Verdienst "Profimusiker"

  • Wohlstand erreicht man als Musiker nur, wenn Fleiß, Persönlichkeit, Talent und Glück in perfekter Mischung hinzukommen.

    Mit Glück meinst du wahrscheinlich, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und von den richtigen Leuten gesehen zu werden.

    (In den USA kam im Glückskatalog auch noch - ganz oben - die Hautfarbe hinzu)

    Ich denke, dass viele Musiker mit enormem Potenzial dieses Glück einfach nicht hatten/haben.

    Kunst war für die meisten schon immer brotlos. Werte zu schaffen sollte aber besser entlohnt werden. Da zehrt die Gesellschaft teilweise über Jahrhunderte von Kunst, Musik, Literatur. Damit werden gute Geschäfte gemacht. Wenn der Urheber nur einen Bruchteil der Gelder zur Verügung gehabt hätte… am besten noch vor seinem Tod, wären vielleicht noch viel mehr Kunstwerke entstanden.


    Hinzu kommt, dass den Künstlern dadurch das Gefühl gegeben wird, nichts "Vernünftiges" zu arbeiten. "Richtige Arbeit dient der Wirtschaft oder der Gesellschaft. Alles andere ist persönlicher Luxus."

    "Ambition is a dream with a V8 engine" - Elvis Presley

  • Mit Glück meinst du wahrscheinlich, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und von den richtigen Leuten gesehen zu werden.

    Exakt :)


    Ich schieb hier noch ein paar Zahlen nach, die den Alltag des Profimusikers in Deutschland verdeutlichen. Für das Jahr 2022 konnte ich eine Gesamtzahl von knapp 70.000 Berufsmusikern in Deutschland finden. Wenn wir überlegen, welche deutschen Drummer*innen (vermutlich) gehaltsmäßig in der Oberliga spielen, fallen mir spontan gerade ne Handvoll Namen ein, die international renommiert sind, als große Namen regelmäßig für Clinics o.Ä. gebucht werden und sich vermutlich ihren Platz am Futtertrog gesichert haben. Diese bei der Berufswahl als Maßstab für Musikereinkünfte zu nehmen, führt nicht nur in die Irre, sondern für manche in Frust und sogar Depressionen.



    (Quelle: Deutsches Musikinformationszentrum, Institut für Demoskopie Allensbach

    Stand: März 2023)


    70 % der Berufsmusiker*innen sind nicht nur künstlerisch tätig. Ihr Monatsnettoeinkommen liegt im Schnitt bei 2.660 Euro, mit deutlichen Unterschieden je nach Art der Erwerbstätigkeit und Geschlecht.


    Die Repräsentativbefragung stützt sich auf rund 650 mündlich-persönliche Interviews wurde im Auftrag des miz im November und Dezember 2022 vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt. Sie bietet erstmals einen genreübergreifenden und bundesweiten Überblick zu Tätigkeiten, Einkommen und Ausbildungswegen von Berufsmusizierenden. Berücksichtigt werden dabei Arten der Erwerbstätigkeit, Versicherungsstatus und Geschlecht.


    Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass berufliche Mosaike für die Mehrheit der Berufsmusizierenden eher Normalität als Ausnahme sind: Nur 30 % leben ausschließlich von der Musik. 70 % der Berufsmusizierenden gehen zusätzlich zu ihrer musikalisch-künstlerischen Tätigkeit musikpädagogischen Tätigkeiten oder anderen Tätigkeiten nach, die nichts mit Musik zu tun haben. Besonders musikpädagogische Tätigkeiten spielen für viele professionelle Musiker*innen eine große Rolle: Fast jede*r Zweite übt neben der Berufsmusik noch musikpädagogische Tätigkeiten aus, besonders häufig Frauen und ältere Berufsmusizierende. Fast jede*r dritte Berufsmusizierende übt auch eine Tätigkeit aus, die nichts mit Musik zu tun hat, und dies überwiegend aus finanziellen Gründen.

  • Hmm…der Durchschnittsververdienst liegt mit 2,6 Netto ja jetzt nicht soooo weit unten. Da kommen andere bei einer 40-Stunden-Woche nicht dran. Und ein Mosaik-Berufsleben ist auch für viele Normalität.

    Es läuft auf die immer gleiche Frage hinaus: wie gerecht oder ungerecht ist die Bezahlung von Arbeit?

    Wenn jemand in einem Sinfonieorchester die 14. Geige spielt und jederzeit ersetzt werden kann… ist sein Job mehr wert als die einer Erzieherin oder eines Sozialarbeiters? Aber das führt jetzt zu weit.

    "Ambition is a dream with a V8 engine" - Elvis Presley

  • Drum Bee

    Ich wollte mit meinen Ausführungen auch nicht aufzeigen, dass Musiker die Ärmsten der Armen wären.


    Nur sind eben die wenigsten gehaltsmäßige Dave Weckls oder Anika Nilles'. Während man sich bei überwiegend angestellt ausgeübten Berufen, vielleicht noch mit Tarifbindung, im Vornherein einen guten Überblick über die Verdienstmöglichkeiten verschaffen kann, ist das bei freischaffender Kunst nur schwer möglich. Wer dann nur auf die Cocktailkirschen obendrauf schaut, bekommt ein hochgradig verzerrtes Bild.


    Und du hast ja die Zahlen vielleicht gelesen. Wenn Berufsmusiker einem nicht-musikalischen Nebenerwerb nachgehen, um auf durchschnittlich 2660,- Euro netto zu kommen, und wenn vielleicht mal angenommen - rein als Gedankenspiel - Berufsmusiker 30% ihrer Arbeitsleistung branchenfremd erbringen und dadurch 50% ihres Einkommens erwirtschaften, kämen sie umgerechnet bei 100% musikalischer Arbeit als Musiker und Musiklehrer auf nur noch 1900 Euro netto für die Ausübung ihres Kerngeschäfts. Und ob das dann in 40 Wochenstunden stattfindet, ist bei Freiberuflern ja immer so ne Frage.


    In der Gesamtschau kann man von 2660,- natürlich leben.

  • Hmm…der Durchschnittsververdienst liegt mit 2,6 Netto ja jetzt nicht soooo weit unten. Da kommen andere bei einer 40-Stunden-Woche nicht dran. Und ein Mosaik-Berufsleben ist auch für viele Normalität.

    Darunter finden sich aber auch die erwähnten Orchester-MusikerInnen, die entweder feste Angestelltenverträge, oder gar Beamtenstatus haben.

  • Hallo in die Runde! Eigentlich halte ich mich bei solchen Diskussionen immer ganz gerne heraus, weil ich keine formale Bildung habe in Sachen BWL, Steuerrecht und dem ganzen seriösen Jazz.

    Aber mit meinem Tun zähle ich ja zur beschriebenen Gruppe und bin gerade an einigen Zahlen hängen geblieben. Da kam mir der Gedanke, dass ich vielleicht noch was für den Kontext beitragen kann.

    Außen vor lasse ich die Sinnhaftigkeit und das Ausspielen von unterschiedlichen Professionen, Berufs + sozialen Gruppen gegeneinander. Das ist am Ende des Tages immer müßig und bringt i.d.R. auch kein Ergebnis.


    Auch möchte ich vorweg schicken, dass meine Gedanken weder als große Gesellschaftskritik, noch als politische Agenda oder "jammern" zu verstehen sind.


    Mein Gedanke war: 2660 netto ist doch in Ordnung, aber das hat doch mit der Lebensrealität der meisten Musiker*innen wenig zu tun. Wie komme ich auf diese feiste These? Ganz einfach: Der überwiegende Anteil der sog. "Berufsmusiker", unabhängig davon, wie die Mischung der Tätigkeitsfelder "unterrichten vs. spielen vs. komponieren" ist, sind Vollzeit selbständig und i.d.R. bei der KSK versichert.


    Auf Website des deutschen Musikinformationszentrums gibt's da auch noch diverse andere Beiträge, ich verlinke mal den aktuellsten:

    https://miz.org/de/statistiken…ext=musikleben&position=7


    Dieser Bericht stellt 17812€ als so genanntes Jahresarbeitseinkommen fest. Das sind 1484,33 € / Monat. Auf der Seite der KSK kann man sich die Jahresberichte auch immer anschauen.


    Dabei ist zu beachten, dass das natürlich kein Netto ist. Davon müssen noch Steuern und Sozialabgaben bezahlt werden. Steuern nicht mehr ganz so viel, denn wo nichts ist, kann man auch nicht mehr so viel wegnehmen.

    Die von Trommla zitierte Umfrage muss rein statistisch eine ordentliche Überbetonung von Musikern & Musiklehrpersonen haben, die festangestellt sind und nach TÖD oder vergleichbaren Tarifen bezahlt werden. Das ist allerdings die überwiegende Minderheit.

    Das wars auch schon von meiner Seite :)

  • Die von Trommla zitierte Umfrage muss rein statistisch eine ordentliche Überbetonung von Musikern & Musiklehrpersonen haben, die festangestellt sind und nach TÖD oder vergleichbaren Tarifen bezahlt werden. Das ist allerdings die überwiegende Minderheit.

    Danke dir für die Ergänzung :)

    Klar, die KSK ist ein Angebot für Freelancer, da sieht es halt echt dann duster aus. In dieser Grafik aus deinem verlinkten Artikel wird das für 2026 noch detailliert aufgeschlüsselt, finde ich eindrucksvoll:

    Infografik: Freiberuflich Tätige in der Sparte Musik: Einkommensprognosen für das Jahr 2026

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