Bei den großen Symphonie Orchestern herrscht ein knochenharter Konkurrenzkampf. Da überlässt niemand dem Mitmusiker "aus Liebe zur Musik" freiwillig den Platz an der ersten Geige.
Gewalttätig wird's da nicht zugehen, aber der Druck ist hoch.
Bei den großen Symphonie Orchestern herrscht ein knochenharter Konkurrenzkampf. Da überlässt niemand dem Mitmusiker "aus Liebe zur Musik" freiwillig den Platz an der ersten Geige.
Gewalttätig wird's da nicht zugehen, aber der Druck ist hoch.
Konkurrenzkampf ist in der Branche da, klaro. Wo denn nicht? Nur das Bild im Film wirkt doch extrem überzeichnet. Finde ich jedenfalls. Es zeigt wirklich nirgends, warum jemand Musik machen will, warum es ihm wichtig ist, was er daran liebt. Es zeigt nur, "ich lasse mich gerne foltern".
Alles anzeigenDrum Bee: Erstmal danke für die Blumen und dafür, dass du meinen Kanal als Inspiration verlinkt hast. Das freut mich wirklich sehr!
Warum ich nicht mitgemacht habe? Ganz ehrlich: Weil ich genau diesen Struggle und die Selbstzweifel kenne, den viele hier beschreiben. Auch nach vielen Jahren mit Jazz sitze ich manchmal am Set und denke: Klingt das jetzt wirklich nach Jazz, oder eher nach einer Kopie Dieser Respekt ist für mich sehr real. Je mehr man sich mit dieser Musik beschäftigt, desto größer wird oft auch der Anspruch an sich selbst. Manchmal sitzt dann im Hinterkopf schon wieder die Jazz-Polizei, die auf jede MIni-Kleinigkeit achtet und plötzlich spielt man weniger frei, zu verkopft, als man eigentlich möchte. Gerade bei einem Playalong ist diese Gefahr wahnsinnig hoch, da das interaktive Element der Mitmusiker fehlt.
MoM Jovi : Das Zitat von Todd Sucherman unterschreibe ich. Swing ist nun mal i unserer Drummer-DNA. Aber genau dieses Gefühl, von dem Matzdrums bei Jimmy Cobb spricht, dieser eine Schlag zur richtigen Zeit, das ist eben etwas, das man nicht erzwingen kann.
Ich glaube, wir sitzen da alle im selben Boot: Wir versuchen, eine Musik zu verstehen und vielleicht ist genau das auch der schöne Teil daran, dass man sich in dieser Musik immer als Lernender fühlt.
Für mich ist Jazz jedenfalls ein lebenslanger Prozess des Hörens, Lernens, Verstehens und Suchens. Genau deshalb finde ich es auch stark, dass sich hier so viele an der Challenge beteiligt haben. Wie ich bereits sagte: Das erfordert Mut.
Da hake ich mal bei dem Absatz "Struggle und Selbstzweifel" ein: Mein "Problem" ist da bei zum bsp. so einer Challenge (so toll ich die Initiative und Aktion trotzdem finde) und auch die Diskussion zu dem Whiplash Film (den ich auch total cool finde) folgendes: Am Ende geht's denke ich mal auch 99% der Zuhörer nicht um die Frage wer sitzt da an einem Instrument und ist vermeintlich "besser". Und der "Kunde" entscheidet am Ende, was ihn mitnimmt und was nicht.
Du sitzt ja am Ende nicht in der HR-Big-Band hinterm Schlagzeug, weil Du da 100 andere "ausgestochen" oder weggeboxt hast. Am Ende ist doch die Frage: Hast Du was zu sagen oder besser zu erzählen? Und dabei entscheidet aus meiner Sicht soviel mehr an Kontext, der einfach auch verdammt schwer zu fassen ist. Was bist Du für ein Mensch, woher kommst Du, welche Erfahrungen hast Du gemacht, wie passig bist Du in einer Gruppe, wie gehst Du Dein Handwerk an, was ist Dir wichtig oder weniger wichtig ?....das alles zahlt auf das Ergebnis und auf den Kontext ein in dem Du Musik machst.
Keiner nimmt Kenntnis von Einem Warhol oder Picasso, weil seine Kunst kontextfrei an der Wand hängt...
Da kannst Du in einem Film/Video/Aufnahme noch 100mal die Kuh fliegen lassen und doch nichts zu sagen haben. Es ist vllt mittlerweile die viel größere Herausforderung aus der Masse all der technische Finesse (die ich auch total bewundere) das gewisse Etwas zu finden (was auch immer das ist, aber schneller, höher, weiter ist es eindeutig nicht ;-). Dabei ist der ganze Peerdruck eigentlich nur hinderlich, sich selbst zu finden und führt am Ende eher unwahrscheinlich zu etwas, was man dann selbst mit "Erfolg" assoziiert...
Na klar, ist halt Hollywood, da muss es dramatisch zugehen... 😉
#102
Whiplash ist ein cooler Film, ich finde es toll dass er dem Instrument und dem Genre eine so große Bühne bietet - aber im großen und Ganzen ist er absolut nicht realitätsnah und komplett überladen von Klischees.
Weder bei den vermittelten Idealen (schnell = gut - „Show me your double time swing“) noch bei der Art und Weise, in der dort geprobt wird. Aber das durchschnittliche Jazz-Studium kannste natürlich nicht ansatzweise spektakulär verfilmen. Wenn ich an meins zurückdenke würde der durchschnittliche Zuschauer vermutlich nach drei Minuten einschlafen.
Eine sehr tolle Analyse bietet Adam Neely, seinerseits studierter Jazzmusiker:
Und wenn ihr auf eine realitätsnahe Perspektive in Bezug auf Jazz und Beruf schauen wollt, empfehle ich euch diese beiden Dokus:
Der Preis der Anna-Lena Schnabel
Leider nur noch auf Vimeo:
Gegen den Beat - Christian Lillinger und die Jazz Baltica
Moin
Ich habe mit dem Genre mal so gar nix am Hut, ihr schweift aber gerade in Landes- bzw. Kulturmentalität ab ![]()
Den besagten Film habe ich nur auszugsweise gesehen, finde aber die Mischung aus Film- und Musikindustrie (bedingt) interessant.
Der Film suggeriert "für mich" ein Verhalten welches man eher aus dem "nicht westlichen" Teil der Welt kennt oder erahnt, ... wo auch immer man gerade auf dem Planet steht ![]()
Das es Menschen/ Kinder gibt die so einiges mit sich machen lassen, ist wohl nichts ungewöhnliches, das ist dann aber der eigene Ehrgeiz (meistens).
In dem Film verschwimmt das sehr durch sagen wir mal, pädagogische Fehltritte gepaart mit Hass beider Seiten.
Wenn dann aber, vorwiegend im Asiatischen Raum, Kinder mit 5-6 Jahren aus dem Keller gelassen werden und "ALLES" rauf und runter spielen können, finde ich das besorgniserregend oder spooky
Balett/ Tanz wurde ja schon angekratzt, im Sport wird das ja noch deutlicher und dringt gelegentlich auch an die Öffentlichkeit. Und wir machen ja auch sowas wie "Sport" ![]()
Und da kommt dann wieder Land, Kultur, Mentalität, etc. in's Spiel.
Hier im "Westen" muss man Üben, sonst ist man raus. Bei den Anderen kommt man nicht raus und muss Üben ![]()
Ist schon verrückt die Welt ...
Na klar, ist halt Hollywood, da muss es dramatisch zugehen... 😉
#102
Eben. Und wenn ein realistischer, dokumentarischer Film geschaffen worden wäre, wäre keiner ins Kino gegangen, keiner würde einen Oscar bekommen, keiner würde Millionen verdienen.
Für die Amis ist Show das A und O, egal, ob Musik, Sport, Film. Das darf man einfach nicht vergessen und in diesem kulturellen Kontext muss man solche Filme sehen und analysieren.
Wie sehr dort alles dem Faktor Show untergeordnet wird ist mir auch erst bewusst geworden, als ich mehrfach die Staaten bereist hatte. Und da war es egal, ob du in Kalifornien, New York, Florida oder sonstwo bist. Selbst die Elite Unis, wie Stanford, Columbia, Berkeley usw. waren und sind durchtränkt von "Greatest show on earth"-Psychologie und Kommerz. Und auch die Jazzclubs in News York ordnen inzwischen alles dem Show und Kommerz-Faktor unter. Blue Note und Village Vanguard leben von Mythenbildung, Verherrlichung, Marketing und austarierten Shows zwecks Gewinnmaximierung. Zwei Sets pro Abend, strikte Zeitvorgaben, genaue Showvorgaben, was wann gesagt wird, geschieht, strikte "Verzehrregeln" für Besucher, strikte Zeiten für Ein- und Auslass. Das ist reine UnterhaltungsINDUSTRIE inzwischen.
Alles anzeigen. Bei klassischen Orchestern ist es zumindest so wie in dem Film
Wage ich zu bezweifeln. Pardon, ich glaube da einem Peter Erskine mehr als dir. Der spielt ja nun seit Jahrzehnten in allen möglichen Orchestern und schult auch junge Drummer.
Ich habe auch in allen Jazz-Workshops (auch mit Big Band) nie erlebt, dass ein Musik-Prof dermaßen Scheisse agiert. Ganz im Gegenteil. Da wurde positiv motiviert und Konkurrenz gefördert und nicht drangsaliert. Und wenn jemand was nicht gepackt hat, wurde ihm eine andere Rolle zugeteilt, wo er sicher war und sich wohl fühlte und weiterentwickeln konnte und eben nicht gequält wurde. "Du musst das jetzt aber hinkriegen!!!!"
Sicher, es gibt harte Konkurrenz aber der Film ist überzeichnet. Hollywood eben.
ZitatWas in dem Film abgeht, erinnert mich mehr an die gute alte russische Schule im klassischen Bereich.
Mich erinnert es an Full Metal Jacket. Private Schneewittchen....
Tja, frage mal Musikstudierende oder Profimusiker, die erst wenige Jahre im Orchester spielen.
Also, die, die ich kenne und mit denen in in Workshops und auch abseits davon zusammen über die Jahre hinweg werkelte, ob Piano, Bass, Sax, Trompete oder Gesang, fanden den Film alle zwar unterhaltsam, aber weitgehend fern der zumindest hiesigen Realität. Soweit aber auch nur meine persönlichen Erfahrungen bzw. Rückmeldungen. In der Bigband der Hamburger Polizei und bei der NDR Bigband z.B. sei sowas jedenfalls nicht präsent, und auch nicht denkbar, was im Film kolportiert wird. Wenn du da andere Erfahrungen gemacht haben solltest, so be it. In meinem Umfeld ist jedenfalls der Film als stark überzeichnet eingeordnet/abgetan worden.
Ich habe mit Musikstudierenden und Profimusikern im Orchesterbetrieb (wo es also für jede Position Konkurrenz gibt) gesprochen. Dort wurde der starke Druck bestätigt.
Im Bandkontext ist das sicher anders.
Ich glaube, wir reden gerade aneinander vorbei. Niemand bezweifelt, dass es Druck gibt im Profigeschäft. Das ist völlig normal. Es wird natürlich erwartet, dass du pünktlich bist, vorbereitet und sauber abliefert. Klar. Aber dieser sadistische Kasernenumgang, die psychische Abwertung, dieses toxische, mobbinghafte Gebaren, das im Film dominiert, das ist eben nicht usus, wie vom Film suggeriert. Und falls ein Orchesterchef das eine Weile praktizieren sollte, naja, der Gang zum Arbeitsgericht ist nicht weit, die Entlassung eines Soziopathen und Narzissten nicht wirklich schwer.
Und falls ein Orchesterchef das eine Weile praktizieren sollte, naja, der Gang zum Arbeitsgericht ist nicht weit, die Entlassung eines Soziopathen und Narzissten nicht wirklich schwer.
Genau das passiert ja mit Fletcher in dem Film auch. Er wird entlassen.
Und sich die Hände blutig zu üben ist auch Blödsinn.
Dass man von langen und verschwitzten Gigs mehrere Tage direkt hintereinander mal Blasen hat kenne ich auch.
Die Wahrscheinlichkeit dafür sinkt aber deutlich, je geübter man da ist und entsprechend mehr Hornhaut hat.
Einfach mal den Begriff googeln, da bekommt man schon einige Treffer, teilweise zu jahrelang herrschenden Missständen.
Das sind aber - mit Verlaub - Einzelfälle und die Mehrzahl dieser medial bekannten Fälle bezogen sich auf sexuelle Übergriffe meines Wissens. Der Film hingegen suggeriert, dass sadistisches Fehlverhalten "normaler Orchesterbetrieb" sei (obgleich der Typ am Ende rausgeworfen wird). Und das finde ich einfach nicht passend. 🤷🏼♂️
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