ACTA Demos ... sind gelaufen, die Diskussion hält an ... und das ist gut so ...

  • Da wir beide keine Glaskugel besitzen...Ich habe lediglich gehört, dass da jetzt etwas passieren soll und das unterstütze ich prinzipiell. Hier jetzt über die Zukunft im Detail zu spekulieren macht für mich keinen Sinn.

  • Ich hätte dann auch einen Lösungsvorschlag: das Internet (in der jetzigen Form) kommt weg und wird umstrukturiert in eine einseitige
    Informationsplattform. Das Einbringen von Inhalten ist dem durchschnittlichen Benutzer nicht mehr möglich; stattdessen werden streng reglementierte
    Lizenzen ausgestellt, die es einigen wenigen Fachleuten ermöglichen, ihr Wissen kund zu tun. Besagte Fachleute sowie deren Beitrag werden durch entsprechende
    Gremien geprüft. (Modell für diesen Vorschlag stand übrigens die Online-Ausgabe der Stanford Encyclopedia of Philosophy.)
    Damit wäre nicht nur das Problem gelöst, dass aufgrund fehlender Ahndungsmöglichkeiten alles "up for grabs" ist, sondern auch ein ähnlich großes Problem, was mir
    schon seit jahren regelmäßig tierisch auf die Nüsse geht:
    Unreflektiertes Geltungsbewusstsein.
    Die schiere Möglichkeit, sich irgendwo einzubringen, wird zunehmend - und zunehmend lächerlicher - ausgenutzt; die - idealisierte - Reihenfolge
    "Ich hab was einzubringen, jetzt brauche ich dafür eine Plattform" ist verkommen zu "Ich hab 'ne Plattform, jetzt brauche ich was zum einbringen".
    Dieser Thread ist ein selten geniales Beispiel dafür.
    Eine gewisse Anonymität sowie Zeitverzögerung begünstigt auch das komplette Ignorieren von Gegenargumenten, welches bei vis-a-vis-Diskussionen einfach nicht
    möglich ist.
    So kann man zum Beispiel auch einfach mehrfach(!) unter den Tisch fallen lassen, dass man genau weiß, dass man früher eben nicht mal eben ~80 Kassetten - die sehr wohlwollend gerechnete Entsprechung von 16GB Musik - in unter einer Stunde hat kopieren können. Dazu sei gesagt, das 16GB gemessen an der Realität verdammt wenig ist. Mir fallen aus dem Stehgreif mindestens eine Hand voll Leute ein, die mich nach einer Viertel- bis Stunde Fahrzeit mit jeweils circa 300GB Musik, Filmen und Serien versorgen könnten.
    Ich hab dir das ja vor 15 Seiten schonmal versucht, zu erklären, Psycho, als Antwort hast du dann geschrieben, wie geil damals schon dein Tapedeck war, oder irgendsowas.
    Deswegen mach ich das wie Cato, der Ältere, bis du mal vernünftig Stellung nimmst.
    "Im Übrigen bin ich der Meinung, dass du, Psycho, damals keine 80 Musikkassetten in unter einer Stunde kopiert hast."


    PS: Der Vorschlag oben ist frei von Sarkasmus, Ironie o.ä. und ist von mir tatsächlich ernst gemeint. Nur, falls es Zweifel gibt.

    ...mh.

  • es ist nicht zynisch gemeint, sonder rein analystisch. genau hinter diesem "alle" versteckt sich der Kulturwandel, der es (für mich) unmöglich macht, noch daran zu glauben, dass die Moral und Ethik hier jetzt wieder Oberhand gewinnen, weil ein paar Musiker sich das wünschen


    Ach was. Der Zustand ist so,
    -weil es so einfach ist, sich den Kram zu beschaffen
    -weil es so verniedlicht wird, es sei keine grosse Sache (wie hier im thread schon zigfach Geschehen)
    -weil die grossen Profiteure dieses Zustandes erfolgteich Propaganda im Netz machen und die meisten Leute nicht merken, wie sie sich vor deren Geschäftskarren spannen lassen


    Und von wegen "ein paar Musiker".
    Unter den professionellen Musikern ist es die Mehrzahl und was die ganzen Leute da draussen überhaupt nicht ckechen ist, das schon heute ganz viele Dinge NICHT MEHR stattfinden aufgrund ihres Verhaltens.
    Gleichzeitig wird sich aber über diesen ganzen TV Casting Show Mist beschwert, der übrigens ein Produkt dieser Entwicklung ist. Das ist nämlich risikoloses Geld verdienen, weil man aufgrund der Downloadentwicklung nicht mehr in unbekannte Musiker, neue Bands investieren will - übrigens nicht nur die grossen 3 (mehr Majors gibt es ja eigentlich nicht mehr) wollen das nicht mehr so recht, auch die kleinen und Indielabels können/wollen nicht mehr viel machen.
    Noch vor 10 Jahren gab es auch für Indies Vorschüsse, Produktionsbudgets, Promobudgets. Das ist heute grösstenteils alles futsch. Das Internet leistet im Gegenzug als Promoplattform recht wenig.
    Bei den ganzen grossen die böse MI Laabertaschen schlage ich ja auch immer mal vor, ihre itunes Library zu sichten, was an echten Indieproduktionen oder noch besser, über das Internet entdeckte bzw. bekannt gewordene Acts dabei ist.
    Das krasse ist dann, das 99% der in der Library befindlichen Musik über ganz traditionelle Wege entstanden ist, sei es über Major Labels oder Indie/kleine Labels und nix von wegen extravagante Bibliothek mit völlig auf Selbstvertrieb und Selbstpromo ÜBER DAS INTERNET vertreibende und wirkende Musiker.

  • Hi Folks,


    ich bin ja nur noch selten hier, aber das ist doch mal ein lohnender Thread. Ich möchte als meinen Beitrag einfach mal meine persönliche Situation schildern, und die Fragen die sich daraus für mich ergeben, auch bezgl. Möglicher Lösungen (Grundeinkommen z.B.).


    Der Grundkonflikt zwischen Leuten wie Psycho und Musikern, wie Didi und mir ist so anscheinend kaum zu lösen. Ich gehe mit Psychos Feststellung, das Märkte sich schon immer geändert haben konform, aber das ein nachgefragtes Produkt unverhohlen für Umsonst eingefordert wird ist dann doch mal was grundlegend neues. Auch wenn es momentan de facto so ist, das sich Urheberrechtsverletzungen nicht unterbinden lassen und in den meisten Fällen nicht verfolgt werden können, kann das nicht die letzte Lösung sein.


    Ich möchte aus meinem Leben mal zwei Beispiele herausgreifen:


    Zum einen gibt es eine meiner Bands, die in den letzten 10 Jahren durch den Verkauf der CDs bei Auftritten ihr komplettes „Backoffice“ finanziert. Aus den Verkäufen konnte also die CD-Produkton bezahlt werden, Rücklagen für eine neue CD, Internetkosten, Porto, Plakate, Flyer, sogar die Dienstkleidung oder Aushilfen wurden daraus bezahlt. Somit konnten wir uns unsere Gagen immer komplett auszahlen und mussten außer nach der Bandgründung keinerlei weitere Investitionen tätigen. Dieses Verfahren wird zunehmend schwieriger. Natürlich werden die Sachen auch zum Download angeboten, aber der Umsatz, bzw. Erlös pro Titel ist einfach dramatisch niedriger als bei einer verkauften CD. Von den digitalen Kopien für die es dann gar keinen Erlös mehr gibt ganz zu schweigen. Das führt dann dazu, das man die eh schon schlechter werdenden Gagen eben nicht mehr ganz auszahlen kann sondern etwas zur Seite legen muss. Die Kosten auf die Gagen aufschlagen und so auf die Veranstalter abwälzen kann man völlig knicken. Selbst bei Veranstaltungen für Vorstände in der Automobilindustrie ist man durchaus mal mit einem Budget von 1000 Euro für die Band incl. Fahrtkosten konfrontiert. Ob man dann als Trio oder zu sechst kommt ist denen egal.


    Hier ist also schonmal eine deutlicher Verschlechterung der Einkommenssituation zu spüren. Bei gleicher Nachfrage und Qualität des Produktes.


    Anderes Beispiel:
    Mein Onlineshop mit Schlagzeuglehrvideos. Ich hatte lange Zeit das Glück, daß meine Zielgruppe Anfänger bzw. Wiedereinsteiger von Anfang 40 bis Mitte 60 waren. Also eher Menschen die nicht gleich alles in irgendeiner Tauschbörse hochladen. Ich konnte auch lange Zeit meine Lektionen bzw. den Inhalt meiner DVDs nicht in irgendwelchen Tauschbörsen finden. Die Umsätze waren lange Zeit sehr gut. Das Portal wurde die wichtigste Einnahmequelle und es gab sogar den ein oder anderen Monat, da hätte ich davon alleine leben können. Leider hat sich das geändert. Die DVDs gibt’s nun in diversen Börsen und die Umsätze sprechen hier eine deutliche Sprache. Irgendeine Form von Kopierschutz einzusetzen ist völlig sinnlos, genauso wie auf Streaming umzusatteln. Alles lässt sich knacken bzw. aufnehmen. Machen kann ich dagegen nichts. Ich kann nichtmal die freundlichen Herrschaften ausfindig machen, die die Sachen hochgeladen haben, da das Persönlichkeitsrecht beziehungsweise das Recht auf Datenschutz meist höher bewertet wird, und ich nicht mal vor Gericht die Chance habe diese Daten zu bekommen.
    Auch das verschlechtert meine Einkommenssituation gewaltig. Obwohl der Inhalt gut ist, das Produkt ja offensichtlich nachgefragt wird und obwohl die Reklamations- bzw. Rücksendequote seit dem Start 2007 praktisch Null ist. (2 Kunden haben bisher was zurück geschickt...) Auch das verschlechtert meine Einkommenssituation und auch meine Lebensqualität, weil ich dann trotz voller Arbeitsauslastung mit im Schnitt 80-90 Std. die Woche überlegen kann wie ich denn den Kindergarten für meinen Sohn bezahlen soll wenn es so weit ist...
    Jetzt würde mich dann mal interessieren wie das mit dem Grundeinkommen aussehen sollte. Hätte ich da Anspruch drauf? Weil ich schaffe ja nicht direkt Kultur mit den Videos, sondern biete Anleitung zum Kulturschaffen. Wenn ich keinen Anspruch hätte, warum nicht? Wäre mein Urheberrecht dann weniger Wert als das des komponierenden Musikers?


    Wenn ich aber Anspruch hätte, würde das reichen um meinem Sohn den Kindergarten zu bezahlen und meine Familie zu ernähren? Müsste ich andere Einkommensarten anrechnen? Oder müsste ich dann meinen echten Unterricht auch umsonst anbieten?


    Da fällt mir ein: Welches Grundeinkommen wäre denn angemessen für Musiker wie Miles Davis? 1500 Euro? 150 Euro? 15000 Euro im Monat?


    Bekäme jeder Vollidiot der nix kann, aber auch Videos dreht das gleiche Einkommen wie ich?
    Wer definiert Kultur? Und woher kommt der Optimismus, das jeder bereitwillig eine solche Abgabe zahlen würde?


    Aber was mich wirklich interessieren würde bei den Kulturgrundeinkommensbefürwortern:
    Wer bezahlt die Produktionskosten für CDs, Aufnahmen etc.? Dafür ist das Einkommen ja nicht gedacht. Müsste dann der Grafiker nicht dem kulturschaffenden Künstler seine Leistung ebenfalls kostenfrei anbieten? Oder müsste das Tonstudio dann nicht auch umsonst arbeiten? Müsste Canon mir die Kameras für den Videodreh nicht kostenlos zur Verfügung stellen? Wird ja zum Schaffen von Kultur verwendet....


    Zu einer Bank brauche ich jedenfalls nicht gehen und nach Kredit fragen. Denn da das zu finanzierende Produkt dann per Definition keinerlei Umsätze mehr erwirtschaftet, kann ich den ja nie zurückzahlen. Der Weg wäre dann auch versperrt. Oder müsste ich die Produktionskosten dann beim Staat beantragen, um Gelder aus der Kulturpauschale zu erhalten?


    Ihr seht schon, Fragen über Fragen....


    Müssen Maler in Zukunft Ihre Bilder kostenlos ausstellen? Hmmm.....



    Und wenn ich hier lese „Kulturwandel weil Technik nun nunmal so ist blabla...“ Man kann auch ohne Führerschein Auto fahren. Die Technik lässt das zu. Ist ganz einfach. Wenn wir uns nun alle dazu entschließen einfach Auto zu fahren und auf die Regeln zu pfeifen, sagen wir dann auch „Kulturwandel“ ? (Die paar Tausend Verkehrstoten mehr fallenbei 80 Mio Einwohnern ja nicht so ins Gewicht....)


    Jedenfalls ist außer bei Musikern noch niemand auf die Idee gekommen, das der komplette Berufsstand sein Produkt kostenfrei zur Verfügung zu stellen hat!


    In diesem Sinne....


    Prost!

  • Danke Xian,
    Du hast das absolut treffend und greifbar dargelegt - So sieht es nämlich aus und deckt sich mit meiner Lebenssituation, wo ich auch genauso konkret an Geschichten aus den letzten 10 Jahren darlegen kann, wie sich das verhält.
    Nur um mal auch ein Beispiel zu nennen, was aus meinem Leben stammt.
    2006 habe ich z.B. noch Beats für Curse geschrieben, einer davon wurde sogar noch veröffentlicht. Dahinter steckte ein Haufen Arbeit. Es waren so 4 oder 5 Beats. Der eine, der dann gepickt wurde wurde nochmals mehrere Tage bearbeitet, bis er reif zur Veröffentlichung war.
    Die Umsätze waren...sagen wir es mal nicht zu negativ -überschaubar.
    Der besagte veröffentlichte Song war ein Feature mit Dendemann. Ca. 1 Jahr später war ich auf einem Dendemann Gig, zu dem auch Curse als Gast kam und sie spielen live diesen Song. Ich schaute mich im Publikum um und siehe da, sehr sehr viele kannten den Song und rappten den Text mit. Schienen wohl mehr oder weniger ALLE in diesem Konzertsaal zu sein, die damals die Single gekauft haben... (Zynismus aus).
    Im gleichen Jahr fragte mich Curse, ob ich nicht für sein kommendes Album wieder Beats beisteuern wollte - was soll ich sagen? Ich hab überlegt, wie viel Arbeit ich investiert habe, habe mir angesehen, was ich dafür bekommen habe und habe... keine beats mehr gemacht. Und im tiefsten Innern hab ich mir gedacht, ich mag keine Musik mehr für Leute machen, die sich das alles einfach nur saugen. Dann soll es diese Songs einfach gar nicht mehr geben. Das war sogar letztendlich der Hauptausschlag für meine "Verweigerung", gar nicht so sehr die viele Arbeit bei geringem Lohn. So lebt man als Musiker oft genug und arrangiert sich immer wieder irgendwie damit.
    Und es gibt in meiner Schublade ein komplettes Repertoire für eine "Solo"-CD von mir. Songs die ich über Jahre geschrieben habe, die ich aber einfach nicht mehr rausbringe.
    Genauso gibt es aktuell alleine 2 Bands, in denen ich spiele, die aufgrund der Marktsituation eine mögliche CD nicht mehr machen. Denn wer will schon seine hart verdiente Livegage oder Unterrichtshonorare einszu eins wieder in CD Produktionen stecken, damit bestimmte Leute weiterhin kostenlos ihren Konsumhunger auf Musik befriedigen können.
    Der Spruch "Copy kills Music" stimmt halt doch!

  • danke für das letzte post, drumdidi, das seinen standpunkt vertritt und darlegt ohne seitenhiebe und es einem darum wesentlich einfacher macht, es anzunehmen und zu sagen: genau, an diesen stellen muss man etwas machen. weil es doch ganz ähnliche sachen sind, die einem auch betreffen und obendrauf es ein wesentlicher teil seiner eigenen tätigkeit ist, daran zu arbeiten. aber indem man einfach jeden der abweichend denkt, einen schimpft, der einfach nichts und nochmals nichts verstanden hat und sowieso gar nicht berechtigt ist, überhaupt etwas kompetentes beizusteuren, schafft man sich nur feinde und keine bessere ausgangslage.



    hier noch wegen der idee des grundeinkommens:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen

  • Wenn ich die Posts hier richtig verfolgt habe, ging es hier nicht um das bedingungslose Grundeinkommen für alle, sondern um Grundeinkommen für Musiker, finanziert aus einer Kulturabgabe. Das ist etwas ganz anderes.


    Die verschiedenen Konzepte von Grundeinkommen sind mir durchaus bekannt, auch wenn ich das Konzept für nicht funktional halte. Aber das würde in einen anderen Thread gehören.
    Ich wäre schon froh wenn jemand eine Antwort auf meine oben gestellten Fragen hätte. Vielleicht hat Psycho hier ja ein paar erhellende Antworten.


    lg

  • danke für das letzte post, drumdidi, das seinen standpunkt vertritt und darlegt ohne seitenhiebe und es einem darum wesentlich einfacher macht, es anzunehmen und zu sagen: genau, an diesen stellen muss man etwas machen. weil es doch ganz ähnliche sachen sind, die einem auch betreffen und obendrauf es ein wesentlicher teil seiner eigenen tätigkeit ist, daran zu arbeiten. aber indem man einfach jeden der abweichend denkt, einen schimpft, der einfach nichts und nochmals nichts verstanden hat und sowieso gar nicht berechtigt ist, überhaupt etwas kompetentes beizusteuren, schafft man sich nur feinde und keine bessere ausgangslage.



    hier noch wegen der idee des grundeinkommens:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen


    hmm, ich weiss nicht, ich hab drumdidi´s anliegen - glaube ich zumindest - schon viel früher verstanden ... auch ohne detaillierte schilderung von "einzelschicksalen"


    muss das jetzt echt auf dokusoap-niveau sinken, damit die hirne der diskutierenden nicht über gebühr beansprucht werden ?(

  • Ich finde mit Dokusoap hat das nichts zu tun. Es ist schon ein Unterschied, ob man über vermutete Schäden der bösen Industrie diskutiert, was immer relativ abstrakt ist, oder ob man vorgeführt bekommt, das die Konsequenzen für den Einzelnen bereits ganz real sind. Ohne Vermutungen oder dubiose Statistiken.



    lg

  • Eines dann doch noch zu dem Grundeinkommen für alle:


    Dieses Grundeinkommen soll ja eine menschenwürdige Existenz sichern. Es wäre sicherlich besser als das unwürdige Hartz-4, aber große Sprünge gehen damit immer noch nicht. Weltreisen auf Staatskosten sind da ziemlich ausgeschlossen.
    Teil des Konzertes ist ja auch, das jeder durch einen entsprechend bezahlten Job dieses Grundeinkommen verbessern kann.


    Aber genau DAS wäre Berufsmusikern bzw. Urhebern und Kulturschaffenden dann ja verwehrt, da ihr Produkt ja kostenfrei und frei zugänglich angeboten werden soll.
    Danach könnte ich mir dann also noch so den A.... aufreißen und hätte doch nur den Mindestsatz des Grundeinkommens. :(


    Danke, nein, so will ich nicht leben müssen....


    Oder hab ich da was völlig falsch verstanden?

  • Ich finde mit Dokusoap hat das nichts zu tun. Es ist schon ein Unterschied, ob man über vermutete Schäden der bösen Industrie diskutiert, was immer relativ abstrakt ist, oder ob man vorgeführt bekommt, das die Konsequenzen für den Einzelnen bereits ganz real sind. Ohne Vermutungen oder dubiose Statistiken.



    lg


    es mag für mich eben der eindruck enstanden sein, als ob der ein oder andere hier nur darauf gewartet hätte, bis mal jemand sprichwörtlich die hosen runter lässt ...


  • es mag für mich eben der eindruck enstanden sein, als ob der ein oder andere hier nur darauf gewartet hätte, bis mal jemand sprichwörtlich die hosen runter lässt ...


    ja, den eindruck hatte ich auch. wenn auch auf eine etwas andere weise. es ging im übrigen um die art und weise.

  • Ich finde die Beispiele von Xian und drumdidi auch sehr anschaulich. Ich kann allerdings auch die Posts von Psycho und abott nachvollziehen. Es ist extrem bitter, dass gerade einer idealistischen und enthusiastischen Berufsgruppe wie den Musikern so die Existenzgrundlage entzogen wird und aus Mangel an Lobby dagegen nix unternommen wird.


    Trotzdem denke ich, dass es noch weitere Ebenen dieser Entwicklung gibt, ohne die man die Sache nicht zuende denken kann. Ich muss zugeben, dass ich weder IT-Experte noch Jurist bin und daher bei diesen Themen völlig im Dunkeln tappe. Ich sehe nur, dass es eine Industrie gibt, die u.a. mit Musik blendend verdient (Apple zB ) und eine riesige Menge kleiner aber guter Musiker, die zum Spielball der Verhältnisse geworden sind. Und ich sehe, dass kein System installiert wird, welches es schafft, weltweit Recht und IT-Probleme unter einen Hut zu bringen.


    Und ich sehe eine Entwicklung, in der Musik und vor allem qualitativ hochwertiges und ausschließliches Musikhören immer mehr an Wert verliert. Diese sogenannten "Devices" und zugehörige Angebote (z.B. Apps und Surfverträge) binden heutzutage das Geld der Konsumenten. Ich habe Schüler, die besitzen iphones, ipods und ipads mit zig GB Speicherplatz und hören die Musik darauf über die eingebauten "Lautsprecher". Grafik ist wichtiger, weil beeindruckender. Mein Vater wollte neulich einen einfachen Stereo-Hifi-Verstärker kaufen. Die Auswahl war ernüchternd. Es gibt fast nur noch 5.1 Systeme. Zum Filmegucken.


    In den 7 Jahren, die ich jetzt unterrichte, hat mir noch NIE ein Schüler erzählt, dass er Geld für einen hochwertigen Verstärker oder gar Boxen ausgegeben hätte! (Statistiken im Netz belegen diese Entwicklung) Musik als Form der Abgrenzung, des Protestes, auch der politischen Zugehörigkeit hat vollkommen an Wert verloren. Ich kenne kaum noch Leute, die stolz auf ihre Musiksammlung sind. Dafür umso mehr, die die Musik auf ihren Devices gar nicht kennen. Das Wort Stereoanlage ist sowas von out. In sind Zugangsgeräte, die ein Vermögen kosten und Leute dauerhaft an kostenpflichtige Angebote binden. Und dieses Geld fehlt eben auch und ganz erheblich im Bereich Musik.


    Hier, toller Film, der das sehr schön illustriert, die größte Plattensammlung der Welt findet keinen Käufer (wenigstens verdient youtube mit dem vorgeschalteten Video ein bisschen was...) : http://www.youtube.com/watch?v=uBLuMVOr3nw


    Kurz: Musik ist überall präsent, ihre Entdinglichung und die damit einhergehende Kopier- und sofortige Verfügbarkeit hat sie entwertet. Es ist kein Geheimnis, dass gefühlter Wert durch physische Präsenz und Investition von Zeit und Geld erzeugt wird.


    Meiner Meinung nach gibt es als Musiker zwei Wege, mit der Situation umzugehen. Der eine ist der Kampf gegen die illegale Downloaderei (drumdidi, Xian u.a.). Und der zweite ist die bittere und pragmatische Konsequenz, nichts mehr anzubieten, was digital zu vervielfältigen ist (Reaktion auf die veränderten Verhältnisse, wie von abott, Psycho u.a. vorgeschlagen).


    Ich finde daher, dass es keinen Grund gibt, sich hier so gegenseitig anzugreifen.


    lg
    max

  • es mag für mich eben der eindruck enstanden sein, als ob der ein oder andere hier nur darauf gewartet hätte, bis mal jemand sprichwörtlich die hosen runter lässt ...


    Dieser Eindruck wird jedenfalls durch meine Erfahrungen im Umfeld dieser Diskussion bestätigt.
    Gerade heute noch. Erst der anschauliche Bericht über einen mir entfernt bekannten Musiker, der in die HartzIV-Aufstocker-Gesellschaft gerutscht ist und völlig verzweifelt einen Käufer für sein Wohneigentum sucht, damit er seine Kinder zum Musikunterricht schicken kann, hat den Anstoß zum Nachdenken gebracht, den die Betroffenen schon vor 10 Jahren hatten.
    "Ach, dann könnte man ja ... nee ... geht nicht ... hmm ... vielleicht Grunddings ... ja, nee ...schon blöd."


    Wie Anonymous erkannt hat: Man braucht zumindest theatralisch-plakative Strichmännchenfilme auf Youtube, um sich ein Gehör zu verschaffen.

    -
    Gesendet von meinen Babyphone mit Papatalk

  • Und ich sehe, dass kein System installiert wird, welches es schafft, weltweit Recht und IT-Probleme unter einen Hut zu bringen.


    Das System wird actamäßig installiert werden, die Frage ist, ob es greifen wird, was davon abhängt, was drinsteht. ACTA wird geprüft, nicht etwa vom Tisch gefegt.


    nichts mehr anzubieten, was digital zu vervielfältigen ist (Reaktion auf die veränderten Verhältnisse, wie von abott, Psycho u.a. vorgeschlagen).


    Ist nicht so gut wie alles digital zu vervielfältigen? Ohne etwas anzubieten, müsste man dann doch wohl die Rente beantragen, oder?
    Neue Idee: Musik wird nicht mehr gemacht, neben Alters- und Erwerbsminderungs- wird Exmusiker-Rente installiert.

    -
    Gesendet von meinen Babyphone mit Papatalk

  • Ausgangslage:
    Es wurde festgestellt, dass ein Bedarf besteht, urheberrechtliche Belange möglichst global zu regeln.
    Der Inhalt einer solchen globalen Einigung soll hier vorgeschlagen werden.


    Zwischenstand:
    1 Vorschlag: ACTA-nah inkl. Providerhaftung und Netzsperren [Didi] (Interessengruppe: Ausübende Künstler)
    1 Vorschlag: Aufklärung statt Strafe, Vorgehen nur gegen gewerbliche Begehungsformen [KillingJoke] (Interessengruppe: Enthusiasten)
    1 Vorschlag: Keine Verwertungsrechte, dafür nationale Suche nach Wertausgleich, z.B. über Grundeinkommen für künstlerisches Schaffen [Psycho] (Interessengruppe: Neutrale Beobachter)
    1 Vorschlag: Umfassende Kontrolle der Upload-Kompetenz [Wolle] (Interessengruppe: Entnervte Qualitätsbewusste)


    Alles richtig? ;)

  • mein vorläufiger vorschlag beschränkt sich auch auf nationale ebene: stiftungs- und fördergelder für projekte für unterschiedliche tragweiten und ziele, die per gesuch von einem nicht-kommerziellen und unabhängigem komitee gesprochen werden. (bei gleichzeitigem verbot von unerlaubten verwendung der kommerzialisierung von dritten.) auch nicht das gelbe ei, aber mehr oder weniger schon praxis erprobt. daher umsetzbar.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!