Ja, das war doch eine schöne Sache! Charly Antolini und Benny Greb haben mir insgesamt musikalisch am besten gefallen. Bei Benny beeindruckt einen immer wieder die musikalische Sicherheit und der Druck beim spielen! Vom technischen Aspekt mal ganz zu schweigen. Wirklich Weltklasse!
Was ich/wir allerdings mit gemischten Gefühlen betrachtet haben, war der Einsatz von Elektronik an dem Abend. Irgendwie war das nicht so das Gelbe vom Ei. Die von Carola Grey scheinbar wahllos ins Spiel eingestreuten Roland-Werkssounds konnten mich überhaupt nicht überzeugen. Das klang irgendwie lieblos und uninspiriert. Es war auch nur schwer verständlich, warum der absolut toll klingende indische Teil in ihrer Performance nicht einen größeren Stellenwert hatte.
Das gleiche galt für Phil Maturano, der zwar sehr schlüssig die Zählweise in afro-kubanischer Musik erläutert, und sich als wahrer Fachmann in diesem Gebiet präsentiert hat, im Solo dann aber wieder übelst "westlich" über seine Claven geballert hat. Der Grooveteil in seiner Performance klang allerdings beindruckend authentisch, hätte aber noch größer sein können.
Was mit dem Massimo Pacciani los war, ist uns ein Rätsel. Offenbar als Le-Soprano-Pflichttrommler engagiert und von Alex Mühlbauer als Multiinstrumentalist gepriesen, verhaspelte er sich derart beim Spiel über seine (ziemlich langweiligen) Laptop-Songs, dass es wirklich keine rechte Freude gemacht hat, zuzuhören. Schwere Timingfehler, Unsicherheiten im Ablauf und auch technische Unsicherheiten brachten selbst die unerfahreneren unter den Zuhörern dazu, verwundert den Kopf zu schütteln. Keine Ahnung, was da los war...
Derek Roddy ist wohl einer der Aufsteiger momentan und beeindruckt mit präzisem Metaldrumming, kann aber ordentlich grooven und scheint seine Marktlücke genau in dieser Mischung gefunden zu haben. Da ich aber eine kleine Ohrenpause brauchte, habe ich den Großteil seiner Performance nur von aussen mitbekommen. Da können andere sicher mehr zu schreiben.
Fehlt noch Akira Jimbo, der eine ziemlich perfekte Vorstellung geboten hat. Trotzdem ist mir die Kombination aus trommeln und seinen E-Sounds ziemlich auf den Geist gegangen. Das ist seine Nische und es ist beeindruckend, wie flüssig der das macht, aber musikalisch ist das reichlich anstrengend. Und es entwickelt seinen Reiz auch nur durch den Showcharakter, denn wer will schon Smoke on the water mit "Casio-unterm-Weihnachtsbaum"-Sounds als Konserve hören. Generell stört mich bei den Drummerdarbietungen heutzutage oft, dass man nicht mehr recht unterscheiden kann, ob etwas wirklich mit künstlerischem Ansatz entstanden ist, oder nur Teil einer E-Drums-Marketingkampgne ist. Jedenfalls hat Akira Jimbo in seinem (E-Sound freien) Solo einige wirklich sehr fette Grooves gespielt und gezeigt, was so alles in ihm steckt. Das war sehr gut!
Jedenfalls war das ein sehr schöner Trommel- und Equipment-Tag und ich habe viele nette Leute und Kollegen getroffen, ein langes Gespräch mit Benny Greb gehabt und überhaupt war alles sehr gut organisiert.
lieber Gruß
Max