Unterrichtsgebühren - zwischen Markt, Moral und Sachzwängen


  • So mache ich das (2. Option). Ich fahr zum Schüler, wir haben feste Termine, aber wenn mal was ausfällt gibts wenn vereinbar einen Nachholtermin, und wenns nicht zustande kommt, kostets auch nichts.
    Aus den 14/60 mache ich allerdings 7/30 oder 10/45. Eine Stunde ist recht viel Zeit, könnte mir vorstellen, dass wenn ich das mache, nach 45min nichts mehr zum lernen da ist für die Einheit. (man will ja auch, dass der Schüler zuhause übt)


    Wenn Du für den Betrag auch noch irgendwo hin fährst hast Du mehrere Effekte:


    1. Du zahlst drauf! (1 Autokilometer ca. 50 Cent) Da bleibt ja nix mehr übrig.
    2. Du musst für den Lohn nicht nur die Arbeitszeit sondern auch die Fahrzeit rechnen.
    3. Es ist unmöglich genug Schüler unterzubringen um Gewinn oder gar Lebensunterhalt zu erwirtschaften.

  • Wenn Du für den Betrag auch noch irgendwo hin fährst hast Du mehrere Effekte:


    1. Du zahlst drauf! (1 Autokilometer ca. 50 Cent) Da bleibt ja nix mehr übrig.
    2. Du musst für den Lohn nicht nur die Arbeitszeit sondern auch die Fahrzeit rechnen.
    3. Es ist unmöglich genug Schüler unterzubringen um Gewinn oder gar Lebensunterhalt zu erwirtschaften.

    Ich bin ja Schüler, und ich fahre mit dem Fahrrad maximal 10min zu den hin. Für mich also garkein Problem. Und Lebensunterhalt bezahlen muss ich mir auch nicht :) Nur nebenbei etwas für Geld für Erweiterung meines eigenen Schlagzeuges.

  • Ja ja der Streit um das liebe Geld!
    Fakt ist das es in jeder Musikgruppe, ich nenne es mal, "unerwünschte Konkurrenz" gibt, sei es im Maurerhandwerk oder in anderen Dienstleistungsberufen.
    Natürlich müsste ein Instrumentallehrer der selbstständig ist mehr verdienen, aber ich sehe da einfach als Hauptproblem die Existenzängste der Musikschulen die mit niederpreisigen Angeboten auf Schülerfang gehen!!!
    Ich höre auch öfters das Argument das auch Familien mit niedrigem Einkommen sich den Unterricht leisten können sollen, aber da liegt das erste Problem;
    Man kann nicht jede Leistung so gestalten das es sich jeder leisten kann!!!!
    Musik ist ja angeblich ein Kulturgut in Deutschland erfährt aber kaum Förderung von der Staatlichen Seite!
    Wenn wir einmal folgendes Konstrukt als Beispiel nehmen, welches nicht an den Haaren herbeigezogen ist, sondern schon oft in der Diskussion war;


    Würde die KSK abgeschafft werden würden auf einen Schlag ein Großteil sämtlicher Musiklehrer ihren Beruf an den Nagel hängen müssen!
    Viele Musiklehrer die ich kenne können sich trotz guter Auslastung keine vernünftige Absicherung leisten. Berufshaftpflicht,vorgezogenens Krankengeld,Renzenversicherung etc etc.
    Die meisten leben von Moment zu Moment und hoffen das ihnen nie etwas zustößt!!!!


    Jetzt möchte ich denen mal den Saft abdrehen die jetzt mit dem Argument kommen "Warum macht ihr dann den job überhaupt?" Dazu folgendes wenn wir das nicht täten wäre das Thema Musikunterricht von heute auf morgen gestorben! Weil einige den Job als solches als Erfüllung ansehen und es gibt noch mehrere Gründe die hier Seiten füllen würden.


    Wo liegt das Problem:
    a) Fehlende Akzeptanz und Wertschätzung der Berufsgruppe
    b) Preiskrieg der Musikschulen und die einhergehende Meinungsbildung das es ja so billig sein muss!
    c) Solidaritätsgefühl der Musiker untereinander!


    Fakt ist das man als Selbstständiger hohe Kosten zu deckeln hat und wenn wir realistisch rechnen würden muss ein Stundenlohn von min. 30-40 Euro veranschlagt werden! Wer rechnen kann wird mir Recht geben.
    Wie wird so etwas heut zu Tage kompensiert? Gruppenunterricht bis die Heide wackelt...ob das immer im Sinn der Schüler ist, ist fraglich. Ich möchte Gruppenunterricht nicht verteufeln, im Gegenteil dieser kann auch sinnvoll sein aber bitte nicht mehr als 2-3 Schüler ansonsten wird es fragwürdig. Ich kenne gewisse Lehrer die bis zu 10 Schüler auf einmal unterrichten und finde das ehrlich gesagt hirnrissig!
    Und selbst bei drei Schülern kommen wir gerade so auf einen gerade so einigermaßen vernünftigen Stundensatz.


    Gibt es eine Lösung für das Problem? Naja bei fehlender Solidarität untereinander wohl kaum.

  • Wurde eigentlich auch schon angemerkt, dass ein höherer Preis für den Unterricht nicht nur abschreckt, sondern auch impliziert, dass mehr Qualität erworben wird?
    Ich kann das nicht faktisch belegen, habe aber schon das Gefühl, dass z.B. die Berufstätigen unter meinen Schülern auch mit dem Anspruch kommen "Wenn, dann richtig!".


    Natürlich muss am Ende die Qualität des Unterrichtes stimmen um Preis und Vertragswerk zu rechtfertigen.


    Hier im Forum kann man ja genauso beobachten, dass auch bei teuren Instrumenten schnell davon ausgegangen wird, dass sie dann auch super sein müssen.



    Übrigens lese auch ich Drumdidis Beiträge immer sehr interessiert. Danke für deinen unermüdlichen Feldzug gegen den geschäftlichen Ruin freiberuflicher Musiker!

    "If you don't feel it, don't play it." James Jamerson

  • Feldzug gegen den geschäftlichen Ruin freiberuflicher Musiker


    Wieso Feldzug? Die Preise werden von denen kaputtgemacht, die nicht rechnen können. Da hat man dann mal 1, 2 Jahre nen Lehrer (der danach pleite ist und bei der Norma Regale einräumen muß) und meint, Unterricht müsste so billig sein. Das ist doch der Irrsinn. Und die anderen, die argumentieren, der Marktpreis wird schon seinen Sinn haben, geben dieser Entwicklung noch Zunder.


    Unser Freund hier ein paar Posts weiter oben gehört auch in die Dumping-Gruppe: weil, er hat ja fast keine Kosten, so mit Fahrrad und Pension Mutti und so. Daß sein Preis aber genau die gleiche Signalwirkung hat wie der eines erfahrenen, selbständigen Kollegen, wird nicht gesehen.


    Im Übrigen sind freischaffende Musiker nicht die einzige Gruppe, die damit zu kämpfen hat. Alle Selbständigen, deren Kompetenz man als Laie nicht einschätzen kann , haben mit Preis-Dumping zu kämpfen. Das gilt für Handwerker genauso wie für Programmierer, Unternehmensberater und andere. Um so komplexer die Dienstleistung, umso größer das Problem.


    Die Lösung: imho muß ein ordentliches Geschäftskonzept her. Es muß klar sein, was die Leistung wert ist (inkl. aller Nebenkosten) und was die Region hergibt. Dann gilt es, diesen Preis argumentativ sauber zu verkaufen. Lieber erstmal einen Schüler weniger, dafür nicht draufgezahlt.


    S.

  • Ich habe ja bekanntlich vom Drummen nicht so die Ahnung, habe aber schon bei zwei Lehrern Unterricht gehabt.
    Das ich nicht drangeblieben bin lag jedoch nicht an den beiden!


    Den einen habe ich bei Altersvororge beraten, insofern kenne ich seine Zahlen. Er unterrichtet NICHT an einer
    Musikschule, sondern "nur" für sich. Studiert hat er das ganze übrigens auch. Hauptfach Schlagzeug, Nebenfächer waren glaube ich Keyboard und Gesang.


    Auch er lässt in den Ferien durchbezahlen - bei einigen (z.B. bei mir) gibt er jedoch Unterricht nach Bezahlung - also kein Unterricht,
    keine Kohle. das sind aber die Ausnahmen.


    Er hat 35 Schüler die Woche. Dazu kommen 3 - 5 Leute, die nur bei gehaltener Stunde bezahlen. Unterricht von Montag bis Samstag.
    Stundenpreis (50 Minuten) = 30,-€


    30,-€ x 35 Schüler x 4 Wochen= 4200,-€
    Dazu kommen die "Einzelzahler", hier war der Schnitt etwa 250,-€ im Monat.
    Dazu trommelt er im Schnitt in 4 Bands, zwei zum Spaß, 2 nur gegen Bezahlung. Pro Gig nimmt er 150,-€ auch bei "Fremdbuchungen".
    Das sind etwa 20 Gigs im Jahr gegen Bezahlung. Macht also auch 250,-€ im Schnitt pro Monat.


    Er rechnet fest mit den 4.200,- mtl. der Rest ist nice to have. Das Einkommen von ihm schwankt, wie bei Selbständigen üblich,
    aber in den letzten 3 Jahren kam er immer auf rund 50.000,-€ im Jahr.

    Grüße,


    De' Maddin Set
    ________________________________


    Dängdäng-Dängdäng-Dängdäng
    Bababababaaa-baba - Brack........Meet you all the way....dadadab...usw.

  • Und als selbstständiger darf er die fetten Beiträge zahlen, na danke.


    Nochmal, damit ich nicht falsch verstanden werde, ich versuche nicht zu dumpen. Auch wollte ich die Praxis nicht verteidigen.
    Ich hätte zwar die Möglichkeit, aber ich sehe meinen Stundenlohn in einem gesunden Verhältnis zu den anderen deutlich besser ausgebildeten/erfahrerenen Lehrern. Eigentlich könnte man mein Gehalt auch als zu hoch ansehen (20% günstiger).
    Weshalb ich die zwei Bestandsschüler versuchte, zum alten Preis zu übernehmen war, dass ich sehr wenig Schüler insgesamt habe; nur sechs. Da macht sich ein mehr von 50% schon bemerkbar.
    Auch was dann dasLohnen von 30km Fahrtweg angeht usw..
    Aktuell siehts aber so aus, dass einer der beiden nichtmehr kommt und der andere zum neuen Preis weitermacht.

  • kam er immer auf rund 50.000,-€ im Jahr


    Das ist nicht schlecht.


    Aber auch nicht allzu viel, weil ja sämtliche Altersvorsorge und Krankenversicherung privat bezahlt werden wollen. Bei der KV kommen dann noch Eigenanteil und Vorfinanzierungseffekt dazu. Ausfälle durch Krankheit oder (man soll es nicht glauben) Urlaub müssen auch gepuffert werden. Wenn eins der Kinder dann eine neue Brille oder Zahnspange braucht, wird der Geldbeutel sehr schnell sehr dünn. Ganz zu schweigen davon, daß man seine Kinder vielleicht auf Gymnasium schicken möchte ...


    Man sieht, es kommt immer drauf an...


    S.

  • Aus aktuellem Anlass:


    Ich hatte vor kurzem eine Probestunde mit einem Schüler, welcher Privatunterricht wollte. War auch alles super, Eltern zufrieden mit dem Lehrer, Unterricht und Unterrichtsräumlichkeiten.


    Unzufrieden allerdings mit dem Preis, der im Unterrichtsvertrag stand: 59€ für 30min. Grund: 3 Kinder von ihnen bekommen bei einer anderen Lehrerin Musikunterricht, die für 25 min. im Monat 44! Euro nimmt. Das sind auf 30 min umgerechnet gerade mal ca. 13 Euro (bei 40Unterrichtstagen). Die gute Frau macht das nach Angaben der Eltern hauptberuflich, hat studiert und hat selber Kinder. Was will man da machen.


    Die Eltern haben aber auch gar nicht versucht mich runter zu handeln sondern nach Gruppenunterricht gefragt und mehrfach betont, dass sie und ihr Kind sehr zufrieden waren. Fakt ist aber, dass die lehrende Dame die Schmerzgrenze bei ihnen heruntergesetzt hat. Dabei fand ich die 59€ schon recht günstig…

  • Kannst du die Zahlen nochmal ein wenig erklären? Es geht um die Monatsgebühr für wöchentlichen Unterricht a 30 bzw. 25 Minuten, oder?
    Bei durchschnittlich 4,3 Wochen pro Monat verlangst du 46 Cent pro Minute, sie 41, richtig?




    edit: 46Cent statt 50 Cent.

    "Just beat the devil out of it." - Bob Ross

    Einmal editiert, zuletzt von Korki ()

  • Ich gehe von 4,3Wochen aus, genau. (40 Unterrichtstage im Jahr)



    Das wären dann wenn du es in Minuten umrechnest 59/4,3 = 13,72 Euro für 30 Minuten oder 45 Cent pro Minute.
    Be ihr wären es


    44/4,3 (ausgehend von meinen 40 Tagen) = 10,20 Euro für 25 Minuten, oder 40 Cent pro Minute.

  • Dabei fand ich die 59€ schon recht günstig…


    das finde ich auch ... an den beiden städtischen musikschulen, an denen ich unterrichte, liegt der tarif rund 5,- euro drüber


    andererseits bin auch ich papa, und weiss, dass die freizeitgestaltung von kindern ziemlich kostenintensiv sein kann, wenn die leute dann vier kidz bespassen wollen tut das vermutlich schon richtig weh.


    wäre dennoch für mich kein anlass, meine gebühren zu reduzieren ... zumal ich diese in deinem falle wirklich nicht zu hoch angesetzt finde.


    gruppenunterricht am schlagzeug würde ich mir als lehrer nicht freiwillig antun wollen ;(


    grüssle

  • andererseits bin auch ich papa, und weiss, dass die freizeitgestaltung von kindern ziemlich kostenintensiv sein kann, wenn die leute dann vier kidz bespassen wollen tut das vermutlich schon richtig weh.


    Wie ich ja schon mal früher schrieb (und das klingt jetzt vielleicht härter als es gemeint ist): wir sind nicht das Sozialamt!


    Natürlich ist das für Eltern, die mehrere Kinder haben u.U. ein ordentliches Brett, das es zu bohren gilt.
    Ich mach jetzt mal nicht die Rechnung auf, wofür allerdings dann auch noch ordentlich Geld ausgegeben wird ohne das so gezetert wird (eine Umfrage nach der Ausstattung des Kinderzimmers mit Unterhaltungselektronik der Marken Nintendo, Microsoft und Sony ist ernüchternd und dann erst die handyausstattung und der ipod)
    Wir können jetzt als Instrumentallehrer nicht die sein, die dann aus lauter Barmherzigkeit nur noch trocken Brot essen, damit die anderen Sachen alle laufen können.


    Meine Devise ist und bleibt: hart bleiben und seine eigenen, hoffentlich einigermassen gesunde Kalkulationen durchziehen, egal was andere zu tun gedenken. Reich wird man als Instrumentallehrer i.d.Regel trotzdem nicht.


    Alternative: Musik/Drumchule gründen und leiten (und den Honorarkräften keine zu hohen Honorare zahlen-ups man wechselt die Seiten und ...), besser noch eine Akademie xyz mit netten "Diplomen" oder "Zertifikaten" und dann das Produkt so teuer wie möglich verkaufen. Das wäre eine Option. Aber da dürfte es auf dem Markt auch langsam eng werden, befürchte ich.
    Und das muss einem auch erst mal Spass machen, weil das ja kaum noch was mit Musik zu tun hat und man eher Verwalter/Organisator/Akquisiteur ist. Halt ein Chef...

  • Ich hatte auch nicht vor, den Preis zu drücken, der Post war mehr so als Info und Luft machen gedacht.
    Es würde mich aber doch sehr reizen die entsprechende Lehrerin mal zu fragen, wie sie auf diesen Betrag kommt.

  • Also ich finde das auch sehr günstig (wenn ich mir meinen Unterricht bei meinem Lehrer durchrechne).


    Das es für Eltern nicht immer leicht ist, ist auch klar. Aber auch Lehrer müßen leben und in diesen Fall passt das finanziell auf jeden
    Fall.


    Falls du ein Statement der Dame hast würde es mich auf jedne Fall auch interessieren.

    Alles wird gut

  • Ich gebe im Jahr 36 Unterrichtsstunden laut Vertrag, also 3 pro Monat (was nach Abzug der Ferien und Feiertage auch tatsächlich immer als Minimum passt). Der Unterrichtsbeitrag geteilt durch drei entspricht also dem, was ich für 30 oder 45 Minuten bekomme.
    In der Realität sind es je nach Wochentag im Jahr meistens mehr gegebene Stunden, die ich quasi als "Bonus" für die Schüler ansehe.
    Übrigens ist das eine gute Argumentationsgrundlage für evtl. ausgefallene Stunden ("Zählen Sie doch bitte mal im Kalender nach, wie viele Stunden Sie dieses Jahr tatsächlich bekommen haben."


    Mit meinen Monatsentgelten von derzeit 66 und 90 Euro komme ich also auf 22 Euro für die halbe und 30 Euro für die dreiviertel Stunde (die Bonusstunden nicht mitgerechnet).


    Diese Lösung finde ich transparent und fair den Schülern gegenüber, rechnerisch einfach darzustellen und übersichtlich.


    Warum ich das schreibe? Weil ich beim Lesen der weiter oben aufgestellten Berechnungen dachte, dass man es sich auch etwas leichter machen kann...


    Gruß
    Sven

    "If you don't feel it, don't play it." James Jamerson

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