Beware of Mr. Baker....a docu of Ginger Baker

  • Die Bezeichnung "komischer Kauz" trifft glaube ich mehr als treffend auf Herrn Baker zu.


    Trotzdem war er einer der ersten, der bei mir so richtig als Schlagzeuger so eine Art Initalzündung ausgelöst hatte. Anfang der Neunziger war ich gerade zwölf und habe mich endlich daheim durchgerungen ein (selbstfinanziertes) Schlagzeug zu spielen. Lars Ulrich und Matt Sorum waren meine Schlagzeuglehrer auf dem Walkman. Und dann höre ich zum ersten Mal bei Cream genau hin, was der da eigentlich gespielt hatte und war geflasht. Und bin es auch heute noch, was Sound, Timing und Spielweise von Ginger Baker angeht.

  • Man sieht bei Herrn Baker ja auch hinter die Maske . Er hat sein Ding durchgezogen und vor allem keine Gefangenen gemacht! Dafür muß er auch den Preis zahlen, logo!


    Klasse Doku.

    "Kaffee, schwarz?"

  • Man sieht bei Herrn Baker ja auch hinter die Maske . Er hat sein Ding durchgezogen und vor allem keine Gefangenen gemacht! Dafür muß er auch den Preis zahlen, logo!


    Klasse Doku.


    :thumbup: sehenswert

    "Ich weiß, das klingt alles nicht so einfach..."
    Fred Sinowatz

  • Ich habs mir auch angeschaut und fand es faszinierend. Mr. Baker ist mir als Person zwar eher unsympathisch, aber das tut musikhistorisch nix zur Sache. Seine Hauptaktivitäten waren in einer musikalisch sehr spannenden Zeit und er hat mit vielen interessanten Musikern gespielt. Auf lange Sicht hat sich dann aber herumgesprochen, dass es viel Ärger bedeuten kann, mit ihm zu arbeiten und dann war er erst mal raus. Die sog. weichen Faktoren spielen eben auch eine Rolle bei Entscheidung, wen man für einen Gig bucht oder in eine Band nimmt.

  • Die sog. weichen Faktoren spielen eben auch eine Rolle


    Ich würde eher postulieren: Sie spielen die entscheidende Rolle. Wer sich als handgreiflicher Unsymphat entpuppt, kann noch so gut trommeln wie er will - er fliegt schneller als erwartet aus einer Band raus. Oder die Band geht weg, Stück für Stück. Was Baker ja etliche Male erlebt hat (so wie andere komplizierte Musiker ja auch). Komisch nur, dass es Baker nie dazu bewogen hat, sich mal Gedanken darüber zu machen, woran es liegen könnte, dass alle seine Bands so schnell auseinander gefallen sind. Einsicht ist bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Die Abfahrt hierfür hat er Zeitlebens geschickt umfahren.


    Wer weiß, ob ein besserer Charakter bei ihm noch viel mehr tolle Sachen produziert hätte, an denen man sich heute noch erfreuen könnte. Vielleicht wäre Cream noch jahrelang erfolgreich gelaufen (dann hätte ich hier mehr Platten von denen als jetzt. :D). Vielleicht waren Projekte wie Cream aber auch nur deshalb so gut, gerade weil es dieses Aufeinanderprallen inkompatibler Charaktere gab. Gedankenspiele. Naja. Vielleicht sollte man einfach nur dankbar für die inspirierende Musik sein, die er und seine Mitmusiker geschaffen haben und sich nicht zu viel intensive Gedanken über den Rest machen. Könnte sonst Kopfschmerzen bereiten. :|

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

  • Zitat

    Komisch nur, dass es Baker nie dazu bewogen hat, sich mal Gedanken darüber zu machen


    Über ihn erlaube ich mir kein Urteil, aber Menschen, die landläufig als asozial bezeichnet werden, charakterisiert es ja gerade, dass sie sich selbst stets im Recht sehen und zu selbstkritischer Reflektion unfähig sind.

  • Elvin Jones hat ihn zumindest damals, Anfang der 70er, nicht ernst genommen, wie eine kurze Recherche offenbart. (Vielleicht hat sich das im Laufe der Zeit gewandelt. Keine Ahnung. Jones ist tot, kann nichts mehr dazu sagen, spätere Quellen schriftlicher Art sind mir nicht bekannt, die einen Wandel nahelegen würden) Ich zitiere aus "Elvin Jones' kinesthetic trip" [Life 6/1970]. Albert Goldmann, Time-Kritiker, hatte ihm diverse Platten vorgespielt um seine Meinung zum gegenwärtigen Rockdrumming zu hören.


    Zitat

    ...Curious to know what the partiarch of the new percussionsts [Elvin Jones] would think of his adoring progeny, I paid Jones a visit next day in his cheerful little flat on Manhattan's West Side. Sipping beer out of a jelly jar clinking with ice cubes, he listened with closed eyes and bent, perspiring forehead while I spun discs by the Who and Blind Faith and Santana. The Afro-Cuban rockers he dug, but mostly as musical wallpaper. Keit Moon's drumming during the "Underture" of Tommy produced appreciative comments: "See there, where the tempo started to die, how he picked it up! The man is a drummer. Everything they play, he contains it."
    Only Ginger Baker, of the now defunct Blind Faith, got the strong put-down. Raising his head after an ominously silent hearing of "Do What You Like," with its enormously long drum solo, Jones growled: "Nothing happenin'. Cat's got delusions of Grandeur with no grounds. They should make him an astronaut and lose his ass!"


    Bei einem Auftritt in einem Londoner Jazzclub soll Elvins sich nochmals über Baker geäußert haben.

    Zitat von Nick Deriso "45 Years Ago: Ginger Baker Faces Jazz Legend Elvin Jones in Furious Drum Battle"

    "Baker had better put his drums where his mouth is," Jones reportedly said during a performance at Ronnie Scott's, a prominent London jazz club.


    Jedenfalls machen die Aussagen von Jones, jene von Baker über seine eigenen Fähigkeiten höchst amüsant...


    Zitat von Nick Deriso

    "I do have a God-given gift that only a few drummers have – and it is a gift, it's not something you can work at," Baker once said. "Keith Moon? John Bonham? No, I wouldn't put them in the same frame. They were drummers, but they weren't in any way exceptional in my opinion."


    ...ebenso wie der Untertitel von Bakers Autobiografie. "The Autobiography of the World's Greatest Drummer" 8)

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

  • So, geschafft..... :)
    Die letzten paar Tage habe ich mir den Film etappenweise immer in der Mittagspause gegönnt, und heute bin ich schließlich bis zum Ende gekommen.


    Fazit:
    Sehenswert.
    Wieder was dazugelernt.
    Sympathisch ist mir der Herr nicht.
    Der Filmtitel passt wie die Faust aufs Auge. 8|
    Ich möchte nicht in seiner Haut stecken.
    Sein Drumming sehe ich nun unter anderen Gesichtspunkten.
    Ich sollte meine Cream-Platten und die Ginger Baker-Scheibe mal wieder rauskramen und auflegen.
    [Fazit Ende]


    Mir ist aufgefallen, dass er (zumindest im Film) das erste Mal so richtig freudig und gelöst war, als er mit Fela Kuti musiziert hat.
    Das war sehr schön anzusehen. :thumbup:


    Wer weiß, ob Ehefrau Nr. 4 seine letzte ist, und ob er nicht Südafrika auch irgendwann wieder verlassen wird.
    Die Zeit wird es zeigen.
    Ich wünsche ihm alles Gute.

  • Geile Doku, erinnert irgendwo an "searching for sugar man", nicht nur wegen Südafrika, sondern auch weil beide Musiker eine kurze Hochphase hatten und dann etwas verkürzt dargestellt, abgestürzt sind und im Nirvana der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind ... Jedenfalls war das für mich ein willkommener Anlass mir die "Blind Faith" herunter zu laden, ich bin einfach zu faul im Keller nach der ollen Kassette zu suchen :D und die läuft gerade im Auto rauf und runter ... "do what you want" scheint ein idealer playalong für das Üben von 5/4 zu sein, es nudeld (bis zu den Soli) so schön gleichförmig dahin ... ich war übrigens auch mal kurz auf seiner homepage: dort wird erwähnt, dass er immer noch das selbe Avedis SizzleRide und die selben Avedis Hats spielt, wie zu Cream - Zeiten ... bemerkenswert, wie ich finde, wenngleich böse Zungen nun behaupten könnten, dass er danach ohnehin nicht mehr soooo viel gespielt hat ...

    "e tudo isso, que é tanto, é pouco para o que eu quero" Fernando Pessoa

  • wenngleich böse Zungen nun behaupten könnten, dass er danach ohnehin nicht mehr soooo viel gespielt hat ...


    Hehehe, mich juckte es in den Fingern, genau das zu schreiben. ;) Aber lassen wir das.


    Ich frage mich ja ein wenig, warum Baker, wenn er denn unbedingt Jazzdrummer und nicht Rockdrummer sein wollte, nicht in den 60ern einfach in die USA gegangen ist, sich da in den diversen Jazzclubs in SF, CHI und NY versucht hätte, um Kontakt zu Roach, Jones, Blakey und Co. aufzubauen. Aber wielleicht auch ganz gut, dass er das nicht gemacht hat. Sonst wäre womöglich jeder Jazzclub in den USA nach spätestens zwei Jahren abgefackelt... so wie der Herr überall verbrannte Erde hinterlassen hat... :whistling:


    Warum sahen eigentlich seine Drumsets immer so versifft aus? Fand der das cool? ?(

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

  • Vielleicht muss man dabei auch einfach mal sehen, dass Coltrane und Jones die Nase um Jahre vorn hatten. Als in der Rockmusik Ende der 60er die Grenzen immer mehr aufgeweitet wurden, hatte Coltrane das schon längst genau bis zu diesem Punkt gebracht, an dem dann Hendrix, Clapton etc. ansetzten ... außerdem ist die lokale Szene, in der man sich bewegt schon ein "Standortvorteil", was hat sich zu der Zeit nicht alles in London zusammengefunden (außer: Black Sabbath, die wollte dort am Anfang ja keiner !) ... und dann ist da ja noch der finanzielle Aspekt: mit Rockmusik war richtig Geld zu verdienen, mit (Free-) Jazz wohl eher nicht ...

    "e tudo isso, que é tanto, é pouco para o que eu quero" Fernando Pessoa

  • Ja, aber viel oder wenig Knete, das spielt bei Ginger ja eigentlich keine Rolle, denn der war ja quasi immer abgebrannt. Da war es im Prinzip egal, ob man ihm 5 Pfund oder 5 Millionen Pfund in den Hintern steckt. Das wird bei ihm gleich schnell "entsorgt".

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

  • Ja, das fand ich auch krass, 5 Mio für das Cream - Revival für 24 Pferde und ein Anwesen in Südafrika verjubelt ... aber immerhin hat er es trotz seiner Junkie - Vergangenheit bis hierher geschafft ... Coltrane ist ja dann relativ schnell an den Folgen seines Heroinkonsums gestorben (auch wenn er nach der Konvertierung zum Islam soviel ich weiß "clean" war) ... überhaupt ist das ja eine Geschichte für sich, "die Musiker und die Drogen" ... wobei ich denke, dass abgesehen davon, dass Leute in diesen "elitären" Kreisen wahrscheinlich eher ungestrecktes Zeug bekommen, die Disziplin, die nötig ist ein Instrument auf diesem Niveau zu beherrschen, sehr hilfreich sein kann, auch einen Entzug durchzustehen (was ja bei Baker trotzdem lange gedauert hat ...)

    "e tudo isso, que é tanto, é pouco para o que eu quero" Fernando Pessoa

  • Und wenn man bedenkt, was Mr. Baker vom Cream-Publikum bzgl. der Musik und/oder seines Drummings hält: "Alles Idioten, die keine Ahnung haben."
    Na ja, diese Idioten haben ihm immerhin sein Leben finanziert.
    Und tun es noch immer.


    Würde er das DF kennen, er hätte wohl dieselbe Meinung von den Mitgliedern hier.


    In meinen Augen ist dieser Mensch insgesamt eher ein Psychopath als ein exzentrischer Egoist.
    Ich möchte nicht wissen, womit er sein Leben bestreiten würde, wäre er nicht musikalisch.
    :huh:

  • Ich möchte nicht wissen, womit er sein Leben bestreiten würde, wäre er nicht musikalisch.

    schöner Gedanke! das löst bei mir Bilder aus, großes Kopfkino ... :D eins wäre wohl nicht dabei: Polo! Denn dort kommt man in England wahrscheinlich nur mit dem nötigen Kleingeld als Grundvoraussetzung hin ...

    "e tudo isso, que é tanto, é pouco para o que eu quero" Fernando Pessoa

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