Cajon mikrofonieren mit SM 57 oder D 112?

  • Hallo zusammen,
    bei mir steht am Wochenende ein Akustikgig an, der aufgrund der Location etwas Verstärkung erfordert. Ich spiele da Cajon und muss mich aus meinen Mikrofon-Vorräten bedienen, eine Neuanschaffung ist mangels Einsatzgelegenheiten nicht sinnvoll - auch wenn ich über Grenzflächen und deren Eignung für Cajons schon viel Gutes gelesen habe.
    Zur Auswahl habe ich also ein SM 57 oder ein D 112, mir steht ein Kanal im Kleinmixer zu. Mangels Anlage kann ich vorher nicht wirklich testen, vor Ort wird die Zeit zum experimentieren knapp sein.
    Gibt es Erfahrungen oder Einschätzungen, welches der beiden Mikrofone hier den universelleren Nutzen bietet?
    Vielen Dank für Euren Input,
    viele Grüße
    Martin

  • Steinigt mich nicht falls ich falsch liege, aber ich würde das SM57 nehmen, da universeller. Das D112 wird halt vorrangig den Bass aufnehmen und etwas träger reagieren. Den Rest sollte man mit dem EQ machen können denk ich.

    Aber Achtung, nur Vermutungen.


    lg

  • Was Grenzflächen-Mikros in Cajons betrifft, so sind diese m.E. nur für den Live-Einsatz geeignet. Ich hatte mal den Ton für Promo-Videos mit einem Percussionisten für einen Instrumentenbauer gemacht - es ging vorrangig um Cajons. Für Recording würde ich da schon eher ein matched pair Kleinmembran-Kondensatormikros nutzen - plus geeignete Stützmikros im Schalloch für den Bassanteil, evtl. ein SM57 davor und ggf. Raummikro(s).


    Für deinen speziellen Fall würde ich's mit dem SM57 im Schalloch probieren. Das SM57 ist "untenrum" deutlich magerer als das D112, dafür aber "obenrum" auch deutlich präsenter. Im Schalloch könnte es auch durch die Nahbesprechung den Bassbereich besser abbilden, durch den Präsenzanteil trotzdem genug Teppich und Attack mitnehmen und an der Position obendrein im Verhältnis mehr Nutzsignal aufnehmen. Bspw. 30cm vor dem Cajon aufgestellt nehmen auch Richtmikrofone automatisch sehr viel "Bleed" von der Bühne mit.


    Wenn du EQs an deinem Mixer hast, würde ich damit Richtung "Badewanne" gehen. Bässe und Höhen rein, Mitten raus.

  • Für deinen speziellen Fall würde ich's mit dem SM57 im Schalloch probieren. Das SM57 ist "untenrum" deutlich magerer als das D112, dafür aber "obenrum" auch deutlich präsenter. Im Schalloch könnte es auch durch die Nahbesprechung den Bassbereich besser abbilden, durch den Präsenzanteil trotzdem genug Teppich und Attack mitnehmen und an der Position obendrein im Verhältnis mehr Nutzsignal aufnehmen. Bspw. 30cm vor dem Cajon aufgestellt nehmen auch Richtmikrofone automatisch sehr viel "Bleed" von der Bühne mit.

    Vielen Dank, das hilft mir.
    Zwischenzeitlich habe ich gesehen, dass es Angebote als "Cajon Mikrofon Set" mit SM57 und dieser Halterung
    https://www.session.de/produkt…ikrofonhalterung-schwarz/
    gibt. Die könnte ich noch kurzfristig besorgen und hätte sogar noch anderweitig Verwendung dafür.
    Dann hätte ich kein zusätzliches Stativ und das fast zwangsläufige Verschieben der Kiste beim Spielen hätte keinen Einfluss auf die Mikroposition.

  • Vielen Dank, das hilft mir.
    Zwischenzeitlich habe ich gesehen, dass es Angebote als "Cajon Mikrofon Set" mit SM57 und dieser Halterung
    https://www.session.de/produkt…ikrofonhalterung-schwarz/
    gibt. Die könnte ich noch kurzfristig besorgen und hätte sogar noch anderweitig Verwendung dafür.
    Dann hätte ich kein zusätzliches Stativ und das fast zwangsläufige Verschieben der Kiste beim Spielen hätte keinen Einfluss auf die Mikroposition.

    Könnte einen Versuch wert sein. Grenzflächenmikros haben in Cajons auch den Vorteil, dass das Verschieben der Kiste keinen Einfluss auf die Mikrofonposition hat und kein Stativ notwendig ist.


    Ich würde auf jeden Fall das SM57 nehmen und im Schallloch positionieren.

  • Guten Mittag,


    ich würde mir überlegen, ob eher die Tiefen oder die Höhen verstärkt werden müssen.


    Eine Kiste hat naturgemäß wenig Höhen, allerdings verschwinden auf einer Bühne naturgemäß die Tiefen am schnellsten irgendwo in der Luft und im Zweifel dort, wo kein Publikum ist.


    Letztendlich könnte man auf die Schnapsidee kommen, das vor Ort auszuprobieren, das zweite Mikrofon passt ja beinahe in die Westentasche.


    Meine Erfahrung ist, dass das SM57 überschätzt (weil es jeder meint zu kennen, faktisch aber nur an Snare Drum und Gitarrenbox) und das D112 unterschätzt (kennt man ja auch nur unten an Bass Drum oder Bassbox) wird. In der Corona-Videokonferenz-Zeit hatte ich das D112 im Einsatz - für Sprache.


    Letztendlich wird der Klang mit beiden Mikrofonen und dem Instrument ohnehin nicht so geil sein, dass sich ein Wissenschaftsstreit lohnt. Beides wird funktionieren.


    Grüße

    Jürgen


    PS

    Ob Schalloch oder Front hängt meiner Meinung davon ab, ob man mehr dumpfbassigen oder anschlagsstarken Klang übertragen will. Hängt vielleicht auch von der Kapelle oder gar der Musik ab. Vielleicht auch von der Örtlichkeit. Beide Mikrofone können auf (professionell-) mittelmäßigem Niveau beides grundsätzlich abbilden.

    Die Frequenzbereiche von beiden Mikrofonen sind relativ stark eingeschränkt, 20 bis 17k/Anhebung bei ca. 100 und 3/4k vs. 40 bis 15k/Anhebung bei ca. 6k.

    Einmal editiert, zuletzt von Jürgen K ()

  • Na ja. Ein SM57 hat gegenüber einem Bassdrum-Mikrofon schon deutlich mehr Allrounder-Qualitäten. Abgesehen von Snares und Gitarrenamps geht das auch an Toms, zur Not sogar an Bassdrums und für Sprache und Gesang sowieso. Zum Vergleich mal die Frequenzgänge:


    SM57:

    0006.png


    D112:

    0335.png


    Der Nahbesprechungseffekt ist beim SM57 nicht eingezeichnet - hat seinen Peak aber eher bei 200Hz. Daher eignet sich das auch hervorragend für Snares und Gitarrenamps.


    So ein 5dB Boost bei 3kHz kann bei Bassdrums zwar gut für mehr Präsenz sorgen, bei z.B. Sprache und Gesang aber auch schnell nerven.

  • Ich weiß leider nicht, was für ein Mikro das war, weder ein SM57 noch ein D112, aber eher ein BD Mikro, so wie das ausschaut. Das hat mir der Tontechniker ins Schallloch des Cajons gestellt bei meinem kleinen Auftritt in der Firma. Man hat das Cajon superlaut gehört, auch die "Höhen" (so wirklich hoch sind die Geräusche vom Cajon nicht, wenn man die "Snare" spielt) kamen gut durch

    pasted-from-clipboard.png

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  • Obligatorische Frage vorweg - Dude, but what If I dont wanna play the cajon?


    Aber zur Sache - ein einzelner Kanal im Kleinmixer ist natürlich nicht ideal. In dieser Situation wäre meine erste Wahl ebenfalls ein Grenzflächenmikrofon, weil ich dann eine gewisse Bewegungsfreiheit erhalte (falls die Sitzposition nicht ideal ist, und ich mal ein Stück rücken muss etc) , die Cajon auch mal ankippen kann, und ganz allgemein nicht irgendjemand im vorbeigehen am Mikroständer hängenbleibt, und den Kram verstellt.


    Wenn man nun keine Grenzfläche hat - ja hmm - denken wir mal drüber nach was so eine Sennheiser e901 oder Shure Beta91A nun genau ist. Ein Kleinmembrankondensator in Nierenform, dessen Haupteinfallsrichtung am horizontal (am Boden entlang) ausgerichtet ist und dadurch zu halben Niere wird, und ein schwereres Gehäuse mit Gummifüssen, damit es bei Vibrationen nicht rumhüpft und rumrappelt. Und wenns schlau konstruiert ist, halbwegs trittsicher, weil stabil und mit geschütztem XLR-Anschluss.

    Wäre doch eine Schande, wenn man das nicht einem einfachen Stäbchenförmigen Nieren-Kleinmembrankondensator mit ein paar Bierdeckeln und Gaffa-Tape nicht auch irgendwie hinkriegt, zumindest für den Einsatz in einer Cajon (wo eh niemand drauftreten wird)


    Zum Frequenzgang und EQ ein weiterer Gedanke - keine Gnade walten lassen, puristische Ansätze wären fehl am Platz. Wie die Cajon in natura wirklich klingt, wäre mir nebensächlich, es muss in der Hauptsache ordentlich und deutlich voneinander unterscheidbar "Umpfff" und "tack" machen.

    Ich würde den Frequenzgang an dem Mischpult daher reichlich Bass anheben, und ebenfalls die Höhen. Wenn ein semiparametrischer Mittenregler da ist, sollte man mit diesem irgendwo zwischen 250-400hz das fiese "trötige" tiefmittemgewummer wegmachen, so ählich wie man das bei einer Bassdrum auch tut.

    Am Digitalmixer könnte man noch zusätzlich den Attack rausarbeiten etc, aber das steht ja offenbar nicht zu Verfügung.

    "Leute im Internet erfinden immer irgendwelche Zitate."Albert Einstein

  • Ich würde den Frequenzgang an dem Mischpult daher reichlich Bass anheben, und ebenfalls die Höhen. Wenn ein semiparametrischer Mittenregler da ist, sollte man mit diesem irgendwo zwischen 250-400hz das fiese "trötige" tiefmittemgewummer wegmachen, so ählich wie man das bei einer Bassdrum auch tut.

    Das Thema hatte ich kürzlich mit nem Toni auch. Der hat auch gesagt, er mischt Cajon im Grunde wie ne Bass Drum. Insofern passt das schon, dass ein charakteristisch "badewannig" abgestimmtes Mikro wie das D6 ganz gut funktioniert. Ich selbst nutze inzwischen ne günstige Behringer-Grenzfläche für die Kiste, das funktioniert hervorragend und klingt richtig erwachsen. Für deutlich unter 100 Euro gibt's nichts besseres, da kommt ein SM57 nicht ran.

  • Hallo,

    herzlichen Dank für den ganzen Input.
    Wie gesagt, eine weitere Mikrofonanschaffung ist für meine am unteren Ende der Amateurskala angesiedelten Einsätze nicht angezeigt, deshalb die Konzentration auf Bordmittel (hier: SM57 oder D112). Wie schon geschrieben habe ich schon gute Erfahrungen mit der Kombination gemacht, aber
    a) sind bei diesem Einsatz die Kanäle begrenzt und
    b) ist da nix mit lange aufbauen, positionieren und ausprobieren,

    da muss alles schnell und einfach sein.

    Ich habe vorhin im Vorbeifahren die oben verlinkte K&M Klemme erworben (sinnvoll, weil weiterer Verwendungszusammenhang schon geplant) und schnell mal mit dem SM57 an die Kiste gebaut. Das ist richtig stabil, platzsparend und vor allem mobil. Da mir zudem einfiel, dass ich noch den DT 770 M (und das besagte kleine Pult) hier habe, kann ich es morgen mal testen und dann auch den Vergleich mit dem D112 auf einem Stativ machen.
    Ich werde berichten.

    Viele Grüße
    Martin

  • Die Ausgangssituation des Threadstarters hat neben einem materialbedingten Haken zugleich auch ein Nadelöhr: Der bevorstehender Gig erfordert nur ein wenig Verstärkung.


    Das kann zwar viel heißen, allerdings spricht das für mich wenig für den Einsatz eines Systems mit headroomfähigen Subwoofer(n), sondern eher für zwei 12" Tops oder im besten Fall für ein sein sehr überschaubares Kompaktsystem. Bei den meisten 12" Tops ist bei 60 Hz Schluss und ein Kompaktsystem liegt etwa bei 45 Hz (Maui 28) bis 50 Hz (Maui 11 G2).


    Nimmt man an, es handelt sich um eine sehr weit verbreitete Schlagwerk CP40 (50x30x30, Schalloch 12 cm), dann ergibt sich für diesen Resonanzkörper schonmal eine Frequenz von 88,6 Hz. Mit einem montierten Schlagwerk Cajon Bass Tube (Länge ca. 10 cm) rutscht man runter auf eine Resonanzfrequenz von etwa 62 Hz. Gegen den Einsatz eines solchen Tools spricht das Interesse des Threadstarters an der Mikro-Klemmmöglichkeit. Diese Resonanzen hätte man in jedem Fall schonmal.

    (Theorie zum Tonumfang der Cajon: Acoustic and structural resonances of the cajon.)


    In jedem Fall nähert man sich mit dem Instrument schon sehr nahe der unteren Grenze einer Anlage, die die Tieftonanteile eines stark auf klassischer Bassdrum abgestimmten Mikrofons nur zu einem sehr, sehr überschaubaren Teil übersetzen wird. Je nach Besetzung kann es zudem dann Sinn machen, die verfügbare Endstufenleistung für andere tieffrequente Instrumente so wenig wie möglich einzuschränken.


    Dar Haken bleibt letztlich noch die Mikrofonauswahl: Der Threadstarter hat nur SM 57 und ein D112 zur Verfügung.

    Betrachtet man die Graphen des D112 zum D6, wird die wenig ausgeprägte Badewanne des D112 recht deutlich, dessen Positionierung an einem Cajon aufgrund der verwinkligen Bauweise doch schon recht abenteuerlich werden kann. Dem Graph nach hat das D112 auch erstmal mehr Bassanteile als das 57er, mit dessen höher angesiedelter Anhebung sich etwas leichter haushalten lässt.


    Aber:

    Der Nahbesprechungseffekt ist beim SM57 nicht eingezeichnet - hat seinen Peak aber eher bei 200Hz. Daher eignet sich das auch hervorragend für Snares und Gitarrenamps.

    Zum Nahbesprechungseffekt des SM 57 lässt sich wenig finden, allerdings könnte er zumindest ähnlich zum sein:


    Unknown.jpeg




    Wenn möglich, würde ich das vorab testen. In der dargestellten und gleichwohl vermuteten Anlagen-Konstellation würde ich auf kurzfristiger Sicht aus dem Mikrofonbestand dem Mikrofon den Vorzug geben, dass weniger anfällig bei der Positionierung ist und ich in den gewünschten Bereich einpassen kann.

    2 Mal editiert, zuletzt von greb ()

  • Kurzes subjektives Fazit:
    Beide Mikrofone funktionieren (wer hätte es gedacht). Vielleicht finde ich das D112 ein kleines bisschen besser, ist auf dem Stativ natürlich auch leichter zu justieren (Abstand zum Instrument). Dafür bin ich von der Kompaktheit der K&M Halterung mit dem SM57 immer noch sehr begeistert, es lassen sich eben Cajon, Mikro und Halterung mit einer Hand transportieren, das ist je nach Location und Anlass für mich auch ein wichtiges Argument.
    Am EQ habe ich die Höhen fast voll rein gedreht, die Mitten fast ganz raus (gegen den "Pöck") und den Bass nur leicht angehoben - mehr kann das Pult nicht.
    Vielen Dank an Alle!

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