Der Josef lernt das Furnieren - mit einer Low Budget Snare.

  • VORGESCHICHTE
    Mit dem Furnieren ist es glaub ich so wie mit dem Heiraten oder wenn man ein Haus baut: Das erste Mal sollte nicht zählen. Mein erstes Mal liegt einige Jahre zurück. Damals versuchte ich eine 14"x7" Snare mithilfe von Spanngurten auf einen Streich rundum zu furnieren. Sah danach gut aus, aber es entstanden halt hier und da die typischen Anfängerwellen und -dellen. Gut, von weitem sind die natürlich nicht zu sehen:



    Das gute Stück ist immer noch in meinem Besitz und macht sich vor allem mikrofoniert klanglich sehr gut. Bevor jemand schreit: Nein, das ist keine DW, das sind nicht mal dw-Böckchen, sondern Hayman-artige und die Snare ist vermutlich von Anfang der 90er Jahre. Sie hat einen 5mm Maplekessel.



    DAS NEUE PROJEKT
    Ich hatte dann für einige Zeit die Nase voll von dieser langwierigen und irgendwie dann doch unbefriedigenden Arbeit. Bis mir eines Tages ein größerer Karton voller Furnierabfälle (nicht größer als ein Briefumschlag) über den Weg lief. Für einen Freund wollte ich ohnehin eine ältere Basix-Snare überarbeiten für sein Kellerschlagzeug, die ich sehr günstig bei Ebay geschossen hatte. Sie hatte eine dieser blöden schwarzen Folien, die natürlich fast nur von den (sogar insgesamt 10) Spannböckchen auf dem Kessel gehalten wurde. Da bin ich immer froh an der schludrigen Verarbeitung mancher Trommeln.


    Diesmal wollte ich also Schritt für Schritt furnieren, ein Blättchen nach dem anderen. Leider kam aus dem ganzen Angebot teils sehr schöner Hölzer (Vogelaugenahorn, Mahagoni) nur eine Sorte infrage wegen der 5.5" Höhe der Snare. Alle anderen waren leider kürzer. Also musste ich zu diesem eher unspektakulären Holz greifen. Es hätte sich nun auch angeboten, die Teile im Abstand der Böckchen zurechtzuschneiden, dann wären die Übergänge zwischen den Blättchen gut verdeckt worden. Nach drei oder vier Stück kam mir dann auch diese Idee. :rolleyes:
    Noch schlauer wär's auch gewesen, immer rechts und links einen Streifen abzuschneiden, weil das Holz in der Mitte dummerweise irgendwie immer etwas heller war. Dabei hatte sich der Karton jahrelang in einer Schublade befunden, also im Dunkeln. Komisch.



    Hier sieht man ganz gut meine Vorgehensweise: Das dunklere Holz ist das Furnier. Links sieht man das erste Blättchen schon fertig verklebt. Ich benutzte diesmal nicht den ordinären Holzleim, sondern übrigen Parkett- und Laminatleim von meiner Hausrenovierung. Super Zeug! Nach dem Leimen hat man noch ein bis zwei Minuten Zeit zum Korrigieren, dann sollte das Furnier richtig sitzen. Wichtig ist eine gute Verteilung des Leims. Ich nahm dazu einen Zahnspachtel. Und Obacht: Keinen Leim auf die Oberseite des Furniers gelangen lassen! :pinch:


    Gut und gleichmäßig andrücken, herauslaufenden Leim abnehmen und dann braucht man irgendeine Art von Presshilfe, die man dann mittels Schraubzwingen oder dieser Halteklammern wie im Bild fest fixiert. Dieser von mir gewählte Pressspanstoff verband sich anfangs sehr schön mit dem herauslaufenden Leim. Darum habe ich nach dem im Bild zu sehenden Arbeitsschritt ein Stück Kunststoff (altes Fell z.B.) druntergelegt.


    Am Stoß muss man aufpassen wie ein Luchs, wenn man den abgehärteten Leim entfernen muss. Dazu nahm ich ein normales Werkstattmesser. Danach die Kante ein bisschen mit Schleifblock nachziehen. Nächstes Furnierstück ansetzen und die Sache ging von vorne los. An einem Tag klebte ich immer nur ein oder zwei Stücke. Das geht dann gut mal zwischendrin, man braucht eigentlich nur fünf Minuten jedesmal. Also wieder: Mehr Warten als Arbeit.


    Großes Problem ist natürlich das letzte Furnierstück, das will schön eingepasst werden und hier kann man nicht wie beim Folieren einfach mal überlappen lassen. Das muss auf Stoß stimmen! Hier kam ich an meine Grenzen und ich bin für gute Tipps (fürs nächste Mal) dankbar. Letztendlich hab ich's zufriedenstellend hingekriegt und die Abschlussstelle liegt dann auch schön unter einem Böckchen, wie sich's gehört.


    Hier nun die fertig furnierte und bereits dreimal lasierte und geölte Snare (bereits mit Widmung im Innenbereich, und ja, das ist normales Rapsöl, selbstverständlich aus Baden-Württemberg und das funktioniert gut, gleichwohl würde ich Leinöl empfehlen):



    Aufgrund der guten Erfahrungen bei meiner Premier-Restauration griff ich wieder auf die gute Clou Lacklasur zurück, diesmal im Mahagoni-Farbton. Das war unumgänglich, denn das Furnier war doch farblich wenig ansprechend und außerdem gab es eben diese unregelmäßigen dunklen Randstellen sowie die eine oder andere Leimspur... :huh:


    Mit der Lasur gut in den Griff gekriegt, wie ich meine, und als vorerst letzten Schritt hier noch ein Tipp, um beim Nachbohren der Löcher so wenig wie möglich "einreißen zu lassen": Von innen durchstechen mit einem Nagel (Karton unterlegen) und dann von außen bohren.



    Das soll fürs Erste mal reichen hier am frühen Morgen.

  • nicht schlecht geworden!!..vorallem das Finish gefällt mir!
    ich komme aus dem holzgewerbe und weiß wieviel Arbeit und Genauigkeit das verlangt,darum hast meine absoluten RESPEKT
    für dieses Projekt!! :)

    ..des san kane Jazzbecken..!!!.... ;)

  • super beschrieben, allerdings hätt ich da noch eine frage:
    du schreibst ja, dass nach dem andrücken logischerweise das anpressen kommt und dass dabei auch etwas leim austritt. wie hast du den wegbekommen, da sind doch die ganzen klammern im weg.
    wären ausserdem nicht eher schraubzwingen besser gewesn, ich kann mir nicht vorstellen, dass diese klemmen ordentlich druck ausüben.
    ansonsten siehts natürlich top aus, glückwunsch!

  • Sehr schöner Bericht!


    Ein Schreiner hat mir mal gesagt, dass man zwischen Furnier und Anpresshilfe zwei Lagen Zeitungspapier legen soll. Diese dienen dann beim Entfernen der Zwingen/Klammern als "Sollbruchstelle" an den Stellen, wo Leim ausgetreten ist.
    Ans Furnier geleimte Zeitungsreste lassen sich anschließend mit feiner Körnung leicht wegschleifen.
    Hab ich aber noch nicht selbst probiert, daher ohne Gewähr.

  • Doch, der Druck der Zwingen ist durchaus ausreichend. Man sollte hier so viele wie möglich nehmen, eine neben die andere setzen, dann wird das schon, zumindest bei schön glattem Furnier. Bei gewelltem, altem, franzigem Furnier ist das sicher anders, aber da traue ich mich auch nicht ran.


    Der Kleber ließ sich schon an der Auflagekante abwischen, mit einem Lappen, da kommt man schon hin. Kleberreste muss man danach mit einem Messer o.ä. runterschaben, das ist ein bisschen ätzend. Aber insgesamt ist das gar keine so elend lange Arbeit, wenn man kleine Furnierstücke nimmt, die schön glatt und vor allem exakt geschnitten sind.


    Ach ja, zum Schneiden benutzte ich ein schnödes Papierschneidegerät.

  • Das ist Prima, ich habe noch für eine Snare bis 8 Zoll Tiefe Makasarfunier übrig, Bei Interesse melden.
    Sieht dann so aus:



    Snare steht ebenfalls zum Verkauf.


    Mein Tipp: Ich habe die Snare rundum auf 6 mal gemacht: Einfach mit 3 Spannbändern vom Auto umwickelt (dünne Polsterfolie dazwischen und dann die Gurte festgezogen (Rätsche ist da ja oft schon mit dran). Ergebnis ist Top, habe Ponal Express verwendet.


    Spanngurt sieht so aus


    Die fertige Snare dann so:

  • Schön, eins meiner Lieblingsfinishs! Ist das eine 12er oder 13er Snare? Spannbänder verteilen den Druck natürlich nochmal besser. Bei meinem ersten Versuch (s.o.) machte ich halt den Fehler, quer zu furnieren und die ganze Trommel auf einmal - nicht zu empfehlen oder nur für Profis. Vertikal gemasert sieht eh nochmal edler aus, das wissen die von Sonor seit bald 40 Jahren. :D

  • Das gute Stück ist immer noch in meinem Besitz und macht sich vor allem mikrofoniert klanglich sehr gut. Bevor jemand schreit: Nein, das ist keine DW, das sind nicht mal dw-Böckchen, sondern Hayman-artige


    Es ist ja wohl eine Schande für DW, dass eine Verwechslung dieser Böckchen mit den DW-Böckchen überhaupt erwägt wird.

  • Sieht wirklich toll aus!
    Ich würde das auch voll gerne mal bei meiner ollen Mapex-Snare machen, die hat auch nur so ne langweilige schwrze Folie drauf.



    @ Trommler 94: Ich hatte auch einen Moment dran gedacht, ob das nicht DW Böckchen sein könnten. Bei näherem Hingucken sieht mans zwar, aber eindeutig ist es nicht.

  • Hier nun die fertig furnierte und bereits dreimal lasierte und geölte Snare (bereits mit Widmung im Innenbereich, und ja, das ist normales Rapsöl, selbstverständlich aus Baden-Württemberg und das funktioniert gut, gleichwohl würde ich Leinöl empfehlen)


    Hast Du erst geölt und dann lasiert? Eigentlich ölt man mit einem Hartöl in mehreren Arbeitsgängen, bei denen das überflüssige Öl aufgenommen, aushärten lassen und anschließend wieder ölen. Die Verwendung von Rapsöl kann ich nicht so richtig einsortieren, das bringt doch eher Nachteile mit sich.


    Ansonsten sieht das echt gut aus, Stoßkanten kann ich auch keine entdecken, da kommt Dir vermutlich das dunkle Furnier entgegen, ich bin seinerzeit mit hellem Vogelahorn ganz schön auf die Nase gefallen, und musste mir ein Alternativprogramm einfallen lassen ...

  • Mit der Lasur gut in den Griff gekriegt,


    Ja, das sieht alles wirklich sehr schön aus.


    Ich surfe immer mal wieder gerne über die Webseiten diverser Furnieranbieter, aber habe ich mich bislang irgendwie doch nicht getraut einen Einkauf zu starten. ;)


  • Hast Du erst geölt und dann lasiert? Eigentlich ölt man mit einem Hartöl in mehreren Arbeitsgängen, bei denen das überflüssige Öl aufgenommen, aushärten lassen und anschließend wieder ölen. Die Verwendung von Rapsöl kann ich nicht so richtig einsortieren, das bringt doch eher Nachteile mit sich.


    Hm, welche Nachteile vermutest du da? Das Öl soll ja nur so eine Art Pflegezusatz für das trockene Holz sein, ähnlich, wie man in der Küche sein Schneidbrett öfters mal einölt? Hast du Beispiele für Hartöle, wie sie bei Drumfinishes benutzt werden? In diesem Fall wurde erst lasiert (dreimal, mit Ballen) und danach dreimal geölt, einfach so aus einem Gefühl raus, dass das gut sein könnte. Fundiertes Wissen habe ich dazu nicht. Meine Mahagoni-Phonics habe ich auch ein paarmal geölt, als ich sie zerlegt habe. Hat auf jeden Fall danach besser ausgesehen und nicht geschadet. Für diese Trommel hier hätte ich gerne ein Wachsfinish gemacht, aber das ist eine absolute No-Budget-Veranstaltung und daher habe ich auf Vorhandenes zurückgegriffen.


    Sodele, hier ist nun ein Bild vom krönenden Abschluss. Ich habe beschlossen, dass die Kupferreifen, die man auch ganz oben auf dem ersten Bild sehen kann, der Snare gut zu Gesicht stehen:



    Die Teile wirken sich definitiv auch auf den Sound aus, viel mehr als die ganze Furnieraktion. Im Vergleich zu normalen Stahlreifen haben sie einen sehr tiefen, glockigen Klang beim einzeln anschlagen, wie wir ihn auch von Gussreifen kennen. Dieser Klang hat einen großen Anteil am Rimshotsound der Trommel. Gefällt mir sehr gut und das Teil bringt somit in normaler, mittlerer Stimmung ein ordentliches Pfund, eine Menge Fleisch mit, klingt tiefer als sie ist, eher nach einer 6.5er oder gar 8er. Teppichansprache ist trotz Billigmaterials und Plastikbändern einwandfrei. Die Trommel klingt nicht unbedingt nach einer Anfängersnare.


    Weiß jemand, aus welchem Holz diese Basix Classics Trommeln aus den 90ern/Anfang 2000er gemacht waren? Es ist jedenfalls keins dieser weichen Billighölzer a la Pappel, sieht er ein bisschen nach Birke aus, ich tippe aber auf Linde.

  • Also dein Premier-Projekt hat mir da besser gefallen. Also vom optischen Gesamteindruck. Aber darum ging es dir hier ja nicht. Möchtest du das Furnier so lassen, oder kommt da noch was drauf?
    Auf jeden Fall hast du die Snare optisch aufgewertet. Liegt das an der Perspektive, oder sind die Böckchen schief?


    Grüße Moigus

  • Hm, die Böckchen sehen tatsächlich schief aus. Ich schau nochmal, aber da ich natürlich die alten Bohrlöcher benutzt habe, kann das fast nicht sein. Eher liegt es an den Spannreifen und der Tatsache, dass diese Snare ein sehr deutliches Snarebed hat und demzufolge die Reifen nicht 100% eben auf dem Fell sitzen. Die passen sich auch aufgrund des Materials schön an, damit kann man grandiose Verstimmtechniken ausprobieren. :D


    Das Furnier bleibt jetzt so. Klarlack oder Wachs wäre noch eine Alternative. Aber dieses Projekt war einfach nur eine Furnierübung und sollte kostenneutral gestaltet werden. Ganz übel schaut's ja jetzt auch nicht aus, oder?

  • Hm, welche Nachteile vermutest du da? Das Öl soll ja nur so eine Art Pflegezusatz für das trockene Holz sein, ähnlich, wie man in der Küche sein Schneidbrett öfters mal einölt?


    Das Küchenholz ist unbehandelt und wird, weil es häufig nass abgewischt wird, damit vor dem Austrocknen bewahrt.
    Ein nicht aushärtendes Öl bringt keinen wirklichen Schutz für Deine Trommeln, Du weichst das Holz damit nur auf. Hättest Du zuerst geölt, wäre es problematisch geworden, da auch für eine Lasur ein fettfreier Untergrund notwendig ist.
    Bei meinem Set habe ich Leinos Hartöl (nicht ganz billig das Zeugs) genommen und anschließend gewachst. Das Ergebnis siehst Du hier.


  • Das Küchenholz ist unbehandelt und wird, weil es häufig nass abgewischt wird, damit vor dem Austrocknen bewahrt.
    Ein nicht aushärtendes Öl bringt keinen wirklichen Schutz für Deine Trommeln, Du weichst das Holz damit nur auf. Hättest Du zuerst geölt, wäre es problematisch geworden, da auch für eine Lasur ein fettfreier Untergrund notwendig ist.


    Verstehe. Dass man vor dem Lasieren nicht ölt, sollte hoffentlich klar sein. 8|
    Meine Aktion hatte also wenig Sinn, aber jedenfalls nichts kaputt gemacht - interessant fand ich, dass das Öl ruck zuck einzog, auch beim dritten Mal, obwohl wir darunter ja eine Lacklasur haben.


    Bei meinem Set habe ich Leinos Hartöl (nicht ganz billig das Zeugs) genommen und anschließend gewachst. Das Ergebnis siehst Du hier.


    Ah, das war deins, sehr schön, ich erinnere mich. Leinos klingt natürlich nach Leinöl? Jedenfalls eine sehr schöne Furnierarbeit!


    Ach ja, ich habe das Schätzchen gestern gleich mal bei einem kleinen Gig eingesetzt. Ist jetzt natürlich schon wieder so, dass ich sie kaum hergeben mag, weil die Arbeit viel Spaß gemacht hat und sich gestern auch zeigte, dass sie hervorragend klingt! Eigentlich brauche ich für unsere langsam-schleppende Musik eine Snare mit 6" aufwärts, eher 8" Tiefe, aber dieses Baby hier klingt dank der Kupferreifen auch in mittlerer Stimmung gleich 1-2 Zoll tiefer, sehr wuchtiger Sound mit ungewöhlichen, nicht so grellen Obertönen (ich hatte sie allerdings gedämpft) - gefällt mir sehr gut.

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