Musiker und Werbung und … die Würde?

  • ich hab' gerade einzelne Passagen aus Deinem Post zitieren wollen, um zu antworten: Exakt.
    Bis mir auffiel, dass ich nahezu alle Zeilen zitiert in der Zwischenablage hatte. ;)


    +1
    Bin ebenso verwundert.
    Ich hab die Intention des Theams auch so aufgefasst. (Vielleicht war mein Post auch etwas weg vom Thema, aber der bleibt jetz so). Eher das Hajo so in die Richtung fragen will: "Geht's euch manchmal auch so?" Statt:"Der Kerl geht mir mächtig auf die Ketten". Dass jetzt DB dafür herhalten musste, bzw. der Trigger war, ist halt nun mal passiert.


    Was ich mir denke: Wenn eine Person, die durch ihre Qualifikation und Erfahrung ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit erworben hat Werbung für eine Sache macht ( Dermatologe für Schuppencreme, Fußballer für Schuhe ) und dabei deeeermaßen auf den Putz haut, kann ich nicht mehr richtig zuhören. Meine Meinung. Die einen sagen so, die andern so.


    Sollte dieses uuunglaublich gute Produkt dann aber doch die eine oder andere Macke haben, schwingt das bei mir immer etwas mehr mit. Bei meinem besagtem Fall mit dem Steuerungshersteller sagte der "Präsentator" immer "Haste x$%r§, haste besser.." Bei jedem kleinen Fehler, den diese Steuerung bringt, muss ich den Satz bringen. Ist ein running-Gag auch bei den Kollegen.


    Dass Kloppo nicht viel Ahnung von Autos hat unterstell ich ihm jetzt mal. Hier ist es ja offensichtlich, dass er nur seine Nase für ein Produkt hinhält. Es spricht ja auch nichts dagegen. Wenn er's nicht macht, macht's ein anderer.

    Es gibt so viel gute Musik auf der Welt.. ..da muss ich doch nicht Musik hören, die "gar nicht so schlecht" ist. - Hennes M. aus C


    Ich

  • und als solche kann diese gefallen oder eben nicht. Darüber, ob eine Werbung (in Printmedien, auf Webseiten, als Test in Drummagazinen, als Video,...) schlecht oder gut gemacht ist, oder ob einem der Werbeauftritt gefällt oder nicht, kann man sprechen. Schlussendlich wird es eine Geschmacksfrage bleiben...

    Zitat

    (...) und über Geschmack läßt sich bei jeder Werbung streiten

    (Druffnix, Post 20)


    Auf Basis eines Auftritts als Werbefigur Rückschlüsse auf die Person ableiten zu wollen bringt einen meist auf dünnes Eis. Ich gehe auch nicht davon aus, dass Mel Gibson in einer Auseinandersetzung innerlich Brave Heart ist. Solch ein Anstieg des Ruhepuls beim Betrachten einer Werbung ist für mich nicht nachvollziehbar:

    Zitat

    Mir kam eben fast das Abendessen wieder hoch! Ich bin ja aus der Endorser-Ecke schon einiges an sich überschlagender Begeisterung gewöhnt, aber das hier ist eindeutig "over the edge". Ich finde die Präsentation nicht bloß unseriös, sondern geradezu widerlich.

    (Hajo K, Post 65, "Neues Roland T-25" Thread)


    Zitat

    Der Typ kennt wohl in Sachen Falschaussagen keine Skrupel. Es ist einfach nur unfassbar!

    (trommeltotti, Post 109, "Neues Roland T-25" Thread)


    Interessant ist folgender Rückschluss:

    Zitat

    Je größer ihr Erfolg als Marktschreier ausfällt, desto mehr verringert sich bei mir (!) ihr Standing als Musiker. Ich kann so eine Person irgendwann nicht mehr unvoreingenommen beim Musizieren ernst nehmen.

    (Hajo K, Post 30)


    Zitat

    Dieses übertriebene Hype-Geschwurbel nervt mich und mindert das Ansehen des Musikers in meinen Augen

    (hrawth, Post 37)


    Ich sehe das ähnlich wie Moe Jorello im Post 39:

    Zitat

    Ich trenne da strikt zwischen Musiker und Werbeträger.


    Spielt Colaiuta "uninteressanter" auf den Kesseln von Ludwig als auf jenen von Gretsch?
    Sollte man Novak Djokovic in der Rangliste zurückreihen wenn er in einer Werbung für Uniqlo auftaucht?
    Hat sich JoJo Mayer in seiner Stellung als Drummer verändert nur weil er ein Pedal als (s)ein perfektes Werkzeug anpreist.
    (Ich bilde mir ein auch Mayer in einem Evans Video schon mal sagen hören "...you get more low-end".)
    Dass Werbung immer ein wenig über dem Sinnvollen schwebt wurde ja auch schon, anhand von Aussagen der Waschmitelhersteller in Werbetexten, erwähnt.

    Zitat

    Remember: Es geht - wie schon mehrfach richtig angemerkt - um Werbung und die richtige Zielgruppenansprache.
    Und allein die Tatsache, dass hier ausgiebig gepostet und kommentiert wird, ist werbetechnisch für Roland schon ein Erfolg.

    (jensensen, Post 27)


    Das sehe ich genauso.
    Zielmotiv von Werbung - für mein Verständnis - ist Aufmerksamkeit. Allein dass dieses Produkt zwei "intensive" Threats in diesem Forum füllt ist ein Erfolg (welch Reichweite!) für das Herstellerunternehmen.


    Zitat

    Beim Endorsement geht es (...) darum, ob jemand als Werbeträger geeignet ist. Und an dieser Eignung habe ich bereits jetzt (...) Das ist aber immer eine Frage der Unternehmenskultur und dem Image, was man gerne haben möchte, danach werden ja Endorser auch ausgewählt, nicht danach, wie gut sie spielen, koksen oder der Marke verbunden sind. (...) Man stellt sich den potentiellen Kunden vor und überlegt, mit wem man den locken könnte.

    (Jürgen K, Post 202, "Phil Rudd von AC/DC verhaftet" Thread)


    Ob einem jetzt ein Endorser sympathisch ist oder nicht ist nunmal verschieden. Aber auch in den sympathischen Fällen darf man wissen, dass es sich um Werbung handelt. 8)
    Eine Aussage wie "Ich spiele nur Trommeln des Herstellers XY, da nur diese zu meinem Sound passen" ist genauso Kinderbuchromantik wie der diversifizierte Bauernhof.
    Daher kann ich die Aufregung nicht ganz teilen. Wenn man allerdings auf einem Konto mit Plus & Minus Punkten laufend bilanzieren möchte, wie im Startpost erläutert,
    kann das natürlich auch in ein gewisses Stresslevel münden.


    Ein Aspekt, der mir als Nicht-Profi gar nie in den Sinn gekommen wäre: Kenny Phelps meinte nach einem Konzert mit DeeDee Bridgewater, dass er andere Drums spielen würde, sich
    jedoch mit seinem momentanen Ausstatter sicher sein kann, überall wo er spielt auch ein Set vorzufinden. So braucht er nur mit Cymbals, Pedal & Sticks reisen.


    Gruß
    Geo_Leo

    "Ich weiß, das klingt alles nicht so einfach..."
    Fred Sinowatz

  • Moin!


    Verfolge den Thread jetzt seit Anfang an, weil ich ihn interessant finde, hatte aber gleich ein "ganz mieses Gefühl" als ich den Begriff Würde in der Überschrift gelesen habe. Ich unterstelle mal, dass ich einigermassen verstanden habe, um was es Hajo geht, kann es aber mit dem besagten Wort nicht ganz überein bekommen. Die Art einer Präsentation von Drums, Waschmittel Autos etcpp. hat sicherlich viel mit der Persönlichkeit und dem Image des Werbenden- in diesem Fall Endorsers- zu tun, aber wer bin ich um zu beurteilen, ob das jetzt würdevoll ist oder nicht? Da geht es doch in erster Linie um Geschmack des/der Rezipienten. Ich habe mir auch schon mal eine Clinic mit gleichzeitiger Produktinformation des im Startpost erwähnten Herren angesehen. Auch für mich war danach klar: bei dem warst du zweimal auf einmal; das erste und das letzte Mal. Das hatte aber eigentlich nix mit dem Drummer persönlich zu tun. Mir gefiel seine Art nicht. Und das ist okay, weil ihm umgekehrt meine wahrscheinlich auch nicht gefallen würde. Trotzdem hat er das System, um das es ging zu jederzeit kompetent erklärt und auf Fragen erstklassig Bezug genommen. Er war, trotz der MIR sauer aufstossenden Präsentation, immer glaubwürdig.


    Und da liegt meiner Ansicht nach der Hase im Pfeffer. Wenn ich mir so darüber Gedanken mache, komme ich zu dem Schluss, dass ich die meiste Werbung total hirnrissig finde. Dass Ariel immer weisser wäscht, glaubt doch in Wirklichkeit keine Sau.Und das das neue Set X der Marke Y das tollste seit der Erfindung von geschnitten Weissbrot ist auch nicht. Klappern gehört zum Handwerk. In der letzten Drumheads haben alle Firmen fleissig zum 10jährigen gratuliert, kurz! um dann in vergleichsweise epischer Breite zu schreiben, warum sie die innovativsten waren in dem Zeitraum. Es gab eine rühmliche Ausnahme, die anderen habe ich für mich sofort unter "publicitygeil" bzw. unglaubwürdig abgeheftet. Das muss aber in der heutigen Zeit wohl leider so sein, der Marktschreier muss immer lauter schreien, weil der Konsument eigentlich weghört, wenn er Werbung sieht/hört/vermutet. Nicht umsonst wird die Werbung im Fernsehen immer lauter...lauter, aber nicht glaubwürdiger. Es ist der Trend der Zeit.


    Für mich persönlich sind andere Faktoren ausschlaggebend, die zu Glaubwürdigkeit führen. Zusammenarbeit über einen langen Zeitraum mag da als ein Kriterium herhalten. Drummer, die ihr Set wechseln wie andere ihre Unterwäsche, sind in meinen Augen (und wahrscheinlich auch den Augen vieler meiner Generation), als Werbeträger denkbar ungeeignet bzw. unglaubwürdig. Das mag den verpflichtenden Firmen egal sein, aber es lässt mich Schlüsse auf das Unternehemen ziehen, die dann nicht so positiv ausfallen und die ich in persönlichen Gesprächen dann auch gerne mitteile. Ich als Firma hätte kein Interesse daran, den Herren XYZ zu verpflichten, damit er meine Drums anpreist, wenn er letztes Jahr noch bei der Firma Mahamya war und das Jahr davor bei Perle und das Jahr davor... you get the idea. Dabei mache ich dem Herrn XYZ noch nicht mal einen Vorwurf, der muss nämlich sehen, wie die Butter auf sein Brot kommt und dann gilt die Weisheit pecunia non olet. Ihn mag es nicht kümmern, dass er als Künstler bzw. Werbefigur mit solchen Aktionen unglaubwürdig wird, die Firmen anscheinend auch nicht...


    aber mich!


    LG

  • Ich als Firma hätte kein Interesse daran, den Herren XYZ zu verpflichten, damit er meine Drums anpreist, wenn er letztes Jahr noch bei der Firma Mahamya war und das Jahr davor bei Perle und das Jahr davor...


    Und das Verrückte daran ist, daß es wahrscheinlich in einem Jahr keiner mehr (besonders von den jungen, nachwachsenden Drum-Rookies) weiß.
    Die Person und ihr Nimbus im musikalischen Geschehen sind imo entscheidenter für die Wirkung einer Werbung, als das beworbene Produkt - boah, mein Hero spielt das Teil, dann brauche ich das auch (und im Hinterkopf: dann spiele ich auch genauso gut :D :S ).
    Anders kann man z.B. das Wiederauftauchen von schwarz, bzw. weiß lackierten Becken, nicht erklären.
    Dem Vorzeige-Drummer kann ich es eigentlich nicht verübeln, von irgendetwas muß er ja leben und nicht jeder steht ganz oben auf der Karrieretreppe und kassiert gut über andere Einnahmequellen.
    Einem Verkäufer in einem Musikladen würde ich es allerdings übelnehmen, da er meine einzige, hoffentlich neutrale Wissensquelle bzgl. eines Instrumentes ist - sonst würde es ja reichen, sich im Internet mit "Informationen" zu versorgen.
    Was mich allerdings auch ärgert, sind die Drummer, die in der Werbung mit einem "billigen" Einsteigerset (imo eh nur überteuerte Chinaklone, die mit der Firma eigentlich nicht wirklich etwas zu tun haben) einer Firma abgelichtet sind, wohlweislich aber das Topmodell dieser Firma spielen - das ist Leuteverdummung (veröffentlichskompatibel ausgedrückt).
    Alles in Allem ein sehr schwieriges Thema und der geneigte Käufer ist leider auch nicht wenig daran mitschuld - mehr Ohr als Auge beim Kauf wäre schon nicht verkehrt, aber das ist leicht gesagt bei dem permanenten Werbe (shit)storm, der auf uns Konsumenten niederprasselt (und das bei allen Produkten, nicht nur bei Drums).

  • Hi,


    wenn ich als Kuenstler z. B. drum sticks habe, die mir gefallen, wieso kann ich das nicht kundtun? Was hat das mit Wuerde zu tun? Also wenn ich primaer ein Produkt anpreise, das ich selbst nutze und total in Ordnung finde, das Verhalten ist doch voellig ok.


    Andere Leute haben unter Umstaenden enorme Vorteile davon, weil sie in dem Wust von Angeboten nicht lange rum suchen brauchen und gezielt mal Produkte ausprobieren koennen die andere Leute auch nutzen.


    Steve

    Steve Miller (C)

  • Hi!

    wenn ich als Kuenstler z. B. drum sticks habe, die mir gefallen, wieso kann ich das nicht kundtun? Was hat das mit Wuerde zu tun?

    Steve, ich weiß nicht, wie genau Du meinen Startpost gelesen hast, aber dort sprach ich nicht über den Verlust von Würde beim Kundtun von Produktvorlieben. Exakt das ist es, was ich - idealerweise - gerne als Endorsement sehen würde. Ich schrieb dort:
    "(...) denn je weiter von mir geschätzte Drummer sich in Richtung Staubsaubervertreter "weiterentwickeln", desto mehr verlieren sie für mich ihre Würde als Musiker. Sprich: Ihr Verhalten lenkt mich davon ab, ihre Arbeit, ja teilweise auch ihre Kunst, ernst zu nehmen."


    Auf Basis eines Auftritts als Werbefigur Rückschlüsse auf die Person ableiten zu wollen bringt einen meist auf dünnes Eis. Ich gehe auch nicht davon aus, dass Mel Gibson in einer Auseinandersetzung innerlich Brave Heart ist. Solch ein Anstieg des Ruhepuls beim Betrachten einer Werbung ist für mich nicht nachvollziehbar

    Also Geo_Leo, eins vorweg: ich darf Dir versichern, dass ich nachts ruhig schlafe und auch sonst mein Doc mit Ruhepuls und Blutdruck zufrieden ist. Ja, wir haben es hier mit Werbung zu tun, aber eben mit einer sehr speziellen: Hier wird nicht mit simpler Prominenz (Steffi Graf für Barilla Nudeln) sondern mit anerkannter Fachkunde und -kompetenz geworben. Da habe ich an die Qualität der Aussagen eben höhere Ansprüche als an simple Reklame. Die kann ich sogar genießen: Als vor Jahren Curt Cress tatsächlich (im Fernsehspot) eine kleine Studiopause einlegt und beim Tchibo nebenan (mit anerkennend hochgezogenen Augenbrauen) einen Kaffee genießt, hab ich mir einen gegrinst und mich für ihn gefreut. Wenn derselbe Curt mir erzählt hätte, dass nur Yamaha dieses unerreichte TrueEdge Pro-Verfahren für perfekte Gratungen hat, hätte ich mich geärgert. Natürlich würde ich diesen (hypothetischen) Spruch nicht glauben, ich bin nicht doof. Aber solche Endorser versuchen, mich für doof zu verkaufen (und schaffen es bei den Kids ja auch). Und das ärgert mich. Auch ohne höheren Ruhepuls.


    Die Art einer Präsentation von Drums, Waschmittel Autos etcpp. hat sicherlich viel mit der Persönlichkeit und dem Image des Werbenden- in diesem Fall Endorsers- zu tun, aber wer bin ich um zu beurteilen, ob das jetzt würdevoll ist oder nicht? Da geht es doch in erster Linie um Geschmack des/der Rezipienten.

    Oh, ich erlaube mir einfach als Mensch Aussagen über die Würde, die Verhaltensweisen anderer ausstrahlen oder eben nicht. Ich meine mit Würde auch nicht die Menschenwürde, die ich einem Menschen ja gerade nicht absprechen kann und darf, sondern die im altmodischen Wortsinn des "Würdenträgers". Eine Person, die es in einer Branche zu Ansehen und Respekt gebracht hat, hat für mich eine besondere Ausstrahlung. Ein Künstler, der mich zutiefst mit seinem Werk berührt ebenso. Und diese würdevolle Ausstrahlung kann man fördern, neutral halten oder mindern. Letzteres passiert, aus meiner persönlichen Sicht, wenn mit dem Musiker ein Fachmann und Künstler zum Vertreter und Sprücheklopfer wird. Wer das entscheidet? Na ich als menschliches Gegenüber. Und natürlich subjektiv.


    Mit Geschmack hat es meiner Meinung nach daher nur am Rande zu tun. (Geschmack spielt unweigerlich in mein Urteil hinein, das kann ich nicht leugnen.) Aber mir geht es hier um mehr als um die Frage: Gefällt Euch die Lobpreisung von SlipDrums durch Rick Roller? Meine Frage ist: Könnt ihr Rick noch ebenso ernst nehmen, wenn er eine Woche später vor Euch auf der Bühne steht. Meinung und subjektive Wertung - ja, Geschmacksurteil nein.


    Dem Vorzeige-Drummer kann ich es eigentlich nicht verübeln, von irgendetwas muß er ja leben und nicht jeder steht ganz oben auf der Karrieretreppe und kassiert gut über andere Einnahmequellen.

    Irritiert es Dich denn gar nicht, Hammu, dass gerade die, die oben auf der Treppe stehen, zu den eifrigsten "Endorsern" gehören? Ich würde denken, die könnten schon von dem "irgendwas" ihre eigentlichen Berufes leben. Nein, das Argument "ich war jung und brauchte das Geld" zieht für mich hier nicht.


    Mir kommt gerade in den Sinn: Wenn es, wie ich meine, bei der unterschiedlichen Bewertung von aggressivem Endorsing nicht um eine Geschmacksfrage geht, ist es dann am Ende nicht vielleicht die generelle Haltung gegenüber Werbung? Eine unterschiedliche Toleranz ihr gegenüber? Mir fällt nämlich auf, dass ich zwar durchaus Markenkäufer bin, aber meine Wahl durchweg auf die "leisen Marken" fällt. Und dass bei mir weder im Radio noch im Fernsehen Werbung läuft, einfach weil *diese* Art von Werbung meinen Puls be... äh ... hoppla. :)


    Tiefenentspannte Grüße von
    Hajo K

  • Und das Verrückte daran ist, daß es wahrscheinlich in einem Jahr keiner mehr (besonders von den jungen, nachwachsenden Drum-Rookies) weiß.


    Und für uns Drummer, die wir schon länger die Szene verfolgen, kommt der Punkt, da wechseln die Drummer teilweise so schnell die Marke, dass man nicht weiß, wer nun was spielt. Ist das nun besser von einem Marketingstandpunkt? Eher nicht.
    Immerhin gibt es neben Erskine, Cobham & Co. noch ein paar Drummer, die "ihrer Marke" verbunden geblieben sind, und das Jahrzehntelang. (Manu Katché, Lars Ulrich, Ringo Starr, Phil Collins, Stewart Copeland, Barriemore Barlow, Steve Gadd...)

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

  • Irritiert es Dich denn gar nicht, Hammu, dass gerade die, die oben auf der Treppe stehen, zu den eifrigsten "Endorsern" gehören? Ich würde denken, die könnten schon von dem "irgendwas" ihre eigentlichen Berufes leben.


    Ok, mag sein - vllt blende ich aber auch die Werbung mittlerweile schon automatisch aus.
    Ich bin von all der Werbung (also nicht nur im Drumbereich) schon genervt, dass ich mich immer öfter dabei erwische, wie ich im Laden ein Produkt extra nicht kaufe, weil es mir in den Medien zu extrem beworben wird. Ich habe ja schon so einige "Moden" (z.B. lange Kessel, dünne Kessel, garkein Kessell.....) im Drumbereich kommen und auch wieder gehen sehen, die alle mit tollen Worten beworben worden sind und sich trotzdem nicht wirklich durchgesetzt haben - da lernt man eben zwischen den Zeilen der Werbung zu lesen.
    Da ich sicher nicht der Einzige bin, wie dieser Thread hier ja zeigt, sollte die Werbebranche (und deren menschliche "Aushängeschilder") die gegenwärtige Situation mal überdenken, aber ich fürchte, denen fällt sicher noch was ein, um auch Leute wie mich trotzdem noch zum Kauf zu manipulieren.
    Aber solange ich noch selbst entscheiden darf und kann, wie ich mein Geld ausgebe, ist noch nicht alles verloren.
    Irgendwie tun mir aber auch die Musiker leid, die ihren guten, oft hart erarbeiteten Ruf und ihre Glaubwürdigkeit, durch falsche Werbung auf Spiel setzen (müssen?).
    Aber jeder, wie er/sie mag, ich kann meinen Kopf auch auf Durchzug stellen - das belastet meinen Kreislauf nicht.

  • Irritiert es Dich denn gar nicht, Hammu, dass gerade die, die oben auf der Treppe stehen, zu den eifrigsten "Endorsern" gehören? Ich würde denken, die könnten schon von dem "irgendwas" ihre eigentlichen Berufes leben. Nein, das Argument "ich war jung und brauchte das Geld" zieht für mich hier nicht.


    Hajo, ich denke, du übersiehst da einen wichtigen Punkt. Den des Supports - und das weltweit. Gerade jene Drummer, die sehr erfolgreich sind, müssen sicher sein können, dass das Equipment bei Welttourneen u.ä. pünktlich und heile vor Ort ist. Wenn etwas zu Bruch geht, muss schnell ein Ersatz her. Das bedeutet dass das Binden an eine Marke für einen Drummer gute Gründe haben kann (Was auch erklärt, weshalb fast alle Top-Drummer werbeverträge mit der einen oder anderen Marke haben). Für diesen Support fordert Die Firma dann eine Gegenleistung - in Form von Werbung für ein Produkt.


    Es ist ähnlich wie bei der Fotografie. Viele erfolgreiche Fotografen nutzen entweder Canon oder Nikon, weil sie sichergehen können, dass sie überall auf der Welt von den Marken professionelle, unkomplizierte und schnelle Hilfe bekommen können, falls notwendig (z.B. über den Canon-Professional Service). Im Gegenzug sind nicht wenige dieser Fotografen als sogenannte "Ambassadors" für Canon und Nikon unterwegs, preisen bei Workshops die Vorzüge des System an und stehen auch für Werbefilme etc. parat. Dafür bekommen sie halt ein 8.000 Euro-Objektiv mal eben so gestellt. Beide Seiten haben was davon. Der Fotograf berufliche Sicherheit/Sorglosigkeit bzgl. des Equipments, die Firma hat den Imagegewinn für sich.


    Ich hoffe du siehst die Parallele zum Drumset. Wenn im Flieger z.B. die Bassdrum reisst, und du am selben Abend eine Bassdrum brauchst von Marke X, Modell Y, dann wird Marke X alles daran setzen, schnellstmöglich das Produkt Y zu ihrem Werbeträger und zum Konzert zu bekommen. Im Gegenzug/als Gegenleistung steht der Drummer dann für Werbung parat (Win-Win).


    Sollte das mit dem Support nicht klappen, könnte der Drummer nämlich frech sagen: "Eigentlich sollte ich heute Abend vor euch 70.000 Fans spielen, aber leider war meine Drummarke nicht in der Lage eine neue Bassdrum zu besorgen. Das Konzert fällt daher aus." Das wäre mehr als eine Backpfeife für die Drummarke.

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

  • Hajo, ich denke, du übersiehst da einen wichtigen Punkt. Den des Supports - und das weltweit. Gerade jene Drummer, die sehr erfolgreich sind, müssen sicher sein können, dass das Equipment bei Welttourneen u.ä. pünktlich und heile vor Ort ist. Wenn etwas zu Bruch geht, muss schnell ein Ersatz her. Das bedeutet dass das Binden an eine Marke für einen Drummer gute Gründe haben kann (Was auch erklärt, weshalb fast alle Top-Drummer werbeverträge mit der einen oder anderen Marke haben). Für diesen Support fordert Die Firma dann eine Gegenleistung - in Form von Werbung für ein Produkt.


    Sehr interessanter Punkt. Gut Gemacht Moe. :thumbup:

    Es gibt so viel gute Musik auf der Welt.. ..da muss ich doch nicht Musik hören, die "gar nicht so schlecht" ist. - Hennes M. aus C


    Ich

  • Für diesen Support fordert Die Firma dann eine Gegenleistung - in Form von Werbung für ein Produkt.


    Alles richtig, was du schreibst, aber ich glaube, Hajo meint was Anderes (und ich auch, nebenbei bemerkt). Keiner von uns würde es einem etablierten und eigentlich respektablen Trommler übelnehmen, wenn er Werbung für seine Marke machen würde, die auf weltweiten Support, langjährige Zufriedenheit mit den Produkten und der Zusammenarbeit, Customanfertigungsbereitschaft, Zusammenarbeit bei der Produktentwicklung, Trommel- und Hardwaredesign oder auch seinen persönlichen Finish-Geschmack abzielt. Das sind marken- bzw. produktimmanente und/oder geschmackliche Gründe, die nachvollziehbar sind - zwar bezeichnen sie Ansprüche, die durchaus von mehreren Marken erfüllt werden können, aber da käme eben der individuelle Geschmack oder die persönliche Einstellung des Endorsers ins Spiel, den bzw. die er/sie sehr wohl glaubWÜRDIG vertreten kann.


    Pressekonferenzen anlässlich der "Neu-Erfindung des Trommelrunds" und hypeverdächtige Präsentationen/Videos gehören für mich hingegen der Kategorie "Persil-Reklame" an und haben immer das Geschmäckle, einem den eigentlich nicht existierenden heiligen Gral anschwatzen zu wollen. Das sollten gestandene Musiker nicht nötig haben, und ich finde es unwürdig, wenn sie es (jedenfalls augenscheinlich) doch nötig haben.

  • Pressekonferenzen anlässlich der "Neu-Erfindung des Trommelrunds" und hypeverdächtige Präsentationen/Videos gehören für mich hingegen der Kategorie "Persil-Reklame" an und haben immer das Geschmäckle, einem den eigentlich nicht existierenden heiligen Gral anschwatzen zu wollen. Das sollten gestandene Musiker nicht nötig haben, und ich finde es unwürdig, wenn sie es (jedenfalls augenscheinlich) doch nötig haben.


    Das sind Dinge zu denen der Drummer im Falle des Abschlusses eines Werbevertrages vertraglich verpflichtet ist. Da kann er icht einfach sagen: Nö, mache ich nicht (Weil ich euren Hype nicht glaube/unterstütze, das neue Produkt käsig finde,...). Dann wird der Vertrag gekündigt und der Support ist futsch.

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

  • Das ist der Beste (kenne aber nur den). Man braucht allerdings auch nen bestimmten Status den es erst mal zu finanzieren gilt.


    Och ... so viel brauchst da nicht. Zwei EOS 5DII und drei gute Objektive à la 17-40L, 24-70L und 70-200 L IS USM II und alles ist paletti. Oder zwei 7D's mit drei L-Objektiven, oder 'ne 7er und ne 1er oder zwei 6D oder ... War bei mir jedenfalls pupseinfach, den Support zu bekommen (brauchten nicht mal Nachweis von Agentur oder Verlagen über berufliche Tätigkeit). Der Status ist (für mich) jedenfalls einfacher zu erreichen, als ein Endorsement bei Tama, Sonor & Co. Dafür trommel ich einfach zu hobbymäßig. :D

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  • Das sind Dinge zu denen der Drummer im Falle des Abschlusses eines Werbevertrages vertraglich verpflichtet ist. Da kann er icht einfach sagen: Nö, mache ich nicht (Weil ich euren Hype nicht glaube/unterstütze, das neue Produkt käsig finde,...). Dann wird der Vertrag gekündigt und der Support ist futsch.


    Und auch das mag auch schon den einen oder anderen schon zum Wechsel getrieben zu haben. Ob man durch einen Wechsel also objektiv unglaubwürdiger dasteht oder das Gegenteil der Fall sein sollte, ist eben auch eine Sache des Einzelfalls und die Interna sind nicht öffentlich.
    Ich bedaure, wenn sich jemand damit zu sehr herumschlagen muss.

    -
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  • Zitat

    Das sind Dinge zu denen der Drummer im Falle des Abschlusses eines Werbevertrages vertraglich verpflichtet ist. Da kann er icht einfach sagen: Nö, mache ich nicht (Weil ich euren Hype nicht glaube/unterstütze, das neue Produkt käsig finde,...). Dann wird der Vertrag gekündigt und der Support ist futsch.


    Nochmals: es gebt mitunter Spielräume bzw. diese werden ausgelotet.
    Ich kenne Drummer die genau definiert haben wofür sie bereit stehen und wofür nicht. Die Firmen übrigens je nach "Fall" auch.
    Das ist auch insofern nicht soo ungewöhnlich, da Endorser/Endorsees whatever oftmals sowieso ganz verschiedene Funktionen inne haben bzw. abdecken (sollen). Und nopchmals: die Unternehmenspoilitk ist mitunter verschiedenen von Vertrieb zu Vertrieb bzw. Hersteller zu Hersteller.


    Es gibt nicht den alleinigen Status : "Ein Endorsement funktiioniert exakt so wie ich es in 3 Zeilen aufschreibe!"


    Bitte, bitte nicht diese Pauschalaussagen, insbesondere wenn Du nicht mit Endorsements/Endorseees etc. konfrontiert warst.


    Die Crux an diesem Thema ist, dass sich viel zu wenige Endorser beteiligen. So stützen sich zwangsläufig diverse Posts auf mal gehörtes bzw. unterstelltem ;) bzw. pauschaliserten Aussagen ohne die reale Bandbreite kennenzulernen. Das ist für so eine Diskussion natürlich suboptimal.

  • Hm.... ich sehe gerade, dass meinem Beitrag ein "oftmals" zwischen "Drummer" und "im Falle des Abschlusses" gut zu Gesicht gestanden hätte. Ich wollte jetzt nicht pauschalisieren und sagen, dass es bei jeder Marke bei jedem Endorsementvertrag alles absolut identisch ist. Das lag mir fern. Dass es verschiedene Arten des Supports/Endorsements/Werbeakbommens gibt, ist natürlich unbestritten. Pardon für die "schlampige Formulierung" weiter oben.

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

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