Guten Mittag,
die Frage ist, wo fängt es an und wo hört es auf.
Das beginnt schon bei der Frage "Vorbild".
Was soll das eigentlich sein? Will ich jemanden verehren und alles nachmachen?
Wer etwas nüchtern (!) an die Sache heran geht, wird feststellen, dass Vorbild nur punktuell Sinn macht. Deshalb versuche ich mir überall das heraus zu ziehen, was wirklich für mich förderlich ist. Und dann lasse ich aber das andere schön beiseite. Ich bin ja kein Abziehbild.
So viel zur Theorie.
Beim Thema "Drogen" ist auch die Frage, was das sein soll und dann auch noch "leistungssteigernd"?
Ist das das Ritalin, was die Kinder angeblich essen, damit sie in der Schule mitkommen, ist es der Traubenzucker, den der Prüfling zur Prüfung schluckt, ist es mein Kaffee am Morgen?
Oder sind es nur die "harten" Sachen oder das, was im BtMG (Betäubungsmittelgesetz) steht? Schon beim "Gras" ist ja gerade wieder fraglich, wo das hin gehören will.
Fakt ist, dass nahezu jedes Medikament und jeder Stoff irgendwo irgendetwas erreicht, mal so, mal so und wenn es wirkt, hat es auch Nebenwirkungen.
Zum Thema Doping sollte man aus dem Sport wissen: Ohne Übung läuft da auch nix.
Das Doping nutzen die nur, um auf das Siegertreppchen zu kommen. Um überhaupt mitmachen zu können, ist Übung das Entscheidende.
Wenn wir das übertragen auf unseren "Sport": wir machen zwar Musik, aber bewegen uns auch ein bisschen dabei. Wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir üben.
Einfach jeden Tag eine Packung Koks hilft da gar nichts. Sie hilft aber (leider) tatsächlich, wenn man mal drei Tage Rave machen will. Dass man dann vielleicht sechs Tage danach Bett hat, ist ein anderes Problem. Und dass sich der ein oder andere an solche Sachen dann gewöhnt und letztendlich elendig verreckt, ist dann noch mehr Problem oder vielleicht auch nicht, es stehen ja genügend Nachwuchsleute in der Schlage, um zu folgen.
Ich persönlich halte von dem ganzen Teufelszeug Abstand.
Mein Alkoholkonsum auf der Arbeit ist Null. Es gab da früher schon mal die ein oder andere Ausnahme, aber aus der Nachsicht finde ich das heute eher gruselig oder gar gefährlich. Wenn ich Musik mache, mache ich Musik und ich bin ja auch nicht beim Leistungssport und kann es mir daher leisten, nicht der Beste, sondern nur der Zweitbeste (na ja ...) zu sein, dafür dann aber das 27te Lebensjahr locker zu überleben und auch noch das ein oder andere mitzubekommen, was man zugedröhnt gar nicht bemerkt.
Es gibt bei "Vorbildern" (also bekannten Schlagzeugern) zwei Gründe für Drogen: einmal das Doping, weil sie sich im Hochleistungsbereich befinden und meinen, sie müssten alles geben (notfalls auch das Leben), und dann noch die Leute, die den falschen Beruf gewählt haben: wenn ich extremes Lampenfieber habe, das behandlungsbedürftig ist, sollte ich mir ernsthaft überlegen, ob ich auf die Bühne will (oder nicht doch lieber ins Studio oder den Zweitberuf). Ich habe selbst im Amateurbereich schon erlebt, dass da Leute sich "Mut" antrinken oder "Rescue"-Tropfen nehmen. Ich frage mich: was soll das? Gibt es keine anderen Hobbies?
Wenn man hier in Frankfurt mal durch das Bahnhofsviertel wandert, kann man schön sehen, was aus Menschen werden kann. Da haben wir alles. Und Manches davon will man nicht gesehen haben.
Aber auch unter Studenten habe ich schon die Folgen gesehen, nämlich bei der beliebten und umstrittenen Droge (ist die "hart" oder "zart"?) Cannabis: bei zwei Studenten habe ich erlebt, dass die regelmäßig konsumiert und nichts zu Ende gebracht haben. Immer schön locker-flockig dilletiert.
Bei Musikern habe ich auch schon übermäßigen Alkohol auf der Bühne erlebt. Wenn das Mutantrinken dann erst mal aus dem Ruder gelaufen ist, klingen die Töne wirklich interessant. Für mich war das abschreckend. Und ich will mit solchen Leuten nicht auf der Bühne stehen und vermeide das auch tunlichst.
Ich nehme mir die Leute zum Vorbild*, die zeigen, dass man auch nüchtern schöne Musik machen kann, vielleicht sogar schönere.
Grüße
Jürgen
*) Zumindest versuche ich das, man kann sich natürlich nie ganz sicher sein, dass nicht doch mal einer heimlich etwas getan hat.