Making of: Seilgespannte Trommel Part1

  • Seit Jahren träume ich davon, eine seilgespannte Trommel, so was wie eine von Cooperman oder eine Basler, mit einem Korpus aus Holz zu bauen. Mit Blech und Carbon habe ich schon (gekauft), aber so eine optisch richtig traditionelle, die hat was. Leider werden die eher selten angeboten, und neu sind die mir einfach zu teuer.
    Dann hat jemand bei den Kleinanzeigen von ***y ein Keller- Ahorn- Kessel- Paket angeboten: 12“*12“ und 16“*16“, unbearbeitet. Und genau den brauche ich, also Kontakt aufgenommen, handelseinig geworden und Anfang des Jahres ein grosses Paket bekommen.
    Was brauche ich jetzt noch? Spannreifen, Seil, Strupfen (die Lederdinger zum Spannen) Saiten (also die Snares) und Strainer dafür. Ach ja, mit Fellen klingt die Trommel auch besser. Und so ein Luftloch sollte wohl auch noch rein.
    Seil ist echt so ne Sache… mit Kevlarkern oder ohne, weiss, schwarz, bunt, natur, mit eingespleisstem Auge oder ohne… meine Fresse! Und dann- wo kauft man das?
    Ich habe dann einfach drei Seile bestellt, eines aus Hanf mit Auge, eines aus „Polyhanf“, auch mit Auge und ein schwarzes mit Kevlarseele ohne. Dann kann ich das nachher entscheiden, welches ich nehme. Tendiere zu Hanfoptik.
    Wegen der Strupfen war ich bei einer Polsterei im Nachbarort. Die Lady dort meinte, da muss sie erst mal überlegen. Am nächsten Tag kam ein Anruf, ich sollte mal vorbeikommen. Teststück aus braunem Naturleder fertig, sieht richtig gut aus, preislich passt es auch.
    Felle… was nimmt man da? Optisch ist das für mich klar, irgendwas, das aussieht wie Haut, also entweder Fiberskyn oder Calftone. Ich hab mich an Cooperman orientiert und mich für das Powerstroke3 entschieden.
    Der Strainer und die Saiten haben mir echt auch Kopfzerbrechen gemacht. Mit Abhebung oder ohne, Chrom, schwarz, Messing, kaufen, selbst machen… stand kurz vorm Eigenbau, da bin ich auf schlichte Messing- Strainer und Buttend gestossen, für das Geld kann ich die nicht selbst bauen.
    Saiten und einen Adater dafür habe ich in Italien bestellt.
    Als Erstes dann mit dem 16“- Kessel in die Werkstatt, Gratung fräsen. 45° innen mit sehr leichtem Gegenschnitt. Kurz mit Schleifpapier drüber, mal gespannt, was da klanglich rauskommt. Bevor die Holzwürmer berechtigt schimpfen: Der Fräser war zentiert und abgedeckt, Das Foto ist mir erst später eingefallen


    ***Boss nüschd kost, daucht au nüschd!***

    Einmal editiert, zuletzt von ParadeDrummer () aus folgendem Grund: Die Überschrift trifft es eher

  • Snarebed muss auch gemacht werden; dafür hat st-drums eine Schablone online, Danke!
    Allerdings muss man dazu erst mal die Mitte finden, also aus den Fellkartons eine Vorlage gebaut: zwei Diagonalen zur Mittenfindung, Aussenradius von Kessel und Spannring abgetragen und dann eine 12er Teilung angerissen. Korpus draufstellen, gegenüberliegende Stellen anzeichnen, Schablone dran und los.
    Das Bohren der Spannreifen ist nicht so einfach, da die Löcher schräg verlaufen. Ich hab mir also eine Schablone aus Seekiefer- Sperrholz gebaut und die Ständerbohrmaschine besetzt. Allerdings habe ich den Winkel recht gut gemeint und habe den auf etwa 45° gemacht. Ob das nötig oder übertrieben, vielleicht sogar eher schlecht, wird sich rausstellen.
    Bei so einer Schräge verlaufen normale Bohrer, also den für die Langlochbohrmaschine reingemacht und angefangen. Man kann sich bei Schrägen auch täuschen… die erste Bohrung sass viel zu tief, die anderen habe ich dann korrigiert. Die Bohrung kommt dann eben nach „henge enge unne“, also nach hinten, innen, unten.
    Als nächstes habe ich mich an die Bohrungen für Strainer und Butt End gemacht. Wäre einfacher gewesen, das vor dem Snare Bed zu machen, ging aber auch so.



    ***Boss nüschd kost, daucht au nüschd!***

    Einmal editiert, zuletzt von ParadeDrummer ()

  • Die bestellten Spannreifen waren noch nicht gefräst, das muss auch noch passieren, und das „Snare Gate“, also die Aussparung im unteren Spannreifen für die Snares, fehlt auch noch.
    Dann schleifen. Fünf Schleifgänge bis hoch auf 240, dann die erste Schicht Öl. Hab im Netz einen Hinweis auf was Neues gefunden, bestellt und getestet. MANN, das feuert aber richtig an!
    Trocknen lassen, dann die nächste Schicht Öl drauf, schleifen (jo, im Öl), Überstand abnehmen, trocknen lassen, dann das ganze Spiel nochmal. Dann kommen noch drei Schichten Eigenmischung drauf, jeweils auch mit Schliff.





    Als nächstes wird dann
    Oberfläche fertig gemacht,
    Strainer, Butt End und Air Vent montiert und
    die Trommel eingeseilt, geschränkt und gestimmt.

    ***Boss nüschd kost, daucht au nüschd!***

    Einmal editiert, zuletzt von ParadeDrummer ()

  • Die Oberfläche... ein unendliches Thema. Drei Schichten von dem gekauften und zwei selbst angemischtes Öl mit Schiff, zwei Schichten fehlen noch. Innen habe ich "nur" eine Schicht meiner Mischung aufgebracht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.



    ***Boss nüschd kost, daucht au nüschd!***

  • Sehr cool! Ich habe zwar nichts mit seilgespannten oder Marschtrommeln am Hut, ausser dass ich die letzten drei Tage nichts anderes als "Tambouren & Pfyffer" (Trommler und Flöter) an der Basler Fasnacht gehört habe, doch das finde ich doch sehr spannend, da es mal vom Standard abweicht.


    Respekt und viel Erfolg! :-)

  • Die Trommel hat gestern die "letzte Ölung" erhalten. Damit sind es 8 Aufträge geworden. Am Wochenende will ich anfangen und montieren, dann gibts auch wieder Bilders 8o

    ***Boss nüschd kost, daucht au nüschd!***

  • Mal alle Teile, die an den Kessel geschraubt werden, hingelegt:



    das erste Teil montiert:



    die nächsten Teile montiert (Buttend und Strainer):



    und alles zum Einseilen zusammensteckt:



    Einseilen ist ein Scheiss-Job, aber die Trommel sieht langsam aus wie ne Trommel:


    ***Boss nüschd kost, daucht au nüschd!***

  • Ab mit dem Teil in den ebenfalls selbst gebauten Schränkbock:




    kräftig drehen, Seil spannen, Saiten montieren, fluchen, alles nochmal auseinander, weil man den Filzstreifen zum Dämmen vergessen hat, das Spiel von vorne...
    Irgendwann dann: FERTIG




    ***Boss nüschd kost, daucht au nüschd!***

  • erstens: Das Video harrt seiner noch, ich bin einfach kein Film- Heinz
    zweitens: Polyhanf ist Scheisse. Das Seil dehnt sich ohne Ende, also habe ich eine Alternative gesucht: "des Seilers hänfene Tochter" mit Kevlarseele. In Deutschland habe ich alle Seilereien und Seilhändler, die ich gefunden habe, angeschrieben, sowas fertigt hier niemand. Eine Seilerei in der Schweiz angeschrieben, die mich auf einen Kollegen verwiesen hat- und die stellen sowas her. War doppelt so teuer wie die drei Seile, die ich hier bestellt hatte (in Schwarz mit Kevlar- Kern, Polyhanf und Hanf), dafür hält das Seil die Spannung. Und wie!
    drittens: Die Sattlerin ist immer noch am Bandoulier dran, am Dienstag werde ich mir das Ganze mal in live ansehen.

    ***Boss nüschd kost, daucht au nüschd!***

  • Hi, Tom,


    mir ging es dabei um die Hanf- Optik. In Schwarz bekommt man das günstig auch in D (habe ich auch liegen), aber Hanf konnte mir niemand anbieten, nur die Jungs in der Schweiz

    ***Boss nüschd kost, daucht au nüschd!***

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