"Restaurierung" Ludwig 1968

  • Hallo zusammen,


    ich lese schon bisschen mit und habe ziemlich viele Post über die Suche gefunden (und sonst auch im www) bin mir trotzdem - je mehr ich lese - immer unschlüssiger, welche Produkte ich zum putzen/ restaurieren meiner Kessel benutzen soll/kann um den ganzen Dreck runterzubekommen - damit es wieder glänzt..


    Zum corpus delicti hier mal ein paar Bilder:

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    Kurze Geschichte des Kits für Interessierte

    Grössen der Kessel sind:

    Beide Toms: 9" x 13"

    Standtom: 16" x 16"

    Bassdrum: 14" x 22"


    Stand & Bassdrum haben noch Stempel die gut lesbar sind, die Toms (eins innen weiss, das andere Natur) werden anhand der Seriennummer auf 1968 datiert


    Tom 1: 1968

    Tom 2: 1968

    Standtom: 1966-11-17

    Bassdrum: 1967-03-27


    Alles in allem finde ich, es sieht gar nicht all zu schlecht aus (Laienbeurteilung!) und ein paar Teile fehlen zwar (die finale Bestandsaufnahme steht noch aus, dazu muss ich noch auf dem elterlichen Dachboden nachschauen), z.B. 2 Flügelschrauben der Bassdrum.


    Dies ist der grösste Holzschaden, den ich bisher ausmachen konnte - und bei der anderen Tom ist der Lack etwas beschädigt:

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    Und jemand hatte wohl mal einen Nagel durch die BD getrieben (war schon bei Kauf so...). Sieht man schön unten rechts das Loch...

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    Bevor ich jetzt anfange es zu zerlegen - eine meiner ersten Fragen ist jetzt, mit was bekomme ich die Kessel wieder sauber ohne den Lack? zu beschädigen oder innen die weisse Farbe abzutragen. Schonende Grundreinigung mit Wasser & Spülmittel kommt mir sinnig vor, geht es dann aber ans polieren schwirrt mir schon der Kopf. Autopolitur wird empfohlen - da gibt es aber so unendlich viele verschiedene Produkte, dass ich doch gerne hier nachfrage. Ich weiss ja nicht mal aus was für einem Material die Perlmuttschicht ist :(


    1000 Dank fürs Lesen und für alle Tipps die reinkommen.

  • mc.mod

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Moin

    vielleicht hilft dir das weiter:


    Hier gibts auch einiges:

    °_° MAD


    Grüsse

    Blaukraut bleibt Blaukraut & Brautkleid breibt Blaubtkreid

  • Schon mal danke dani808, werde ich nachher durchlesen.


    Der Plan war, nach diesem Post schon mal damit anzufangen die Böckchen der ersten Tom abzuschrauben und einweichen zu lassen. Dumm nur, dass Werkzeug gefehlt hat. Also ab aufs Rad ins Büro, da liegen Nüsse rum... (Offenbach -> Frankfurt). Halb durch's Radrennen und Nüsse geholt. Kurz nach Start der Rückfahrt bricht die Hälfte des Lenkers ab???? - Habe ich jetzt auch noch nicht erlebt... :D Da musste ich erst mal im Park mit einem Bier überlegen wie ich würdevoll wieder nach Hause komme.


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    Das ist jetzt halbwegs geschafft, aber schrauben geht dann erst wieder Samstag.

    Ich habe mich auch schon damit abgefunden, dass sich das ganze Projekt bestimmt etwas ziehen wird. Erst mal will ich säubern, dann eine Einschätzung abholen was sonst noch zu tun ist (Muss was repariert werden, ist es nötig die Gratung neu zu machen, etc...) und dann: wie weit will ich mit Ersatzteilen gehen.

    Wird auf jeden Fall eine Reise. Deshalb für jede Tipps und jeden Schubs auf schon bestehende Threads dankbar...


    Leni freut sich auch schon:

    p2bSrCHm.jpg

  • Hoppla, gut dass dir nichts passiert ist. Einhändig geht ja auch so lange man nicht hart bremsen muss.


    Ich habe die Lugs eines Sets mal im Geschirrspüler gewaschen. Polieren muss man die dann zwar trotzdem, aber wenn sie recht versifft sind, spart das einige Arbeit.

    Federn und Gewindehülsen habe ich vorher entfernt und separat gereinigt (wenn nötig).


    Bei meinem Pearl President Set war wirklich viel zu tun, dass hat sich über Monate gezogen. Immer mal wieder ein bisschen halt.

    Andere machen das in drei Tagen.

    Blaukraut bleibt Blaukraut & Brautkleid breibt Blaubtkreid

  • Ich putze/poliere meine Vintage-Lugs mit diesem Dunlop Drum Polish-Zeugs und öle die Schrauben mit Fahrradkettenöl. Wenn das Zeug sehr dreckig ist, lege ich es vorher zusammen mit einem Streifen Alufolie in WD-40 ein.

  • Wenn das Zeug sehr dreckig ist, lege ich es vorher zusammen mit einem Streifen Alufolie in WD-40 ein.

    Was hat es mit der Alufolie auf sich?

    Hab mal in einem Drum-Forum oder in einem Restauration-Video auf YouTube aufgeschnappt, dass Alu irgendwie Rost binden kann. (Ähnlich wie diese Rostschreck-Teile für den Geschirrspüler...?) Ob‘s tatsächlich klappt, kann ich nicht beschwören - richtig verrostetes Zeug hatte ich eh nie.

  • Hi,


    ein sehr begehrenswertes Set hast Du da.


    Mit den verlinkten Dings sollte das zu bewerkstelligen sein(bevor ich jetzt noch "meine" Methode darbiete).


    Aber: "im Büro liegen noch ein paar Nüsse rum!"

    Diese werden, trotz guten Willens und Gewalt, nicht passen, da metrisch(das ist natürlich nur eine böse Unterstellung).

    Ohne Investition in eine beknackte Zollnuß, oder Pfuscherei(Zange) passt da zur Not eine bundesdeutsche Bitaufnahme.


    Liebe Grüße

    Dan

    Ich bin nicht intolerant, ich hasse jeden!

  • Oha, danke schon mal für die ganzen Tipps, und in der Tat habe ich noch keinen Gedanken an metrisch vs. imperial verschwendet.. Hab' testweise die Nüsse alle ausprobiert und ja, selbstverständlich passt keine - also erster Roadblock. Danke Dir Berliner , dann kann ich bis zum WE hoffentlich wenigstens was auftreiben. Gewalt bleibt aussen vor - ich brauch diesmal die Lösung mit System.


    Noch zum Set - und das traue ich mich beinahe nicht zu schreiben: Eigentlich war auch noch eine Snare dabei - die habe ich mit 16 dann mal verliehen und irgendwann war sie dann weg (s.o. Abteilung jung und dumm). Dieser Stachel sitzt heute noch tief..

  • Ich habe schon x Sets restauriert und vor Jahren ein exakt gleiches Ludwig wieder hergerichtet. Du wirst Zeit brauchen und die solltest du dir auch nehmen. Erst mal wird die komplette HW abgeschraubt. Die Ludwig-HW ist nun 56 Jahre alt und dürfte sich leicht stumpf anfühlen. Mit Chrompaste (z. B. Elsterglanz, kostet ein paar Euro) kriegst du die sicht- und spürbar wieder gut hin. Einreiben, leicht anziehen lassen und dann blank polieren. Eine nette Arbeit.


    Das Kesselinnere mit einem leicht feuchten Schwamm und Spülmittel säubern, nicht mehr. Die Perloid-Folie (das ist kein Lack) besteht aus Polycarbonat und hat zusätzlich zum Schmutz lichtbedingte Altersverfärbungen, die du nicht wegbekommst, was daher rührt, dass es zu der Zeit noch keinen UV-Schutz bei der Herstellung gab. Autopolitur oder Produkte mit Wachsanteilen aufzutragen bedeuten das Ende der Folie. Was aber sehr gut geht ist das Reinigen mit Ballistol-Öl. Außerdem verleiht es der Folie einen seidigen Glanz. Ich arbeite seit Jahren nur noch damit. Kauf dir im Baumarkt am besten das Fläschchen, kostet wenige Euro, ist sehr ergiebig, effektiv und lässt sich prima dosieren. Man braucht nicht viel davon. Riecht irgendwie auch nach Medizin, bisweilen ziehe ich Gummihandschuhe beim Auftragen an. Dazu noch eine gute Menge Tücher aus Stoff und Papier, Watte zur Endpolitur von HW und Folie, fertig ist die Restaurierung (nicht Restauration, die gehört in die geschichtspolitische Welt). Viel Erfolg.

  • Autopolitur oder Produkte mit Wachsanteilen aufzutragen bedeuten das Ende der Folie.

    Hallo Katschi

    Warum ist das so ? Und kann man das pauschal für Folien aus dieser Zeit sagen? Oder gilt das nur für Ludwig?

    Grüsse

    Blaukraut bleibt Blaukraut & Brautkleid breibt Blaubtkreid

  • Egal welchen Drum-Hersteller man aus der Ära nimmt, die Folien kamen fast alle von Delmar. Das Zeugs ist um die 60 Jahre alt, angegriffen, UV-vergilbt, manchmal uneben, manchmal rissig, gerne auch mit Fissuren usw. durchsetzt. Heute gängige Polituren sind in ihrer Zusammensetzung auf Autolacke konzipiert und optimiert und das würde ich mir zweimal überlegen, ob ich das auf eine sensible und betagte Folie draufklatsche. Wie die wohl darauf reagiert? Die Schleifpartikel sind zwar im Nanobereich, bleiben aber in jeder noch so kleinen Fissur odrr Unebenheit hängen. Und oft ist auch noch Carnaubawachs enthalten. Schützt den Autolack, aber garantiert nicht die alte Folie. Daher: so wenig wie möglich Reiniger mit chemischen Bestandteilen verwenden, da deren Wirkung irreparabel ist.

  • Ok. Danke für deine Einschätzung. Also Prinzip Vorsicht. Das ist ok.

    Es gibt auch Erfahrungsberichte gemäss denen gute Ergebnisse mit Politur aus dem Autobereich erzielt wurden. Ist sicher auch vom verwendeten Produkt abhängig.

    Blaukraut bleibt Blaukraut & Brautkleid breibt Blaubtkreid

  • Dankeschön wieder mal, es macht echt Spass das zu lesen und...


    Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt (o.ä) Ich fang' jetzt mal mit dem zerlegen des ersten Kessel an.


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    Schönen Feiertag euch allen...


    Edit: Hier sieht man gut die Discoloration (vulgo: Gilb, lol)

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    und eine Frage. Gibt es einen Trick den Stift vom Dämpfer abzuschrauben. Er scheint mir irgendwie gekontert. Bis zu einem gewissen Grad kann ich aufdrehen, dann ist aber irgendwann Schluss und es bewegt sich keinen Millimeter (oder no fractions of inches..)


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    Ich will es nur nicht mit Gewalt zerstören. Evtl. lasse ich es halt dran und putze es so... Wenn allerdings jemand sagen kann, ob und wie man das abschrauben kann, dann lasse ich mich gerne schulen.


    Vielen Dank und als Bonus die Katze:

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  • Danke, da ich jetzt weiss, dass das sich eigentlich rausdrehen lassen sollte, schau ich mir das Gewinde bei Licht noch mal genau an, ob da auch nichts gebogen/zerschnitten ist und versuche dann das Öl.

    Hast du zölliges Werkzeug

    Jetzt schon - das war ja der erste Dämpfer :D

  • Da ist eine Hutmutter am Ende des Gewindes. Und die gehört dort eigentlich gar nicht hin. Habe ich noch bei keinem Ludwig-Dämpfer gesehen. Entweder ist das einfach über die Zeit korrosionsbedingt festgebacken, oder irgendjemand hat eine Hutmutter montiert. Gehen wir mal davon aus, dass das die den hiesigen DIN-Norm Gewindesteigungswinkel hat, dann versteht sich, dass das mit dem amerikanischen Gewindesteigungswinkel nicht passen kann. Die Mutter hat sich dann ordentlich verhakt und das Gewinde ist im Eimer. Vielleicht hilft auch hier das Kriechöl.

  • Da ist eine Hutmutter am Ende des Gewindes.

    Ich glaube nicht, dass da eine Hutmutter ist. Die müsste auch einen wesentlich größeren Durchmesser haben. Vielleicht täusche ich mich allerdings auch mit meinen altersschwachen Augen, aber ich sehe da nur das Ende der Schraube.


    LG Ralf

  • Sehe auch keine Hutmutter, das ist einfach das Schraubenende. Zur Demontage kannst du auch das "U-Blech" des Dämpfers leicht Richtung Kesselwand drücken, sodass die zylindrische Mutter frei läuft. Das hilft und reicht meist schon zum Rausdrehen.


    Schönes Projekt. Die Katze freut sich bestimmt auch schon. :thumbup:

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