. Es ist natürlich ein sehr schmaler Pfad - da gebe ich Dir vollkommen Recht.


    Außerdem hab ich jedoch vorher in keinster Weise die Sache nach belegten Daten "durchforstet". Denn in jeder Suppe schwimmt ein Haar !!


    GREETS Marcus

  • ...Die Einöde im Gefängnis hat doch ihren erzieherischen Charakter. ...


    :(
    Hast Du Dir mal die Rückfallquote von Knackis angesehen (gerade bei den von Dir angesprochenen "Schweren Jungs") ? .... dann mach' Dir nochmal Gedanken über "den erzieherischen Charakter" ...
    Wenn Du meinst, dass diese Quote durch ein einmaliges xy-minütiges Konzert (mit "Sitzzwang") drastisch zu verschlechtern wäre, kommt das wohl eher von (D)einer ideologischen Einstellung zum Strafvollzug.



    ...Da werden Täter zu Opfern! Lieber mal ein Benefizkonzert in einer Entziehungsklinik, einem Frauenhaus oder zur Sammlung von Geld für echte Opfer. ...


    Wo steht eigentlich geschrieben, dass man nur für "Opfer" spielen darf ?



    Ich finde das großartig, dass solche Jungs auch mal in der JVA spielen!! :thumbup: :thumbup:


    Gruß,


    Simon2.

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