JustMusic schließt Läden

  • Das ist sehr schade! Ich war gerne in HH und habe dort Becken oder Trommeln angetestet (und auch das ein oder andere Teil gekauft). Damit ist der nächste richtig große Laden für mich MP in Ibbenbühren oder eben Justmusic in Berlin... beides eine echte Tour, die man nicht mal so schnell wie den Trip nach HH macht. :(

  • Nicht wirklich überraschend, auch wenn der Umbau kaum als Ursache für die Schließung der übrigen Filialen herhalten kann. Heute kannst du als Musikalienhändler vor Ort vermutlich nur noch schwer überleben. Auch Thomann in Treppendorf wäre m.E. schon lange zu, wenn nicht einerseits die Eigenmarken inzwischen so einen weitreichenden Ruf hätten, und andererseits der Besuch im "Mutterschiff" für manchen echten Eventcharakter böten. Essen in der T-Kitchen inklusive ;) Der Laden selbst taucht in der Bilanz vermutlich schon seit langem nur noch unter "Sonstiges" auf. Der Showroom des weltweit größten Musikalienversenders eben.


    Schade nur, dass es in mehr und mehr mehr Branchen zu einem Sterben der örtlichen Geschäfte kommt und man überwiegend auf Onlinehandel angewiesen ist. Es gibt doch immer noch etliche Menschen, und zwar nicht nur Alte, die sich bislang fast ausschließlich in der realen Welt mit Gütern versorgen. Wenn ich mich daran erinnere, wie viele gut sortierte Musikgeschäfte es früher in München gab. Ich glaube ab 2021 ist dann nur noch Hieber-Lindberg übrig, mal abgesehen von kleinen Servicewerkstätten mit etwas Ladenverkauf. Segelbedarf für mein anderes großes Hobby kann ich in München auch schon lange nicht mehr im Fachhandel vor Ort kaufen


    Vor allem bin ich gespannt, ob sich langfristig Verbraucherschutzrechte im Onlinehandel verändern, wenn es irgendwann keine Ladengeschäfte mehr gibt, auf deren Gleichstellung die Gesetzeslage z.B. beim Umtauschrecht abzielt.

  • Was wurde denn da umgebaut - diese Dachbegrünung? War ich wohl doch schon länger nicht mehr da...

    Da wird nicht nur begrünt, sondern massiv umgebaut und aufgestockt. JM musste die komplette obere Etage (Drums) nach unten verfrachten. Dann sind die Parkplätze weggefallen. Der Eingang ist unter Baugerüst versteckt, Zugang nur noch über einen Seitenpfad möglich. Das macht es echt schwer, Umsatz zu generieren. Dann war der Laden aufgrund der Größe länger Coronabedingt geschlossen. Und die Miete dort ist eher happig. Das frisst massig Geld. Und als wieder auf war, waren die Etagen leer. Tot. Praktisch kein Publikum, weil auch die Musikschulen im Haus dicht waren.
    Ich war da immer gerne und habe das Gespräch mit den Verkäufen gemocht. Insbesondere mit Nico. Naja. Hoffe, dass die Jungs und Mädels bald nen Job haben, sofern ihnen gekündigt wird...

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

  • Was viele immer wieder vergessen... viele Shops erzielen keinen nennenswerten Gewinn. Viele taumeln seit Jahren!
    Das hat auch mit Corona nur bedingt zu tun.


    Ich erinnere diverse Beispiele wo andere Unternehmer anderer Branchen anfingen zu lachen, als sie die Margen "unser Branche" sahen. Ich denke mancher erinnert sich auch: wir hatten hier schon vor 10 - 15 Jahren so viele Diskussionen, das vieles zu teuer sei an Drums, Cymbals oder Hardware für uns Endkunden, oder Preise in den USA hingegen so schön niedrig seien etc.
    Leider sind manche Dinge eher viel zu billig... manches ist vergleichabr mit den zu niedrigen Lebensmittelpreisen. Qualität hat seinen Preis und nachhaltiges, Mitarbeiter- und umweltfreundliches Produktionsklima erstrecht, von Steuer- und Sozialabgaben etc. etc. ganz zu schweigen.


    Viele mögen für Bio-Produkte womöglich bereit sein deutlich mehr zu zahlen als im Ramsch-Outlet für 3 Tonnen Fleisch zu 49 Cent (wenn ich seitenweise rohe-Fleisch-Bilder in Briefkastenprospekten von Handelsketten sehe und die Cent-Preise, bekomme ich das Kotzen und bin mir sicher: wir haben sie nicht mehr alle!), im Instrumentalbereich hingegen (das wird vielen nicht munden) ist es massig Käufern scheiß-egal.


    Auch unabhängig von Corona haben wir im Musikinstrumentensektor die handfeste Krise! faktisch seit 2008/2009 durchgehend! in der Industrie und mit sehr wenig Verzögerung auch in den Shops... vom Onlinehandel der Markt- und Preisbestimmer ganz zu schweigen. Nie werde ich vergessen, als ein Mitarbeiter mir sagte, das erste was der sehr große Shop in dem er arbeitet morgens macht, ist die Preise von Thomann zu studieren und diese sofort in sein System einzupflegen. Darüber nachzudenken ob diese Preise für ihn Sinn machen, lohnt nicht, weil der Kunde es erwartet. So kamen sie dann u.a. auch hier durch gottgegeben, die roten Zahlen.


    edits: Lilliput Monitor, deswegen Rechtschreibung übersehen. Inhaltlich nix geändert.

  • Okay, das ist ein Tiefschlag:


    Das erste Equipment bei JustMusic hier in Dortmund, damals noch Musik Jellinghaus, habe ich 1979 gekauft. Seither habe ich alle meine Sachen dort erworben, kenne alle Verkäufer, einige sind sogar noch aus den 80iger dabei, haben ihre Lehre noch unter altem Firmennamen gemacht, der Rest ist seit Anfang der 2000er dort.


    Das tut mir für die Truppe sehr leid. Insbesondere die Drumabteilung war äußerst kompetent, immer auf der Höhe des Geschehens in Sachen neues Equipment und viel Erfahrung.


    Oft bin ich einfach mal auf gut Glück vorbei und hab nachgesehen, ob was Neues reingekommen ist, man hat gefachsimpelt, News durchgehechelt. Der Laden gehört gewissermaßen zu meiner eigenen Biografie, mit dem PKW rund 6 Minuten entfernt.


    Die Gründe sind, denke ich, schnell aufgezählt, wir alle kennen sie:


    # Immer weniger Leute machen Musik: die geburtenstarken Jahrgänge sind in die Jahre gekommen - die Alten, die Geld haben, haben alles und kaufen immer weniger, und von den Jungen gibts immer weniger, sowohl absolut als auch zuwenige von denen, die Muzak machen und hierfür ein richtiges Instrument benötigen


    # der Online-Handel als zu große Konkurrenz


    # die Sucht der Käufer nach "Geiz-ist-geil" und ihre Schizophrenie dabei: am Montag für höhere Löhne demonstrieren und Dienstags in der Betriebsratsversammlung die großen Reden schwingen, am Freitag dann dem lokalen Musikhandel mit stundenlangem Instrumententest nebst anschließendem Plektron- oder StickKauf auf die Nerven gehen, um dann am Samstag beim billigen Online-Handel das beste Schnäppchen zu bestellen.


    # zusätzlich Einbruch der gesamten Musikbranche durch Corona


    # allgemein steigende Kostensituation über die Jahre


    Das alte Lied, die Pleite hat immer 3 Väter: zu wenige Nachfrage, zu große Konkurrenz und zu hohe Kosten


    Und es stimmt ( Gerald): Irgendwann war es soweit, dass man bei Frage nach dem Preis direkt im Netz nachgesehen hat beim großen T und die Preise - ungefragt - übernommen hat. Das merkte selbst der in solchen Dingen unbewanderte Vollhonk: Hier stimmt was nicht und das kann nicht gut gehen.


    Das Schlimme: Die Aktion ist nur stellvertretend für vieles, was derzeit seit einigen Jahren hier im Land abläuft, nicht erst seit Corona. Naja, wieder einige Hundert Mitarbeiter mehr arbeitslos, allein in Dortmund dürften es bei 2 Häusern so ungefähr 40 Kern-Mitarbeiter sein. Das große Sterben: Drum-Center in Bochum hatte letztes Jahr dicht gemacht jetzt gibts hier in der Ecke nur den kleine Ernie's Musikladen in Witten.


    Man fragt sich, wer in Zukunft den ganzen Zauber hier in unserem Land eigentlich noch bezahlen soll, wenn die Nettosteuerzahler nicht nur immer weniger werden, sondern sogar noch ersatzlos von der Geber- auf die Nehmer-Seite wechseln. Naja, aber "kluge Leute" haben mir mal erzählt: "mach dir keinen Kopf, wir habens doch und sind ein reiches Land. Wer, wenn nicht wir, kann das alle schultern."

    "Pommes/currywurst hat einfach seine eigenen Gesetze."
    (c) by frint / 2008


    "Es macht so viel Spaß, ein Mann zu sein, das können sich Frauen gar nicht
    vorstellen!" (c) by Lippe / 2006

  • Tag zusammen,


    Seelanne, herrlich diese Wahrheiten!


    Kann das nur bestätigen, ich bin Inhaber eines Onlineshops.


    Mail vom Verbraucher, ich suche das Teil ....?
    Welchen Sonderpreis können Sie mir machen, wenn ich 2 Stück bestelle. (Kosten je Teil ca. 145,00 €)
    Ja richtig, zwei Stück. Keine 20 oder 30, nein zwei!


    Mir fehlen da einfach die Worte und ich muss mich wahrlich bremsen.


    scandi

  • ich würde das jetzt mal nicht so schwarz sehen. Immer dieses Gejammer...


    Vielleicht eröffnet thomann irgendwann im Franchisesystem kleine Filialen mit starker Serviceorientierung, wie Reparaturen etc. Sowas kann der onlinehandel eben nicht bieten, wird aber nachgefragt und auch bezahlt. Es gäbe Beratung und natürlich auch Instrumente zum Testen, Zubhör , Noten etc.
    Dazu braucht es nur etwas mutigen Unternehmergeist (nicht gegen sondern mit der Konkurrenz arbeiten!) und etwas Starthilfe vielleicht, ich finde die Idee gar nicht schlecht...;-)


    Aber ihr dürft diese Idee auch gerne im Staub eures konservativen Pessimismus zertreten...(achtung :D)

    "Die Sprache ist natürlich im ersten Moment immer ein Hindernis für die Verständigung."



    Marcel Marceau (*1923), französischer Pantomime

  • Auch ich ertappe mich regelmäßig dabei Big "T" sozusagen als Richtwert zu verwenden wenn ich einen Artikel suche. Dann orientiere ich mich ebenfalls an deren Preisangaben. Vollkommen bescheuert...gebe ich zu. Ich bestelle aber so gut wie gar nichts mehr Online.
    Ausschlaggebend war auch ein Erlebnis dass ich vor wenigen Jahren bei Session Music in Frankfurt hatte. Da war ich wieder mal auf der Suche nach einem Bass. Der nette Verkäufer hat mich mit seiner Beratung und Geduld regelrecht zum Staunen gebracht. Fazit der Sache. Ich ging nach einer dreiviertel Stunde und hatte zwei Tieftöner im Focus die ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte.


    Leider kam es nicht zum Kauf da mein Favorit kurz darauf nicht mehr verfügbar war. Ich habe es dann aber komplett sein lassen. Ich hätte den niemals woanders bestellt!!!


    Aktuell fehlen mir noch ein paar Sachen insbesondere ein guter Drumhocker. Die werde ich dann entweder bei Session oder Cream Music persönlich holen. Ich mache mich wegen 20,00 Euro Preisunterschied nicht mehr mürbe und überhaupt finde ich es gerechtfertigt. Das Gefühl einen Laden zu betreten und einen glücklichen Zeitpunkt zu erwischen in dem dann nicht so viele "Pseudokunden" auf der Piste sind ist unbezahlbar ;-)


    Es tut mir für jeden Laden leid der so untergehen muss. Ich kaufe lieber gar nichts mehr oder noch viel lieber gebraucht wenn es gerade finanziell nicht passt.

    Einmal editiert, zuletzt von roachford ()

  • Hier kann ich mich nicht beschweren, ich hab den Supermarkt (Musicstore) und den Feinkostladen (Drumcenter) quasi vor der Tür und selbst Koblenz (Drums Only) ist nur eine zweistellige Kilometerzahl entfernt.


    Was weiter oben aufkam: Bei Standardkrempel nimmt der kleinere Laden im Groben den selben Preis wie die Großen, da kann man auch beim Kleinen bestellen; selbst wenn der beim dreistelligen Gesamtpreis 4,50 teurer ist.

    Wenn man das Knie sieht, ist die Bassdrum zu klein!

  • Ich hab da schon lange nichts mehr gekauft, weil der Service in der Drumabteilung grottig war.
    Meine Frau sollte mal was abholen und wurde regelrecht verarscht. Und ich wollte mir mal ein neues Set kaufen und wurde ziemlich allein gelassen. Und zu der Zeit war nicht viel los. Herr Verkäufer musste wohl unbedingt die neuesten Rudiments aufder Übungsmatte am Tresen üben....


    Also teilweise ist das auch hausgemacht.


    Was waren das noch schöne Zeiten bei Charly Antolini in Altona Angang der 80er. Oder bei Amptown in Wandsbek... Jedes mal ein Erlebnis und meistens glücklich rausgegangen. Justmusic war, zumindest für mich, seelenlos...

  • Ich war heute mal in HH bei JM. Ohje, also da ist die Luft wirklich raus. Man hat sich kaum noch getraut, jemanden von den Mitarbeitern anzusprechen. Gut, man kann´s auch verstehen, wenn der Job demnächst dahin ist.


    Service sieht aber wirklich anders aus. Beratung gleich Null.

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